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Neuerscheinungen der KAS-Literaturpreisträger zur Leipziger Messe

Prof. Dr. Michael Braun
Gutes in der Literatur, Erzählen von Kriegen, Übersetzen als Sprache Europas: Das sind die Einwürfe von KAS-Literaturpreisträgern zur Leipziger Buchmesse. Zu dem Frühjahrs-Event der Buchbranche finden wiederum mehr als dreitausend einzelne Veranstaltungen statt: „Leipzig liest“, u.a. mit den Stiftungspreisträgern Norbert Gstrein und Ulrike Draesner. Für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026 ist Anja Kampmanns Roman „Die Wut ist ein heller Stern“ nominiert, ein Buch, in dem die EHF 2010-Stipendiatin der Stiftung die Geschichte einer lebens- und haltungsstarken Varietétänzerin während der NS-Zeit erzählt.

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Wie das Gute finden? Michael Köhlmeiers Betrachtungen von Gegenwart und Geschichte

Michael Köhlmeier ist ein natural born narrator. In zeithistorischen Romanen und philosophischen Märchen, in Nacherzählungen biblischer und antiker Stoffe ist der KAS-Preisträger 2017 immer wieder auf der Spur dessen, was als Gut und Böse gilt – und wie man die Welt besser machen kann. Das eine Phänomen nimmt Köhlmeier beim Wort, ein anderes holt er aus der Versenkung. So die „Zuversicht“: Wer zuversichtlich ist, startet täglich neu, sichtet das Nahe und Weite, drängelt nicht, wie der Fortschrittliche, sondern übt das eigene Glück. Oder das „Charmante“: Das ist eine Gabe fürs Heitere, das sich nicht verschenkt, sondern fröhlich staunen kann, selbst übers eigene Missgeschick. Im Gegenzug dazu gibt es eine Freude, die sich am Schaden und Schmerz des anderen weidet. Es sind also die Rückseiten der Dinge, die Köhlmeier anschaut. Am Beispiel der Aufklärer untersucht Köhlmeier die Suchtgefahr, die im „Zeitgeist“ liegt. Oskar Huth, der gegen die Nazis mit einer Handdruckerpresse kämpfte und mit gefälschten Buttermarken Leben rettete, ist ihm ein Exemplum für den Witz des kleinen Mannes in dunklen Zeiten. Es geht um Bismarcks Verständnis von „Macht“ als Bündnispolitik, um die Eitelkeit als Schwachstelle des „unbestechlichen“ Robespierre. Und um Gedankenfreiheit als „Abenteuer im Kopf“ und Höflichkeit als „Freundlichkeit auf Abstand“. Ein lebenskluges, erzählfreudiges und nachdenkliches Buch.


Europäisch sprechen? Hilde Domin, übersetzt in Frankreich

Hilde Domin, die dritte Preisträgerin der Stiftung (1995), ist aktueller denn je: als Botschafterin der Versöhnung, die dem Brudermörder Kain eine zweite Chance gibt, mit ihrem Engagement für eine Zivilcourage als den „Mut, den kein Tier hat“, durch ihr Vorleben eines demokratischen Grundvertrauens als „schwerstes ABC“. Zum 20. Todesjahr der schon 1932 vor den Nazis geflohene Dichterin gibt es eine Ausstellung im Heidelberger Museum Haus Cajeth. Ein Wandkalender sammelt monatsweise Gedichte der Autorin mit Aquarellen. Und ein handlicher Band stellt einige ihrer wichtigsten Gedichte in französischer Übersetzung im Dialog mit dem französischen Dichter Jean Joubert (1928-2015) vor. In diesem Austausch der Sprachen kommt, dank einer Idee Umberto Ecos und als Ergebnis eines Workshops im Heidelberg-Haus in Montpellier, eine europäische Sprache zustande. Ihr Reiz liegt in Ideen, die in der jeweils anderen Sprache neuen Klang und anderen Ausdruck gewinnen. Auf Domins Schreiben in „grauen Zeiten“ antwortet Jouberts „un langage de pierre“, auf dessen „le bonheur la courbure du vent“ die „ziehende Landschaft“, die sich ähnlich glücklich im Wind wölbt. Ein anregender poetischer Dialog.

 

Wie vom und im Krieg erzählen? Norbert Gstreins Roman über einen unglücklich Davongekommenen

Als Norbert Gstrein 2001 den Literaturpreis der KAS 2001 erhielt, staunte sein Laudator Jorge Semprún darüber, wie mutig der Autor seine Romanfiguren die Zeitzeugnisse entweihen lasse. Auch Gstreins jüngster Roman, „Im ersten Licht“, den er vor wenigen Monaten bereits bei der Autorenwerkstatt der KAS in Cadenabbia vorgestellt hat, entdeckt einen unheroischen Zeitzeugen in der Geschichte. Adrian Reiter, die Hauptfigur des Romans, kennt den Krieg nur aus der Distanz. Sein Vater hat ihn mit der Axt absichtlich so verwundet, dass er untauglich für die Front ist. Und doch ist Adrian ständig vom Krieg umgeben. Am Anfang sind es junge kriegsversehrte Veteranen, gueules cassées, später, als Adrian als Lehrer arbeitet, kommen Nazi-Fanatiker, Mitläufer, Davongekommene und Regimegegner dazu. Gstrein lässt seine Hauptfigur viel wissen, aber wenig sagen: einer, der sein Überleben als Schuld und als Glück empfindet und seine Schüler „nur das Allernotwendigste wissen“ lässt und sagt, „sie sollten frei umgehen damit und sich etwas einfallen lassen, das sie nicht in die Bredouille bringe, weil sie womöglich etwas behaupteten, von dem sie zuwenig verstünden, und die besten Aufsätze waren dann Aufsätze, die mit der Realität wenig zu tun hatten.“ Ein elementarer und vielschichtiger, ein hochaktueller Roman über Erzählen und Schweigen angesichts des Krieges.

 


 

Hilde Domin und Jean Joubert. Poetischer Dialog. Gedichte. Wunderhorn Verlag, 2026.

Mit leichtem Gepäck. Monatskalender 2026 mit Texten von Hilde Domin und Aquarelle von Oskar Koll. Präsenzverlag, 2026.

Norbert Gstrein: Im ersten Licht. Roman. Hanser, 2026.

Michael Köhlmeier: Das Gute. 53 Zuneigungen. Hanser, 2026.

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İletişim

Prof. Dr. Michael Braun

Prof. Dr
Referent Literatur
michael.braun@kas.de +49 30 26996-2544

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