Die Blitzoffensive in der ost-jemenitischen Provinz Hadramaut erwischte Saudi-Arabien und die dem Königreich nahestehende Regierung Jemens eiskalt. Der Südliche Übergangsrat (STC) – jemenitische Separatisten, die durch die VAE unterstützt werden – eroberte innerhalb weniger Tage nicht nur das ölreiche Hadramaut, sondern auch weitere Regionen im jemenitischen Osten. In der Übergangshauptstadt Aden übernahm die Miliz den Präsidentenpalast der international anerkannten Regierung – zu welcher der STC zwar formell gehört, von der er sich seit jeher aber mit dem Ziel eines eigenständigen Staates auf dem Territorium des bis 1990 bestehenden Süd-Jemens abgrenzt. Als der Präsident der jemenitischen Regierung, der übergangsweise in Aden residiert, Hals über Kopf gen Saudi-Arabien floh, schien der STC-Traum vom unabhängigen Staat zum Greifen nah.
Kurz darauf löste sich der Eroberungsfeldzug des STC wie eine Fata Morgana in Luft auf. Denn der militärische Vorstoß hatte nicht nur das Blatt im seit zwölf Jahren andauernden Bürgerkrieg im Jemen gewendet. Er drohte auch das Gleichgewicht zwischen der Regionalmacht Saudi-Arabien und seinem emiratischen Nachbarstaat, die beide als externe Akteure seit über einer Dekade im Jemen intervenieren, nachhaltig zu verändern. Nach Jahren der Zurückhaltung im jemenitischen Bürgerkrieg griff das Königreich überraschend gegen den STC durch. Erst bombardierten saudische Kampfflugzeuge eine Waffenlieferung aus der emiratischen Stadt Fudschaira im STC-kontrollierten Hafen Mukalla. Dann lancierte die jemenitische Regierung mithilfe von Luftangriffen Saudi-Arabiens eine Gegenoffensive, die mit der Auflösung des STC, der Flucht seines Anführers Aidarous Al-Zubaidi und dem Rückzug emiratischer Truppen aus dem Jemen endete.
Die dramatischen Ereignisse über den Jahreswechsel markieren nicht bloß eine neue Wendung im verworrenen Bürgerkrieg im Jemen, sie offenbaren zudem tieferliegende Zerwürfnisse zwischen zwei zentralen Golf-Staaten, deren Engagement von Sudan bis Gaza, von Syrien bis Somalia eine wichtige Triebfeder regionaler (In-)Stabilität bleibt. Keine fünf Jahre ist es her, dass der GCC, das Bündnis Saudi-Arabiens, der VAE und ihrer vier benachbarten Monarchien auf der Arabischen Halbinsel, durch eine Auseinandersetzung mit dem Emirat Katar lahmgelegt wurde. Steuert der Golf nun auf einen weiteren Konflikt zwischen Bruderstaaten zu?
Zwischen Bedrohung und Ambitionen, Kontrolle und Schlagkraft
Obwohl Saudi-Arabien und die VAE 2015 gemeinsam gegen die Huthi-Miliz in den jemenitischen Bürgerkrieg eingriffen, trennten die beiden Golf-Mächte von Anfang an unterschiedliche Prioritäten und teils entgegengesetzte Ansätze, die immer wieder zu Spannungen führten und oft nur durch umsichtige diplomatische Kunstgriffe entzerrt werden konnten.
Saudi-Arabien betrachtet den Krieg als geo-strategische Bedrohung vor der eigenen Haustür. Mit seinem südlichen Nachbarn teilt das Königreich eine 1.300 Kilometer lange, durchlässige Landgrenze. Die Ausfahrt von saudischen Häfen am Roten Meer in den Indischen Ozean muss aus einem maritimen Nadelöhr, der Meerenge Bab Al-Mandab direkt vor der jemenitischen Küste, erfolgen. Schon bevor sie 2014 Sanaa einnahmen, verübten die Huthis, Teil der von Iran angeführten „Achse des Widerstands“, Angriffe gegen saudisches Staatsgebiet. Im Lichte dieser vielseitigen Bedrohungen direkt an der eigenen Südflanke reagierte Saudi-Arabien nicht bloß mit einer Militärintervention, sondern mit direkter Kontrolle der jemenitischen Regierung – verdeutlicht etwa dadurch, dass von 2016-bis 2022 der ehemalige Präsident Abdo Rabo Mansour Hadi seine Amtsgeschäfte überwiegend aus Riad, nicht aus Aden ausführte.
