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Wie können sich Mitte-rechts-Parteien in Afrika behaupten?

Ein Blick auf die Democracy Union of Africa

Inmitten des Rückzugs westlicher Partner, des wachsenden Einflusses autoritärer Mächte und der Dominanz linker Parteien suchen Afrikas Mitte-rechts-Parteien nach neuer Orientierung. Trotz Repression und Wahlmanipulationen fordern Bürgerinnen und Bürger – allen voran die Generation Z – unermüdlich Freiheit, Transparenz und politische Teilhabe. Für die bürgerlich-konservativen Kräfte stellt sich damit die drängende Frage nach glaubwürdigen Antworten. Welche Rolle spielt dabei die Democracy Union of Africa – und hat sie das Potenzial, das konservative Lager politisch neu zu beleben?

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Auf einen Blick
  • Die Demokratien Afrikas und mit ihnen die demokratischen politischen Parteien des Kontinents stehen vor großen Herausforderungen. Wenngleich die Demokratie mehrheitlich als die bevorzugte Staatsform gesehen wird, schwindet das Vertrauen in die Lösungskompetenz der gewählten Regierungen. Gleichzeitig befinden sich Afrikas Autokraten, teilweise ermutigt durch jüngere geopolitische Entwicklungen, auf dem Vormarsch.
  • Auch die Mitte-rechts-Parteien stehen verstärkt unter Druck und mussten bei jüngsten Wahlen Macht abgeben oder wurden Opfer autoritärer Regierungsführung und rechtswidrig daran gehindert, Regierungsverantwortung zu übernehmen.
  • Sie reagieren darauf mit einer stärkeren regionalen Vernetzung, um Erfahrungen auszutauschen, die Stimme der politischen Mitte auf dem Kontinent zu stärken und die Resilienz der häufig fragilen Demokratien in Afrika zu verbessern. Dabei nimmt die Democracy Union of Africa (DUA) eine wichtige Rolle ein.
  • Das DUA-Forum 2025 in Nairobi bietet Anlass zu der Hoffnung, dass die Organisation ihre Rolle als Austauschplattform und Ideengeberin künftig effektiver wahrnehmen wird; insbesondere das Thema Finanzierung bleibt aber ein Problem.
 

Afrika1 befindet sich in einem dynamischen politischen Wandel, der durch veränderte geopolitische Einflüsse und eine junge, zunehmend politisch engagierte Bevölkerung geprägt ist. Auch Mitte-rechts-Parteien stehen vor der Herausforderung, sich in einem Umfeld zu behaupten, das durch den Rückgang demokratischer Normen und internationaler Standards sowie eine wachsende Unzufriedenheit der Jugend gekennzeichnet ist. Dabei ist festzustellen, dass trotz Coups, Kriegen und zahlreichen Krisen die Mehrheit der Menschen auf unserem Nachbarkontinent demokratische Regierungsformen weiterhin bevorzugt. Angesichts der wirtschaftlichen Probleme vieler Staaten, der fast überall hohen Arbeitslosigkeit und der weitverbreiteten Korruption ist dies eine bemerkenswerte Tatsache. In vielen Staaten Afrikas werden demokratische Strukturen jedoch zurückgedrängt, Wahlen manipuliert und Verfassungen geändert, um den Machterhalt der bestehenden Eliten zu sichern. Unabhängige Medien werden zum Schweigen gebracht und demokratische Oppositionspolitiker getötet, verhaftet oder anderweitig unterdrückt. Ob in Ost-, in West-, in Nordafrika oder im südlichen Afrika: Überall sind die Autokraten auf dem Vormarsch, ermutigt durch ein geopolitisches Umfeld, in dem Freiheit, Demokratie und Menschenrechte in den Hintergrund gedrängt werden.

 

Hegemonie statt Demokratie

Seit Donald Trump im Januar 2025 ins Weiße Haus zurückgekehrt ist, geht es Washington hauptsächlich um Deals und Rohstoffe, nicht um Frieden und die Einhaltung internationaler Standards, nicht um Demokratie und Recht. Die weitgehende Abschaffung US-amerikanischer Entwicklungshilfe, begleitet von erheblichen Kürzungen auch europäischer Geber, hat Subsahara-Afrika besonders hart getroffen. Dies ist bei der Unterstützung zivilgesellschaftlicher Initiativen und demokratischen Engagements ebenfalls deutlich bemerkbar. Während es noch bis vor Kurzem vielfältige Förderprogramme für Organisationen und einzelne Akteure gab, die sich für Demokratie, Menschenrechte und Meinungsfreiheit einsetzten, ist die Zahl der Institutionen aus dem Westen, die hierfür finanzielle Hilfen und Knowhow bereitstellen, überschaubar geworden. Die deutschen politischen Stiftungen sind hier einer der wenigen verbleibenden verlässlichen Partner.

