Виступи на заходах

Große Stadt und kleiner Mensch: Kinder in der Metropole

Bericht zur 5. Veranstaltung „Metropolen-Mittag: Gespräche über die Zukunft der Großen Städte“ 13. 10. 2004

In Städten muß es unterschiedliche Lebensverhältnisse geben. Nach typischen Merkmalen einer Stadt befragt, fällt jedoch niemanden "Kinder" ein. Berlin könnte ein „Laboratorium der Zukunft“ bilden, in dem unterschiedliche Strategien erprobt würden.

Gesprächsteilnehmer: Karen Pfundt, Journalistin und Autorin des Buches „ Die Kunst, in Deutschland Kinder zu haben“, Prof. Dr. Hans Bertram, Humboldt-Universität zu Berlin, Marian Offman, Stadtrat von München; Moderation: Dr. Volker Hassemer

Einführend bemerkte Hassemer, dass nicht zufällig bei den typischen Merkmalen einer Stadt niemandem Kinder einfielen und dass Stadtplaner bei ihren Überlegungen nicht Viertel einbezögen, in denen Kinder leben könnten. Er eröffnete die Gesprächsrunde mit der Frage, ob dies in Ordnung oder ein Ärgernis sei.

Pfundt erklärte aus der Perspektive von Eltern, dass Elternschaft „sozial aufgesplittet“ sei. Auf der einen Seite gebe es Berliner Bezirke - wie etwa Wedding - , in denen viele Kinder lebten, die aber einen niedrigen sozialen Status und wenig „Bildungskapital“ hätten. Auf der anderen Seite stünden Gegenden wie etwa Zehlendorf, wo Gutverdienende viele Kinder aufzögen. Eine dritte Gruppe setze sich aus Frauen zusammen, die ihren Beruf nicht verlieren wollten und keine Möglichkeiten für Kinder sähen, so dass sich hier die Großstadt eher kinderfeindlich auswirke. Eine Ausnahme bilde der Prenzlauer Berg, wo die Geburtenrate mit 2,1 Kindern pro Frau über dem Durchschnitt liege. Da dort eine ausreichende Versorgung mit Krippen und Ganztagsangeboten vorhanden sei, könnten Mütter aller Einkommensklassen am beruflichen, kulturellen und sozialen Leben teilhaben.

Bertram befürchtete, dass die geburtenfreudigen Familien nicht am Prenzlauer Berg blieben. Eine Studie habe gezeigt, dass etwa 5000 bis 6000 Kinder mit ihren Familien die Stadt verließen, wenn sie fünf bis acht Jahre alt seien. Es folgten zwar etwa 4000 Kinder nach, doch hätten diese meist einen nicht deutschen Hintergrund, so dass sich ein Segregationsprozess herausbilde. Dies könne man für das Ruhrgebiet nachweisen, wo es Zentren mit Menschen einer anderen kulturellen Herkunft gebe. Strukturelle Probleme hinderten Familien, in Städten zu bleiben, weil mehr Zeit aufgewandt werden müsse, Kinder zu beaufsichtigen. Um Städte „ökonomisch zu reproduzieren“, müsse man qualifizierte Kräfte in der Stadt halten. Anzustreben seien Arbeitsplätze für Eltern an Orten, die auch für Kinder geeignet seien.

Offman betonte, dass das Kinderthema als ein Zukunftsthema der Gesellschaft stärker in den Medien vermittelt werden müsse. Um Menschen auch auf der emotionalen Seite zu erreichen, habe man z.B. in München eine Pressekonferenz veranstaltet, bei der Mütter ihren Unmut über die mangelnden Chancen auf einen Betreuungsplatz öffentlichkeitswirksam artikulieren konnten. Da die sozial- und gesundheitspolitischen Probleme selbst bei einem Wirtschaftswachstum wegen der fortschreitenden Überalterung kaum noch zu lösen seien, müsste auf allen Ebenen (Stadt, Land, Bund) eine offensive Bevölkerungspolitik betrieben werden.

Aus der Perspektive von Kindern, so Bertram, besäßen Städte infrastrukturell etwa im Schulangebot Vorteile. Für ältere Kinder seien „Bewegungsräume“ wichtig, Treffpunkte, zwischen denen sie ungefährdet pendeln könnten. Dabei sei auch an Betreuungseinrichtungen, Schulen oder Sportplätze zu denken; wesentlich seien Aufenthaltsmöglichkeiten ohne Aufsicht der Eltern. Bei schrumpfender Bevölkerung zählten Angebote, die es für Familien attraktiv machten, in der Stadt zu wohnen. Außerdem müssten Kinder mit nicht deutschem Hintergrund integriert werden, damit auch sie zum Gemeinwohl beitragen könnten.

