Am 30. September 2026 veranstaltete das Politische Bildungsforum Niedersachsen der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kooperation mit dem Heimat & Kulturverein Glandorf e.V. einen Vortrag zum Thema „China unter Xi Jinping – Macht, Ideologie und globale Ambitionen“. Die Veranstaltung wurde von Manuel Ley (Politisches Bildungsforum Niedersachsen) sowie Dieter Heimsath (Heimat & Kulturverein Glandorf e.V.) eröffnet. Als Referent war Thomas Awe, ehemaliger Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in China, eingeladen. Auf den Vortrag folgte eine Diskussion mit den Teilnehmenden.
Im Mittelpunkt des Vortrags stand die Entwicklung Chinas unter Staats- und Parteichef Xi Jinping sowie die Frage, welche Auswirkungen der zunehmende globale Machtanspruch der Volksrepublik hat. Zu Beginn wurde der politische Werdegang Xi Jinpings betrachtet. In diesem Zusammenhang wurde auch auf die Erfahrungen seiner Jugend und die Zeit verwiesen, in der Xi während der Kulturrevolution zur Landarbeit geschickt wurde. Später nahm er verschiedene Funktionen innerhalb der Partei wahr, bevor er 2008 Vizepräsident und 2012 Staats- und Parteichef wurde. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem wachsenden internationalen Anspruch Chinas. Die Volksrepublik versteht sich zunehmend als globaler Akteur und versucht, ihren politischen, wirtschaftlichen und technologischen Einfluss über die eigene Region hinaus auszubauen. Dabei wurden unter anderem wirtschaftliche Abhängigkeiten, globale Lieferketten und technologische Entwicklungen angesprochen. China sei für westliche Staaten zugleich ein wichtiger Wirtschafts- und Handelspartner sowie ein strategischer Wettbewerber. Die wirtschaftliche Verflechtung zwischen China, den USA und Europa mache eine klare Einordnung der Beziehungen besonders schwierig. Auch die Veränderungen im Verhältnis zwischen China und den USA wurden thematisiert. Während die wirtschaftliche Zusammenarbeit über lange Zeit von gegenseitigen Interessen geprägt gewesen sei, hätten sich die Beziehungen unter Xi Jinping zunehmend verschärft. Handelsbeschränkungen, Zölle und technologische Konflikte seien Ausdruck dieser Entwicklung. Besondere Bedeutung kam der Taiwan-Frage zu. Chinas Anspruch auf Taiwan wurde im Zusammenhang mit der militärischen Modernisierung und der wachsenden sicherheitspolitischen Bedeutung des Indo-Pazifiks betrachtet. Die chinesische Volksbefreiungsarmee wurde in den vergangenen Jahren umfassend modernisiert und ihre Fähigkeiten weiter ausgebaut. Für Deutschland und Europa sei diese Entwicklung nicht nur eine Frage der Außenpolitik. Eine mögliche Eskalation im Indo-Pazifik könnte auch wirtschaftliche Folgen für Europa haben, da internationale Handelswege, Lieferketten und insbesondere die technologische Produktion eng mit der Region verbunden sind.
In der anschließenden Diskussion wurde insbesondere die Frage aufgegriffen, wie Deutschland und Europa mit dem zunehmend selbstbewussten und machtpolitisch auftretenden China umgehen sollten. Dabei spielten sowohl wirtschaftliche Beziehungen als auch sicherheitspolitische Interessen eine Rolle. Thematisiert wurden unter anderem die zunehmende Bedeutung von Handelsbeschränkungen und Zöllen gegenüber China, die Abhängigkeit von chinesischen Produkten und Technologien sowie die Frage, in welchen Bereichen eine stärkere Diversifizierung wirtschaftlicher Beziehungen notwendig sein könnte. Gleichzeitig wurde deutlich, dass eine vollständige Entkopplung aufgrund der engen wirtschaftlichen Verflechtungen kaum als einfache Lösung betrachtet werden kann.
Die Veranstaltung vermittelte einen umfassenden Einblick in die politische Entwicklung Chinas unter Xi Jinping und deren internationale Auswirkungen. Deutlich wurde insbesondere, dass Chinas Aufstieg nicht ausschließlich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet werden kann. Die Stärkung der Kommunistischen Partei, die zunehmende Konzentration politischer Macht, die Modernisierung der Streitkräfte und der wachsende globale Anspruch Chinas sind eng miteinander verbunden.
Für Deutschland und Europa ergibt sich daraus die Notwendigkeit, die Entwicklungen in China und im Indo-Pazifik aufmerksam zu verfolgen. Neben den sicherheitspolitischen Fragen bleiben dabei auch wirtschaftliche Abhängigkeiten, technologische Entwicklungen und die Zukunft internationaler Lieferketten von zentraler Bedeutung.
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