Konsolidierung der RHDP-Hegemonie
Gemäß der von der ivorischen Wahlkommission (CEI) veröffentlichten vorläufigen Ergebnisse1 gewann die Regierungspartei RHDP 197 von 255 Sitzen (77%). Die PDCI-RDA kommt auf 32 Sitze (13%), Unabhängige auf 23 Sitze (9%). Mit diesem deutlichen Sieg baut die RHDP ihre parlamentarische Kontrolle in der ivorischen Nationalversammlung weiter aus. Sie erzielte besonders hohe Wahlerfolge im Norden des Landes, der historisch zur Hochburg der Partei zählt, und festigte ihren Einfluss im Süden und Westen, die historisch eher oppositionell geprägt sind. Die größte Oppositionspartei des Landes, die PDCI-RDA, erlitt einen deutlichen Rückschlag.
Der Frauenanteil im Parlament ist ebenfalls rückläufig und wird auf ca. 10 % geschätzt. Dies unterstreicht die anhaltenden geschlechtsspezifischen Unterschiede und zeigt die Grenzen der parteiinternen Rekrutierung und Finanzierung weiblicher Kandidaturen.
Die Parlamentswahl hat zu einer klaren Machtkonsolidierung der Regierungspartei RHDP geführt, die über eine komfortable Mehrheit im Parlament verfügt. Damit einher geht eine hohe Durchsetzungsfähigkeit der Legislative, zugleich steigt das Risiko, dass die gegenseitige Kontrolle der Staatsgewalten nicht mehr gewährleistet werden kann und pluralistische Debatten im Parlament schwieriger werden.
Legitimationsproblem bleibt strukturell
Die Wahlbeteiligung von schätzungsweise 35 % ist sehr niedrig und gegenüber dem Jahr 2021 sogar noch leicht rückläufig. Gemäß aktuellen Auswertungen war die Mobilisierung der Wähler je nach Region unterschiedlich ausgeprägt; am stärksten im Norden. In urbanen Zentren war die Wahlbeteiligung nach aktuellem Kenntnisstand extrem gering (z. B. 13 % in Yopougon, 10 % in Cocody und 14 % Gagnoa).
Temporär haben der Boykottaufruf durch die PPA-CI, die Weihnachts- und Neujahrsfeiertage und der seit dem 21. Dezember laufende Africa-Cup zu der geringen Wahlbeteiligung sehr wahrscheinlich einen Beitrag geleitstet. Nichtsdestotrotz deutet diese mangelnde Mobilisierung der Wähler grundsätzlich auch auf ein anhaltendes Desinteresse der Bürger sowie ein tiefgreifendes Misstrauen gegenüber dem ivorischen Wahlsystem hin. Während die Regierung formal stark ist, steht das Ergebnis gesellschaftlich auf dünner Beteiligungsbasis.
Mit Blick auf die Sicherheitslage ist zu konstatieren, dass der Wahltag in Côte d’Ivoire überwiegend ruhig verlief. Dennoch gab es Berichte über Zwischenfälle und Unregelmäßigkeiten. So wurde unter anderem über verspätete Öffnungen von Wahllokalen aufgrund logistischer Schwierigkeiten bei der Verteilung des Wahlmaterials sowie über Versuche, Protokolle vor Abschluss der Wahl vorzeitig zu unterzeichnen, berichtet. Darüber hinaus gab es Meldungen über technische Schwierigkeiten bei der Verwendung von Tablets zur Identifizierung der Wähler sowie Stromausfälle, die die Veröffentlichung der Ergebnisse verzögerten. Es wurden an einigen Orten Betrugsvorwürfe laut. Zudem wurden versuchte Sachbeschädigung und lokale Auseinandersetzungen gemeldet. Das Vertrauen in Institutionen bleibt ein zentrales Defizit.
Fazit und Ausblick
Die Parlamentswahl hat Stabilität auf Regierungsebene, aber keine demokratische Konsolidierung im weiteren Sinne gebracht. Ohne gezielte Maßnahmen droht eine Entkopplung zwischen formaler politischer Ordnung und gesellschaftlicher Teilhabe.
In einer politisch bedeutsamen Stellungnahme vom 29. Oktober 2025 sprach sich Ibrahime Coulibaly-Kuibiert, Präsident der ivorischen Wahlkommission, für eine grundlegende Reform der Wahlkommission nach Abschluss der Parlamentswahl aus. Es müsse über ein neues institutionelles Modell nachgedacht werden, das dauerhaft Frieden und Vertrauen in den Wahlprozess gewährleisten könne. Von wesentlicher Bedeutung bleibt die Aktualisierung des Wählerregisters. Obwohl diese laut Verfassung jährlich zu erfolgen hat, fand die letzte Revision im Jahr 2024 statt.
Im langen Kampf der Côte d’Ivoire um Legitimität und Versöhnung wird es für die kommenden Monate entscheidend sein, den nationalen Dialog zu fördern und institutionelle Reformen voranzutreiben. Ganz grundlegend geht es darum, das Vertrauen der Bürger zurückzugewinnen und nachhaltig zu stärken.
[1] Die endgültigen Ergebnisse werden Mitte Januar 2026 nach Prüfung möglicher Einsprüche durch den Verfassungsrat erwartet.
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