Gleichzeitig ist das politische Umfeld für demokratische Akteure in Afrika deutlich schwieriger geworden. Der Einfluss traditioneller westlicher Akteure – allen voran der EU und der USA – ist rückläufig, während China, Russland, die Türkei und andere verstärkt wirtschaftliche und politische Interessen durchsetzen. Diese Staaten verfolgen pragmatische, ressourcenorientierte Ansätze, die im Zweifelsfall auch autoritäre Machtstrukturen festigen und ihren eigenen Einfluss auf dem Kontinent steigern. Das bewerkstelligen sie durch intensivierte wirtschaftliche Zusammenarbeit, die verschiedene Bereiche wie die Rohstoffgewinnung (China) und Infrastrukturprojekte (China, Türkei, Vereinigte Arabische Emirate) betrifft, aber auch Bildung (die Türkei betreibt insbesondere in Westafrika zahlreiche Schulprojekte) und militärische Unterstützung (Russland und Türkei) sowie Desinformation (Russland). Letztere dienen nachweislich dem Ziel, den westlichen Einfluss in den afrikanischen Gesellschaften zurückzudrängen.

 

Wahlmanipulationen und Gewalt … und kaum Kritik

Die Wahlen in verschiedenen afrikanischen Ländern haben unlängst ein Schlaglicht auf die Zurückdrängung demokratischer Strukturen, auf die Missachtung demokratischer Standards und auf die Verfolgung der demokratischen Opposition geworfen. In der Elfenbeinküste konnte Präsident Ouattara durch eine fragwürdige Verfassungsänderung für eine vierte Amtszeit kandidieren und hat durch den Ausschluss der stärksten Oppositionskandidaten seine Macht für die nächsten fünf Jahre gesichert.2 In Tansania hält die Regierung den Oppositionsführer Tundu Lissu seit April vergangenen Jahres in Haft und hat ihn wegen Hochverrats angeklagt.3 Während der Wahlen Ende Oktober 2025 wurden Proteste brutal niedergeschlagen und hunderte Demonstranten getötet, nachdem die Stimmabgabe selbst offenbar massiv manipuliert worden war. In Mosambik wurden ebenfalls Proteste gegen Wahlfälschungen zugunsten der seit der Unabhängigkeit regierenden FRELIMO zerschlagen und es bestehen erhebliche Zweifel an der Gültigkeit des offiziellen Wahlergebnisses.4

Die USA haben sich von einer wertebasierten Außenpolitik verabschiedet und treten nicht mehr weltweit für Demokratie und Menschenrechte ein. Auch andere westliche Akteure fordern – nicht zuletzt angesichts veränderter geopolitischer Rahmenbedingungen – immer seltener öffentlich die Einhaltung demokratischer und rechtsstaatlicher Prinzipien ein. Die Reaktionen auf die Wahlmanipulationen und die Gewalt in den genannten Fällen fielen verhalten aus, was auch durch das Bestreben zu erklären ist, die Beziehungen zu den jeweiligen Regierungen nicht zu gefährden.5

Aber auch afrikanische Staaten mischen sich in der Regel nicht in die Wahlprozesse ihrer Nachbarn ein, egal, wie stark demokratische Standards verletzt und Menschen unterdrückt werden. Im Gegenteil: Die regionalen Organisationen, die üblicherweise Wahlbeobachter senden, stellten in der Vergangenheit häufig einen „Persilschein“ aus. Umso bemerkenswerter ist der Wahlbericht der Regionalorganisation SADC zu Tansania, der in deutlichen Worten feststellte, dass die Wähler keine freie Wahl unter den Kandidaten hatten.6 Es gibt allerdings keine Hinweise darauf, dass die regionale oder internationale Staatengemeinschaft die Regierung Tansanias und deren Präsidentin für die Wahlmanipulationen und Menschenrechtsverletzungen zur Verantwortung zieht. Eine allgemeine Atmosphäre der Straflosigkeit scheint sich über Tansania, Mosambik und der Elfenbeinküste auszubreiten. Gleiches gilt für den Putsch des Militärs in Madagaskar, der bisher zu keinen größeren Veränderungen hinsichtlich der Beziehungen Europas oder der Nachbarländer zu dem Inselstaat geführt hat. Wird die Demokratie zum Auslaufmodell?

Immer mehr junge Menschen mobilisieren sich gegen Korruption, Arbeitslosigkeit und mangelnde staatliche Leistungen.
 

