Bevor er zu einem bedeutenden Vertreter des liberalen politischen Denkens wurde, war Bertrand der Jouvenel vom Faschismus fasziniert. Seine Vergangenheit blieb umstritten, sein intellektueller Wandel ist umso bemerkenswerter. Wie wurde aus dem Bewunderer autoritärer Macht ein Verteidiger der Freiheit? Und was lehrt uns sein Denken über die Grenzen staatlicher Macht, die Bedeutung politischer Urteilskraft und die Verantwortung des Einzelnen? Joël Mouric zeichnet das Porträt eines widersprüchlichen Denkers, der auf dem Weg zur Freiheit über seine eigenen Irrtümer siegte.
Dr. Joël Mouric
22. Oktober 2026
Essay
ullstein bild
Der bessere Postliberalismus
Jacques Maritain als philosophischer Kritiker des Liberalismus
Jason West widmet sich der Frage, warum die politische Vision von Jaques Maritain, einem Vordenker der Christlichen Demokratie, Ansätzen postliberalen Denkens entgegensteht. West vergleicht Maritains Theorie mit dem Liberalismus-Begriff von John Rawls und dem Postliberalismus von Adrian Vermeule und zeigt die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Gewichtung von Rechten, Gemeinwohl und staatlicher Gewalt – ein Beitrag zum politischen Denken von großer Aktualität.
Prof. Dr. Jason L.A. West
15. Oktober 2026
Essay
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Die nukleare Hochrüstung der Bundesrepublik im Kalten Krieg
Militärische Abschreckung zwischen Hoffnung und Realpolitik
Mehr als 7000 amerikanische Atomwaffen lagerten während des Kalten Kriegs auf westdeutschem Boden. Dabei bestand das Paradox, dass diese Waffen einsatzbereit sein mussten, um niemals eingesetzt zu werden. Warum akzeptierten deutsche Regierungen das existenzielle Risiko, das mit dem möglichen Einsatz von Atomwaffen einherging und das bis zur eigenen Vernichtung reichen konnte? Karl-Heinz Kamp schildert die Grundzüge der nuklearen Verteidigungsstrategie nach dem Zweiten Weltkrieg.
Dr. Karl-Heinz Kamp
15. Oktober 2026
Essay
CBS Photo Archive / Kontributor
Walter Lippmann: Journalist und Medienkritiker
Biografie, Werk und Bedeutung
Der amerikanische Publizist Walter Lippmann (1889–1974) war der wohl einflussreichste amerikanische Journalist des 20. Jahrhunderts und Autor vielbeachteter politisch-philosophischer Bücher. Er entzieht sich einer einfachen Einordnung in ideologische Schubladen. Anfangs Sozialist, wurde Lippmann später als prominenter (Links-)Liberaler mit zeitweise konservativen Anklängen bekannt, ein Kämpfer gegen Totalitarismus und Willkürherrschaft. Sein Werk hat auch in Europa Intellektuelle begeistert und Spuren hinterlassen.
Dr. Philip Plickert
1. Oktober 2026
Essay
Ulrich Baumgarten
Die DDR und Israel
Ein schwieriges Kapitel mit einem versöhnlichen Ende in der Gegenwart?
Staatlich verordneter Antizionismus und offensichtliche antisemitische Züge prägten Politik und Erinnerungskultur in der DDR. Michael Borchard zeigt, wie NS-Verbrechen ideologisch umgedeutet wurden und dass Antisemitismus und vermeintliche „Solidarität“ mit der arabischen Welt die Beziehungen zu Israel bestimmten. Ideologische Prägungen aus dieser Zeit wirken unter linken politischen Kräften bis heute nach.
Dr. Michael Borchard
22. September 2026
Essay
picture-alliance / akg-images | akg-images
Pawel Pawlikowskis Film „Vaterland“ (2026)
Politische Rückfragen an ein intimes Kino-Erlebnis
„Vaterland“ popularisiert die Familie Mann in einnehmenden Schwarz-Weiß-Bildern und inszeniert Thomas Mann als melancholischen Zweifler. Als Kunstwerk ist der Film gelungen, aber er unterschlägt die positiven politischen Botschaften Manns: Das Bekenntnis des Schriftstellers zu Humanismus und liberaler Demokratie sowie die Hoffnung auf Zukunft und eine Erneuerung und Weiterentwicklung der politischen Kultur.
Prof. Reinhard Mehring
17. September 2026
Essay
Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Neue Pinakothek München / CC BY-SA 4.0 / creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/
Demokratie: Ideengeschichte und historische Erscheinungsformen
Vom antiken Athen bis zur Gegenwart: In seiner 2500-jährigen Geschichte hat sich der Begriff der Demokratie immer wieder verändert. Angesichts von Populismus, Polarisierung und autoritären Herausforderungen stellt sich die Frage, wie Demokratie unter heutigen Bedingungen zu verstehen und zu erneuern ist.
Dr. Felix Wassermann
10. September 2026
Essay
Die Rechtskultur des Westens als Wurzel des demokratischen Rechtsstaates
Wie Menschenwürde, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit aus dem Zusammenspiel verschiedener Traditionen hervorgingen
Demokratie lebt nicht allein von Institutionen, sondern von gemeinsamen Überzeugungen über Recht und Gerechtigkeit. Der Essay rekonstruiert die historischen Wurzeln des modernen Rechtsstaates – von der lateinischen Westkirche über Naturrecht und Aufklärung bis zum Grundgesetz – und bekräftigt die Bedeutung dieses Erbes für den Zusammenhalt freier Gesellschaften in der Gegenwart.
Prof. Dr. Adrian Loretan
20. August 2026
Essay
Universitätsarchiv Münster/ Fotograf unbekannt
Affirmation und Skepsis
Der Beitrag der Ritter-Schule zur Formierung des Liberalkonservatismus in der Bundesrepublik
Der Essay verortet die „Ritter’sche Mitte“ im Spannungsfeld von Kritik, Institutionenbindung und öffentlicher Verantwortung. Im Zentrum steht ein Verständnis des Intellektuellen, das sich bewusst von radikaler Gesellschaftskritik wie auch von antiintellektueller Pose absetzt und stattdessen auf Skepsis, Mäßigung und kompensatorische Deutungsleistungen in der Moderne setzt. Anhand von Odo Marquard, Hermann Lübbe und Robert Spaemann wird gezeigt, wie sich ein liberalkonservativer Intellektuellentypus herausbildete, der Kritik nicht als Gegenentwurf zur bestehenden Ordnung, sondern als deren reflexive Ergänzung begreift.
Prof. Dr. Alexander Gallus, Dr. Frank Schale
16. Juli 2026
Essay
Morton Weinstein/University Archives, Rare Book & Manuscript Library, Columbia University Libraries
Gegen den paranoiden Stil in der amerikanischen Politik
Richard Hofstadters Beitrag zur Ideengeschichte der USA
Richard Hofstadter zählt zu den einflussreichsten amerikanischen Historikern der Nachkriegszeit. In seinen Arbeiten verband er politische Geschichte mit sozialpsychologischen Deutungsansätzen und warnte vor den Gefahren, die Massenbewegungen für die Demokratie darstellen können. David Brown zeichnet die Entwicklung von Hofstadters Denken nach und erörtert die Bedeutung seines Werks für das Verständnis politischer Phänomene der Gegenwart.
Prof. David S. Brown
9. Juli 2026
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Über diese Reihe
Die hier publizierten Essays befassen sich in knapper Form mit politischen und historischen Themen und stellen wissenschaftliche und publizistische Standpunkte zur Debatte.