Am 12. Februar 2026 luden der Weimarer Republik e.V. und die Konrad-Adenauer-Stiftung Thüringen zu einer Abendveranstaltung nach Weimar ein, die von Tillmann Bauer, Referent der Konrad-Adenauer-Stiftung in Thüringen, eröffnet wurde. Unter dem Titel „Konrad Adenauer und Wilhelm Pieck – zwei deutsche Lebensläufe im 20. Jahrhundert“ stand ein biografischer Vergleich im Mittelpunkt, der zugleich weit über persönliche Lebensdaten hinausführte. Er ermöglichte den Blick auf zentrale Bruchlinien deutscher Geschichte – von der Weimarer Republik über den Nationalsozialismus bis hin zur deutschen Teilung und deren Nachwirkungen. Das große Interesse zeigte sich schon zu Beginn der Veranstaltung - der Vortragssaal war vollständig gefüllt.
Zwei Männer. Ein Jahrgang. Zwei politische Welten.
Ausgangspunkt des Abends war ein historisch bemerkenswerter Befund: Konrad Adenauer und Wilhelm Pieck kamen im Januar 1876 im Abstand von nur zwei Tagen zur Welt. Dennoch verkörpern sie grundverschiedene politische Traditionen und Staatsmodelle. Adenauer als erster Bundeskanzler der Bundesrepublik, Pieck als erster und einziger Präsident der DDR.
Dr. Christopher Beckmann eröffnete den inhaltlichen Teil des Abends mit einer Einführung, in der er beide Biografien parallel betrachtete – nicht um sie gleichzusetzen, sondern um durch den Vergleich Unterschiede, Gemeinsamkeiten und historische Kontexte präziser sichtbar zu machen. Er zeigte, dass die Lebenswege beider Männer wie „parallele Linien“ durch die Zeit laufen. Sie berühren sich nur selten, verlaufen aber durch dieselben Epochen, Krisen und Umbrüche und führen durch die deutschen Teilung in zwei gegensätzliche politische Ordnungen.
Dabei rückte Beckmann nicht nur individuelle Entscheidungen in den Blick, sondern auch Milieus, politische Sozialisation und Handlungsspielräume. Für die Person Wilhelm Pieck sei die Quellen- und Forschungslage schwieriger und die wissenschaftliche Literatur deutlich geringer als bei Adenauer; umso wichtiger seien die überlieferten Materialien, darunter auch Piecks eigene Notizpraxis als Zeitzeuge vieler interner Abläufe.
Von der Biografie zur Systemfrage
Der Vortrag machte deutlich, dass ein biografischer Zugang stets auch eine Systemfrage berührt: Wie verhielten sich beide Akteure zur parlamentarischen Demokratie? Wie prägten ihre Erfahrungen in der Weimarer Republik ihre späteren Positionen? Und welche Rolle spielten Exil, Verfolgung und politische Neuorientierung während der NS-Zeit und unmittelbar nach 1945?
Besondere Aufmerksamkeit erhielt der Blick auf die Gründungsphase beider deutscher Staaten. Während Adenauer als politisch gestaltungsmächtige Figur die junge Bundesrepublik nachhaltig prägte, wurde Pieck in der DDR stärker als repräsentative Figur sichtbar, verbunden mit dem Herrschaftsanspruch der SED und der engen Einbindung in den sowjetischen Machtbereich. Der Vergleich schärfte damit das Verständnis dafür, wie unterschiedlich politische Verantwortung, Macht und Öffentlichkeit in beiden Systemen organisiert waren.
Auch die Moskaureise Adenauers im Jahr 1955 und die damit verbundene Heimkehr der letzten deutschen Kriegsgefangenen wurde als ein Moment herausgearbeitet, der bis heute das historische Gedächtnis prägt.
Gespräch mit Lennart Geibert: Perspektiven der „jungen“ Generation
Im Anschluss an den Vortrag moderierte Lennart Geibert (MdL) das Gespräch und öffnete den Abend bewusst für die Frage, was diese historischen Figuren heute noch bedeuten – gerade auch für junge Menschen, deren Bezug zur Geschichte der Teilung zunehmend über Erzählungen, Schule und Erinnerungskultur vermittelt wird. Dabei wurde deutlich, dass der Vergleich Adenauer/Pieck nicht nur historisches Wissen ordnet, sondern auch eine Debatte über demokratische Grundüberzeugungen, politische Verantwortung und die langfristigen Folgen von Diktaturerfahrung anstößt.
In diesem Zusammenhang brachte Dr. Christopher Beckmann den Gegenwartsbezug pointiert auf den Punkt: „Adenauer ist eine Figur aus dem letzten Jahrhundert und dennoch sind seine Grundüberzeugungen wichtiger, aktueller denn je.“
Publikumsfragen nach Ost-West, Erinnerung und Einheit
Die Publikumsdiskussion knüpfte genau hier an. Die Fragen beschäftigten sich unter anderem mit der Ost-West-Perspektive: wie wirken Adenauer und Pieck in der Erinnerung in Ost- und Westdeutschland bis heute nach? Welche Bilder wurden über Jahrzehnte geprägt und welche Rolle spielte politische Propaganda dabei? Auch die Frage, wie Adenauers Politik in Bezug auf die deutsche Einheit und die Wiedervereinigung einzuordnen ist, wurde aufgegriffen und kontrovers diskutiert. Betont wurde hierbei mehrfach, dass ein Vergleich keinesfalls bedeute, zwei Personen gleichzusetzen. Gerade die gemeinsame Betrachtung mache Unterschiede in Demokratieverständnis, Machtpraxis und politischer Zielsetzung besonders deutlich und helfe, historische Komplexität auszuhalten, statt sie zu vereinfachen, so Dr. Christopher Beckmann.
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