Die Generation Z fordert Mitsprache und politische Rechenschaftspflicht

Auch wenn aktuelle Umfragen noch bestätigen, dass die Menschen in Afrika die Demokratie allen anderen Staatsformen vorziehen: Die Unzufriedenheit der Bürger wächst – über manipulierte Wahlen, über eingeschränkte Freiheiten, aber vor allem über mangelnde wirtschaftliche Entwicklung und persönliche Perspektiven. Die Proteste der Generation Z, die ursprünglich von Kenia ausgehend mittlerweile viele Teile des afrikanischen Kontinents erfasst haben, machen auf ihre jeweils länderspezifische Weise deutlich, dass die politische und wirtschaftliche Entwicklung in vielen Ländern Subsahara-Afrikas nicht zukunftsfähig ist. Überall wächst der Anteil der Jugendlichen, die weder Chancen für wirtschaftliches Vorankommen noch für eine effektive politische Mitbestimmung erkennen können. Deshalb mobilisieren sich immer mehr junge Menschen mithilfe digitaler Vernetzung gegen Korruption, Arbeitslosigkeit und mangelnde staatliche Leistungen. Die aus ihrer Sicht unzureichende Repräsentation ihrer Interessen im politischen System führt dazu, dass sie sich vermehrt außerparlamentarisch engagieren – sei es durch soziale Medien, Straßenproteste oder zivilgesellschaftliche Initiativen.

Diese Dynamik stellt die politischen Parteien, auch Mitte-rechts-Parteien, vor die Herausforderung, neue politische Angebote zu schaffen und die Jugend einzubinden. Die Diskrepanz zwischen einer (sprichwörtlich) alten Elite und der jungen Mehrheitsbevölkerung ist das zentrale Feld, auf dem sich die Zukunftsfähigkeit der politischen Parteien und der Demokratie entscheiden wird. In diesen gegenläufigen Trends – einerseits die Zurückdrängung demokratischer Strukturen und Prozesse von Seiten der oft langjährigen Machthaber zugunsten des eigenen Machterhalts, andererseits die Zunahme von Rufen nach politischer und wirtschaftlicher Teilhabe durch die jugendliche Bevölkerung – kristallisiert sich ein Wendepunkt für die politischen Parteien des Kontinents. Es ist eine Chance, insbesondere für die mehrheitlich oppositionellen Mitte-rechts-Parteien, ihre Funktion als zentrales Instrument der politischen Willensbildung wahrzunehmen, um verkrustete politische Machtstrukturen aufzubrechen. Die Verjüngung der Parteien und die Modernisierung ihrer Entscheidungsstrukturen durch eine sinnvolle Einbeziehung der Generation Z haben das Potenzial, die Demokratie auf unserem Nachbarkontinent zukunftsfähig zu machen. Die Chance liegt besonders bei den Parteien des Mitte-rechts-Lagers, da die demografisch jungen afrikanischen Gesellschaften weiterhin konservativ geprägt sind.

 

Konservative Werte – linke Politik

Wenn man nach grundlegenden Werten in afrikanischen Gesellschaften sucht, trifft man zweifellos auf solche, die nach den gängigen Definitionen als „konservativ“ bezeichnet werden. Dazu zählt die besondere Bedeutung, die der Familie beigemessen wird, dazu gehören aber auch die Religiosität und die Bewahrung von Traditionen, um nur einige zu nennen. Politischen Parteien des Mitte-rechts-Spektrums in Afrika gelingt es allerdings nicht ausreichend, diese Werteorientierung für ihre politische Arbeit zu nutzen. Bisher überwiegt im öffentlichen Diskurs sowie in der politischen Rhetorik und Programmatik eher linkes Denken. Dieses versteht den Staat als Wohlfahrtsstaat, der stark in die Wirtschaft eingreift und für Arbeitsplätze sorgt. Damit verbunden ist eine latente Abneigung gegen den Markt, gegen private Unternehmen und gegen freien Wettbewerb. Dem konservativen Verständnis nahestehende Ideale wie individuelle Verantwortung, Selbsthilfe und Subsidiarität kommen in diesem Denken weniger vor.

Der politische Wettbewerb scheint vor allem zwischen sozialistischen und liberalen Ideen stattzufinden.