Dem Einwurf Hassemers, dass es offenbar einen nicht lösbaren Konflikt zwischen einer Stadt und einer kindergerechten Siedlung gebe, begegnete Pfundt mit einem Hinweis auf die Vorzüge von Ganztagsschulen, vorausgesetzt, die bisherigen Träger der Nachmittagsangebote für Kinder in Musikschulen und Sportvereinen kooperierten mit den Schulen. Dadurch entfiele einerseits der Chauffeurdienst der Mütter und andererseits würde einer Verwahrlosung der Kinder vorgebeugt. Sie erwähnte ferner ein Projekt in Lichtenberg, wo ein integriertes Senioren- und Kinderangebot mit gemeinsamem Park und gemeinsamer Verpflegung versucht werde, so dass auch wieder „Großfamilie“ erlebt werden könne.

Offman unterstrich, dass Familien es sich häufig finanziell nicht leisten könnten, in der Stadt zu wohnen. Damit aus den schicken Vierteln großer Städte mit hohem Geburtenüberschuss später Gegenden mit Kindern würden, müsse man ausreichend große, bezahlbare Wohnungen und Betreuungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen.

In der Diskussion mit dem Publikum wurde neben der Finanzierung der Betreuungseinrichtungen auch deren Qualität problematisiert. In der derzeitigen Form dienten sie wohl nur bedingt dem Kindeswohl. Ein Vertreter des katholischen Siedlungsdienstes wies darauf hin, dass bürgerliche Familien in einem bürgerlichen Umfeld leben wollten. Sein Verband sehe deswegen kindgerechte Wohnungen in Stadtvillen als erstrebenswert an. Außerdem wurden die attraktiven Ergebnisse der Zusammenarbeit von Privatinvestoren und Architekten in der Spandauer Vorstadt hervorgehoben.

Anstelle von Betreuung wollte Bertram lieber von Orten für Kinder sprechen, an denen sie sich gut und sicher bewegen könnten. Die Städte müssten ihre Steuerungsmittel einsetzen, damit in ihnen wieder eine stärkere Konzentration von Familien anzutreffen sei. Bei der Finanzierung dürfe man nicht so viel Geld für Ältere ausgeben, sondern müsse mehr in Jüngere investieren. Integration werde erleichtert, wenn man in Gegenden mit hohem Ausländeranteil für eine hervorragende Infrastruktur sorge, so dass es auch für deutsche Familien interessant werde, dorthin zu ziehen. Zur Stärkung von intakten Kommunen solle man versuchen, auch andere Akteure, etwa große Firmen, als Geldgeber zu gewinnen.

Zu den Hindernissen einer Integration zählte Pfundt auch Kindergartengebühren, die etwa türkische Eltern abschreckten. Deswegen seien kostenlose Einrichtungen anzustreben, die sich bei gutem Niveau noch lange positiv auf die späteren Schulleistungen auswirkten. Entscheidend sei die Qualität der Erzieher; deren Ausbildung sei in Deutschland im europäischen Vergleich schlecht. Eine Verbesserung ziehe aber eine höhere Bezahlung nach sich. Hier zeige sich, dass es vor allem eine Frage der Wertigkeit sei, ob diese Kosten aufgebracht würden.

Offman griff diesen Gedanken auf, und bemerkte, dass es entscheidend darauf ankomme, welcher Stellenwert Kindern gegeben werden. Statt „kompakt, urban, grün“ müsse die Werbung für München lauten „kompakt, urban, kinderfreundlich“.

Bertram betonte, dass es auch in Städten unterschiedliche Lebensverhältnisse geben müsse. Problematisch sei nur, wenn Kinder dadurch Nachteile für ihr gesamtes Leben erlitten. In Deutschland gebe es mit dem zweiten Bildungsweg eine zweite Chance, solche Nachteile zu kompensieren. Für die Integration der Kinder sei wichtig, die Mütter zu gewinnen. Daneben sei es erwägenswert, über Projekte mit Zweisprachigkeit nachzudenken. Gerade Berlin könnte ein „Laboratorium der Zukunft“ bilden, in dem unterschiedliche Strategien erprobt würden.

Pfundt wertete es als positives Ergebnis, dass sich die ideologischen Spannungen zwischen dem Entwurf der zu Hause erziehenden Mutter und der Fremdbetreuung zu lösen schienen. Gleichwohl investiere Deutschland noch stark in Transferleistungen und weniger in „kindliche Infrastruktur“. Hier müssten die richtigen Prioritäten gesetzt werden.

Als Fazit im Sinn einer solchen Prioritätensetzung erklärte Hassemer, dass alle im Grund wüssten, was getan werden sollte, nur tue es keiner.

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Ute C

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Дискусія
13 жовтня 2004
Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung, Tiergartenstr. 35, 10785 Berlin
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