Die Publikation stellt die Ergebnisse einer seit 2000 durchgeführten ukrainischen soziologischen Studie dar, die das Niveau der Religiosität, die Konfessionszugehörigkeit, die Teilnahme am religiösen Leben und die Einstellung von Bürgern zur Kirche und Religion analysiert. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Wirkungen der umfassenden russischen Aggression: da geht es um Veränderungen in der Ausübung religiöser Praktiken, um verstärkte soziale Aktivitäten der Kirchen und Wandel der gesellschaftlichen Erwartungen. Die Publikation enthält Vergleichsdaten nach Regionen, Altersgruppen und Konfessionen sowie die Dynamik der letzten 25 Jahre.
Die Ergebnisse der soziologischen Untersuchung lassen folgende Trends erkennen:
- Die ukrainische Gesellschaft zeigt im Jahr 2025 ein stabil hohes Maß an Vertrauen in die Kirche – etwa 60 % und Religiosität – 70 % betrachten sich als gläubig, nach 2022 empfanden 25 % der Bürger eine Zunahme der Religiosität;
- Die Rolle der Kirche in der Gesellschaft wird überwiegend positiv bewertet – 54 % der Bevölkerung halten sie für sozial nützlich. Die gefragtesten Tätigkeitsbereiche sind psychologische Unterstützung, Hilfe für vulnerable Gruppen und Unterstützung der Streitkräfte der Ukraine.
- Die Anerkennung der Religion als Faktor der Demokratie nimmt zu – mehr als die Hälfte der Bevölkerung sieht ihren Einfluss auf demokratische Prozesse;
- Der Anteil der Orthodoxen ist zurückgegangen (70 % im Jahr 2014 → 58 % im Jahr 2025), während der Anteil der Gläubigen der Ukrainischen Orthodoxen Kirche auf 42 % gestiegen ist; der Anteil der Ukrainischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats beträgt 5 %. Die Zahl der griechisch-katholischen Gläubigen stieg von 8 % auf 12 %, 10 % bezeichneten sich als „einfach Christen”, 3 % als Protestanten, 1 % als römisch-katholisch, 0,4 % als Angehörige anderer Religionen und 15,5 % als keiner Religion zugehörig;
- Religiöse Praktiken: 53 % der Bürger besuchen Gottesdienste, 16 % tun dies wöchentlich; 17 % nehmen daran online teil;
- Nur 29 % sind Mitglieder religiöser Gemeinschaften, aber dieser Anteil steigt (16 % im Jahr 2000);
- Niedriges Niveau interkonfessioneller Spannungen – 59 % der Ukrainer bewerten die interkonfessionellen Beziehungen als ruhig. Als Hauptgrund für mögliche Konflikte werden politische Faktoren angesehen;
- Verstärkte Forderung nach einer nationalen Ausrichtung der Kirchen, insbesondere im Zusammenhang mit der Distanzierung von Strukturen, die mit Moskau verbunden sind;
- 80,5 % der Bürger unterstützen das Verbot von religiösen Organisationen, die mit dem Aggressorstaat verbunden sind;
- In der Ukraine dominiert bürgerliche Identität, nur 5 % definieren ihre Zugehörigkeit in erster Linie über ihren Glauben oder ihre Kirche.
Die Studie ist auf Ukrainisch und Englisch verfügbar und wird vor allem für Wissenschaftler und Analysten interessant sein, die sich mit Religion und gesellschaftlichen Prozessen befassen, aber auch für staatliche Institutionen und Politiker, die im Bereich der humanitären und religiösen Politik tätig sind, für religiöse Führungspersönlichkeiten und interkonfessionelle Plattformen sowie für zivilgesellschaftliche und internationale Organisationen, die sich mit Fragen der Gewissensfreiheit, der sozialen Unterstützung und des interreligiösen Dialogs befassen.