Die zunehmende militärische Nutzung des Weltraums und die wachsende Abhängigkeit moderner Kriegsführung von weltraumgestützten Systemen verleihen dem Weltraum eine wachsende strategische und geopolitische Bedeutung. Dies zeigt sich insbesondere am Aufstieg Chinas zu einer militärischen Weltraummacht und an seinem langfristigen Bestreben, zu den USA aufzuschließen. Zur Unterstützung dieser Ambitionen baut China internationale Weltraumpartnerschaften auf und intensiviert seine Kooperationen mit Staaten des globalen Südens. Dabei spielt der afrikanische Kontinent eine wichtige Rolle. Der afrikanische Weltraumsektor befindet sich noch im Aufbau und ist aufgrund begrenzter eigener finanzieller, technologischer und infrastruktureller Kapazitäten in erheblichem Maße auf externe Partner angewiesen. Für China eröffnet dies Möglichkeiten, durch langfristig angelegte Weltraumkooperationen seinen technologischen und geopolitischen Einfluss auf dem afrikanischen Kontinent auszubauen. Der Beitrag untersucht daher die strategische Bedeutung Afrikas für Chinas Weltraumambitionen sowie die daraus resultierenden sicherheitspolitischen Implikationen für Deutschland und Europa.
Anhand von vier Fallbeispielen – den chinesischen Weltraumpartnerschaften mit Ägypten, Äthiopien, Dschibuti und Namibia – zeigt die Analyse auf, dass China den afrikanischen Weltraumsektor zunehmend in seine internationale Weltraumstrategie einbindet. Im Rahmen der sogenannten „Space Silk Road“ unterstützt China afrikanische Staaten unter anderem beim Aufbau von Satellitenprogrammen, Bodenstationen und weiterer weltraumbezogener Infrastruktur. Dabei bietet China vielfach umfassende, schlüsselfertige Lösungen an, die neben der eigentlichen Satellitentechnologie auch den Aufbau der notwendigen Bodeninfrastruktur sowie die technische Ausbildung lokaler Fachkräfte umfassen. Für afrikanische Staaten eröffnet dies einen niedrigschwelligen und kostengünstigen Zugang zu weltraumbezogenen Fähigkeiten, die vor allem für zivile Anwendungen – etwa in den Bereichen Kommunikation, Erdbeobachtung und Navigation – eingesetzt werden. Gleichzeitig können langfristig angelegte Kooperationen und die zunehmende Nutzung chinesisch geförderter Technologie und Infrastruktur neue technologische und politische Abhängigkeiten begünstigen.
Die sicherheitspolitische Relevanz dieser Entwicklung ergibt sich insbesondere daraus, dass China den Weltraum als integralen Bestandteil seiner langfristigen militärischen und strategischen Zielsetzungen betrachtet. Satelliten, Navigationssysteme und Bodenstationen können neben zivilen Anwendungen auch für militärische Aufklärung, Kommunikation, Navigation und Informationsgewinnung eingesetzt werden. Durch seine zunehmende Präsenz im afrikanischen Weltraumsektor schafft sich China Möglichkeiten, auf weltraumbezogene Systeme und Infrastrukturen in Afrika zuzugreifen und diese potenziell für militärische Zwecke zu nutzen.
Diese Entwicklung stellt Deutschland und Europa vor neue sicherheitspolitische Herausforderungen, eröffnet zugleich aber auch strategische Chancen. Einige afrikanische Staaten verfolgen eine sogenannte „Hedging“-Strategie und kooperieren parallel mit unterschiedlichen externen Akteuren, um den Auf- und Ausbau des afrikanischen Weltraumsektors voranzutreiben. Deutschland und Europa sollten daher eigene attraktive und langfristig angelegte Weltraumpartnerschaften mit afrikanischen Staaten entwickeln. Ein koordiniertes europäisches Engagement kann dazu beitragen, technologische Abhängigkeiten zu reduzieren, afrikanische Eigenkapazitäten zu stärken und europäische Interessen in einem strategisch zunehmend relevanten Weltraumsektor zu sichern. Der Beitrag leitet daraus konkrete Handlungsempfehlungen für Deutschland und Europa ab.