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Biodiversitätsschutz für Wohlstand, Sicherheit und Zukunftsfähigkeit

Partnerschaftliche Verantwortung für die Natur stärkt die Wirtschaft und ihre Grundlagen

Am 24. März 2026 kamen in der Konrad-Adenauer-Stiftung Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen, um über Herausforderungen und Potentiale für eine konsistente Biodiversitätspolitik in Deutschland, Europa und weltweit zu diskutieren.

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Wie sichern wir die natürliche Basis unseres Wirtschaftens – und wie gelingt es, Biodiversität als politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Priorität zu verankern? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines Fachgesprächs, bei der Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, EU-Institutionen und internationalen Partnerländern zusammenkamen. Das gemeinsame Ziel: Wege aufzeigen, wie Biodiversitätsschutz in Deutschland, Europa und weltweit im Sinne der Bewahrung der Schöpfung, aber auch als Grundlage wirtschaftlicher Tätigkeit wirksam und konsistent gestaltet werden kann.


Biodiversität als Fundament unserer Sicherheitsarchitektur

In seinem Impuls erinnerte Klaus Mack MdB daran, dass Naturschutz in politischen Debatten oft als ideologisch motiviert wahrgenommen werde. Dabei sei der Wert funktionierender Ökosysteme essenziell – für Gesundheit, Wirtschaftskraft, Hochwasserschutz, Ernährungssicherheit und die Resilienz ganzer Landschaften. Die aktuelle Lage ist alarmierend: Der Weltbiodiversitätsrat warnt, dass rund eine Million Arten vom Aussterben bedroht sind; in Europa befinden sich laut Europäischer Umweltagentur nur etwa 15 % der geschützten Gebiete in gutem Zustand.


Klar sei aber auch: ohne Wirtschaftswachstum fehlten Einnahmen, um wirksamen Naturschutz umzusetzen. Mack betonte daher die Notwendigkeit einer Politik, bei der Klima- und Biodiversitätsschutz zusammengedacht werden und die Aufklärung, Realismus und Hoffnung verbindet. Menschen seien gegenüber ständigen Krisenbotschaften zunehmend abgestumpft – konstruktive Ansätze, greifbare Lösungen und positive Beispiele müssten stärker betont werden. Zugleich sei Biodiversität keine Randnotiz, sondern Teil gesellschaftlicher Vorsorge und damit ein sicherheitspolitisches Thema.


Ökonomische Perspektiven: Regulierung allein reicht nicht

Prof. Dr. Bernd Hansjürgens (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung) hob hervor, dass ökonomische Instrumente beim Biodiversitätsschutz oft unterschätzt werden. Während Kommunen Naturschutz häufig als freiwillige Aufgabe betrachten, erwarten Akteure in kritischen Bereichen klare staatliche Vorgaben. Die EU spiele hier trotz bürokratischer Hürden eine zentrale Rolle, etwa durch Corporate-Responsibility-Anforderungen, die Unternehmen zunehmend dazu bewegen, Biodiversität systematisch mitzudenken.


Ein Defizit: Viele Firmen berichten zwar über Klimaschutz, aber nur etwa die Hälfte über Biodiversität – meist in Form einzelner Aktionen statt einer strategischen Herangehensweise.


Globale Perspektiven: Kooperation statt Krisenrhetorik

Ein eindringliches Plädoyer für internationale Zusammenarbeit kam von Adriana Sader Tescari, Gesandte der Botschaft von Brasilien. Klimaschutz und Biodiversität könnten global nur funktionieren, wenn kein Land ausschere. Brasilien verstehe sich zunehmend als aktiver Partner, doch gelte es, Entwicklungsrechte und ökologische Verantwortung auszubalancieren.


Eine zentrale Botschaft: Menschen in betroffenen Regionen – etwa die ca. 30 Millionen Bewohner in der Amazonasregion – müssen eingebunden werden. Politiken, die an der Lebenswirklichkeit vorbei gestaltet werden, seien zum Scheitern verurteilt. Statt dauernd die Krise zu betonen, brauche es mehr Fokus auf Lösungen, Innovationen und Teilhabe.