Obwohl Abu Dhabi die Huthi-Bedrohung ebenfalls wahrnahm, waren die Emirate aufgrund geografischer Distanz weniger direkt von der Instabilität im Jemen betroffen. Damit konnten sich die VAE auf ihre strategischen Ambitionen konzentrieren, vor allem die Kontrolle wichtiger Häfen und jemenitischer Landstriche am Golf von Aden, südlichen Roten Meer sowie auf dem Archipel Sokotra. Zur Sicherung dieser territorialen Einflusszonen entlang internationaler Handelsrouten setzten die Emirate nicht auf die Regierung Jemens, sondern auf nichtstaatliche Akteure jeglicher Couleur. Diese Stellvertreter, wie beispielsweise der 2017 mit emiratischem Segen gegründete STC, wiederum bekämpften nicht nur die Huthis, sondern verfolgten auch eigene Partikularinteressen. So verflochten sich tief verwurzelte innerjemenitische Angelegenheiten mit dem strategischen Vorgehen der VAE. Zudem priorisierten die Emirate – der schlagkräftigste Gegenspieler von Extremismus und politischem Islam in der gesamten Region – die Bekämpfung des jemenitischen Ablegers von Al-Qaida und die Marginalisierung des lokalen Zweigs der Muslimbruderschaft, der Islah-Partei, die Teil der Hadi-Regierung war. So waren etwa die Haupterrungenschaften des STC bis 2021 die Verdrängung der Islah auf Sokotra sowie in den südlichen Landesteilen Abyan und Schabwa.
Diese Kluft zwischen Kontrolle und Angst, Ehrgeiz und Ambition spitzte sich immer weiter zu – und zwang Saudi-Arabien zu wiederholten diplomatischen Zugeständnissen gegenüber seinem emiratischen Partner. So vermittelte Riad 2019 und 2022 Abkommen zur Machtteilung mit dem STC, wobei letzteres sogar Präsident Hadis Rücktritt zur Folge hatte. Dennoch eskalierten die saudisch-emiratischen Gegensätze immer weiter. Ihren Höhepunkt fanden sie Ende 2025 schließlich in Hadramaut. Die ölreiche Provinz im Südosten des Jemens, mit einer 700 Kilometer langen Grenze zu Saudi-Arabien dessen strategisches Hinterland, war lange geteilt zwischen inneren Landesteilen, die durch eine von Saudi-Arabien unterstützte Koalition kontrolliert wurden, und Küstengebieten mit der strategischen Hafenstadt Mukalla, die VAE-nahe Kräfte dominierten. Als ein von Riad gestütztes Stammesbündnis Ende November das größte Ölfeld der Provinz unter seine Kontrolle brachte, schlug der STC zurück und eroberte erst die Provinzstadt Seiyun im Landesinneren und wenige Tage später auch die an den Oman angrenzende Nachbarregion Al-Mahra.
Primat des Staates gegen separatistische Ambitionen
Was auf den ersten Blick wie ein neues Kapitel in der Geschichte des Bürgerkriegs im Jemen scheint, ist in Wirklichkeit Facette eines regionalen Gefüges aus konkurrierenden Machtansprüchen und auseinanderklaffenden Vorstellungen von politischer Ordnung zwischen Saudi-Arabien und den Emiraten. Nicht nur im Jemen, sondern weit über die Grenzen des südlichsten Staates der Arabischen Halbinsel hinaus sind die außenpolitischen Ansätze der zwei Golf-Mächte längst nicht mehr komplementär, sondern stehen im direkten Widerspruch zueinander.
Das Königreich agiert auf dem regionalen Parkett eher konservativ, zurückhaltend und staatszentriert. Aus Riads Sicht vermag nur ein starker Zentralstaat mit unangefochtener Souveränität innerhalb seiner Grenzen für Stabilität zu sorgen. Insbesondere in seiner unmittelbaren Nachbarschaft priorisiert das Königreich diesen Ansatz kompromisslos. Dabei setzt Saudi-Arabien nicht nur im Jemen auf die etablierte Regierung, auch im Falle des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed Al-Sharaa, der neuen Regierung von Joseph Aoun in Beirut oder von Präsident Abdulfattah Al-Sisi in Kairo wirft Saudi-Arabien sein Gewicht hinter staatliche Strukturen, die es alimentiert, ausrüstet und anleitet. Riad toleriert dabei auch repressive oder krisengebeutelte Regime, selbst wenn diese kaum ein Mindestmaß an Kontrolle aufrechterhalten können, wie die Unterstützung Saudi-Arabiens für die somalische Regierung in Mogadischu oder das de facto Staatsoberhaupt General Abdulfattah Al-Burhan im Sudan zeigt.
