Zur Revision der Verhältnisbestimmungen von Carl Schmitt, Ernst-Wolfgang Böckenförde und Jürgen Habermas. Eine aktualisierende Skizze.
Carl Schmitts Theorie, die Liberalismus und Demokratie strikt trennt, beeinflusst heute den geopolitischen Diskurs, insbesondere in autoritären Regimen. In Auseinandersetzung mit Schmitts Werk entwickelten Staatsrechtler in der Bundesrepublik Deutschland Gegenpositionen, die Grund- und Menschenrechte sowie die unabdingbare Verbindung von Demokratie und Liberalismus betonen. Ausgehend von diesen Autoren, plädiert der Autor für die Macht des Rechts und den Vorrang politischer Liberalität.
Prof. Reinhard Mehring
10. Februar 2026
Essay
Gemma Levine/Getty Images
Was war der Cold War Liberalism?
Zur historischen Eigenart, inneren Spannung und aktuellen Relevanz eines skeptischen Liberalismus
Angesichts einer global diagnostizierten Krise des Liberalismus fragen Historiker und Politikwissenschaftler nach dem intellektuellen Erbe liberaler und konservativer Denker des 20. Jahrhunderts. Der Beitrag rekonstruiert die oft missverstandenen Ideen und Überzeugungen der Cold War Liberals zwischen Antitotalitarismus, Wertepluralismus und sozialstaatlicher Verantwortung, lotet ihre ethischen und politischen Grundannahmen aus und fragt nach ihrer Tragfähigkeit für eine Gegenwart, in der Optimismus, Fortschrittsglaube und institutioneller Konsens brüchig geworden sind.
Prof. Joshua Cherniss
4. Februar 2026
Essay
picture-alliance / dpa | DB Ringier Bilderdienst
Wilhelm Röpke – Ökonom und liberaler Vordenker im Kalten Krieg
Biografie, Werk und aktuelle Bedeutung
Als einer der einflussreichsten liberalen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts trat Wilhelm Röpke früh für eine marktwirtschaftlich fundierte, kulturell verankerte und politisch widerstandsfähige Ordnung des Westens ein. Im Kalten Krieg warnte er vor totalitären Versuchungen – von rechts wie von links – und plädierte für Selbstverantwortung, Föderalismus und wirtschaftliche Vernunft. Konsequent betonte er in seinem Werk den Zusammenhang von politischer und wirtschaftlicher Freiheit.
Prof. Dr. Hans Jörg Hennecke
6. November 2025
Essay
Haus der Geschichte Baden-Württemberg
Zum 150. Geburtstag Matthias Erzbergers
Von Zeitenwenden und Lernen in der Politik
Erinnerung als Spiegel politischer Gegenwart: Anlässlich des 150. Geburtstags von Matthias Erzberger zeichnet Christopher Dowe den Lebensweg eines Wegbereiters der deutschen Demokratie nach. Erzberger war nicht nur Reformer und Parlamentarier, sondern auch Zielscheibe antidemokratischer Hetze – bis hin zu seiner Ermordung durch Rechtsterroristen im Jahr 1921. Der Artikel beschreibt seine politische Biografie unter den Perspektiven des „lernenden Politikers“ und der „Möglichkeitsfenster“, um Kontinuitäten und Brüche in der deutschen Demokratiegeschichte sichtbar zu machen.
Das Scheitern der EVG: Rückblick mit Respekt, aber ohne Nostalgie
Die Europäische Verteidigungsgemeinschaft war nicht lebensfähig
Nur wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs versuchten Frankreich, Großbritannien, Belgien und die Niederlande gegen die sowjetische Bedrohung eine gemeinsame europäische Armee aufzustellen, zu der auch ein wiederbewaffnetes Westdeutschland beitragen sollte. Wilfried von Bredow erläutert die unterschiedlichen Beweggründe der Beteiligten, den historischen Hintergrund, warum das Projekt scheiterte – und wieso der NATO-Beitritt der Bundesrepublik am Ende die „bessere Lösung“ war.
Wilfried von Bredow
12. August 2025
Essay
Public Domain
Das Geheimnis der „Woken Rechten”
Gibt es eine rechte Variante von „Wokeness“?
Mit den Mitteln der Ideologiekritik vergleicht John G. Grove die Wokeness der Linken mit Denkmustern der extremen Rechten. Sie teilten eine gemeinsame Sicht auf die menschliche Natur und die Überzeugung von der Schlechtigkeit der Welt. Woke Linke und manche extreme rechte Denker verneinten, dass der Mensch in seinen Handlungen und Möglichkeiten frei sei. Sie setzen auf Kontrolle und Repression, nicht nur in der Politik, sondern auch in der Zivilgesellschaft und im Privatleben. Destruktivität und nicht das kreative Bemühen um kulturelle Erneuerung ist Grove zufolge der Handlungsmodus beider Gruppierungen. Dem gelte es mit klarem Denken und Selbstreflexion – also den Mitteln der westlichen Aufklärung – entgegenzutreten.
