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"Nur durch Dialog soll das Volk zum Frieden gelangen"

Friedensnobelpreisträgerin Ouided Bouchamaoui sprach über Tunesiens Erneuerung

Tunesien sei im Grunde schon seit der Unabhängigkeit ein Vorreiter gewesen, ein Vorbild für Nordafrika, sagt Ouided Bouchamaoui. Und was die Zivilgesellschaft des Landes seit 2011 leistete, war enorm: Die Tunesier manövrierten ihr Land aus der politischen Sackgasse, mit Leidenschaft und Fleiß.

Avantgardistisch nennt die Friedensnobelpreisträgerin Ouided Bouchamaoui ihr Land, denn 1956 ist in dem muslimischen Land die Polygamie verboten worden und Frauen erhielten eine bedeutendere gesellschaftliche Rolle. Auch auf Bildung wurde Wert gelegt: Seit 1958 gilt eine Schulpflicht für Kinder ab sechs Jahren. Von dieser Entwicklung in der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau profitierte auch Bouchamaoui, sie ist sich dessen voll bewusst: "Von Kindesbeinen an hatte ich diesen Traum teilen können."

"Den Willen, das Land zu retten"

Umso bestürzter war sie, als das Land nach dem Umbruch 2011 in eine politische Sackgasse geriet. Sechs Monate der Erneuerung waren die letzte Chance: das Nationale Dialogquartett brachte Politiker zusammen, musste viel erklären, ermöglichte Annäherung. Doch es war nicht allein die Leistung dieser vier zivilgesellschaftlichen Akteure - die für ihre Arbeit schließlich den Friedensnobelpreis erhielten - nein: "Auch die Tunesier waren sich einig, erst das Land, dann die Parteien," sagte Bouchamaoui. Selbstverständlich ist das überhaupt nicht, denn eine solch aktive Zivilgesellschaft gebe es überhaupt erst seit 2011. Doch diese habe in der kurzen Zeit eine extreme Leidenschaft entwickelt und für Bouchamaoui liegt das an einer kollektiven Überzeugung: "Es gibt den Willen, das Land zu retten."

Werte auf dem Weg der Freiheit erhalten

So konnten zur rechten Zeit die Konflikte ausgeschaltet werden. Gesetze mussten neu aufgesetzt werden und die Tunesier mussten sich überlegen, wie man Politik neu angehen und die Bürger einbinden kann. Und zwar mit einem Ziel: Das Gemeinwohl sollte stets im Vordergrund stehen. Das halbe Jahr der Erneuerung, wie Bouchamaoui das Engagement des Quartetts nennt, war geprägt von Dialog. Es ist ihr wichtigster Begriff an diesem Abend in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung, aber es ist auch das wichtigste Instrument ihrer Arbeit: "Nur durch Dialog soll das Volk zum Frieden gelangen," denn Werte müsse man auf einem freien Weg erhalten.

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Dr. Hans-Gert Pöttering und die tunesische Friedensnobelpreisträgerin Ouided Bouchamaoui KAS / Stahlberg

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