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Auslandsinformationen

Die Provinzen des Islamischen Staates in Ostafrika und ihre strategische Relevanz

von Nils Wörmer, Edgar Mwine

Somalia, die Demokratische Republik Kongo (DRK) und Mosambik

Sind die gefährlichsten Akteure des sogenannten Islamischen Staates heute jene, die am wenigsten Aufmerksamkeit erhalten? In Ostafrika haben sich mehrere Ableger zu widerstandsfähigen Netzwerken entwickelt, die lokale Konflikte mit globalen Ambitionen verbinden. Ihre wachsende Bedeutung wirft neue Fragen zur Entwicklung des internationalen Terrorismus auf.

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Auf einen Blick
  • Die Ableger des sogenannten Islamischen Staates (IS) in Somalia, im Osten der Demokratischen Republik Kongo (ISCAP) und in Mosambik (ISM) haben den Zusammenbruch des Kalifats im Irak und in Syrien überdauert und sich zu widerstandsfähigen, transnational vernetzten Akteuren entwickelt.
  • Ihre Entstehung und ihr Fortbestehen beruhen auf lokalen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Konflikten. Gleichzeitig verschafft die Einbindung in das globale IS-Netzwerk Zugang zu Ressourcen, Rekrutierungsstrukturen und transnationaler Legitimation.
  • Anders als die größeren IS-Ableger im Sahel und in Westafrika streben die ostafrikanischen Filialen kaum nach dauerhafter territorialer Kontrolle. Ihr Schwerpunkt liegt auf Anpassungsfähigkeit und dem Aufbau grenzüberschreitender Finanz-, Logistik- und Rekrutierungsnetzwerke.
  • Insbesondere IS Somalia hat sich über das Regionalbüro al-Karrar zu einem zentralen Knotenpunkt innerhalb der globalen IS-Architektur entwickelt und übernimmt wichtige Funktionen bei Finanzierung, Koordination und Vernetzung weiterer Ableger.
  • Die strategische Bedeutung Ostafrikas wächst durch die Nähe zur Arabischen Halbinsel, zu maritimen Handelsrouten und regionalen Konflikträumen. Dadurch könnten die ostafrikanischen IS-Ableger künftig eine größere Rolle im globalen dschihadistischen Netzwerk spielen, als ihre vergleichsweise geringe Größe vermuten lässt.
 

Einleitung

Ein Jahrzehnt nach der Blütezeit des IS und seiner anschließenden territorialen Niederlage im Irak und in Syrien sind der Geist und die Ideologie der Organisation alles andere als tot. Während eine Reihe von Provinzen, die der IS geschaffen hat, längst verschwunden ist, sind andere Provinzen hartnäckig bestehen geblieben oder befinden sich sogar im Aufwind. Es sind die Provinz Islamischer Staat Khorasan (ISKP) in Afghanistan und die Provinz Islamischer Staat Türkei, die derzeit die Fähigkeit besitzen, direkte Bedrohungen auf globaler Ebene darzustellen[1]. Jüngste Anschläge oder vereitelte Anschlagspläne in Europa, im Nahen Osten und in Asien haben gezeigt, dass beide IS-Ableger weit über ihre primären Operationsgebiete hinaus agieren können. Subsahara-Afrika hat sich jedoch als das neue globale Epizentrum des Terrors herauskristallisiert. Im Jahr 2024 trugen die afrikanischen Ableger des IS zu rund 70 Prozent der weltweiten Anschläge bei und waren für mehr als 60 Prozent der Gesamtopfer verantwortlich[2]. Im Jahr 2025 ging die Zahl der weltweit dem IS zugeschriebenen Angriffe zwar um 15 Prozent zurück; in Subsahara-Afrika verdoppelte sich die Zahl der Anschläge jedoch nahezu und stieg von 111 auf 221 Vorfälle. Im Gegensatz dazu gingen die IS-Anschläge im Nahen Osten und in Nordafrika im selben Zeitraum um 39 Prozent zurück[3].