John G. Grove
5. August 2025
Essay
Library of Congress/gemeinfrei
Boykott, Blockaden und Strafzölle: Wirtschaftskriege in historischer Perspektive
Vom Kolonialhandel in der Frühen Neuzeit bis zur Handels- und Zollpolitik Donald Trumps
Die Außenwirtschaftspolitik der zweiten Trump-Administration setzt die Handelspartner der USA mit der Androhung von Strafmaßnahmen unter Druck. Trumps Politik der „Deals“ scheint dabei vernünftiger als ein Wirtschaftskrieg oder gar militärische Konfrontation. Historische Beispiele belegen den Erfolg von Staaten, denen es gelang, innerhalb des wirtschaftlichen Strukturwandels eine führende Position zu behaupten, auch wenn sie nicht stets an erster Stelle der Statistik rangierten. Eine wirtschaftshistorische Betrachtung von Handelskonflikten in der Frühen Neuzeit, im 19. Jahrhundert, nach den Umbrüchen des Ersten und Zweiten Weltkriegs, im Kalten Krieg bis in die Gegenwart zeigt, wieso Wirtschaftskriege allgemeinen Schaden anrichten und vermieden werden sollten.
Prof. Dr. Werner Plumpe
29. Juli 2025
Essay
Bundeswehr
Deutschlands Position im westlichen System der nuklearen Abschreckung
Zur Bedeutung der nuklearen Teilhabe der Bundesrepublik seit der Ära Adenauer
Nach wie vor ist Deutschland durch Nuklearwaffen bedroht. Deswegen ist die nukleare Abschreckung der wichtigste Schutzmechanismus Deutschlands und zugleich der entscheidende Garant unserer Sicherheit. Die nukleare Teilhabe ist zudem nicht nur Ausdruck der transatlantischen Ausrichtung Deutschlands, sondern bindet die USA auch in sicherheitspolitischer Hinsicht stärker an Europa. Andreas Lutsch erläutert, wie sich das Abschreckungssystem der NATO von der Ära Adenauer bis heute entwickelt hat und ordnet aktuelle Diskussionen ein.
Prof. Dr. Andreas Lutsch
22. Juli 2025
Essay
picture alliance/dpa
Selbstverständnis und Traditionsbildung der Bundeswehr
Das Erbe des 20. Juli 1944 und das Leitbild des „Staatsbürgers in Uniform“
Der Aufbau von Streitkräften in der Bundesrepublik war umstritten. Die Bundeswehr wurde in klarer Abgrenzung von der Zeit des Nationalsozialismus aufgebaut. Militärgeschichtlich gesehen gab es allerdings Kontinuitätslinien, vor allem da die Führungskräfte der Bundeswehr ihre militärische Anfangsprägung und Ausbildung schon vor 1945 erhalten hatten. Neu war das Leitbild des „Staatsbürgers in Uniform“, der sich zur Verteidigung der Freiheitsrechte des Grundgesetzes verpflichtete. Die Berufung auf den militärischen Widerstand gegen Hitler und das Attentat vom 20. Juli 1944 war anfangs umstritten und setzte sich erst allmählich als Traditionsstrang der Bundeswehr durch.
Dr. Martin Rink
15. Juli 2025
Essay
ullstein bild
Freie Marktwirtschaft und Gemeinwohl
Was Abraham Lincoln und Wilhelm Röpke gemeinsam haben
Die Überzeugung, dass alle Menschen gleich geschaffen und von Gott mit bestimmten natürlichen, unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind, verbindet den wirtschaftlichen Humanismus Wilhelm Röpkes (1899–1966) und die Vorstellungen Abraham Lincolns (1809–1865) von einer republikanischen Gesellschaft. Beide favorisierten eine Regierungsform, die das Gemeinwohl über das des Einzelnen oder einer Gruppe stellt. Die idealtypische Form eines solchen Republikanismus ist der Unternehmer, sofern er seine Tätigkeit in einen höheren Sinnzusammenhang einordnet.
Michael Lucchese
2. Juli 2025
Essay
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Über diese Reihe
Die hier publizierten Essays befassen sich in knapper Form mit politischen und historischen Themen und stellen wissenschaftliche und publizistische Standpunkte zur Debatte.