Hinzu kommt, dass Saudi-Arabien, nachdem es in den späten 2010er Jahren lange einen – letztlich erfolglosen – Konfrontationskurs gegenüber regionalen Kontrahenten wie Iran oder Katar eingeschlagen hatte, heutzutage Konflikte und Verstrickungen in Kriegen in seiner Nachbarschaft meidet, wo es kann. Von der Beendigung der Katar-Krise 2021 über den Waffenstillstand mit der Huthi-Miliz 2022 bis hin zur Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen mit Teheran 2023 sucht Riad die Deeskalation mit Rivalen sowie die Loslösung aus regionalen Konflikten – um dadurch seine Nachbarschaft zu stabilisieren und sich die notwendige regionalpolitische Ruhe zu verschaffen, die es für die ehrgeizige wirtschaftliche Reformagenda benötigt, der sich das Königreich bis zum Jahr 2030 verschrieben hat.
Abu Dhabis regionalpolitische Strategie hingegen wirkt wie der direkte Gegenentwurf zum saudischen Staatszentrismus und Deeskalationsansatz. Von Mukalla über Berbera bis hin zu Bengasi haben die Emirate entlang der Rotmeer- und Mittelmeerküsten eine „Perlenkette“ aus Häfen und daran angeknüpften Einflussgebieten aufgebaut, welche sich auf ein Netzwerk von teils aggressiven, nichtstaatlichen Gewaltakteuren in Bereichen schwacher Staatlichkeit stützt. Hinter der „Perlenkette“ stehen lukrative Geschäfte, wie beispielsweise der Zugriff auf Goldminen im Sudan oder Tschad oder auch der Zugang zu fruchtbaren Böden und wichtigen Absatzmärkten im afrikanischen Hinterland. Darüber hinaus verleihen diese von Abu Dhabi abhängigen Zonen den VAE strategische Tiefe und stellen eine Vielzahl von Truppen, welche die VAE wiederum als Söldner in anderen Konflikten der Region einsetzen.
Wo sich einst die emiratischen und saudischen Ansätze, etwa bei der Absetzung des Muslimbruders Mohammed Morsi in Ägypten 2013, der Intervention im Jemen 2015, der Blockade Katars 2017 oder bis 2021 auch noch im Sudan gut ergänzten, kommt Abu Dhabis Opportunismus Riads Staatszentrismus inzwischen in die Quere. Die VAE bewaffnen nach wie vor die Rapid Support Forces (RSF), die seit 2023 gegen den von Saudi-Arabien unterstützten General Al-Burhan im sudanesischen Bürgerkrieg kämpfen, während die Etablierung emiratischer Einflussbereiche in Somalia mit der Unterstützung des Separatismus in Somaliland einherging. In beiden Fällen befeuert das emiratische Vorgehen die Schwächung des Zentralstaates und sorgt für eine Destabilisierung der unmittelbaren Nachbarschaft des Königreichs durch anhaltende Konflikte – ebenso wie jetzt im Jemen.
Die Richtschnur der emiratischen Regionalstrategie ist dabei oft der Kampf gegen den politischen Islam, der wenn nötig auch mithilfe nichtstaatlicher Gewaltakteure wie der RSF ausgetragen wird. Zwar steht auch das Königreich der Muslimbruderschaft und anderen islamistischen Akteuren kritisch gegenüber. Doch die saudi-arabische Doktrin vom starken Staat setzt selbst dann auf etablierte Regime, wenn diesen auch islamistische Kräfte angehören, wie Riads Unterstützung von Burhan im Sudan oder der Islah-Partei im Jemen zeigt. Damit bleiben heute kaum noch Überschneidungspunkte zwischen den einst deckungsgleichen regionalen Ansätzen der golf-arabischen Schlüsselmächte Saudi-Arabien und den VAE.
Der Faktor Israel als Brandbeschleuniger
Nicht zuletzt hat auch das israelische Vorgehen in der Region und der Umgang der Golf-Staaten damit den Wandel im politischen Verhältnis zwischen Riad und Abu Dhabi beschleunigt. Während Saudi-Arabien vor dem brutalen Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 noch kurz vor einer Normalisierung mit Israel stand, schlug das Pendel über die letzten zwei Jahre in die entgegengesetzte Richtung aus. Die israelische Kriegsführung in Gaza sowie dessen Angriffe in der Region, insbesondere auf den Golf-Staat Katar im September 2025, bedingten in Riad eine Rückkehr zur traditionellen saudischen Position gegenüber Israel und der zunehmenden Wahrnehmung im Königreich, dass die gegenwärtige israelische Regierung die Region maßgeblich destabilisiere.