Diese Lücke zwischen gesellschaftlichen Werten und politischer Ideologie wird teilweise als Folge der Geschichte vieler afrikanischer Staaten gesehen, die von Kolonialismus, Ausbeutung und ungleicher Ressourcenverteilung geprägt war. Nach der Erlangung der Unabhängigkeit war die soziale Ungleichheit hoch, breite Bevölkerungsschichten lebten in Armut. Linke Politikansätze, die Umverteilung, staatliche Intervention und soziale Gerechtigkeit betonen, scheinen in solchen Kontexten attraktiver als konservative oder liberale Ansätze, die auf Marktmechanismen und individuelle Verantwortung setzen. In vielen afrikanischen Ländern ist der Staat der wichtigste Akteur für Infrastruktur, Bildung und Gesundheitsversorgung, weil private Märkte schwach entwickelt sind. Linke Parteien versprechen staatliche Investitionen, Subventionen und Schutz für die ärmsten Bevölkerungsschichten. Das spricht Wähler an, die in prekären Situationen leben und unmittelbare Verbesserungen ihrer Lebensbedingungen erwarten.

Es sei außerdem daran erinnert, dass viele afrikanische Befreiungsbewegungen enge Verbindungen zu sozialistischen Staaten des ehemaligen Ostblocks hatten, was zur nachhaltigen Verankerung von sozialistischem Gedankengut in ihrer Politik führte.

Hinsichtlich der Dominanz von „linkem“ Gedankengut in der afrikanischen Politik weniger diskutiert wird der Umstand, dass es keine ausreichenden Angebote von politischen Kräften des Mitte-rechts-Lagers gibt, welche auf der konservativen Werteorientierung der Bevölkerung aufbauen. Der politische Wettbewerb scheint vor allem zwischen sozialistischen und liberalen Ideen stattzufinden. Ausnahmen wie die ghanaische New Patriotic Party (NPP) oder die südafrikanische Inkatha Freedom Party bestätigen die Regel.

Diese Lage findet ihren Ausdruck in der noch immer geringen Zahl von Mitte-rechts-Parteien in Regierungsfunktion. Parteien wie die NPP in Ghana oder die Malawi Congress Party (MCP) mussten nach den jüngsten Wahlen ihre Macht abgeben.7 Andere herausragende Mitte-rechts-Parteien wie die oppositionelle PDCI-RDA der Elfenbeinküste oder CHADEMA in Tansania wurden, wie bereits beschrieben, zuletzt Opfer autoritärer Regierungsführung und rechtswidrig daran gehindert, Regierungsverantwortung zu übernehmen. Auch parteiinterne Konflikte, wie in der mosambikanischen RENAMO, der ugandischen Democratic Party und dem ebenfalls ugandischen Forum for Democratic Change (FDC), haben das afrikanische Mitte-rechts-Lager zuletzt geschwächt.

 

Democracy Union of Africa

Vor fast 30 Jahren haben sich Mitte-rechts-Parteien in Afrika entschlossen, ihre Zusammenarbeit auszubauen, um die Stimme der politischen Mitte auf dem Kontinent zu stärken, Erfahrungen auszutauschen und die Resilienz der häufig fragilen Demokratien in Afrika zu verbessern. Dazu wurde im Jahr 1997 die Democracy Union of Africa (DUA, früher: Democratic Union of Africa) gegründet. Sie agiert als eine Allianz afrikanischer Mitte-rechts-Parteien, die sich für Demokratie, Freiheit und Wohlstand einsetzen. Die DUA versteht sich dabei als Förderer guter Regierungsführung, persönlicher Freiheit und Marktwirtschaft, die sie als Schlüssel für nachhaltige Entwicklung und Stabilität in Afrika sieht. Diese Ziele verfolgt die DUA durch jährlich stattfindende Foren, Workshops und Wahlbeobachtermissionen. Sie ist Mitglied der International Democracy Union (IDU), des weltweiten Verbands von Mitte-rechts-Parteien, dem auch die Europäische Volkspartei (EVP) angehört. Die IDU hat die Entwicklung der DUA von Beginn an stark gefördert und sich intensiv in deren Entscheidungsprozesse eingebracht. Wichtigster ausländischer Förderer war lange die britische Westminster Foundation, inzwischen ist es die Konrad-Adenauer-Stiftung, welche die DUA über das Regionalprogramm Politischer Dialog Subsahara-Afrika unterstützt.

