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Papst veröffentlicht Sozialenzyklika

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Die lang erwartete Enzyklika des Papstes ist auf den 29. Juni 2009 datiert, dem Fest der heiligen Apostel Petrus und Paulus in Rom. Sie richtet sich an die Geistlichen, die Ordensleute, an die „christgläubigen Laien“ und an alle Menschen guten Willens. In dem 144 Seiten umfassenden Dokument fordert er unter anderem Einsatz für Gerechtigkeit und Gemeinwohl, Solidarität, Engagement im Kampf gegen Armut, Schutz des Lebens und Förderung der Familie sowie einen respektvollen Umgang mit der Umwelt. Er ruft Politik und Wirtschaft auf, ihr Tun am Menschen zu orientieren und ihn als "das erste zu schützende und zu nutzende Kapital" anzusehen. Wir haben einige Punkte zusammengefasst. Bei Radio Vatikan finden Sie das Schreiben in ganzer Länge

In dem von den Medien als „Globalisierungsenzyklika“ angekündigten Schreiben betont Benedikt XVI., die Globalisierung sei a priori weder gut noch schlecht. „Wir dürfen nicht Opfer sein, sondern müssen Gestalter werden, indem wir mit Vernunft vorgehen und uns von der Liebe und von der Wahrheit leiten lassen. Blinder Widerstand wäre eine falsche Haltung, ein Vorurteil, das schließlich dazu führen würde, einen Prozeß zu verkennen, der auch viele positive Seiten hat, und so Gefahr zu laufen, eine große Chance zu verpassen, an den vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten teilzuhaben, die dieser bietet.“(42)

Benedikt XVI. weist in dem Schreiben auf die „Dringlichkeit einer Reform sowohl der Organisation der Vereinten Nationen als auch der internationalen „Wirtschafts- und Finanzgestaltung“ hin. Nur so könne das „Konzept einer Familie der Nationen“ verwirklicht werden. Der Papst fordert eine echte politische Weltautorität und die Errichtung einer „übergeordneten Stufe internationaler Ordnung von subsidiärer Art“, die für die Steuerung der Globalisierung verantwortlich ist.

„Eine solche Autorität muß sich dem Recht unterordnen, sich auf konsequente Weise an die Prinzipien der Subsidiarität und Solidarität halten, auf die Verwirklichung des Gemeinwohls hingeordnet sein, sich für die Verwirklichung einer echten ganzheitlichen menschlichen Entwicklung einsetzen, die sich von den Werten der Liebe in der Wahrheit inspirieren läßt. Darüber hinaus muß diese Autorität von allen anerkannt sein, über wirksame Macht verfügen, um für jeden Sicherheit, Wahrung der Gerechtigkeit und Achtung der Rechte zu gewährleisten.“ (67)

Ferner müsse „eine der moralischen Ordnung entsprechende Sozialordnung“ verwirklicht werden. Jene „Verbindung zwischen moralischem und sozialem Bereich, zwischen Politik und wirtschaftlichem und zivilem Bereich, die schon in den Statuten der Vereinten Nationen dargelegt wurde“, so Benedikt XVI.

Er ruft den Regierenden, die sich um ein neues Profil der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnungen der Welt bemühen in Erinnerung, „daß das erste zu schützende und zu nutzende Kapital der Mensch ist, die Person in ihrer Ganzheit – ‚ist doch der Mensch Urheber, Mittelpunkt und Ziel aller Wirtschaft’“. (25)

Liebe und Wahrheit – Prinzipien der Soziallehre

Die Enzyklika trägt den Untertitel „Über die ganzheitliche Entwicklung des Menschen in der Liebe und in der Wahrheit“. In der Einleitung erinnert der Papst daran, dass die Liebe der Hauptweg der Soziallehre der Kirche ist. Aufgrund der Gefahr, dass das Prinzip der Liebe aus der ethischen Lebenspraxis ausgeschlossen oder missverstanden wird, müsse sie mit der Wahrheit einhergehen. Der Papst warnt:

„Ein Christentum der Liebe ohne Wahrheit kann leicht mit einem Vorrat an guten, für das gesellschaftliche Zusammenleben nützlichen, aber nebensächlichen Gefühlen verwechselt werden. Auf diese Weise gäbe es keinen eigentlichen Platz mehr für Gott in der Welt. Ohne die Wahrheit wird die Liebe in einen begrenzten und privaten Bereich von Beziehungen verbannt. Aus den Planungen und den Prozessen zum Aufbau einer menschlichen Entwicklung von umfassender Tragweite – im Dialog zwischen Wissen und Praxis – wird sie ausgeschlossen.“ (4)

