Am 7. Mai 2026 lud das Politische Bildungsforum Niedersachsen der Konrad-Adenauer-Stiftung zu einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung über die aktuellen Spannungen zwischen Russland und dem Westen ein. Als Referentin konnte die Osteuropa-Expertin Dr. Margarete Klein von der Stiftung Wissenschaft und Politik gewonnen werden.
Klein machte deutlich, dass Russlands Politik gegenüber der Ukraine und dem Westen auf strategischen, langfristig angelegten Zielvorstellungen beruht. Der Angriffskrieg gegen die Ukraine sei dabei nicht als isoliertes Ereignis zu verstehen, sondern als Teil eines umfassenderen Machtanspruchs Moskaus.
Ein Schwerpunkt ihres Vortrags lag auf den offiziellen und inoffiziellen Kriegszielen Russlands. Neben der propagandistisch begründeten „Entnazifizierung“ und „Demilitarisierung“ der Ukraine verwies Klein auf weitreichende territoriale Forderungen sowie auf die grundsätzliche Infragestellung ukrainischer Staatlichkeit. Diese Narrative dienten nicht nur der innenpolitischen Legitimation, sondern auch der strategischen Positionierung Russlands im internationalen System.
Darüber hinaus analysierte Klein die russische Strategie gegenüber dem Westen. Moskau nehme den Westen als geschwächt und gespalten wahr und versuche gezielt, diese wahrgenommene Schwäche auszunutzen – etwa durch politische Einflussnahme, Desinformation und die Betonung bilateraler Beziehungen, insbesondere mit den USA. Ziel sei es unter anderem, die transatlantische Zusammenarbeit zu untergraben und europäische Geschlossenheit zu schwächen.
Ein weiterer zentraler Punkt war Russlands Anspruch, die europäische Sicherheitsordnung grundlegend zu revidieren. Bereits vor dem Angriff auf die Ukraine habe Moskau mit Vertragsentwürfen eine Neuordnung angestrebt, die auf eine Schwächung der NATO und eine Reduzierung des US-Einflusses in Europa zielte. In diesem Kontext versteht sich Russland laut Klein als eigenständige Zivilisation und Großmacht in einer multipolaren Weltordnung.
Mit Blick auf die Zukunft zeichnete die Referentin ein nüchternes Bild: Die Konfrontation zwischen Russland und dem Westen werde voraussichtlich langfristig bestehen bleiben. Russland bereite sich bereits auf eine anhaltende Auseinandersetzung vor – unter anderem durch militärischen Aufwuchs und die verstärkte Nutzung hybrider Instrumente.
Für den Westen ergeben sich daraus vielfältige Herausforderungen. Klein plädierte für eine Kombination aus Abschreckung, Unterstützung der Ukraine, wirtschaftlichem Druck sowie der Stärkung gesellschaftlicher Resilienz. Gleichzeitig betonte sie die Notwendigkeit, Gesprächskanäle offenzuhalten, um Eskalationsrisiken zu minimieren.
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, wie sehr die aktuellen Entwicklungen auch die deutsche Öffentlichkeit bewegen. Fragen nach der Rolle des Westens, den Perspektiven für Frieden sowie den sicherheitspolitischen Konsequenzen für Europa standen im Mittelpunkt. Der Abend zeigte eindrücklich, dass die Auseinandersetzung mit Russland nicht nur eine außenpolitische Herausforderung darstellt, sondern grundlegende Fragen der internationalen Ordnung und der europäischen Sicherheit berührt.
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