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"Abreißkalender"

Bad Blankenburg, Weimar (07. Oktober 2003)

Lesungen mit Freya Klier

Im Rahmen einer Lesereise durch Thüringen gastierte die in Berlin lebende Bürgerrechtlerin Freya Klier am Friedrich-Fröbel-Gymnasium Bad Blankenburg sowie in der Stadtbücherei Weimar. Dabei stellte die Referentin ihr unter dem Titel „Abreißkalender“ erschienenes Tagebuch vor und erzählte aus ihrem Leben. Für jene Jugendlichen, die mit der DDR-Geschichte nur wenig vertraut sind, fand die Lesung an einem normalen Herbsttag statt. Zudem befand sich die heutige Abiturienten-Generation zum Ende der DDR noch im Vorschulalter und besitzt kaum bewusste Erinnerungen an diesen einstigen deutschen Teilstaat. Wer sich aber enger mit der DDR-Geschichte auseinander setzt, findet schnell die historische Brisanz des Datums heraus, denn noch vor 14 Jahren ließ die SED diesen Tag mit pompösen Massenaufmärschen und Militärparaden begehen: Als Jahrestag der Staatsgründung vom 7. Oktober 1949 feierte die DDR an diesem Datum ihren „Tag der Republik“.

Den letzten „Tag der Republik“ beobachtete Freya Klier von Westberlin aus, denn seit knapp zwei Jahren lebte die Schauspielerin und Theater-Regisseurin zu diesem Zeitpunkt bereits jenseits der Mauer. Dieser „antifaschistische Schutzwall“, wie die SED das Bauwerk nannte, teilte nicht nur eine Stadt, sondern stand zugleich als zementiertes Symbol für die Spaltung der Welt in zwei Blöcke. Freya Klier musste im Frühjahr 1988 von einem Block in den anderen wandern, weil sie sich für eine friedliche Lösung des seit der Oktoberrevolution 1917 gärenden Konflikts zwischen der westlichen und der östlichen Welt einsetzte. Im Rahmen der DDR-Friedensbewegung trat sie für Abrüstung ein, kämpfte für Menschenrechte und Freiheit. Schauspiel und Gesang waren ihre Waffen gegen Atomsprengköpfe, Stacheldraht und Gefängnismauern. Gemeinsam mit ihrem damaligen Ehemann Stephan Krawczyk gründete sie die erste freie Theatergruppe der DDR, die freilich nur unter dem Dach der Kirche spielen durfte.

Was folgte, waren Repressalien, polizeiliche Maßnahmen, psychische und physische Gewalt, letztlich gar die Verhaftung und Ausbürgerung. Die Referentin berichtete über Angehörige der FDJ, die im Auftrag der Staatssicherheit in einem Dorf die Kennzeichen aller PKW aufschreiben mussten, die vor der Kirche parkten. Auf diese Weise drohten Repressionen auch für die Besucher der Konzerte. Wollte das MfS hier eine ganze Gruppe von Menschen quasi in Kollektivhaft nehmen, so richtete sich ein Mordanschlag direkt gegen Klier. Zunächst stellten die Machthaber Krawczyk eine (Radar-)Falle, so dass er seinen Führerschein abgeben musste, ohne eine Ordnungswidrigkeit im Straßenverkehr begangen zu haben. Doch der Plan sah vor, dass Freya Klier nun selbst fahren musste, denn ihre Verfolger setzten ein Gift ein, das nur auf ihre Blutgruppe wirkte und die Fahrtüchtigkeit massiv beeinträchtigte. Mehrmals musste ihr Mann in letzter Sekunde ins Lenkrad greifen, um einen Unfall zu verhindern.

Zur besagten Ausbürgerung im Frühjahr 1988 kam es schließlich in Folge der jährlichen Großdemonstration anlässlich des Jahrestages der Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Während Honecker und seine Paladine den Demonstrationszug anführten und sich von ihrem Volk bejubeln ließen, hoben im Hintergrund mehr als hundert Oppositionelle ein Transparent mit dem Luxemburg-Zitat "Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden" empor und skandierten Rufe nach Demokratie und Menschenrechten. Die Staatsmacht schlug zurück und verhaftete einen Großteil der ungewollten Demonstranten. Für Klier, ihren Mann Krawczyk und Tochter Nadja endeten die MfS-Maßnahmen mit der Ausweisung in die Bundesrepublik. Für SED und deren „Schild und Schwert“ hatte Klier 1988 ihr Ziel erreicht. Doch obwohl sie Ende der sechziger Jahre einen Fluchtversuch unternahm, der im Rostocker Hafen kurz vor Auslaufen des rettenden Schiffes nach Schweden scheiterte, wollte Freya Klier nun nicht mehr in den Westen, sondern zur Reformierung der DDR im Innern beitragen.

Erst im Herbst des „annus mirabilis“ 1989 begann die Reformierung der DDR, doch blieben die Reformversuche des Sozialismus nur ein kurzes Zwischenspiel. Nach Ausreisewelle und Massendemonstrationen brach das SED-Regime zusammen, am 9. November fiel die Mauer, die Menschen bekundeten ihren Willen zur Vereinigung Deutschlands, die sich am 3. Oktober 1990 vollzog. Freya Klier entführte mit ihrem Tagebuch „Abreißkalender“ und ihren Berichten von Episoden im Unrechtsstaat DDR ihre Zuhörer/innen gedanklich zurück in die DDR, die sich - wie erwähnt - genau 14 Jahre vor dem Vortrag letztmals selbst feierte. Doch während am Morgen Fahnen schwenkende Massen an der Tribüne des ergrauten Politbüro vorüber zogen, gehörte der Abend den friedlichen Demonstranten, die mit „Gorbi! Gorbi!“-Rufen den in Berlin anwesenden sowjetischen Parteichef und Reformer Michail S. Gorbatschow um Hilfe baten und mit Rufen wie „Wir bleiben hier!“, „Keine Gewalt!“ oder „Wir sind das Volk!“ ihren Willen zum Umbau der Gesellschaft bekundeten.

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Foto: Freya Klier beim Signieren ihrer Bücher

Blieb abschließend die Frage im Raum, was von den Idealen der friedlichen Revolution heute noch gilt. Ein Streifzug durch die Medienlandschaft führt zum Schluss, dass kaum ein Wort des Schreckens über die Zeit vor 1989 fällt. Vergessen scheinen Staatssicherheit, politische Haft, Eingesperrtsein hinter Mauer und Stacheldraht, wirtschaftliche Engpässe. Dagegen werden die Lebensumstände der DDR-Bürger in einem Licht dargestellt, welches mit der Realität nur sehr bedingt übereinstimmte. Die bunten (N)Ostalgie-Shows von den privaten bis in die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten präsentieren den einstigen Unrechtsstaat geradezu als Komödie – quasi als Sonderform der Popkultur.

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