Anlässlich des 150. Geburtstags von Konrad Adenauer stand nicht nur der erste Bundeskanzler selbst im Mittelpunkt, sondern auch das Wirken seiner Mitstreiter sowie die bleibende Aktualität seiner politischen Prinzipien.
Felix Kraft, Landesbeauftragter der Konrad-Adenauer-Stiftung und Leiter des Politischen Bildungsforums Hessen, eröffnete die Veranstaltung mit einer Einführung, in der er Adenauers historisches Bewusstsein betonte. Er zitierte den Altkanzler mit den Worten: „Die Vergangenheit ist eine Realität. Sie lässt sich nicht aus der Welt schaffen, und sie wirkt fort, auch wenn man die Augen schließt, um sie zu vergessen.“
Im anschließenden Beitrag sprach Konrad Adenauer, Enkel des ersten Bundeskanzlers, über das politische Erbe seines Großvaters und dessen bleibende Relevanz. Er hob hervor, wie wichtig es Konrad Adenauer nach 1945 gewesen sei, Deutschland als verlässlichen Partner in der internationalen Gemeinschaft neu zu positionieren und Vertrauen zurückzugewinnen. Zentrale Leitlinien seien dabei die Westbindung, die europäische Einigung und die Aussöhnung mit Israel im Rahmen der Wiedergutmachungspolitik gewesen.
Adenauer habe früh erkannt, dass Deutschlands Einfluss und Sicherheit nur in enger Partnerschaft mit den westlichen Demokratien, insbesondere mit den USA, zu gewährleisten seien. Zugleich betonte sein Enkel Adenauers Selbstverständnis als entschlossener Gestalter: als Kommunalpolitiker in Köln, der nachhaltige Infrastrukturprojekte durchsetzte, ebenso wie als Parteipolitiker, der das Grundsatzprogramm der CDU prägte und zielstrebig das Amt des Bundeskanzlers anstrebte. Freiheit, Frieden und Einheit seien die zentralen Ziele gewesen, an denen Adenauer sein politisches Handeln ausrichtete.
Im zweiten Vortrag des Abends, beschrieb Hugo Bergham, angelehnt an das Buch „Adenauerianer: Gestalter, Macher, Zauberer – wem wir die Republik verdanken“ eine ganze Generation von Persönlichkeiten, die den Aufbau und die Zeit der jungen Bundesrepublik maßgeblich geprägt habe. Die sogenannten „Adenauerianer“ hätten Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Journalismus und Sport gleichermaßen beeinflusst und damit die Grundlagen für Stabilität, Wohlstand und gesellschaftlichen Aufbruch gelegt.
Bergham verdeutlichte dies anhand prägender Persönlichkeiten und Strömungen der Zeit: Rudolf Augstein etwa habe mit dem Aufbau einer freien Presse neue Maßstäbe gesetzt, die Gruppe 47 habe der Nachkriegsliteratur eine Stimme gegeben, während wirtschaftliche Akteure wie Franz Greis den Wiederaufbau und die Neuordnung regionaler Wirtschaftsstrukturen vorantrieben. So entstand ein facettenreiches Panorama der frühen Bundesrepublik, das weit über die Kanzlerschaft Adenauers hinausreichte.
In der Abschlussdiskussion wurde Adenauers politischer Stil intensiv reflektiert. Beide beschrieben ihn als konsequenten Pragmatiker, der klare Ziele verfolgte und Entscheidungen nicht von kurzfristigen Stimmungen abhängig machte. Seine präzise Sprache, strategische Klarheit und sein Verantwortungsbewusstsein wurden als zentrale Eigenschaften hervorgehoben.
Mit Blick auf die Gegenwart betonte Konrad Adenauer, dass heute häufig ein Verantwortungsverständnis fehle, das über individuelle oder parteipolitische Interessen hinausgehe. Für seinen Großvater habe stets das Wohl der gesamten Bevölkerung im Mittelpunkt gestanden und nicht das politische Schicksal einer einzelnen Person. Entscheidend sei es, Verantwortung für „80 Millionen Menschen“ zu übernehmen, auch unter Inkaufnahme persönlicher Risiken oder des möglichen Verlusts des eigenen Amtes.
Die Veranstaltung machte deutlich, dass die Leitwerte Konrad Adenauers „Freiheit, Frieden und Einheit“ auch 150 Jahre nach seiner Geburt nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Sein Wirken und das seiner Generation bieten weiterhin Orientierung in einer Zeit politischer und gesellschaftlicher Herausforderungen.
Teemad
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