Виступи на заходах

Inklusion in Bildung und Beruf: Wie sich Anspruch und Wirklichkeit näher kommen

з Marie von Consbruch, Katharina Senge

Symposium zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen

Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention hat sich Deutschland verpflichtet, Menschen mit Behinderungen die selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Besonders die Förderung der Inklusion in den Schulen wird derzeit in den Bundesländern diskutiert. Eine Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung hat Good-Practice-Beispiele und Werkzeuge auf dem Weg zu mehr Inklusion in den Bereichen Bildung und Ausbildung vorgestellt.

Michael Thielen, Generalsekretär der Konrad-Adenauer-Stiftung, führte in seiner Begrüßung den Inklusionsgedanken auf das christlich geprägte Menschenbild zurück, dem sich die Konrad-Adenauer-Stiftung verpflichtet fühlt. Die Würde jedes Menschen sei unantastbar und damit einhergehend stelle jede Diskriminierung auf Grund von Behinderung eine Verletzung der Menschenwürde dar. „Meist haben bestehende Barrieren jedoch weniger mit Ignoranz oder mit bösem Willen zu tun, meist ist es Gedankenlosigkeit“, so Thielen. Umso wichtiger sei die Bewusstseinsbildung bei diesem Thema. Hierin sah er eine zentrale Aufgabe der Konrad-Adenauer-Stiftung an der Nahtstelle von Politik und Zivilgesellschaft.

Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in der Schule und Arbeitswelt

Als erster Referent sprach Richard Fischels aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Gelebte Inklusion, so Fischels, sei die „Normalität von Verschiedenheit“. Wenn behinderte und nicht behinderte Kinder zusammen lernten, würde die Normalität der Verschiedenheit im Menschenbild kommender Generationen verankert. Für Fischels muss derzeit jedoch diskutiert werden, unter welchen konkreten Voraussetzungen pädagogisches Personal die Leitgedanken der Inklusion auch im Alltag in die Praxis umsetzen kann. Mehr inklusive Bildung könne und müsse geschaffen werden, so Fischels, eine inklusive Beschulung sei jedoch nicht in jedem Einzelfall das einzig richtige Mittel. Auf dem Arbeitsmarkt habe die Inklusionsdebatte bereits deutliche Verbesserungen für Menschen mit Behinderungen bewirkt. Jedoch müsse man vor allem kleine Betriebe noch stärker einbeziehen und unterstützen, da gerade sie ein vertrautes, ja oft quasi familiäres Arbeitsumfeld bieten könnten. Weiterhin sollte eine besondere Stärkung der Inklusionskompetenz der Kammern erfolgen. Inklusion sei, so beendete Fischels seinen Vortrag, eine Gemeinschaftsleistung, die allen Beteiligten helfe und zur Stärkung einer solidarischen Gesellschaft beitrage.

Werkzeuge auf dem Weg zu mehr Inklusion

Andreas Bethke stellte als ein Werkzeug auf dem Weg zur Inklusion Zielvereinbarungen zwischen Behindertenverbänden und Unternehmen vor. Das Bundeskompetenzzentrum Barrierefreiheit, dem Bethke vorsteht, fördert und unterstützt die Erarbeitung solcher Zielvereinbarungen. Zielvereinbarungen sollten Mindestbedingungen der Barrierefreiheit festlegen und einen Zeitplan aufstellen, nach dem die Unternehmen und Unternehmerverbände diese Ziele erreichen, so Bethke. Der Hintergrundgedanke sei die Aktivierung und Stärkung der gesellschaftlichen Selbstregulierung. Diese gehe oftmals unter in der Diskussion um gesetzliche Regelungen zur Inklusion. Zwar machten Zielvereinbarungen einen gesetzlichen Rahmen nicht vollständig überflüssig, sie könnten jedoch dem Prozess zur Verbesserung der Barrierefreiheit einen konkreten und verbindlichen Ziel- und Zeitrahmen geben, was für Unternehmen und für behinderte Beschäftigte eine Erweiterung des Handlungsspielraums bedeute. Zielvereinbarungen, so Bethke, könnten eine positive Wirkung erzielen, weil sie auf der Seite der Vertragspartner die Bereitschaft für Barrierefreiheit voraussetzen und den Bewusstseinsprozess positiv verstärkten.

