Nico Lange: Herr Dr. Schüler, willkommen in der Konrad-Adenauer-Stiftung in Washington DC. Sie sind seit vielen Jahren mit vielen Personen in den USA persönlich und auch politisch befreundet, Sie sind jetzt wieder hier gewesen, um auch Gespräche zu führen. Hat sich denn viel verändert?
Klaus Schüler: Naja, natürlich hat sich einiges verändert. Der Präsidentschaftswahlkampf hat ja nun mit einem Ergebnis geendet, dass viele so nicht vorhergesehen haben. Der amerikanische Präsident ist mit furioser Agenda gestartet. Aber eben auch mit einer Polarisierung im Land und mit, zumindest in Europa, hier und da irritierend empfundenen Äußerungen zur Außen- und Sicherheitspolitik, die natürlich signalisieren, dass es sehr sehr wichtig ist in dieser Phase Gesprächsfäden nicht abreißen zu lassen, miteinander zu sprechen, die Argumente auszutauschen, Sichtweisen kennen zu lernen, auch mit Vertretern der neuen Administration, um das zu tun, was geblieben ist: nämlich die Bedeutung der transatlantischen Beziehungen und die Wichtigkeit für beiden Seiten des Atlantiks zu unterstreichen und zu festigen.
Jede Administration braucht eine gewisse Zeit, um ins Amt zu finden
Lange: Sie haben das gerade gesagt, Trump hat Washington gestürmt und man hat den Eindruck, hier liegt noch eine Staubwolke über der Stadt nach diesem Sturm. Was verbirgt sich denn dahinter? Worauf kommt es denn jetzt an in den transatlantischen Beziehungen? Worauf müssen wir jetzt achten, wenn wir mit den Vereinigten Staaten von Amerika umgehen?
Schüler: Ich glaube, zunächst mal muss man einfach konstatieren, dass jede neue Administration eine gewisse Zeit braucht, um ins Amt zu finden, um die Agenda zu positionieren, mit den wichtigsten Freunden und Verbündeten, auch im Ausland, zu sprechen. Ich glaube, in dieser Phase sind wir noch und deswegen ist es wichtig, dass wir die persönlichen Kontakte, die wir haben, nutzen, um möglichst viel zu erfahren, von dem was unsere amerikanischen Freunde auf der Agenda haben, innenpolitisch, aber auch was Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik angeht, die natürlich für uns, Stichwort NATO und transatlantische Beziehungen, von überragender Bedeutung bleiben. Und das wird sicher noch eine Zeit brauchen, bis man hier ein vertieftes Verständnis und vertiefte Erkenntnisse vorliegen hat.
In einer Zeit, die für viele aus den Fugen geraten zu sein scheint, brauchen wir Zusammenarbeit über den Atlantik hinweg dringender denn je
Schüler: Aber ich bin auch nach der Münchner Sicherheitskonferenz und dem Auftreten der amerikanischen Freunde dort, doch auch zuversichtlich, dass jedenfalls die Szenarien, die zum Teil zu lesen und zu hören waren, sich nicht erfüllen werden, sondern dass wir auch in Zukunft eng und partnerschaftlich zusammen arbeiten werden, weil ich glaube, dass das in einer Welt, die für viele Menschen aus den Fugen geraten scheint und die ein gefährlicher Platz ist, dringender denn je die Zusammenarbeit über den Atlantik hinweg brauchen. Und hier eine gemeinsame Agenda zu finden, glaube ich, wird die Aufgabe der nächsten Monate sein.
Lange: Vielen Dank, Herr Dr. Schüler.
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