Wahrheit ist notwendig „für die Entwicklung, den gesellschaftlichen Wohlstand und eine angemessene Lösung der schweren sozioökonomischen Probleme, welche die Menschheit plagen“. Ohne Wahrheit keine soziale Verantwortung, so Benedikt XVI.: „Das soziale Handeln wird ein Spiel privater Interessen und Logiken der Macht, mit zersetzenden Folgen für die Gesellschaft, um so mehr in einer Gesellschaft auf dem Weg zur Globalisierung und in schwierigen Situationen wie der augenblicklichen.“(5)

Beim Einsatz für die Entwicklung in einer Gesellschaft auf dem Weg zur Globalisierung müssten Gerechtigkeit und Gemeinwohl Orientierungsmaßstäbe für das moralische Handeln sein. (6)

Papst Benedikt betont, dass die Kirche keine technischen Lösungen anzubieten habe und sie keineswegs beanspruche, „sich in die staatlichen Belange einzumischen“ (9). Die Kirche habe jedoch „zu allen Zeiten und unter allen Gegebenheiten eine Sendung der Wahrheit zu erfüllen für eine Gesellschaft, die dem Menschen und seiner Würde und Berufung gerecht wird. ... Die Treue zum Menschen erfordert die Treue zur Wahrheit, die allein Garant der Freiheit (vgl. Joh 8, 32) und der Möglichkeit einer ganzheitlichen menschlichen Entwicklung ist.“ (9)

Solidarität und Nächstenliebe

Das erste Kapitel widmet sich der Botschaft von Populorum progressio von Papst Paul VI. Ferner verweist er auf die Enzyklika Humanae vitae vom 25. Juli 1968 und das Apostolische Schreiben Evangelii nuntiandi vom 8. Dezember 1975 - ebenfalls von Papst Montini. In der Enzyklika „Humanae vitae“ zeige Paul VI. die starke Verbindungen zwischen der Ethik des Lebens und der Sozialethik auf.

Als Ursache für die Unterentwicklung sieht Papst Benedikt XVI., wie Paul VI in Populorum progressio, die fehlende Solidarität. „Die zunehmend globalisierte Gesellschaft macht uns zu Nachbarn, aber nicht zu Geschwistern. Die Vernunft für sich allein ist imstande, die Gleichheit unter den Menschen zu begreifen und ein bürgerliches Zusammenleben herzustellen, aber es gelingt ihr nicht, Brüderlichkeit zu schaffen.“ Der Papst fordert dazu auf, sich für die Verwirklichung einer „echten Brüderlichkeit“ einzusetzen: „Dieses Ziel hat eine solche Bedeutung, daß es unsere Aufgeschlossenheit erfordert, damit wir es zutiefst begreifen und uns konkret und »von Herzen« dafür engagieren, daß die aktuellen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Prozesse zu wahrhaft menschlichen Ergebnissen führen. (20)

Weg aus der Krise: Neue humanistische Synthese

Im zweiten Kapitel beleuchtet der Papst die aktuelle Krise. Die ausschließliche Zielsetzung des Profits, die das Gemeinwohl als letztes Ziel aus dem Blick verliert, riskiere, den Reichtum zu zerstören und Armut zu schaffen. Der Papst fordert daher eine „neue humanistische Synthese“, um der derzeitigen Krise zu begegnen. „Die Krise verpflichtet uns, unseren Weg neu zu planen, uns neue Regeln zu geben und neue Einsatzformen zu finden, auf positive Erfahrungen zuzusteuern und die negativen zu verwerfen. So wird die Krise Anlaß zu Unterscheidung und neuer Planung.“(21)

Der Rahmen der Entwicklung ist laut Benedikt XVI. polyzentrisch. Die Akteure und Ursachen für Entwicklung und Unterentwicklung seien vielgestaltig. „Diese Gegebenheit müßte dazu drängen, sich von den Ideologien zu befreien, die in oft künstlicher Weise die Realität vereinfachen, und dazu veranlassen, objektiv die menschliche Komplexität der Probleme zu überprüfen.“ (22)

