Bereits zum Auftakt der Veranstaltung wurde deutlich, worum es in den kommenden zwei Tagen gehen sollte: um persönliche Erinnerungen, unterschiedliche Perspektiven und Fragen über das geteilte Deutschland. Nach der Begrüßung der Schülerinnen und Schüler stellten sich die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen Roman Grafe, Dietmar Riemann, Burkhart Veigel, Birgit Schlicke und Klaus Jürgen Wetz vor. Gleich zu Beginn stand eine zentrale Frage im Raum: „Was war die DDR?“ Die Antworten zeigten eindrucksvoll, wie vielfältig die individuellen Erfahrungen waren und wie sehr sie sich in wesentlichen Punkten dennoch überschnitten.
Birgit Schlicke beschrieb die DDR als Diktatur und als ein Gefängnis, in dem die Bürgerinnen und Bürger eingemauert gewesen seien. Sie sprach von einem „Land der Angst“, in dem viele Menschen aus Furcht vor der Stasi ein Doppelleben führten: angepasst nach außen, mit eigenen Gedanken im Privaten. Wer nicht aneckte, konnte durchaus ein geregeltes Leben führen – doch der Preis war das Schweigen. Die härteste Strafe sei die Inhaftierung gewesen.
Auch Klaus Jürgen Wetz schilderte ein prägendes Erlebnis aus seiner Kindheit im Jahr 1965: Als Sechsjähriger erlebte er an der Grenze, wie Frauen bei der Kartoffelernte von Grenzsoldaten mit teilweise im Anschlag gehaltenen Waffen umstellt wurden. Zum ersten Mal wurde ihm Unfreiheit unmittelbar vor Augen geführt.
Roman Grafe machte deutlich, dass selbst in einer Diktatur der Alltag oft als „normal“ erlebt werde: Menschen verlieben sich, gründen Familien, arbeiten und arrangieren sich. Gerade diese Normalität mache das System schwerer greifbar. Er berichtete von Zwangsumsiedlungen und davon, dass Anpassung belohnt wurde – etwa mit Studienplätzen oder Prämien. Gleichzeitig betonte er, dass Widerspruch der „Lebenssaft der Demokratie“ sei. Streit, Meinungsfreiheit und Zweifel seien keine Schwächen, sondern zentrale Bestandteile einer freien Gesellschaft.
Burkhart Veigel schmuggelte als Fluchthelfer mehr als 950 Menschen in den Westen. Besonders eindrücklich war sein Bericht über einen präparierten Cadillac, in dessen Hohlraum zahlreiche Personen versteckt über die Grenze gebracht wurden. Er wurde vernommen, entging Entführungsversuchen und lebte über Jahre hinweg in ständiger Gefahr.
Auch der Fotograf Dietmar Riemann berichtete von persönlichen Konflikten mit dem System. Mehrfach versuchte die Stasi, ihn als inoffiziellen Mitarbeiter anzuwerben. Er lehnte ab und stellte schließlich einen Ausreiseantrag, da er seiner Tochter das „Eingemauertsein“ nicht länger zumuten wollte – obwohl es der Familie wirtschaftlich gut ging. Antragsteller galten als „negativ-feindliche Elemente“. Er berichtete zudem, dass Helfer abfotografierte Briefe, Dokumente und Hilfsgesuche an westliche Institutionen als Negative, versteckt in Alltagsgegenständen, in den Westen schmuggelten.
Birgit Schlicke schilderte außerdem eindringlich ihre Untersuchungshaft und ihre Zeit im Frauengefängnis Hoheneck. Psychischer Druck, mangelhafte medizinische Versorgung und Zwangsarbeit prägten den Alltag. Politische Gefangene wurden nicht als solche anerkannt, sondern mit Kriminellen gleichgesetzt. In Akkordarbeit mussten die Gefangenen Bettwäsche produzieren, die als Exportware in den Westen gelangte.
Am zweiten Tag besuchte die Gruppe die Gedenkstätte Point Alpha an der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Während einer Führung durch die Ausstellung, das Grenzgelände und das frühere US-Camp wurde die besondere Bedeutung dieses Ortes im Kalten Krieg erläutert. Point Alpha galt als möglicher Brennpunkt eines militärischen Konflikts zwischen NATO und Warschauer Pakt und war Beobachtungspunkt der US-Streitkräfte.
In weiteren Gesprächen mit Zeitzeugen aus Ost und West wurde deutlich, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen waren. Ein westdeutscher Zeitzeuge berichtete, dass Reisen in die DDR möglich gewesen seien, jedoch nicht in das fünf Kilometer breite Sperrgebiet an der Grenze. Auch auf westlicher Seite prägten Bundesgrenzschutz und Zoll das Bild der Region. Die DDR sei ihm oft grau erschienen – nicht nur im wörtlichen Sinn, sondern auch im Lebensgefühl.
Ein Zeitzeuge aus dem Osten, der im Zonenrandgebiet lebte, bezeichnete die friedliche Revolution als größtes Wunder des 20. Jahrhunderts, insbesondere weil es trotz der angespannten Lage nicht zu einem Blutvergießen kam.
Die Veranstaltung machte deutlich, dass Freiheit, Selbstbestimmung und Meinungsvielfalt keine Selbstverständlichkeiten sind. Durch die persönlichen Berichte wurde Geschichte greifbar und lebendig. Die Schülerinnen und Schüler erhielten nicht nur Einblicke in politische Strukturen, sondern vor allem in individuelle Lebenswege zwischen Anpassung, Angst, Mut und Widerstand – und damit ein eindrückliches Verständnis dafür, welchen Wert demokratische Freiheit besitzt.
Teme
Obezbedio
Politisches Bildungsforum HessenO našoj ediciji
Zadužbina Konrad-Adenauer, njene obrazovne institucije, njeni obrazovni centri i kancelarije u inostranstvu nude godišnje više hiljada priredbi za različite teme. O odabranim konferencijama, događajima, simpozijumima itd. izveštavamo za Vas aktuelno i ekskluzivno na Internet stranici www.kas.de. Ovde ćete pored sadržajnog rezimeja naći i dodatne materijale kao što su slike, manuskripti o govorima, video ili audio snimci.