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Max Volz / KAS
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„Kognitive Kriegsführung hat längst begonnen“

Side Event der Konrad-Adenauer-Stiftung auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2026

Am 14. Februar 2026 luden die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) und die KAS-Altstipendiaten im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz zur Veranstaltung „Weaponising the Mind: Rethinking Trust in Times of Modern Warfare“ in das Amerikahaus in München ein. Vor dem Hintergrund zunehmender geopolitischer Spannungen widmete sich die Diskussion vor 320 Gästen einer sicherheitspolitischen Dimension, die lange unterschätzt wurde: der kognitiven Ebene moderner Kriegsführung.

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Megosztás

Moderne Kriege werden nicht ausschließlich an Land, zur See, in der Luft, im Weltraum oder im Cyberspace geführt. Sie zielen zunehmend auf die Beeinflussung von Wahrnehmung, Vertrauen und Entscheidungsprozessen ab. Sie gilt es zu schützen oder zu stören, um sich einen taktischen oder strategischen Vorteil zu verschaffen. Kognitive Kriegsführung verbindet psychologische Operationen, strategische Kommunikation und KI-gestützte Technologien.  Die Grenzen zwischen Krieg und Friedenwerden dabei verwischt.

In ihrer Begrüßung machte Annegret Kramp-Karrenbauer, Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung, deutlich, dass kognitive Kriegsführung alles andere als abstrakt ist: „Kognitive Kriegsführung hat längst begonnen. Sie unterscheidet nicht zwischen Friedens- oder Kriegszeiten und zielt sowohl auf das Militär als auch die Zivilgesellschaft ab.“ Für liberale Demokratien sei das eine besondere Herausforderung: „Wir müssen Antworten auf diese Art der Kriegsführung finden, ohne unsere demokratischen Prinzipien zu opfern.“

Um diese Antworten zu finden, brauche es in einem demokratischen und pluralistischen System eine offene Debatte über sicherheitspolitische Herausforderungen, schloss Dinah Elisa Kreutz vom Verein der Altstipendiaten der KAS an. „Den Raum für diese offene Debatte bietet diese Veranstaltung, die sich deswegen bewusst an die breite Öffentlichkeit wendet.“

 

„Russland spielt mit unserer Angst“

In seinem Impuls rief der estnische Außenminister Margus Tsahkna zu mehr Wehrbereitschaft auf. Aus ihrer Geschichte als zwangseingegliederter Teil der Sowjetunion, so Tsahkna, kenne Estland bereits massive Freiheitseingriffe und Bedrohungen und sei auch deswegen gut vorbereitet auf einen russischen Angriff. „Für uns ist klar: Diesmal werden wir uns wehren und wir werden nie wieder alleine stehen.“ Estland informiere seine Verbündeten unmittelbar, wenn sicherheitsrelevante Entwicklungen auftreten. „Russland spielt mit unserer Angst und spaltet unsere Gesellschaften“, so der Außenminister abschließend. „Wir können und dürfen darüber nicht schweigen und müssen unsere Bevölkerungen über die kognitive Kriegsführung Russlands aufklären!“

 

„Wir dachten, wir leben in Frieden“ 

Admiral Pierre Vandier, Oberster Alliierter Befehlshaber für Transformation der NATO, brachte die militärische Perspektive ein. In seinem Kommando wurde erstmals ein NATO-Konzept für kognitive Kriegsführung erarbeitet. Ein Umdenken sei notwendig: „Wir sind Opfer unserer eigenen Definition von Frieden. Wir dachten, wir lebten nach Ende des Kalten Krieges in Frieden“. Das sei aber nicht der Fall gewesen. Kognitive Kriegsführung ist nicht neu, sie ist im Gange. Russland versuche auch heute ständig die Linie zu überschreiten. Mit den Drohnenflügen in NATO-Gebiet werde versucht, den Menschen den Eindruck zu verleihen, dass die Grenzen nicht sicher und sie nicht geschützt seien. 

Gesellschaftliche Resilienz als Rezept gegen kognitive Kriegsführung

In der Diskussion unter der Moderation von Prof. Dr. Natascha Zowislo-Grünewald, Kommunikationswissenschaftlerin an der Universität der Bundeswehr München, betonten die Diskutantinnen und Diskutanten, dass Demokratien keine passiven Opfer kognitiver Angriffe sind. Vielmehr können sie aktiv Resilienz aufbauen und sogar strategische Vorteile entwickeln. „Das Wichtigste für mehr Resilienz ist Vertrauen in Institutionen, Medien und demokratische Prozesse“, hob Admiral Vandier hervor. Die Mitgliedstaaten haben sich bereits im Nordatlantikvertrag dazu verpflichtet, diese freien Institutionen zu stärken. „Wir müssen dieses Vertrauen wieder aufbauen!“