Bekämpfung der Armut und der sozialen Ungerechtigkeit

Mit Blick auf die Armut fordert der Papst ein „solidarisches Bewusstsein“, welches die Ernährung und den Zugang zum Wasser als allgemeine Rechte aller Menschen betrachtet, ohne Unterscheidungen und Diskriminierungen.“ Außerdem sei es wichtig zu verdeutlichen, wie der Weg der Solidarisierung mit den armen Ländern ein Projekt zur Lösung der augenblicklichen weltweiten Krise darstellen kann: „Indem man durch solidarisch ausgerichtete Finanzierungspläne die armen Länder wirtschaftlich unterstützt, damit sie selber dafür sorgen, die Nachfrage ihrer Bürger nach Konsumgütern und Entwicklung zu befriedigen, kann man nicht nur ein echtes Wirtschaftswachstum erzielen, sondern auch dazu beitragen, die Produktionskapazitäten der reichen Länder zu erhalten, die Gefahr laufen, durch die Krise in Mitleidenschaft gezogen zu werden.“

In absoluten Zahlen wachse der Welt-Reichtum, dennoch entstehe eine neue Armut. „ Der ‚Skandal schreiiender Ungerechtigkeit’ hält an“, so Papst Benedikt XVI.

„Korruption und Illegalität gibt es leider im Verhalten wirtschaftlicher und politischer Vertreter der alten und neuen reichen Länder ebenso wie in den armen Ländern selbst. Manchmal sind es große transnationale Unternehmen oder auch lokale Produktionsgruppen, welche die Menschenrechte der Arbeiter nicht respektieren. Die internationalen Hilfen sind oft durch Verantwortungslosigkeiten sowohl in der Kette der Geber als auch in der der Nutznießer zweckentfremdet worden. Auch im Bereich der nicht materiellen oder der kulturellen Ursachen der Entwicklung bzw. der Unterentwicklung können wir die gleiche Aufteilung der Verantwortung finden. Es gibt übertriebene Formen des Wissensschutzes seitens der reichen Länder durch eine zu strenge Anwendung des Rechtes auf geistiges Eigentum, speziell im medizinischen Bereich. Zugleich bestehen in einigen armen Ländern kulturelle Leitbilder und gesellschaftliche Verhaltensnormen fort, die den Entwicklungsprozeß bremsen.“ (22)

Arme nicht als Last sondern als Ressource begreifen

„Die Armen dürfen nicht als eine ‚Last’ angesehen werden, sondern als eine Ressource, auch unter streng wirtschaftlichem Gesichtspunkt“ (35), fordert Papst Benedikt XVI. Es sei im Interesse des Marktes, Emanzipierung zu fördern. Um dieses Ziel zu erreichen, dürfe sich der Markt allerdings nicht nur auf sich selbst verlassen sondern müsse auf die moralischen Kräfte anderer Subjekte zurückgreifen, die diese hervorbringen können. Der Papst weist darauf hin, dass der „Markt an sich“ nichts Negatives ist und sich die Gesellschaft nicht vor ihm schützen muss. Allerdings sei der Bereich der Wirtschaft weder „moralisch neutral noch von seinem Wesen her unmenschlich und antisozial“. Er gehöre zum Tun des Menschen und müsse daher nach moralischen Gesichtspunkten strukturiert und institutionalisiert werden.

„Vor uns liegt eine große Herausforderung, die von den Problemen der Entwicklung in dieser Zeit der Globalisierung hervorgebracht und durch die Wirtschafts- und Finanzkrise noch weiter erschwert wurde: Wir müssen in unserem Denken und Handeln nicht nur zeigen, daß die traditionellen sozialethischen Prinzipien wie die Transparenz, die Ehrlichkeit und die Verantwortung nicht vernachlässigt oder geschwächt werden dürfen, sondern auch, daß in den geschäftlichen Beziehungen das Prinzip der Unentgeltlichkeit und die Logik des Geschenks als Ausdruck der Brüderlichkeit im normalen wirtschaftlichen Leben Platz haben können und müssen. Das ist ein Erfordernis des Menschen in unserer jetzigen Zeit, aber auch um ein Erfordernis des wirtschaftlichen Denkens selbst. Es ist zugleich ein Erfordernis der Liebe und der Wahrheit.“(36)