Ein kommunaler Aktionsplan für Inklusion

Prof. Dr. Kurt Jacobs, Vorsitzender des Kommunalen Beirates für die Belange von Menschen mit Behinderung der Kreisstadt Hofheim am Taunus, präsentierte am Beispiel der Stadt Hofheim die Entwicklung und Umsetzung eines kommunalen Aktionsplans für Inklusion. Hofheim im Taunus ist eine hessische Kommune, die seit 2004 einen Beirat organisiert, der ausschließlich aus Menschen mit Behinderung besteht. Diese elf „Experten in eigener Sache“ hätten 2011 den bundesweit ersten umsetzungsfähigen Aktionsplan für ihre Kommune erstellt, Zielvereinbarungen mit dem regierenden Rat festgesetzt und dadurch erhebliche Verbesserungen in der Barrierefreiheit erzielen können, so Jacobs. Kommunen seien – noch vor den Ländern und dem Bund - gefragt, Barrierefreiheit anzugehen. Die praktische Umsetzung konnte in Hofheim schnell erfolgen aufgrund der guten gegenseitigen Unterstützung zwischen Behindertenbeirat und Gemeindeverwaltung. Die Umsetzung von Aktionsplänen gründe sich nicht allein auf vertragliche Zusagen, sondern baue auf gegenseitigem Respekt auf und erwarte realitätsgerechte Zeit- und Finanzplanung von beiden Seiten. Maßnahmen zur Inklusion müssten auf kommunaler Ebene erschaffen werden, so Jacobs, indem Menschen mit und ohne Beeinträchtigung intensiv zusammenarbeiteten; ein oftmals steiniger Weg aus Stigmatisierung, Diskriminierung und Vorurteilen, der Geduld und Beharrlichkeit erfordere.

Praxisbeispiel: Die Zukunft der Förderschule

Schließlich wendete sich die Konferenz einer sehr aktuellen Debatte zu: der Einführung der inklusiven Schule. Zwei Rektoren stellten ihre jeweils sehr erfolgreichen Ansätze vor und erläuterten die jeweiligen Gelingensbedingungen gemeinsamen Lernens. Dieter Bretz, Förderschuldirektor der Johann-Peter-Schäfer-Schule in Friedberg mit dem Förderschwerpunkt Sehen, stellte ein vollständig inklusives Bildungssystem zunächst in Frage. An der Johann-Peter-Schäfer-Schule habe man bereits 1984, und damit lange vor den aktuellen Debatten, damit begonnen, blinde Kinder bei der Integration in Regelschulen in der Umgebung zu unterstützen. Eine besondere Aufgabe sehe die Schule darin, Unterrichts- und Prüfungsmaterialien der Schulbuchverlage für Sehbehinderte aufzubereiten und auch über die eigene Schülerschaft hinaus zugänglich zu machen. So sei seit 1994 ein Medienzentrum entstanden, das Lehrmaterialien und Abschlussprüfungen in Blindenschrift zentral zur Verfügung stelle. Fortbildungen für Regelschullehrer zum gemeinsamen Unterricht würden organisiert. Die Schule verstehe sich als regionales Förderzentrum, sie habe Ressourcen gebündelt und Vernetzungen zwischen verschiedenen Schultypen hergestellt. Bretz kritisierte das schnelle Vorgehen bei der Einführung gemeinsamen Lernens. Was der Inklusionsprozess brauche, seien Geduld und Zeit, qualifizierte Lehrer, wofür wiederum eine spezielle Fachausrichtung an den Universitäten nötig sei, Indikatoren für „gute“ inklusive Beschulung und der Mut, auch einmal „Nein“ zu sagen, wenn die Rahmenbedingungen (noch) nicht stimmten. Inklusion könne nur gelingen, wenn Lehrer, Eltern und Kinder im Austausch individuelle Vereinbarungen treffen könnten.

Praxisbeispiel: Schulorganisation in einer inklusiven weiterführenden Schule

Während die Johann-Peter-Schäfer-Schule den Öffnungsprozess von einer Förderschule hin zum Förderzentrum durchlaufen hat, hat die Integrierte Gesamtschule Linden in Hannover den gegenläufigen Öffnungsprozess vollzogen. Die Ganztagsschule hat 1995 mit der Integration behinderter Kinder begonnen. Bedenken und Ängste seien zunächst groß gewesen, so Schulleiter Erich Schuler, ob das Niveau gehalten und man allen Kindern gerecht werden könne. Dass die Integrationskinder von ausgebildeten Sonderschullehrern begleitet wurden, die mit „Herzblut und Engagement“ den anderen Kollegen Kompetenzen vorlebten und die Lehrerrolle somit veränderten, sei das Glück der Schule gewesen. Anders, davon ist Schuler überzeugt, gehe es nicht. Die Lehrerrolle müsse sich vom „Einzelkämpfer“ hin zu „multiprofessionellen Teams“ entwickeln, die aus Haupt,- Real,- und Gymnasiallehrern sowie Förderschullehrern und zahlreichen weiteren professionellen und ehrenamtlichen Betreuern und Mithelfern bestünden. Die Schule in Hannover kooperiere außerdem mit Sozialpädagogen, Ergo- und Musiktherapeuten, Integrationsassistenten vom Jugendamt und Berufseinstiegsexperten von der Bundesagentur für Arbeit. „Wenn man behinderte Schüler annimmt, muss man sich auch auf sie einstellen“, fasste Schuler das Konzept der inklusiven Schule zusammen. Jedoch wies er darauf hin, dass die Ressourcen begrenzt seien. Man könne nur eine gewisse Anzahl behinderter Schüler annehmen, wenn man ihnen und ihren individuellen Bedürfnissen gerecht werden wolle. Das bedeute wiederum, dass die Schule immer eine gewisse Anzahl von Schülern ablehnen müsse.