Die Entwicklung der DUA verlief nach ihrer Gründung schleppend und kam zwischenzeitlich gar zum Erliegen. Im Jahr 2019 wurde jedoch eine von der IDU getragene Initiative gestartet, um die DUA neu zu beleben. Leider beendete diese Initiative die Krise der DUA zunächst nicht. Der damals neu gewählte Vorstand konnte zwar ein Konzept für die weitere Entwicklung der Organisation erarbeiten, welches unter anderem die institutionellen Kapazitäten der DUA verbessern, die Partnerschaft der beteiligten Parteien stärken und die DUA als Verfechterin demokratischer Prinzipien in Afrika positionieren sollte, die Umsetzung dieses Konzepts gelang aber nur ansatzweise. Eine bei den Vorstandswahlen im Jahr 2022 gewählte Doppelspitze funktionierte mehr schlecht als recht, da die Führungsverantwortung nur von einem der Vorsitzenden wahrgenommen wurde. Seit den jüngsten Vorstandswahlen von 2024 verfügt die DUA mit der ghanaischen Politikerin Louisa Atta-Agyemang über eine junge Vorsitzende, die ihre Aufgaben während ihres zweijährigen Mandats mit klaren Zielen und guter Kommunikation erfüllt. Sie kann dabei auf die Unterstützung durch ihre Partei NPP bauen, die eine der tragenden Kräfte der DUA ist und mit dem ehemaligen ghanaischen Staatspräsidenten Nana Addo Dankwa Akufo-Addo einen prominenten und schlagkräftigen Unterstützer hat.

Die DUA zeigte sich bei ihrem jüngsten Forum solidarisch mit Demokraten, die in ihren Ländern Repressionen ausgesetzt sind.
 

Neue Führung, neue Dynamik, klares Bekenntnis

Einen Eindruck dieser neuen Dynamik vermittelte das DUA-Forum im Oktober 2025 in Nairobi. Es stand unter dem Titel „Navigating Africa’s Strategic Position in a Multipolar World – Towards Equitable and Mutually Beneficial Partnerships“ und diente der selbstbewussten Verortung Afrikas in einer sich verändernden Welt, gleichzeitig aber auch der weiteren Vernetzung der Mitgliedsparteien. Einen Themenschwerpunkt bildete die künftige Anbindung Afrikas an die westliche Wertegemeinschaft, zweifellos eine der zentralen geopolitischen Zukunftsfragen des afrikanischen Kontinents, aber auch Europas. Die DUA positionierte sich in diesem Forum klar auf der Seite der Demokratie: Sie zeigte sich solidarisch mit den Demokraten, die in ihren Ländern Repressionen ausgesetzt oder aufgrund ihres politischen Engagements inhaftiert sind, wie mit dem tansanischen Oppositionsführer Tundu Lissu und dem ugandischen Oppositionspolitiker Kizza Besigye. Wichtig für die weitere Entwicklung der Organisation war auch die Erarbeitung einer neuen Satzung, die institutionelle Prozesse beschreibt, durch die viele bisherige Konflikte vermieden werden können, welche die DUA-Arbeit in der Vergangenheit erschwerten. Dazu zählt die Einführung eines regional rotierenden Vorsitzes, durch den auch die Parteien, die aus schwächer in der DUA vertretenen Regionen kommen, die Aussicht haben, die Organisation zu führen. Die Entwicklung der DUA wurde auch von Beobachtern der Konferenz in Nairobi, wie der Generalsekretärin der IDU, als eindeutig positiv bewertet.8 Die positiven Signale aus Nairobi sollen aber keineswegs darüber hinwegtäuschen, dass die Organisation weiterhin vor großen Herausforderungen steht. Dazu gehören die Erweiterung der Mitgliederzahl, die Vertiefung der Zusammenarbeit und die Reduzierung der Abhängigkeit von ausländischer Unterstützung.

Die DUA verfügt aktuell über 21 Mitgliedsparteien.9 Sie liegt im Vergleich zu den anderen afrikanischen Parteienfamilien damit deutlich hinter den Liberalen (Africa Liberal Network, 42 Parteien), aber vor der Centrist Democrat International (IDC-CDI, 19 Parteien) und der Afrikanisch Sozialistischen Internationalen (15 Parteien), wobei die Sozialistische Internationale in Afrika über 37 Mitglieder verfügt.

 

Ausbleibende Wahlerfolge der DUA-Mitglieder

Von den 21 DUA-Mitgliedsparteien sind derzeit nur noch drei in Regierungsverantwortung (Istiqlal in Marokko, Unity Party in Liberia und Inkatha Freedom Party in Südafrika). Die kenianische KANU bereitet derzeit den Eintritt in die Regierungskoalition vor. Der Status der oppositionellen Democratic Party in Uganda ist unklar, da der Parteivorsitzende als Justizminister der Regierung angehört. Damit ist die DUA nach den Wahlverlusten der NPP 2024 in Ghana und der MCP 2025 in Malawi afrikaweit nur noch sehr schwach an Regierungen beteiligt. Hinzu kommt, dass einige DUA-Mitglieder bei realistischer Betrachtung aufgrund des Gewichtes der Partei oder der politischen Situation im jeweiligen Land kurz- und mittelfristig auch keine Machtoption haben.