Im Gegensatz dazu hielten die VAE an ihrem im Zuge der Abraham-Abkommen vom Januar 2020 normalisierten Verhältnis zu Israel fest. Zwar hatte auch Abu Dhabi immer wieder das israelische Vorgehen im Gaza-Streifen angeprangert und teilt die Sorge der übrigen Golf-Staaten über die destabilisierende Wirkung des militärischen Ausgreifen Israels in der Region. Doch die eher ausgewogene Haltung der VAE gegenüber Israel, das dezidierte Abweichen von den Positionen übriger Golf-Staaten bei vielen Streitfragen im israelisch-palästinensischen Konflikt und auch die punktuelle Vertiefung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen den Emiraten und Israel seit dem Waffenstillstand in Gaza nährten im strategischen Ausblick Saudi-Arabiens die Schimäre einer vermeintlichen „emiratisch-israelischen Achse“. Die gegenseitige Anerkennung Israels und des emiratischen Klienten Somalilands im Dezember 2025 festigte diese Lesart Riads weiter.
Auch im Jemen spielte der Faktor Israel eine Rolle. Schon kurz nachdem die Huthi-Miliz 2023 ihre Angriffskampagne gegen Israel und die zivile Schifffahrt im Roten Meer begann, erklärte sich der STC laut Medienberichten bereit, Israel bei einer möglichen Gegenreaktion zu unterstützen. Der STC-Anführer Al-Zubaidi äußerte zudem wiederholt Offenheit für den Beitritt eines vom STC kontrollierten unabhängigen Südjemens zu den Abraham-Abkommen. Im regionalen Kontext gesehen lösten die kurz aufeinanderfolgenden Ereignisse des Eroberungsfeldzugs des STC und der israelischen Normalisierung mit Somaliland daher in Riad die Sorge aus, dass eine von Rivalen kontrollierte Südflanke auf der Arabischen Halbinsel und an der Gegenküste des Golfs von Aden das Königreich strategisch herausfordern könnte.
Droht ein neuer Bruderkonflikt?
So ungewöhnlich die saudische Gegenreaktion, so bemerkenswert das emiratische Einlenken. Kurz vor Silvester 2025 läuteten saudische Bombardements eine Bodenoffensive der jemenitischen Armee und der vom Königreich ausgebildeten Homeland Shield Forces ein. Binnen zehn Tagen machte dieses Zusammenspiel nicht nur die jüngsten Gebietsgewinne des STC rückgängig, sondern führte sogar zur Rückeroberung der zuvor von der STC-kontrollierten Übergangshauptstadt Aden. Nicht nur die Separatisten lösten sich daraufhin auf. Auch die Emiratis fügten sich den saudischen Forderungen, indem sie ihre verbleibenden Truppen von der jemenitischen Südküste abzogen und ihren Stützpunkt auf Sokotra räumten. Der erste direkte Eingriff Riads gegen Stellvertreter seines kleineren Nachbarn brachte Abu Dhabis zehnjähriges Projekt im Jemen wie ein Kartenhaus zum Einsturz.
Mit Blick auf den Jemen ist nun klar, dass nur noch eine ausländische Macht in Aden das Sagen hat. Diese neue Machtposition bedeutet, dass Riad nun für Stabilität in Gebieten unter Regierungskontrolle sorgen, die Anti-Huthi-Koalition stärken und die international anerkannte Führung zur Bereitstellung von Dienstleistungen für ihre Bürger bewegen muss. Nicht zuletzt wird das Königreich auch einen Umgang mit den separatistischen Strömungen finden müssen, die trotz der Auflösung des STC weiterhin breite Unterstützung genießen. Diesbezüglich wird der für Februar geplante Dialog mit Vertretern verschiedener Fraktionen im Süden zum Lackmustest. Obwohl Riad als zögerlicher Hegemon in vergangenen Jahren versuchte, sich dem festgefahrenen Krieg im Jemen zu entziehen, ist das Königreich nun mit voller Verantwortung zurück. Der Ersatz der bisherigen emiratischen Unterstützungsnetzwerke, die militärisch wie wirtschaftlich entscheidend waren, ist keine leichte Aufgabe.