Die Liebe in der Wahrheit stelle den Menschen vor die staunenswerte Erfahrung des Geschenks, so Papst Benedikt XVI. Diese Erfahrung werde bei einer produktivistischen und utilitaristischen Sicht des Daseins nicht erkannt. Die Logik des Geschenks schließe die Gerechtigkeit nicht aus. Eine wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Entwicklung, die wahrhaft menschlich sein wolle, müsse dem Prinzip der Unentgeltlichkeit als Ausdruck der Brüderlichkeit Raum geben, schreibt der Papst. (34)

Zusammenleben der Völker

Papst Benedikt XVI. warnt vor einem unkritischen kulturellen Eklektizismus, der Gefahr einer kulturellen Verflachung und der Vereinheitlichung der Lebensstile. „Die Kulturen werden einfach nebeneinander gestellt und als im wesentlichen gleichwertig und untereinander austauschbar betrachtet. Das fördert das Abgleiten in einen Relativismus, der dem wahren interkulturellen Dialog wenig hilfreich ist; auf gesellschaftlicher Ebene bewirkt der kulturelle Relativismus ein getrenntes Nebeneinanderher-Leben der Kulturgruppen ohne echten Dialog und folglich ohne wirkliche Integration.“(26)

Lebensschutz und Förderung der Familie

Hart verurteilt der Papst in seiner Enzyklika Abtreibung und Euthanasie. Er macht darauf aufmerksam, dass in einigen Teilen der Welt Geburtenkontrollen praktiziert werden, die dahin führen, dass „die Abtreibung zur Verpflichtung wird“. In den entwickelten Ländern sei eine Antigeburtsmentalität verbreitet, die man oft auch als kulturellen Fortschritt auf andere Staaten übertragen wolle. Die „beunruhigenden Szenarien für die Zukunft des Menschen und die neuen mächtigen Instrumente, die der ‚Kultur des Todes’ zur Verfügung stehen“, könne man nicht „bagatellisieren“. „Zur verbreiteten tragischen Plage der Abtreibung könnte in Zukunft – aber insgeheim bereits jetzt schon in nuce vorhanden – eine systematische eugenische Geburtenplanung hinzukommen“ (75), so Benedikt XVI. Mit Sorge erfüllten ihn weiterhin Gesetzgebungen, die Euthanasie zulassen. (28)

„Die moralisch verantwortungsvolle Offenheit für das Leben ist ein sozialer und wirtschaftlicher Reichtum“, so Benedikt XVI. Es handle sich um eine soziale und sogar ökonomische Notwendigkeit, den jungen Generationen die „Schönheit der Familie und der Ehe vor Augen zu stellen“. Papst Benedikt ruft die Staaten auf, „politische Maßnahmen zu treffen, die die zentrale Stellung und die Unversehrtheit der auf die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau gegründeten Familie, der Grund- und Lebenszelle der Gesellschaft, dadurch fördern, indem sie sich auch um deren wirtschaftliche und finanzielle Probleme in Achtung vor ihrem auf Beziehung beruhenden Wesen kümmern.“(44)

Religionsfreiheit

Ein weiterer Aspekt, der mit der Entwicklung zusammenhängt, ist nach Ansichten des Papstes das Recht auf religiöse Freiheit. Der Papst schreibt: „Gewalt aller Art bremst die authentische Entwicklung und behindert den Übergang der Völker zu größerem sozioökonomischen und geistigen Wohlbefinden“. Das gelte besonders für den Terrorismus mit fundamentalistischem Hintergrund. Allerdings müsse hinzugefügt werden, so Benedikt XVI. „daß außer dem religiösen Fanatismus, der in einigen Bereichen die Ausübung des Rechtes auf Religionsfreiheit verhindert, auch die planmäßige Förderung der religiösen Indifferenz oder des praktischen Atheismus durch viele Länder den Bedürfnissen der Entwicklung der Völker widerspricht, indem sie ihnen spirituelle und humane Reichtümer entzieht. Gott ist der Garant der wahren Entwicklung des Menschen.“ (29)

Gerechtigkeit und Arbeit

Papst Benedikt äußerte den Wunsch, dass die aktuellen wirtschaftlichen Entscheidungen weiterhin das Ziel haben, „allen Zugang zur Arbeit zu verschaffen und für den Erhalt ihrer Arbeitsmöglichkeit zu sorgen“ (32). Er warnt vor einer Wirtschaft, die kurzfristigen Überlegungen folgt und etwa eine „Senkung des Rechtsschutzniveaus für die Arbeiter oder den Verzicht auf Mechanismen der Umverteilung des Gewinns“ in Kauf nehmen und somit eine langfristige Entwicklung verhindern (32). Der Papst fordert eine „neue und vertiefte Reflexion über den Sinn der Wirtschaft und ihre Ziele sowie eine tiefgreifende und weitblickende Revision des Entwicklungsmodells, um seine Mißstände und Verzerrungen zu korrigieren.“