Die DUA hat mit der im Jahr 2025 beschlossenen Satzung nun aber Gestaltungsspielraum geschaffen, um die Mitgliederzahl zu erhöhen. So wurde neben der Vollmitgliedschaft eine assoziierte Mitgliedschaft für Parteien aus Ländern, in denen es bereits zwei DUA-Mitgliedsparteien gibt, eingeführt. Bisher wurde die Aufnahme von mehr als zwei Parteien pro Land nicht akzeptiert. Zudem wurde eine akkreditierte Mitgliedschaft für Parteien geschaffen, die nicht alle Kriterien für eine Mitgliedschaft erfüllen. Diese Kategorie ermöglicht auch die Mitgliedschaft gesellschaftlicher Organisationen. Zur Heranführung künftiger Vollmitglieder an die Organisation wird nun überdies ein Beobachterstatus für Parteien ermöglicht, die noch kein Mitglied sind. Dabei stützt sich die DUA bei der Auswahl künftiger Mitglieder auf eher vage Kriterien wie eine programmatische Orientierung an den Idealen des politischen Mitte-rechts-Lagers und ein Bekenntnis zur Demokratie. Vollmitglieder müssen ihre Teilnahme an demokratischen Wahlen in ihrem Land nachweisen können.

Die notwendige Vertiefung der Arbeit der DUA betrifft vor allem die Intensivierung der politisch-inhaltlichen Arbeit sowie die Stärkung der Organisation als Interessenvertretung des politischen Mitte-rechts-Lagers. Auch wenn es sich bei der DUA um einen Verbund sehr unterschiedlicher Parteien mit häufig eher pragmatischem als programmatischem Politikverständnis handelt, könnte die Organisation als Impulsgeberin für die politisch-inhaltliche Arbeit der Mitgliedsparteien wichtige Hilfestellung geben, um diese programmatisch besser aufzustellen, sie so stärker in der Gesellschaft zu verankern und damit auch ihre Wahlchancen zu verbessern.

Die fehlende Struktur der DUA ist vor allem ein Ergebnis fehlender Finanzmittel.
 

Was noch zu tun ist

Allerdings sind die Vertiefung und Erweiterung der Arbeit der DUA ohne eine funktionierende Struktur nicht möglich. Die DUA verfügt derzeit über kein Sekretariat, die Hauptlast der Arbeit liegt bei der Vorsitzenden, die sich für die Durchführung von Veranstaltungen Unterstützung von außerhalb der Organisation beschafft und sie teilweise selbst finanziert. Der derzeitige, ehrenamtliche Generalsekretär ist hauptberuflich Wahlkampfleiter seiner Partei und sitzt Tausende Kilometer entfernt vom nominellen Sitz der DUA in Accra. Diese fehlende Infrastruktur wird der wachsenden politischen Bedeutung der DUA nicht gerecht. Bisher steht und fällt die DUA daher mit dem Führungswillen und dem persönlichen Engagement ihrer Leitung.

Die fehlende Struktur ist vor allem ein Ergebnis fehlender Finanzmittel. Zwar sieht die DUA-Satzung die Erhebung von Mitgliedsbeiträgen vor, die Einforderung dieser Beiträge erfolgte in der Vergangenheit aber nicht, sodass die Organisation über keine nennenswerten Eigenmittel verfügt. Die wichtigste Maßnahme der DUA, das jährliche DUA-Forum, wird hauptsächlich von Partnern und Sponsoren getragen, wobei einige DUA-Mitgliedsparteien über ausreichende Finanzmittel verfügen, um DUA-Foren zu unterstützen, die in ihrem jeweiligen Land stattfinden. Die Finanzierung des DUA-Sekretariats hingegen ist weiter ungeklärt.

Die Krise der Demokratie in Afrika erfordert eine stärkere Zusammenarbeit von Demokratien und Demokraten. Mit dem Rückzug traditioneller externer Akteure der Demokratieförderung und dem Erstarken von Akteuren, die autoritäre Gesellschaftsmodelle befördern, haben sich die Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit der Demokraten in Afrika verschlechtert. Der Grund für die Krise der afrikanischen Demokratien liegt aber nicht in erster Linie in diesen externen Entwicklungen. Er liegt zuvorderst in dem Umstand, dass afrikanische Demokratien nicht in einem ausreichenden Maße politische Stabilität und Wohlstand schaffen, welche für das Vertrauen der Bürger in den Staat und in die Demokratie zentrale Voraussetzungen sind. Politische Parteien sind häufig Teil des Problems, weil sie inhaltlich und organisatorisch nicht ausreichend gut aufgestellt und nicht ausreichend in der Gesellschaft verankert sind. Gerade für die wichtige Zielgruppe junger Wähler sind politische Parteien in zu geringem Maße attraktiv. Es ist daher wenig überraschend, dass junge Afrikaner ihre Interessen zunehmend über die Straße und nicht über die Parteien artikulieren.

