Das „projet Maroc“, das König Mohammed VI. schon bald nach seiner Thronübernahme 1999 in Angriff genommen und 2003 offiziell angekündigt hatte, gewinnt seitdem wie ein Mosaik nach und nach Gestalt; es zeichnet sich jedoch nur an wenigen Orten bereits so deutlich ab wie in und um Tanger. Der Kontrast zur Vergangenheit, der hier unübersehbar zutage tritt, hängt nicht zuletzt mit der gewollten Vernachlässigung dieser Region in der Zeit der Regentschaft seines Vaters, Hassan II., zusammen. Für ihn war die Stadt nicht nur das Einfallstor spanischer, französischer sowie schließlich sogar deutscher und anderer internationaler Einflüsse; sie war vor allem das Zentrum der als „rebellisch“ bekannten Rif-Region. In der Wertschätzung seines Sohnes rückte sie demgegenüber sowohl rational als auch emotional an die Spitze des neuen „Projekts Marokko“ und sollte zum wirtschaftlich erfolgreichen und politisch „modernen“ Aushängeschild des Landes werden. Inzwischen wird immer deutlicher, wie viele Entwicklungslinien dieses Projekts hier zusammenlaufen und sich vor allem ökonomisch, aber auch politisch und kulturell sinnvoll ergänzen.
Die Freihandelszonen in der Region um Tanger stehen dabei als Erfolgsmodell an oberster Stelle. Sie gelten heute als Erfolgsgarant der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung. Marokko hat in den letzten Jahren zahlreiche Freihandelsabkommen abgeschlossen, unter anderem mit der EU, den USA und der Türkei. Hinzu kamen im Mai 2016 mehrere Abkommen mit China, die den Vorsprung dieser Region gegenüber den elf übrigen in Marokko weiter ausbauen werden. Diese wirtschaftliche Dynamik generiert ein Potenzial, das auch die aktuelle Entwicklung in der Stadt Tanger selber betrifft. Insbesondere ist das Projekt Tanger-Med nicht nur zu einer reichen Ressource der Stadt Tanger geworden, sondern zum Vorreiter des „projet Maroc“. Es eröffnet langfristige Perspektiven sowohl für diese Region als auch für die wachsende politische Stabilität Marokkos. Umgekehrt kommt allerdings auch die fortschreitende Regionalisierungspolitik sowie die daraus resultierende Dezentralisierung Marokkos der Region „Tanger-Tétouan-Al Hoceima“ zugute, so dass diese bereits von anderen Regionen als attraktives Modell betrachtet wird
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