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KAS-Bremen
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„Die Strategie war, dass man nicht wusste, warum man bestraft wurde“

Meret Nitschke

Interaktive DDR-Schulstunde

Am 2. und 3. Dezember führte die Konrad-Adenauer-Stiftung Bremen zwei Schulveranstaltungen mit der DDR-Zeitzeugin und Kulturwissenschaftlerin Anja Fricke durch. Begleitend zu den beiden Veranstaltungen wurde der Wilhelm-Kaisen-Oberschule die Ausstellung „Der untergegangene Staat – Alltag und Leben in der DDR“ bereitgestellt und der St. Joahnnis Schule die Ausstellung „DDR-Stasi - Spitzel von nebenan“.

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Anja Fricke, selbstständige DDR-Spezialistin, lebt seit 2003 in den Niederlanden und klärt dort über die DDR-Diktatur auf, indem sie Vorträge hält, Lesungen gibt, publiziert und Studienreisen in die ehemalige DDR betreut. Sie entwickelt Lehrmaterial für den Unterricht und Vorträge für verschiedene Bildungseinrichtungen. Außerdem arbeitet sie mit dem DDR-Museum in Monnickendam und dem Deutschland-Institut in Amsterdam zusammen.


Die Schülerinnen und Schüler beider Schulen nahm Fricke für eine kurze Zeitreise mit in die DDR. Sie rekonstruierte für die Klassen eine typische Schulstunde in der DDR, wie sie sie in ihrer Kindheit selbst erlebt hat. Dazu brachte sie eine Auswahl an typischen Gegenständen aus der DDR mit und gab den Schülerinnen und Schülern Aufträge, die die Schulstunde interaktiv gestalteten.


Fricke erklärte zu Beginn, dass der Wettbewerb unter den Kindern einer Klasse in der DDR immer präsent gewesen sei. Als Schülerin oder Schüler damals habe man oft entweder besonderes Lob oder totale Ignoranz erleben können. Dieses Verhalten der Lehrkräfte in der DDR spiegelte Fricke auch den Schülerinnen und Schülern beider Schulen wider, in dem sie immer wieder bestimmte Schüler ganz besonders lobte und zu ihnen zum Beispiel sagte „Komm doch nach der Stunde mal zu mir, dann können wir über deine hervorragende Zukunft sprechen.“, ganz in dem Stil ihrer damaligen Lehrer.


Fricke legte den Schülerinnen und Schülern ebenfalls nahe, was eine mögliche Bestrafung sein konnte, falls man sich selbst oder eine nahestehende Person sich nicht regimekonform verhalten hatte. Zum einen habe es vorkommen können, dass die Eltern von Lohnkürzungen oder beruflicher Degradierung betroffen waren. Zum anderen bestraften die Lehrkräfte die Schülerinnen und Schüler oft über die Mitarbeitsnoten, indem jegliche mündliche Mitarbeit ignoriert wurde. Sie erklärte, dass die Strategie dieser Bestrafung gewesen sei, die betroffenen Schülerinnen und Schüler unwissend darüber zu lassen, weshalb sie überhaupt bestraft wurden. So mussten sie damit leben, über einen längeren Zeitraum nicht zu Wort zu kommen, ohne zu wissen weshalb oder die Möglichkeit zu haben, den Grund zu erfragen.


In diesem Zusammenhang berichtete Fricke über eine Situation, in der ihr genau dies passiert war. Ihr Bruder hatte für eine Klassenarbeit nicht gelernt und schrieb daher „Ich weiß nichts, Gott weiß alles.“ auf seine abgegebene Arbeit. Ihre Eltern wurden sofort zum Direktor zitiert und ihnen vorgeworfen, ihr Sohn habe religiöse Inhalte propagiert. Ihr Bruder bekam 20 Aufbaustunden, bei denen er um das Schulgebäude laufen musste. Da Anja Fricke und ihre Familie in einem eher kleinen Dorf lebten, bekam jeder derartige Bestrafungen beziehungsweise derartiges „Fehlverhalten“ mit und das sei auch so gewollt gewesen, so Fricke. Sie erzählte, dass sie durch diese Aktion im Unterricht nicht mehr drangenommen wurde, wodurch ihre Noten litten. Vor dem Hintergrund des permanent geltenden Wettstreits, den die Lehrkräfte den Schülern auferlegten, war ein derartiger Umgang für sie sehr belastend. Denn da erst der Staat und dann die Familie kam, verbrachte man als Schulkind in der DDR zusätzlich kaum Zeit zu Hause, sondern befand sich zum größten Teil seines Tages kontrolliert vom eigenen schulischen Umfeld. 


Zum Abschluss fragte Anja Fricke die Schülerinnen und Schüler, womit sie früher Rechnen gelernt hätten. Die meisten antworteten, sie hätten dies mit Äpfeln oder sonstigen Alltagsgegenständen gelernt. Als Fricke ihr altes Mathebuch den Schülerinnen und Schülern zeigte, konnten diese sehen, dass einfaches Addieren und Subtrahieren mit Panzern dargestellt wurde. Sie erklärte, dass der Militarismus eine entscheidende Rolle in der DDR und damit auch in ihrer Kindheit gespielt hatte. Von Soldaten und Waffen umgeben zu sein, war für sie als Kind normal. Sie erzählte auch von „Spielen“, die es in den Jugendverbänden der DDR gab, bei denen sie Handgranaten warfen, der sogenannte „Handgranatenzielwurf“, was die Bremer Schülerinnen und Schüler besonders überraschte.

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Контакт Dr. Ralf Altenhof
Dr. Ralf Altenhof
Landesbeauftragter und Leiter Politisches Bildungsforum Bremen
ralf.altenhof@kas.de +49 421 163009-0

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