Wirtschaft & Landwirtschaft: Vom Gegeneinander zum Miteinander

Lara Boye, Vorstandsmitglied der Unternehmensinitiative Biodiversity in Good Company sowie Geschäftsführerin und Co-Founderin des Start-ups „Artenglück“ zeigte auf, wie eng Biodiversität und wirtschaftliche Wertschöpfung miteinander verwoben sind. Branchen spürten bereits heute Lieferengpässe und Risiken durch den Verlust natürlicher Ressourcen.


Wesentliche Herausforderungen:
•    Übermäßige Bürokratie erschwert Unternehmen den Einstieg.
•    Freiwilligkeit allein reicht nicht – politische Instrumente wie steuerliche Anreize sind nötig.
•    Vernetzte Lebensräume (Hecken, Feuchtgebiete, Feldgehölze) sind ein Schlüssel für ökologische Funktionsfähigkeit und Akzeptanz in der Landwirtschaft.


Die Forderung an die Politik: Eine „Politik des Möglichmachens“ vor allem durch weniger Hürden und bessere Rahmenbedingungen.


EU-Perspektive: Transformation mit Maß und Mitte

Anne Theo Seinen (EU-Kommission) verwies auf die globale „dreifache ökologische Krise“ und auf die Chancen, die sich aus aktiver Biodiversitätspolitik ergeben: mentale Gesundheit, Produktivität, bestäubungsabhängige Landwirtschaft oder resilientere Städte.
Er erwähnte, dass sich aus dem jüngsten Bericht des Weltbiodiversitätsrats IPBES ergebe, dass der Verlust von Biodiversität zu den größten Risiken für die Wirtschaft innerhalb der nächsten Dekade zähle.


Die EU arbeite daran, Schäden durch nicht abgestimmte Politiken zu verhindern, Regulierungen praxistauglicher zu gestalten und Unternehmen Instrumente für die Umsetzung an die Hand zu geben. Dazu zähle auch die Kreislaufwirtschaft. Gleichzeitig sei klar: Ökosysteme haben Grenzen – diese gelte es im Blick zu behalten, gerade angesichts steigenden Konsums einer wachsenden Weltbevölkerung.


Effizienz, Akzeptanz und Verantwortung

In der offenen Diskussion wurde deutlich:
•    Emotionen spielen eine große Rolle für gesellschaftliche Akzeptanz, aber Wirtschaft braucht klare, verlässliche Standards.
•    „Wiederherstellung“ meint eine unter den aktuellen klimatischen Gegebenheiten funktionale, nicht eine historische Natur mit Blick auf Wasserhaushalt, Bodenqualität und ökologische Dienstleistungen.
•    Europa trägt historische Verantwortung, den Wiederaufbau der Natur ernsthaft zu betreiben und anderen Ländern zu zeigen, welche Herausforderungen durch ihre Zerstörung entstehen, aber auch, wie man diese angehen kann.
•    Pauschale Zielvorgaben – etwa „10 % strenge Schutzgebiete“ – greifen häufig zu kurz; entscheidend ist ökologische Wirksamkeit vor Symbolpolitik.
•    Öffentliche Beschaffung und Fördermechanismen könnten Planungssicherheit für Unternehmen schaffen.


Fazit: Kooperation ist der Schlüssel

Im Schlusswort fasste Christian Hübner zusammen: Die Diskussion habe gezeigt, wie vielfältig die Herausforderungen sind – von lokaler Umsetzung über europäische Steuerungsmechanismen bis zu Perspektiven aus Brasilien. Aber ebenso deutlich wurde: Fortschritt ist möglich, wenn auf Kooperation statt auf Konfrontation gesetzt wird.


Biodiversität ist kein Nischenthema. Sie ist Grundlage von Sicherheit, Wohlstand und Lebensqualität. Und sie ist ein Bereich, in dem Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nur gemeinsam erfolgreich sein können.

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Contact Gisela Elsner
Gisela Elsner kas
Referentin für Umwelt-, Klima- und Nachhaltigkeitspolitik und Beauftragte der Beratungs- und Beschwerdestelle der KAS.
gisela.elsner@kas.de +49 30 26996-3759

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