Die DUA hat sich in der jüngeren Vergangenheit klar an der Seite der Demokraten und Demokratien positioniert. So hat sie in öffentlichen Stellungnahmen auf die kritische Lage in Tansania hingewiesen, wo im Umfeld der Wahlen 2025 mit der Oppositionspartei CHADEMA ein DUA-Mitglied massiven Repressionen ausgesetzt war. Die politische Entwicklung in der Elfenbeinküste, wo der Präsidentschaftskandidat des DUA-Mitglieds PDCI-RDA von den Wahlen ausgeschlossen wurde, wurde ebenso zum Gegenstand kritischer DUA-Stellungnahmen wie die rechtswidrige Inhaftierung des Oppositionspolitikers Kizza Besigye in Uganda.10 Es gelang der DUA dabei, diese Mobilisierung über die IDU auch in die internationale politische Debatte einzuspeisen, was im Fall CHADEMA dazu führte, dass die EVP im Europäischen Parlament erfolgreich eine Resolution einbrachte, die sich kritisch mit der politischen Entwicklung in Tansania beschäftigt.

Das politische Gewicht der DUA sollte – gerade auch im Vergleich zu den Verbänden der anderen politischen Familien in Afrika – durch die Aufnahme weiterer Mitglieder erhöht werden. Bei der Erweiterung der Mitgliedschaft sollte die DUA allerdings den Fehler anderer internationaler Parteienverbände vermeiden, neue Mitglieder nicht ausreichend auf ihre Demokratietreue zu prüfen.

Im Zuge dieser Erweiterung wäre es auch wichtig, sich stärker den frankophonen Ländern des Kontinents zuzuwenden. Derzeit sind mit Marokko, der Elfenbeinküste und Togo nur drei Länder des frankophonen Afrikas in der DUA durch Parteien vertreten. Das anglophone Afrika ist mit zehn Ländern deutlich besser repräsentiert. Immerhin zwei der insgesamt fünf lusophonen Länder Afrikas sind in der DUA vertreten. Die gesamte Region Zentralafrika findet mit der Ausnahme Äquatorialguineas in der DUA nicht statt.

Die Vertiefung der Arbeit der DUA kann einen wichtigen Beitrag zum Erfolg der Mitgliedsparteien in ihren jeweiligen Ländern leisten. Sie sollte durch die Unterstützung der politisch-inhaltlichen Arbeit der Mitgliedsparteien erfolgen und dort ansetzen, wo in der Gesellschaft vorhandene Werteorientierungen bisher nicht ausreichend durch Parteien aufgegriffen werden. Denkbar wäre die Schaffung eines (virtuellen) DUA-Policy-Instituts, welches Konzepte für Politikformulierungen erstellt, die dann für die Programme der Mitgliedsparteien genutzt werden können. Auch ein verstärkter Austausch zu Erfahrungen im Wahlkampf oder zum Umgang mit autoritären Regimen würde einen Mehrwert erbringen, der eine Mitgliedschaft in der DUA attraktiver machen würde.

 

Wie können sich Mitte-rechts-Parteien in Afrika behaupten?

Demokratische Parteien stehen angesichts der politischen Entwicklung in Afrika mit einem Trend zu autoritärer Regierungsführung erheblich unter Druck. Diese Situation erfordert eine stärkere Solidarisierung von Demokratien, Demokraten und demokratischen politischen Parteien auf dem Kontinent sowie eine strukturiertere Zusammenarbeit. Die Solidarität afrikanischer Demokraten untereinander gewinnt angesichts des abnehmenden Engagements der internationalen Gemeinschaft in der Demokratieförderung weiter an Bedeutung. Die Democracy Union of Africa hat das Mandat ihrer Mitgliedsparteien, aktiv an diesem Prozess mitzuwirken, und tat dies zuletzt erfolgreich. Als afrikanischer Dachverband von Mitte-rechts-Parteien und Mitglied der International Democracy Union kann die DUA überdies Brücken in andere Kontinente bauen, um für Solidarität auch über den afrikanischen Kontinent hinaus zu werben. Die internationale Vernetzung der DUA-Mitgliedsparteien mit anderen Parteien der IDU und die starke Partnerschaft mit Deutschland sind für alle beteiligten Akteure gerade in Zeiten des geopolitischen Wandels und neuer Rivalitäten von fundamentaler Bedeutung.