Jenseits des Jemens stellt sich jedoch vor allem die Frage, ob der öffentlich ausgetragene Riss zwischen Riad und Abu Dhabi nun die Einheit unter den GCC-Staaten in Frage stellt und eine Vorschau auf weitere Konflikte am Golf gibt. Ein sich verstärkender Hypernationalismus in beiden Ländern, allen voran in Saudi-Arabien, der zu öffentlichen Schlammschlachten in den Sozialen Medien und Verleumdungskampagnen in staatsnahen Tageszeitungen führte, wird sich auch durch diplomatische Schadensbegrenzung kaum wieder einfangen lassen. Dass diese Atmosphäre der Animosität auch Führungsfiguren im Machtapparat in Riad und Abu Dhabi ansteckt, ist jedoch nicht ausgemacht.
Kurzfristig sorgt das emiratisch-saudische Zerwürfnis für eine deutlichere Lagerbildung unter den fragilen Nachbarstaaten der Golf-Region. Die Regierung in Aden erklärte im Dezember ihr Verteidigungsabkommen mit den VAE für nichtig, Mogadischu annullierte im Januar ebenfalls alle bilateralen Abkommen mit Abu Dhabi. Die Militärherrscher im Sudan hatten bereits im Mai 2025 ihre diplomatischen Beziehungen mit den VAE auf Eis gelegt. Dass diese Teilung zwischen dem Königreich und den Emiraten gewogenen Staaten auch auf den Golf-Kooperationsrat übergreift oder sich in eine regionale Krise im Ausmaß der Katar-Blockade entwickelt, ist vorerst aber unwahrscheinlich. Auf bilateraler Ebene würde ein vollumfänglicher Konflikt beide Länder zu stark beschädigen, nicht zuletzt wegen enger Handelsbeziehungen und weil Saudi-Arabien auf milliardenschwere Investitionen aus den VAE sowie die Hafeninfrastruktur Dubais bei seinen Ausfuhren angewiesen bleibt.
Dennoch zeigt sich, dass die Zeit gemeinsamer saudisch-emiratischer Bündnisse wie in den 2010er Jahren zunächst vorüber zu sein scheint. Stattdessen werden Abu Dhabi und Riad vermutlich künftig in entgegengesetzten Koalitionen agieren. So finden sich Saudi-Arabien und die Türkei bei regionalpolitischen Fragen immer häufiger auf derselben Seite, wie ihr Engagement für die Regierungen Syriens, Sudans und Somalias unterstreicht. Auch die saudische Partnerschaft mit Pakistan, mit dem im September 2025 ein bilateraler Verteidigungspakt unterzeichnet wurde, gewinnt künftig an relativem Gewicht. Die VAE andererseits werden neben der Stärkung ihrer Beziehungen zu Israel auch die Sicherheitskooperation mit Indien weiter ausbauen. Die meisten dieser nicht-arabischen Staaten, wie Indien, Pakistan oder die Türkei, werden jedoch ihre – teils erst wiedergewonnenen – Beziehungen zu beiden Ländern kaum riskieren und sich, soweit möglich, neutral verhalten wollen.
Deutschland und Europa stellt der neue Status Quo am Golf vor bedeutende Herausforderungen. Sowohl Riad als auch Abu Dhabi kommen aufgrund ihres wirtschaftlichen Gewichts, ihrer guten Beziehungen zu (fast) allen Seiten und des politischen Einflusses in Nachbarländern eine besondere Bedeutung als Stabilitätsanker in einer volatilen Region zu. Die zunehmende Rivalität zwischen diesen Golf-Mächten destabilisiert daher nicht nur ihr Verhältnis zueinander, sie bedeutet auch, dass zwei zentrale Partner Europas nicht länger an einem Strang ziehen und bilaterale Missverständnisse oder Auseinandersetzungen jederzeit zum Übertritt roter Linien sowie zu militärischer Eskalation jenseits der Arabischen Halbinsel führen können. Weder ist eine Fragmentierung des Nahen Ostens entlang der Bruchlinie Riad-Abu Dhabi im deutschen Interesse, noch macht eine politische Entzweiung des Golf-Kooperationsrates die Stärkung der strategischen Partnerschaft zwischen GCC und EU einfacher.
Zudem zeigen die turbulenten Ereignisse der vergangenen Wochen ein weiteres Mal die Grenzen des europäischen Einflusses vor Ort: Ohne echte Machthebel auf der Arabischen Halbinsel und mit minimaler politischer Aufmerksamkeit für Konflikte in vermeintlich unwichtigen Ländern wie dem Jemen, waren weder Berlin noch Brüssel relevante (Vermittlungs-)Akteure in dem jüngsten Konflikt. Stattdessen muss Europa als Zaungast bei strategischen Verschiebungen am Golf zusehen, obwohl diese letztendlich auch Auswirkungen für die eigenen Interessen haben werden.
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