Die Ergebnisse der diesjährigen Panorama-Analyse, die die Entwicklungen im Jahr 2025 mit 2024 vergleicht, zeigen, dass die Europäische Union zunehmend zum Hort der Stabilität in einem geopolitisch angespannten Umfeld wird.
Eine klare Wettbewerbsfähigkeitsagenda umsetzen
In der Dimension Innovation und Wettbewerbsfähigkeit setzen sich zwei gegenläufige Trends der letzten zwei Jahre fort: Auf der einen Seite stagniert die EU in den Bereichen Wirtschaft und Innovation. Auf der anderen Seite schreitet der Umbau zu einem nachhaltigen Wirtschaften stetig voran und die EU erweist sich abermals als gesellschaftlich resilient. Die EU und ihre Mitgliedstaaten müssen daher eine klare Wettbewerbsfähigkeitsagenda umsetzen. Dafür braucht es nach der Simplifizierung der Omnibus-Pakete einen konsequenten Bürokratierückbau und mutige Integrationsschritte beim europäischen Binnenmarkt. Diese sollten zur Not in einer Koalition der Willigen verfolgt werden, um langjährige Blockaden zu lösen. Zudem müssen die EU und ihre Mitgliedstaaten volkswirtschaftliche Ressourcen konsequent in ihre Innovationsfähigkeit umleiten, um international mithalten zu können. Das fängt mit einer Priorisierung öffentlicher Ausgaben für Forschung und Innovation an und endet mit der Notwendigkeit, Strukturwandel zuzulassen.
Das temporäre Reformfenster nutzen
Im Vergleich zum Vorjahr zeigt sich eine insgesamt stabile, zugleich stärker fragmentierte europapolitische Ausrichtung der Mitgliedstaaten. Während die Zustimmung zur EU und die rechtlich‑institutionelle Kohäsion weitgehend stabil bleiben, nehmen politische Polarisierung, informelle Entscheidungsformate und selektive Integrationsmuster zu. Die Diskrepanz zwischen der positiven öffentlichen Wahrnehmung der EU und konflikthaften nationalen Politikdynamiken besteht fort. Die anhaltend positive Einstellung zur Europäischen Union wird zum strategischen Kapital und gewinnt vor dem Hintergrund einer geschwächten multilateralen Ordnung zusätzlich an Bedeutung. Das spiegelt sich auch im wachsenden Interesse von Staaten wie Island oder Norwegen an einer engeren Anbindung an die EU wider. Der Machtwechsel in Ungarn eröffnet ein temporäres Reformfenster, um Mehrheitsentscheidungen im Rat auszuweiten.
Ein Backup für die regelbasierte Weltordnung aufbauen
Die Dimension Globales Umfeld zeigt, dass die EU in einer zunehmend dysfunktionalen multilateralen Ordnung agiert, in der verlässliche Grundlagen für die internationale Zusammenarbeit schwinden. Während die EU weiterhin auf regelbasierte Kooperation setzt und einzelne Organisationen aktiv stützt, verschärfen Blockaden, Machtpolitik und institutionelle Erosion die strukturellen Spannungen zwischen europäischem Anspruch und globaler Realität. Der fortschreitende Zerfall der multilateralen Ordnung erfordert von der EU, ihre geopolitische Rolle entschlossener wahrzunehmen und strategisch im Interesse der Mitgliedstaaten auszufüllen. Angesichts nachlassender globaler Verlässlichkeit übernehmen die EU und ihre Mitgliedstaaten zunehmend eine Stabilisierungs‑ und Backup‑Funktion. Das wird vor allem durch die erfolgreiche Handelsagenda deutlich, über die die EU und andere Mittelmächte eine Rückversicherung für den regelbasierten Handel aufbauen. Gleichzeitig bestehen weiterhin wesentliche Fähigkeitslücken – etwa in den Bereichen Verteidigung, Informationsgewinnung und kritische Technologien, die gezielt geschlossen werden müssen. Wenn die EU diesen Weg konsequent geht, kann sie zu einem globalen Stabilitätsanker werden.