Die derzeitigen Umstände erforderten außerdem tiefgreifende Veränderungen des Verständnisses der Unternehmen. Alte Formen der Unternehmertätigkeit gingen ihrem Ende entgegen – neue vielversprechende Formen seien bereits am Horizont sichtbar, so der Papst. Hier müsse die Notwendigkeit einer weitreichenden sozialen Verantwortung des Unternehmens in den Mittelpunkt gerückt werden. Nicht alle ethischen Konzepte zur sozialen Verantwortung des Unternehmens seien aus der Sicht der Kirche annehmbar. Laut Benedikt XVI. „ist es doch eine Tatsache, daß sich eine Grundüberzeugung ausbreitet, nach der die Führung des Unternehmens nicht allein auf die Interessen der Eigentümer achten darf, sondern muß auch auf die von allen anderen Personenkategorien eingehen, die zum Leben des Unternehmens beitragen: die Arbeitnehmer, die Kunden, die Zulieferer der verschiedenen Produktionselemente, die entsprechende Gemeinde. In den vergangenen Jahren war eine Zunahme einer kosmopolitischen Klasse von Managern zu beobachten, die sich oft nur nach den Anweisungen der Hauptaktionäre richten, bei denen es sich normalerweise um anonyme Fonds handelt, die de facto den Verdienst der Manager bestimmen.“(40)

Der Papst erinnert an die Anmerkung seines Vorgängers Johannes Paul II., dass „eine Investion neben der wirtschaftlichen immer auch eine moralische Bedeutung hat“. (40).

Daher sei es unzulässig, Kapital im Ausland und nicht in der Heimat zu investieren, wenn man das Interesse verfolge, andere auszubeuten oder von Begünstigungen zu profitieren. Ziel müsse es hingegen sein, „einen echten Beitrag für die Gesellschaft vor Ort zur Schaffung eines stabilen Produktions- und Sozialwesens zu leisten“, so der Papst.

Rolle des Staates und der Politik

Um die Verwirklichung einer neuen sozial verantwortlichen und am Menschen orientierten Wirtschaftsordnung voran zu treiben, müsse eine „auf verschiedenen Ebenen wirkende politische Autorität gefördert werden“, so Papst Benedikt XVI. Die zusammenwachsende Wirtschaft eliminiere die Rolle der Staaten nicht, sondern verpflichte die Regierungen zu einer engeren Zusammenarbeit untereinander. Benedikt der XVI. sieht aufgrund der Krise keine Schwächung des Staates, sondern ein Wiedererlangen seiner Kompetenzen. „Die internationale Hilfe sollte gerade im Rahmen eines solidarischen Plans zur Lösung der gegenwärtigen wirtschaftlichen Probleme die Festigung der Verfassungs-, Rechts- und Verwaltungssysteme in den Ländern, die sich dieser Güter noch nicht vollkommen erfreuen, eher fördern. Neben der wirtschaftlichen Hilfe bedarf es der Unterstützung, um die dem Rechtsstaat eigenen Garantien, ein wirksames System der öffentlichen Ordnung und des Gefängniswesens unter Einhaltung der Menschenrechte und wirklich demokratische Institutionen zu stärken.“(41)

Rechte und Pflichten der Bürger

Rechte ohne Pflichten werden laut Benedikt XVI. zur Willkür. Es handle sich heutzutage um einen „bedrückenden Widerspruch“: „Häufig festzustellen ist ein Zusammenhang zwischen der Beanspruchung des Rechts auf Überfluß oder geradezu auf Rechtswidrigkeit und Laster in den Wohlstandgesellschaften und dem Mangel an Nahrung, Trinkwasser, Schulbildung oder medizinischer Grundversorgung in manchen unterentwickelten Weltregionen wie auch am Rande von großen Metropolen.“ Rechte und Pflichten müssten daher stets in einen ethischen Rahmen eingebunden werden.

