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Comptes-rendus d'événement

Die Macht der Metalle

par Dr. Jakob Kullik

Rohstoffpolitisches Fachgespräch zu Seltenen Erden

Die Sicherung kritischer Rohstoffe entwickelt sich zunehmend zu einer zentralen Herausforderung europäischer Wirtschafts- und Sicherheitspolitik. Im Rahmen eines rohstoffpolitischen Fachgesprächs der Konrad-Adenauer-Stiftung am 3. Juni 2026 in Berlin diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung, welche strategischen Optionen Deutschland und Europa im Umgang mit Seltenen Erden offenstehen.

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Ein geopolitischer Markt: Systemwettbewerb statt freier Handel

Im Zentrum des Impulses von Dr. Jakob Kullik (Technische Universität Chemnitz) stand die Einordnung des Marktes für Seltene Erden als geopolitischem Wettbewerb. Die Volksrepublik China nimmt darin eine dominante Stellung ein und kontrolliert nicht nur Teile des Abbaus, sondern vor allem die technologie- und teilweise energieintensiven Verarbeitungsstufen entlang der Wertschöpfungskette. Bereits heute kontrolliert China bei Seltenen Erden rund 70 Prozent des Bergbaus, etwa 90 Prozent der Verarbeitung und bis zu 94 Prozent bei der Produktion von Permanentmagneten. Die Volksrepublik verfolgt eine langfristige, staatlich flankierte Strategie zur Sicherung seiner globalen Rohstoffmacht, dem rein marktwirtschaftlich agierende Unternehmen kaum etwas entgegensetzen können. Vor diesem Hintergrund stellt sich zunehmend die Frage, ob Europa überhaupt in einen direkten geopolitischen Wettbewerb mit China eintreten kann – oder ob alternative Strategien erforderlich sind.

 

Der entscheidende Engpass

Europas Schwäche liegt weniger im Zugang zu Rohstoffen als in deren Verarbeitung. Kompetenzen in der Separation und Weiterverarbeitung sind über Jahrzehnte verloren gegangen, sodass selbst verfügbare Rohstoffe häufig außerhalb Europas veredelt werden müssen. Gleichzeitig benötigen neue Projekte lange Vorlaufzeiten von bis zu 15 Jahren. Europa leidet damit unter einem strukturellen Zeitrückstand, der kurzfristig kaum aufzuholen ist.

 

Industriepolitik zwischen Marktlogik und Steuerung

Der Aufbau resilienter und diversifizierter Rohstoffketten scheint ohne staatliche Unterstützung nur schwer realisierbar. Gleichzeitig wirft ein stärkeres staatliches Engagement grundlegende ordnungspolitische Fragen auf. Verschiedene industriepolitische Instrumente stünden zur Verfügung: staatlich garantierte, langfristige Abnahmegarantien, gezielte Subventionen zur Absicherung privatwirtschaftlicher Investitionen oder Maßnahmen zur stärkeren Bindung kritischer Rohstoffe an den europäischen Binnenmarkt. Hier eröffnet sich ein zentrales Spannungsfeld: Während Unternehmen kurzfristig kostenorientiert handeln und auf günstigere Anbieter aus Fernost zurückgreifen, erfordert strategische Resilienz, notgedrungenermaßen höhere Kosten und langfristigere Planung.

 

Nationale und europäische Handlungsoptionen

Eine aktivere deutsche und europäische Rohstoffpolitik könnte auf unterschiedlichen Ansätzen aufbauen. Dazu zählen ein stärkeres staatliches Engagement über bestehende Institutionen oder Staatsunternehmen, strategische Beteiligungen des Staates an europäischen Bergbau- und Rohstoffprojekten sowie die Bündelung von Investitionen und Nachfrage auf europäischer Ebene, etwa durch eine eigenständige EU-Rohstoffagentur. Keine dieser Maßnahmen ist für sich genommen ausreichend. Vielmehr bedarf es eines integrierten Ansatzes, der verschiedene Instrumente kombiniert – und politisch wie finanziell getragen wird.

 

Globale Konkurrenz und Lernprozesse

Andere Länder zeigen, dass Gegenstrategien möglich sind. Japan hat nach früheren Lieferengpässen seine Lieferketten diversifiziert, Teile der Produktion zurückgeholt und Partnerschaften mit Ländern wie Australien (Rohstoffe) und südostasiatischen Staaten wie Malaysia (Verarbeitung) aufgebaut. Gleichzeitig geraten westliche Unternehmen im internationalen Wettbewerb – etwa in Afrika oder Südamerika – häufig ins Hintertreffen, wenn staatlich unterstützte Akteure, insbesondere aus China, als „one-Stop-Shop“ für die Rohstoffförderung auftreten sowie höhere und langfristige Investitionen tätigen können. Partnerschaften mit rohstoffreichen Demokratien – etwa im indopazifischen Raum oder Ländern wie Brasilien – sind daher wichtig, entfalten ihre Wirkung jedoch nur, wenn Europa parallel eigene industrielle Kapazitäten stärkt.

 

Rohstoffe als Sicherheitsfaktor

Kritische Rohstoffe sind längst nicht mehr nur ein wirtschaftliches Thema, sondern eine Frage nationaler und europäischer Sicherheit. Sie bilden die Grundlage für Schlüsseltechnologien sowie moderner Verteidigungssysteme. Von daher muss die Sicherung von Lieferketten stärker in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik mitgedacht werden. Steigende Verteidigungsausgaben greifen zu kurz, wenn die materielle Grundlage zur Aufrüstung und Entwicklung fehlt. Rohstoffsouveränität wird damit zu einem integralen Bestandteil strategischer Handlungsfähigkeit.

 

Recycling und heimische Förderung

Europa kann Abhängigkeiten zudem verringern, wenn es entweder mehr recycelt oder selbst fördert – beides stößt jedoch an Grenzen. Neben der Primärförderung gewinnt das Recycling kritischer Rohstoffe zunehmend an Bedeutung, da es die Abhängigkeit von Importen reduzieren kann. Zwar verfügt Europa über erhebliche Potenziale, verliert jedoch weiterhin große Mengen wertvoller Materialien durch Export oder unzureichende Wiederverwertung. Gleichzeitig ist der Ausbau der heimischen Rohstoffförderung politisch schwierig: Umweltbedenken, Verwaltung und lokale Widerstände verzögern oder verhindern viele Projekte. Damit werden sowohl Wiederaufbereitung als auch gesellschaftliche Akzeptanz zu entscheidenden Voraussetzungen für mehr europäische Rohstoffsouveränität.

 

Wer Rohstoffsouveränität will, braucht einen langen Atem

Das Fachgespräch verdeutlichte, dass die Rohstofffrage weit über sektorale Einzelinteressen hinausgeht. Sie berührt zentrale Fragen wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit, technologischer Souveränität und sicherheitspolitischer Handlungs- und Verteidigungsfähigkeit. Europa steht dabei vor einem strukturellen Dilemma: Der Aufbau eigener Kapazitäten erfordert langfristige Investitionen, politischen Durchhaltewillen und eine stärkere strategische Steuerung – in einem Umfeld, das bislang stark von Marktlogik geprägt ist. Ob es gelingt, diesen Kraftakt zur Rohstoffsouveränität erfolgreich zu gestalten, wird entscheidend davon abhängen, ob politische Zielsetzungen mit konkreten industriellen Maßnahmen unterlegt werden – und ob Europa bereit ist, die dafür notwendigen wirtschaftlichen und politischen Kosten zu tragen.

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À propos de cette collection

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