Perspektiven für 2013 und darüber hinaus: Interview mit Hubert Hüppe MdB

Hubert Hüppe MdB übertrug im Gespräch mit Dr. Michael Borchard von der KAS das Inklusionsprinzip auf die Politik – auch hier gibt es für den Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen Nachholbedarf. So würden Gespräche über Behindertenpolitik leider noch immer viel zu oft nicht von Behinderten geführt. Er kritisierte die Zögerlichkeit mancher Akteure in der Inklusionsdebatte: „Wer Inklusion will, sucht Wege, wer Inklusion nicht will, sucht Begründungen“, so Hüppe. Außerdem würden Ressourcen falsch genutzt und die Bürokratie lähme und verkompliziere viele Abläufe, auf die Menschen mit Behinderungen angewiesen sind, um ihren Alltag zu organisieren. Für Hüppe bedeutet Inklusion, dass Menschen selber entscheiden, was für sie oder ihre Kinder das Richtige ist, auf welche Schule sie gehen oder welchen Arbeitsweg sie beschreiten wollen. Die Gesellschaft müsse ihnen diese Möglichkeiten eröffnen, dürfe sie aber weder in die eine noch in die andere Richtung zwängen. In der bildungspolitischen Debatte forderte er mehr Reformbereitschaft von allen Beteiligten, denn schließlich seien „die Strukturen für die Menschen da und nicht die Menschen für die Strukturen."

Einrichtungen der beruflichen Bildung als Sprungbrett?

Im letzten Teil der Konferenz stellten zwei Berufsbildungswerke ihre Ansätze vor, Jugendliche mit erhöhtem Förderbedarf durch die Ausbildung zu begleiten und beim Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt zu unterstützen. Das Berufsbildungswerk Benediktushof gGmbH in Reken fängt behinderte und nicht behinderte Jugendliche auf, die mindestens schon einmal in ihrer beruflichen Laufbahn gescheitert sind. Ihnen wird eine Ausbildung ermöglicht, die zu mindestens 50 Prozent in einen Betrieb des ersten Arbeitsmarktes eingebettet ist. Außerdem, so Ausbildungsleiter Norbert Rohlf, haben die Jugendlichen die Möglichkeit, in der Bildungseinrichtung zu wohnen. Die Jugendlichen hätten häufig psychische Beeinträchtigungen wie starke Selbstzweifel und Überforderungstendenzen, aber auch leichte Behinderungen. Sie werden von den Ausbildern begleitet, unterstützt und auch nach der Ausbildung im Beruf weiter betreut. Viel Engagement seitens des BBW sei nötig, um Vertrauen seitens der Betriebe auf- und Bedenken abzubauen. Außerdem hat das BBW mit Partnern ein inklusives Sportangebot entwickelt, das unter dem Motto „Sport für Alle“ Auszubildende, Betreuer und alle nichtbehinderten und behinderten Mitarbeiter beim Sport zusammenführt. Rohlf machte deutlich, dass Spezialangebote dieser Art wichtig seien und schließlich den Erfolg des Inklusionsprozesses auszeichneten. Erst wenn die Inklusion auch über die Schule hinaus in der Arbeitswelt und im Alltag der Menschen funktioniere, könne man von einer inklusiven Gesellschaft sprechen.

Assistierte betriebliche Ausbildung für Jugendliche mit erhöhtem Förderbedarf

Ingrid Teufel berichtete vom Berufsbildungswerk Waiblingen gGmbH, das sie als Leiterin seit den 1990er Jahren betreut. Ihre Einrichtung biete Jugendlichen eine „begleitete betriebliche Ausbildung“, die aus einer Vorbereitungsphase von bis zu sechs Monaten und der Begleitung bis zum Ende der Ausbildung bestehe. Da psychische Beeinträchtigungen und geistige Behinderungen stark zugenommen haben und viele junge Menschen sich auch nach der Ausbildung nicht alleine zu Recht fänden, habe das BBW Waiblingen nun ebenfalls eine „unterstützte Beschäftigung“ eingerichtet. Motto der assistierten Ausbildung sei „So normal wie möglich, so speziell wie nötig“. Im Rahmen der assistierten Ausbildung würden beide Seiten unterstützt: die Auszubildenden und der Betrieb. Das BBW dient dabei, so Teufel, als kontinuierlicher Ansprechpartner und vermittle in Konflikten. Der Schlüssel zum Erfolg sei es, eine sichere zwischenmenschliche Beziehung zu den Jugendlichen aufzubauen. Die Jugendlichen müssten als „Experten ihres Lebens“ ernst genommen werden, auch wenn ihr Entwicklungsprozess viel Zeit in Anspruch nehme. Dem stünden häufige politische Änderungen und bürokratische Hürden im Wege. Ohne Kontinuität und Planungssicherheit könne das BBW diese „Herzblutarbeit“ mit den jungen Menschen nicht leisten, so Teufels Appell an die Politik.

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Benedict Göbel

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