Thomas Röwekamp MdB, Vorsitzender des Verteidigungsausschusses im Deutschen Bundestag, fügte hinzu, dass die Regierungen diese Herausforderung nicht alleine angehen können: „Im Kampf gegen kognitive Kriegsführung brauchen wir jeden einzelnen Bürger.“ Röwekamp veranschaulichte es an einem Beispiel: So sei es wichtig zu verstehen, „dass Russland seinen Feldzug seit 20 Jahren mit Hilfe kognitiver Kriegsführung vorbereitet hat“, indem es die NATO und den „Westen“ als existenzielle Bedrohung für Russland porträtiert. Tanna Krewson, Expertin für globale kognitive Kriegsführung, erläuterte dazu: „Kognitive Kriegsführung sind nicht die Werkzeuge, die wir einsetzen – es ist der Kampf, in dem wir stehen. Und dieses Schlachtfeld befindet sich hier, heute, mitten unter uns.“ Sie fügte hinzu: „Desinformation mit Fakten zu begegnen, hat bisher nicht funktioniert. Was wirklich hilft, ist, die Gesellschaften umfassend aufzuklären. Denn die kognitive Kriegsführung versuche über das Generieren von Ängsten und Bedrohungsperzeptionen Emotionen und Identitäten zu manipulieren.

 

Konzepte in die Praxis umsetzen: Vom Diskurs zum Handeln

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Frage, wie strategische Konzepte konkret umgesetzt werden können. Die Diskussionsteilnehmer warnten davor, kognitive Sicherheit lediglich als Schlagwort zu behandeln. Wenn Demokratien nicht rechtzeitig handeln, könnten sie Auseinandersetzungen verlieren, bevor diese offen ausbrechen, weil Narrative, Wahrnehmungen und Entscheidungsgrundlagen bereits manipuliert wurden.

Erforderlich sind institutionelle Anpassungen, klare Zuständigkeiten und eine engere Verzahnung von Politik, Militär, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, machte Jānis Sārts, Direktor des NATO-Kompetenzzentrums für strategische Kommunikation in Riga, deutlich. Gleichzeitig wies er auf ein Problem für liberale Demokratien hin: „Wir haben einen taktischen Nachteil. Denn unsere Gegner befolgen keine Regeln, während wir internationales Recht achten.“ Dies machte er am Umgang mit KI-Technologien deutlich: Was als Instrument zur Effizienzsteigerung dient, könne zugleich als Werkzeug zur gezielten Beeinflussung missbraucht werden. Entsprechend brauche es normative Leitplanken ebenso wie operative Fähigkeiten. „Smartphones sind eine Erfindung aus dem freien Westen, weil wir dachten, es sei eine gute Idee, die Menschen enger miteinander zu vernetzen“, so Sārts. „Doch wir müssen feststellen, dass die Feinde der Freiheit die Technologie nutzen, um unsere Gesellschaften zu spalten.“ Deshalb sei ein bewussterer und vorsichtigerer Umgang mit unseren Smartphones dringend notwendig.

 

Eine zentrale Sicherheitsherausforderung unserer Zeit definieren

Abschließend wurde deutlich: Kognitive Kriegsführung ist eine der zentralen Sicherheitsherausforderungen unserer Zeit. Sie verlangt ein erweitertes Verständnis von Verteidigung, das über klassische militärische Kategorien hinausgeht. Politik, Streitkräfte und Gesellschaft müssen gleichermaßen befähigt sein, im „Battlespace of the Mind“ zu bestehen. Zudem könnte KI auch gezielt zur Resilienzbildung im Kampf gegen kognitive Kriegsführung genutzt werden. Die Diskussion förderte fünf zentrale Erkenntnisse zutage:

 

  • Kognitive Resilienz statt Panikmache: Kognitive Kriegsführung findet bereits statt, nötig ist der Aufbau gesellschaftlicher Resilienz.
  • Entscheidungsvorteil und Vertrauen: Wir sind keine passiven Opfer kognitiver Kriegsführung, sondern können selbst aktiv werden, unsere kognitive Resilienz stärken, Vertrauen bewahren und damit strategische Vorteile entwickeln.
  • Konzepte in die Praxis umsetzen: Wenn wir nicht handeln, könnten wir Schlachten verlieren, bevor sie überhaupt begonnen haben.
  • Politik, Militär und Gesellschaft müssen gemeinsam kognitive Kriegsführung als strategische Herausforderung erkennen und vorbereitet und in der Lage sein, in ihren jeweiligen Bereichen zu handeln.
  • Liberale Demokratien haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber autoritären Staaten und Diktaturen: Das Fundament an Vertrauen in Demokratien ist tragfähiger als in Diktaturen. Diesen Vorteil gilt es zu nutzen.

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Kapcsolat Matthias Barner
Portrait von Matthias Barner
Referent Europäische Sicherheitspolitik
matthias.barner@kas.de +49 (0) 30 269 96-3841

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