Unter den vielen derzeit aktiven IS-Filialen auf dem afrikanischen Kontinent stellen die IS-Sahel-Provinz (ISSP)[4] und die IS-Provinz Westafrika (ISWAP) die mächtigsten Organisationen in Bezug auf territoriale Kontrolle, Personalstärke und Kampfaktivität dar. Nun, da die einst lebendigen Ableger in Nordafrika – namentlich die Provinzen in Libyen und auf der Sinai-Halbinsel in Ägypten – entweder inaktiv oder verschwunden sind, bilden die IS-Filialen in Somalia, im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRK) und im Norden von Mosambik die zweite Garde der Organisation auf dem Kontinent. Die älteste unter ihnen, IS Somalia, entstand im Oktober 2015 während der ersten Welle von Provinzgründungen durch den IS auf dem afrikanischen Kontinent. Allerdings wurde ihr der offizielle Status als Provinz des IS erst im Dezember 2017 zugewiesen. Die Einzigartigkeit des somalischen Ablegers liegt darin, dass er sich von Anfang an Raum erkämpfen und seine Relevanz innerhalb des Kerngebiets von al-Shabaab, dem stärksten afrikanischen Verbündeten von al-Qaida, behaupten musste. Die IS-Ableger im Osten der DRK und im Norden Mosambiks wurden hingegen erst 2019, weit nach der Hochphase der IS-Kernorganisation im Nahen Osten, offiziell als Provinzen anerkannt. Die beiden operierten zunächst unter dem gemeinsamen Namen Provinz Zentralafrika des Islamischen Staates (ISCAP), wurden aber im April 2022 zu eigenständigen Filialen, wobei der Ableger im Osten der DRK den früheren Namen beibehielt und der mosambikanische Flügel als Provinz Islamischer Staat Mosambik (ISM) auftrat.

Die drei ostafrikanischen Provinzen des IS[5] besitzen eine Reihe von Gemeinsamkeiten. Sie alle haben ihre Wurzeln in lokalen Konflikten und Aufständen, die dem Aufstieg der IS-Zentralorganisation weit vorausgingen, und sie alle bildeten sich aus Abspaltungen oder Splittergruppen bereits existierender nichtstaatlicher bewaffneter Gruppen. Darüber hinaus gelang es keinen der drei, eine nennenswerte territoriale Kontrolle zu erlangen oder diese über längere Zeiträume aufrechtzuerhalten; stattdessen standen sie alle zeitweise kurz vor der vollständigen militärischen Niederlage. Dennoch besaßen diese drei ostafrikanischen IS-Ableger die Widerstandsfähigkeit, massivem militärischem Druck durch Regierungstruppen sowie regionalen oder internationalen Allianze[6],[7] standzuhalten, sowie die Fähigkeit, sich zu erholen und wieder an Stärke zu gewinnen. Gleichzeitig verfügten diese Filialen typischerweise über kleinere Kampfkontingente, deren Stärke sich meist auf einige Hundert statt auf mehrere Tausend Kämpfer belief und deren militärische Schlagkraft im Vergleich zu den bevölkerungsreicheren Provinzen des IS in Westafrika begrenzt war.

Obwohl diese wissenschaftliche Debatte bereits seit rund einem Jahrzehnt geführt wird, bildet sie weiterhin einen zentralen Bezugsrahmen für die Analyse dieser drei Fallbeispiele: Im Mittelpunkt stehen dabei das Verhältnis zwischen der Kernorganisation des IS und seinen Ablegern sowie die Frage, ob deren Identität eher lokal bzw. national oder global dschihadistisch geprägt ist. Vor dem Hintergrund einer Bewertung der Ursprünge dieser drei vergleichsweise kleinen Organisationen, ihrer Motive, Ideologien, Netzwerke und terroristischen Aktivitäten sowie ihrer Taktiken, Techniken und Verfahren untersucht dieser Beitrag, inwieweit die ostafrikanischen IS-Filialen noch in lang andauernde lokale Konfliktdynamiken in den jeweiligen Ländern eingebettet sind, wobei insbesondere ihre ideologische Ausrichtung und ihre Reaktion auf die Idee des globalen Dschihads betrachtet werden. Er analysiert auch, wie diese drei IS-Filialen taktisch und strategisch ausgerichtet sind und wie sie ihre Kämpfer rekrutieren und motivieren.

Vor diesem Hintergrund liegen dem Beitrag zwei zentrale Argumente zugrunde: Erstens, dass das Fortbestehen der ostafrikanischen Ableger des IS ihrer dualen Identität zu verdanken ist, die einerseits in ethnisch basierten Konflikten sowie lokalen, politischen und wirtschaftlichen Missständen verwurzelt ist und andererseits durch den globalen Dschihadismus genährt wird. Zweitens stellt der Beitrag die vorherrschende Bedrohungswahrnehmung infrage, nach der territoriale Kontrolle und die Anzahl der Kämpfer – etwa in Westafrika und der Sahelzone – als maßgebliche Indikatoren für strategische Bedeutung gelten. Er argumentiert, dass sich die ostafrikanischen Filialen des IS trotz ihrer geringen Größe und geografischen Zersplitterung funktional zu Knotenpunkten für Finanzströme, die Planung externer Operationen und die transnationale Rekrutierung entwickelt haben und als potentielle Stellvertreter im Rahmen der Externalisierung von Konflikten im Nahen Osten fungieren. Diese Analyse der jüngsten Entwicklung und Funktionen der ostafrikanischen Ableger des IS trägt zur Debatte in Wissenschaft und Fachkreisen über die Frage bei, ob sich das operative Gravitationszentrum des IS vom Nahen Osten und von Nordafrika nach Subsahara-Afrika verlagert oder dieser Wandel sogar bereits vollzogen ist.

