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70 Jahre Europa. Wie wurde die Europäische Union zu dem, was sie heute ist, warum brauchen wir sie?

de Ralph Fautz

Veranstaltungsbericht zu Ingo Espenschieds "dokulive" 70 Jahre Europa" am Kreisgymnasium Neuenburg am 3. Juli 23

Multimediale Zeitreise von und mit Ingo Espenschied zur Geschichte und Bedeutung der Europäischen Integration am Kreisgymnasium Neuenburg

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Nein, es ist keine Selbstverständlichkeit, dass wir heute ohne Pass und stationäre Zollkontrollen als Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union von Portugal bis Polen reisen können; dass zwischen Deutschland und Frankreich Schüleraustausche stattfinden, die beiden Länder kooperieren oder überhaupt, dass wir den größten Binnenmarkt der Welt haben. Wie kam es dazu, nach jahrhunderten von Feindschaft, nach zwei entsetzlichen Weltkriegen und welche Bedeutung hat Europa?

Der Politologe Ingo Espenschied zeichnete die Entwicklungen, die zur EU führten, in seiner multimedialen Live-Kommentierung am Montag, 3 Juli vor mehr als 80 Schülerinnen und Schülern am Kreisgymnasium Neuenburg nach. Abstraktes und Geschichte machte er in seinem bewährten Format dokulive lebendig.

Die fränkische Reichsteilung im Jahr 843 war die Saat für die Erbfeindschaft gut eintausend Jahre später, in der sich Deutsche und Franzosen im 19. und 20. Jahrhundert unversöhnlich gegenüberstanden. Streitpunkt war das mit der Teilung zwischen dem Ost- und Westfrankenreich liegende Lotharingen/Lothringen, durch das die Sprachgrenze zwischen romanischen und germanischen Sprachen verläuft.

Zum Zankapfel wurde die Region spätestens ab dem 19. Jahrhundert. Zu Lebzeiten der Menschen damals wechselte das Gebiet bis zu vier Mal den Herrschaftsbereich. Deutschen und Franzosen wurde erklärt, der jeweils andere hätte das Gebiet gestohlen. Die vergleichsweise späte Deutsche Reichsgründung 1871 und die beiden Weltkriege prägten das Misstrauen beiderseits des Rheins. 

Aus einer solchen Situation heraus sei ein Zusammenwachsen, eine europäische Integration, wie sie in den 1950er Jahren mit den bekannten Schritten seit Schuman-Plan und der EGKS vollzogen wurde, keineswegs ein Selbstläufer gewesen. Die Ton-, Bild- und Videoaufnahmen von Espenschieds Präsentation machten die Akteure und Ereignisse von damals lebendig. Er ordnete sie in seiner Kommentierung ein und machte sie so den jungen Menschen zugänglich.  Mehrmals, so wurde deutlich, stand das Projekt geeintes Europa unter Beschuss; die einen wollten zu schnell zu viel (Studenten, die in den 1960er Jahren die Schlagbäume einrissen), den anderen ging es zu schnell (Großbritannien). 

Der Mauerfall und die Wiedervereinigung Deutschlands waren Zäsur und Antrieb zu gleich. Ein großes Deutschland weckte Sorgen und Bedenken unter den sonst Verbündeten Frankreich und Großbritannien. Seine Zukunft konnte nur in einem Vereinten Europa liegen. Die Erweiterungsrunden und Konflikte thematisierte Espenschied weiter bis in die Gegenwart.

"Wo will Europa eigentlich hin?" Fragte ein Schüler. Der Politologe erläuterte die Probleme seit 1989 und die Visionslosigkeit der politischen Akteure in dieser Sache. Er wies die jungen Menschen an, dass sie durch ihr Handeln, durch ihr Bestreben nach gegenseitigem Austausch und ihre Visionen diese Lücke füllen könnten, eigentlich müssten. Bei aller berechtigten Kritik, das Projekt Europa müsse weiter gemacht und gelebt werden! Die Entwicklungen gelte es durch eine informierte, kritische und - vor allem junge - Öffentlichkeit zu begleiten! Deutschland mit seinen 84 Millionen Einwohnern stelle 1 Prozent der Weltbevölkerung. Nur als Gemeinschaft habe man internationales Gewicht, könne die Standards der Zukunft setzen.

Die Schülerinnen und Schüler waren von seiner Präsentation nachhaltig beeindruckt. Noch auf dem Schulhof unterhielten sie sich angeregt. Espenschied fand sowohl durch seine Bilder als auch durch seine Kommunikation einen Zugang zu den jungen Menschen. 

 

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