Der politische Erfolg von Mitte-rechts-Parteien in Afrika wird vor allem davon abhängen, ob sie Politikangebote unterbreiten, welche die Interessen der jeweiligen Bevölkerung repräsentieren. Dazu bedarf es einer klaren inhaltlichen Positionierung als politische Kraft, die konservative gesellschaftliche Werte vertritt und darauf aufbauend politische Programme entwickelt, die zu einer für die Bevölkerung fühlbaren Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse führen. Von zunehmender Bedeutung für den Erfolg von Mitte-rechts-Parteien wird es sein, diese Politikangebote an den Bedürfnissen junger Menschen auszurichten und jene dafür zu gewinnen, sich parteipolitisch zu engagieren. Wenn junge Menschen, die politisch engagiert sind, in den Parteigremien Gehör finden, ihre Ideen in die Entscheidungsfindung und Programmformulierung einbringen und nach außen auftreten können, erhöht dies die Repräsentativität von Parteien und stärkt damit auch die jeweiligen Demokratien.

Für den Austausch zu politisch-inhaltlichen Herausforderungen, aber auch zu wichtigen Fragen wie Parteiorganisation, Wahlkampfmanagement, politischer Kommunikation und dem Umgang mit autoritären Regierungen kann die DUA für ihre Mitgliedsparteien als Plattform wirken. Damit würde sie einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung und Förderung der Demokratie sowie zur Stärkung des politischen Mitte-rechts-Lagers in Afrika leisten und ihre Attraktivität für neue Mitglieder erhöhen.

 

 

Dr. Holger Dix ist Leiter des Regionalprogramms Politischer Dialog Subsahara-Afrika der Konrad-Adenauer-Stiftung mit Sitz in Johannesburg.

 

 

Henri Bohnet ist Länderreferent Südliches Afrika, Medien, Digitales und Parteien bei der Konrad-Adenauer-Stiftung.

 

 
  1. Die Autoren nutzen in diesem Text „Afrika“ als vereinfachenden Begriff für unseren Nachbarkontinent mit seinen 54 Staaten.↩︎
  2. Brinkel, Stefanie 2026: Parlamentswahl in der Côte d’Ivoire – Machtkonsolidierung von Alassane Outtara, Länderberichte, Konrad-Adenauer-Stiftung, 09.01.2026, in: https://ogy.de/m4km [10.02.2026].↩︎
  3. European Parliament News 2025: Human rights violations in Tanzania, Iran and Tunisia, 27.11.2025, in: https://ogy.de/06k2 [10.02.2026].↩︎
  4. Global State of Democracy Initiative 2024: Mozambique - October 2024, in: https://ogy.de/ngf8 [10.02.2026].↩︎
  5. Die zurückhaltende Kritik der internationalen Staatengemeinschaft hat Beobachtern zufolge verschiedene Gründe. Einige davon hier: Nebe, Cai 2025: Is Western influence on African democracy fading?, Deutsche Welle, 14.10.2025, in: https://ogy.de/x79a [10.02.2026]↩︎
  6. Msowoya, Richard 2025: Preliminary Statement, 03.11.2025, in: https://ogy.de/twee [10.02.2026].↩︎
  7. SABC News 2025: Mutharika declared Malawi’s President-elect, Youtube, 24.09.2025, in: https://ogy.de/wz6o [10.02.2026].↩︎
  8. Gespräch Holger Dix mit IDU-Generalsekretärin Tina Mercep vom 02.02.2026.↩︎
  9. National Union for the Total Independence of Angola UNITA; Democratic Party of Côte d’Ivoire – African Democratic Rally (PDCI-RDA), Elfenbeinküste; Democratic Centre Union (UCD), Äquatorial-Guinea; New Patriotic Party (NPP), Ghana; Kenya Africa National Union (KANU); Democratic Party of Kenya (DPK); Unity Party (UP), Liberia; Malawi Congress Party (MCP); Istiqlal Party, Marokko; Mozambican National Resistance (RENAMO); Democratic Movement of Mozambique (MDM); Popular Democratic Movement (PDM), Namibia; People’s Democratic Party (PDP), Nigeria; People’s Movement for Democratic Change (PMDC), Sierra Leone; National Grand Coalition Party (NGCP), Sierra Leone; African Christian Democratic Party (ACDP), Südafrika; Inkatha Freedom Party (IFP), Südafrika; Party for Democracy and Progress (CHADEMA), Tanzania; Forces Démocratiques Pour La République (FDR), Togo; Democratic Party (DP), Uganda; Forum for Democratic Change (FDC), Uganda.↩︎
  10. Democracy Union of Africa 2025: The Democracy Union of Africa strongly condemns the unlawful incarceration of Dr. Kizza Besigye, X, 20.02.2025, in: https://ogy.de/9hn5 [10.02.2026].↩︎

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