Elisabeth von Thüringen, ein Sproß aus dem einst herausragenden Geschlecht der Andecks-Meranier und Tochter eines ungarischen Königs, wird als zweite völkerverbindende Frauengestalt genannt.
Bei beiden kann man sich um die Einordnung in "bayerisch - ungarische Beziehungen" streiten. Unbestreitbar aber hat mit der bayerischen Herzogstochter Gisela, die vor 1000 Jahren den ungarischen Fürstensohn Vaijk heiratete, die Christianisierung Ungarns begonnen. Als im Jahr 1000 Vaij - der sich nun Stephan nannte - durch Papst Sylvester zum König gekrönt wurde - und mit ihm Gisela zur Königin - erwarb sich Ungarn einen festen Platz im Staatsgefüge des mittelalterlichen Europa.
Darauf nahm der bayerische Ministerpräsident Stoiber Bezug bei der Begrüßung der ungarischen Delegation unter Ministerpräsident Orbán, wenn er davon sprach, dass im vorletzten Jahrtausend die Basis einer Freundschaft gelegt wurde, die bis in die Gegenwart wirkt.
Orbán, der im Auftrag des ungarischen Staatspräsidenten. Stoiber das Mittelkreuz des Ordens der Ungarischen Republik überreichte, betonte die herausragende Rolle Bayerns, das zu den drei wichtigsten außenwirtschaftlichen Partnern gehört. Immerhin wird ein Drittel des deutsch-ungarischen Handelsvolumens mit dem Bundesland Bayern abgewickelt.
Obwohl die 1000jährige gemeinsame Vergangenheit einen besonderen Rahmen bot, war der dreitägige Besuch des ungarischen Ministerpräsidenten in Bayern aber von aktuellen wirtschaftlichen Themen geprägt.
Gleich zu Beginn seines Besuches hielt Orbán einen Vortrag im Max-Josef-Saal der Münchener Residenz. Auf Einladung der Herbert-Quandt-Stiftung sprach er vor führenden Vertretern der Wirtschaft über Ungarns Weg in die Europäische Union.
Sowohl bei der Verhandlung Orbáns mit H. Teltschick wie auch bei den Gesprächen des ungarischen Wirtschaftsministers mit Vertretern von BMW, ging es um den Standort eines Werkes für Kleinwagen. Die bayerische Autofabrik hatte deshalb in Ungarn drei Städte besucht: Tatabánya, Ajka und Oroszlány. Orbán hat zwei weitere Städte ins Gespräch gebracht: Szolnok und Kecskemét. Bis Kecskemét gibt es schon eine Autobahn und für den Standort Szolnok könnte sich der Wirtschaftsminister den vierspurigen Straßenausbau vorstellen. Darüber hinaus würde Ungarn eine derartige Investition mit Steuerbegünstigungen fördern. Beide Städte sollen deshalb in die Auswahl einbezogen werden.
Im Erfahrungsaustausch zwischen Vertretern bayerischer Geschäftskreise und ungarischer Geschäftsleute wurde empfohlen, die westeuropäischen Erfahrungen zu nutzen und nicht mit unbekannten neuen Wegen zu experimentieren. Konkret heißt das, die bestehenden Beziehungen zu erweitern, Wirtschaftszweige im Zusammenhang mit den Heilbädern zu entwickeln und Flughäfen in der Provinz (Pécs, Györ) auszubauen. Neben dem Autobahnbau sollte Ungarn die Entwicklung der Eisenbahn überlegen.
Im Hinblick auf die unklare Terminfrage zum Beitritt Ungarns in die EU sagte der ungarische Ministerpräsident: "Ich bin überzeugt, daß nicht eine unzureichende Vorbereitung Ungarns seine Aufnahme in die Europäische Union verhindert, vielmehr sehen wir keine eindeutige und klare Strategie seitens der EU, die sowohl inhaltliche Elemente als auch einen zeitlichen Horizont beinhalten."
Der bayerische Ministerpräsident nahm darauf Bezug und betonte in einer Ansprache während eines festlichen Mittagessens, dass er das Jahr 2003 als mögliches Datum für den Beitritt Ungarns betrachtet.
Die ungarische Öffentlichkeit hat diese Reise nicht nur registriert, sie verbindet mit ihr auch Hoffnung, denn Ungarn ist es nicht nur "ein postkommunistisches Land", sondern will in den Kreis der Europäischen Union aufgenommen werden.
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