Umwelt und Erhaltung der Schöpfung

Papst Benedikt XVI. fordert die „dringende moralische Notwendigkeit einer erneuerten Solidarität“ sowohl zwischen den Generationen als auch zwischen Entwicklungs- und hochindustrialisierten Ländern. Die internationale Gemeinschaft müsse die Ausbeutung nicht erneuerbarer Ressourcen stoppen und unter Einbeziehung der armen Länder eine gemeinsame Zukunft planen (49). Er ruft die technologisch fortschrittlichen Länder auf, ihren Energieverbrauch zu verringern. Ferner sei eine „weltweite Neuverteilung der Energiereserven“ notwendig, um Ländern, die über keine eigenen Quellen verfügen, Zugang zu verschaffen. „Es gibt Platz für alle auf dieser unserer Erde: Auf ihr soll die ganze Menschheitsfamilie die notwendigen Ressourcen finden, um mit Hilfe der Natur selbst, dem Geschenk Gottes an seine Kinder, und mit dem Einsatz ihrer Arbeit und ihrer Erfindungsgabe würdig zu leben.“

Die Kirche habe Verantwortung für die Schöpfung und müsse diese auch öffentlich geltend machen. Sie müsse vor allem den Menschen „gegen seine Selbstzerstörung schützen“, so der Papst. Allerdings genügten eingreifende oder anspornende Maßnahmen nicht. Nötig sei eine Veränderung des moralischen Verhaltens der Gesellschaft und eine ernsthafte Überprüfung des Lebensstils, „der in vielen Teilen der Welt zum Hedonismus und Konsumismus neigt und gegenüber den daraus entstehenden Schäden gleichgültig bleibt“. Der Papst regt eine „richtig verstandene Ökologie des Menschen“ an. „Wenn in der Gesellschaft die ‚Humanökologie’ respektiert wird, profitiert davon auch die Umweltökologie“, so der Papst. So stehen etwa Umweltschutz und Lebensschutz in einem untrennbaren Zusammenhang: „Unsere Pflichten gegenüber der Umwelt verbinden sich mit den Pflichten, die wir gegenüber dem Menschen an sich und in Beziehung zu den anderen haben. Man kann nicht die einen Pflichten fordern und die anderen unterdrücken. Das ist ein schwerwiegender Widerspruch der heutigen Mentalität und Praxis, der den Menschen demütigt, die Umwelt erschüttert und die Gesellschaft beschädigt.“(51)

Subsidiarität

Papst Benedikt XVI. würdigt das Prinzip der Subsidiarität als besonderes Zeichen der Liebe und Leitkriterium für die brüderliche Zusammenarbeit von Gläubigen und Nichtgläubigen. Es sei „Ausdruck der unveräußerlichen Freiheit des Menschen“, so der Papst. „Um nicht eine gefährliche universale Macht monokratischer Art ins Leben zu rufen, muß die Steuerung der Globalisierung von subsidiärer Art sein, und zwar in mehrere Stufen und verschiedene Ebenen gegliedert, da sie die Frage nach einem globalen Gemeingut aufwirft, das zu verfolgen ist; eine solche Autorität muß aber auf subsidiäre und polyarchische Art und Weise organisiert sein, um die Freiheit nicht zu verletzen und sich konkret wirksam zu erweisen“.

In der „wirksamen Anwendung der sogenannten steuerlichen Subsidiarität“ sieht Papst Benedikt XVI. eine Möglichkeit der Entwicklungshilfe, „die es den Bürgern gestatten würde, über den Bestimmungszweck von Anteilen ihrer dem Staat erbrachten Steuern zu entscheiden.“

Migration

Das komplexe Phänomen der Migration verlangt nach Einschätzung von Papst Benedikt XVI. eine „starke und weitblickende Politik der internationalen Kooperation“. Kein Land könne sich alleine dazu imstande sehen, den Migrationsproblemen unserer Zeit zu begegnen. Grundlage einer solchen Politik müsse die enge Zusammenarbeit der Herkunfts- und Aufnahmeländer sein, so der Papst. In seinem Schreiben weist er darauf hin, dass Fremdarbeiter durch ihre Arbeit einen bedeutenden Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung leisten. „Offensichtlich können diese Arbeitnehmer nicht als Ware oder reine Arbeitskraft angesehen werden. Sie dürfen folglich nicht wie irgendein anderer Produktionsfaktor behandelt werden. Jeder Migrant ist eine menschliche Person, die als solche unveräußerliche Grundrechte besitzt, die von allen und in jeder Situation respektiert werden müssen.“

Zusammenfassung von Silke Schmitt

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