Die Puntland Maritime Police Force überwacht die Küste am Golf von Aden. Die strategische Lage Nordostsomalias macht die Region zu einem wichtigen Knotenpunkt maritimer Verkehrs- und Versorgungsrouten zwischen Afrika und der Arabischen Halbinsel. Imago / Anadolu Agency
Die Puntland Maritime Police Force überwacht die Küste am Golf von Aden. Die strategische Lage Nordostsomalias macht die Region zu einem wichtigen Knotenpunkt maritimer Verkehrs- und Versorgungsrouten zwischen Afrika und der Arabischen Halbinsel.

Provinz Islamischer Staat Somalia

Mehr als zehn Jahre, nachdem sich eine kleine Gruppe von Kämpfern unter der Führung von Abdul Qadir Mumin von al-Shabaab abspaltete und durch den Treueschwur (Bay’ah) die IS-Filiale in Somalia gründete, gibt es in Expertenkreisen und Wissenschaft nur begrenzte Einsichten über die Strukturen und die Funktionsweise dieser kleinen Organisation[8]. Dies steht in klarem Kontrast zu anderen IS-Provinzen oder dem wesentlich größeren al-Qaida-Ableger in Somalia, al-Shabaab. Tatsache ist, dass al-Shabaab seit der ersten Charmeoffensive des IS im Frühjahr 2015[9] allem Werben, sein strategisches Bündnis mit al-Qaida aufzulösen und die Seiten zu wechseln, konsequent widerstanden hat und rigoros gegen Abtrünnige in den eigenen Reihen vorgegangen ist. Infolgedessen wurden etliche IS-Strukturen, die sich in Somalia im Aufbau befanden, von al-Shabaab vernichtet. Nur im halbautonomen Staat Puntland im Norden Somalias und in isolierten Gebieten im Großraum von Mogadischu konnte der IS auf somalischem Boden Fuß fassen und seine Position bis heute behaupten. Dies trotz massiven militärischen Drucks seitens der Zentralregierung und ihrer internationalen und regionalen Verbündeten, nicht zuletzt auch al-Shabaabs.

 

Entstehung und Fortbestehen

Drei Faktoren sind entscheidend, um die Entstehung des IS in Puntland zu erklären und die Frage zu beantworten, warum sich die Organisation hier etablieren konnte, andernorts in Somalia jedoch scheiterte[10],[11]: erstens die soziopolitische Landschaft in Puntland, die durch Clan-Rivalitäten und eine schwache staatliche Präsenz gekennzeichnet ist; zweitens die eigenständige Geschichte von al-Shabaab im Norden Somalias, welche die erwähnte Clan-Politik widerspiegelt und durch interne organisatorische Spaltungen geprägt ist; und drittens die Person Abdul Qadir Mumin, der mit seiner internationalen Erfahrung Karriere innerhalb von al-Shabaab gemacht hatte und selbst aus Puntland stammt.

Der Clan in Puntland, der die al-Shabaab-Strukturen im Norden Somalias ab den Jahren 2007 und 2008 im Wesentlichen unterstützte, sind die Warsangeli aus dem Harti-Zweig der Darod-Clanfamilie[12]. Bei der Rekrutierung von Unterstützern aus diesem Clan konnte al-Shabaab einen Konflikt ausnutzen, der 2005 und 2006 zwischen der Regierung von Puntland und den Warsangeli über die Erschließung von Ölvorkommen im Territorium des Clans für ausländische Unternehmen entstand[13],[14],[15]. Die Gruppe in Puntland operierte jedoch weit entfernt von al-Shabaabs Hochburgen und dem Hauptschauplatz in Zentral- und Südsomalia und wurde angesichts ihres Status bis 2012 als „relativ isolierter und weniger wichtiger al-Shabaab-Außenposten“[16] beschrieben. In dieser Phase entsandte die al-Shabaab-Führung einen Mann nach Nordsomalia, der sich der Organisation erst zwei Jahre zuvor angeschlossen hatte[17],[18], sich aber schnell einen Namen als religiöse Autorität[19],[20] und effektiver Organisator von Rekrutierungskampagnen gemacht hatte und aus Puntland stammte. Ausgestattet mit dieser Erfahrung und dem wichtigen Attribut seiner Herkunft, wurde Abdul Qadir Mumin damit beauftragt, den Aufbau der Strukturen von al-Shabaab im Norden des Landes zu unterstützen und die Kommunikationskanäle mit dem wichtigen Verbündeten al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) im Jemen zu stärken[21].

Obwohl Abdul Qadir Mumins Popularität und Ruf als einer der religiösen Führer der Organisation weiterwuchsen, erkannte er, dass seinem Aufstieg innerhalb von al-Shabaab klare Grenzen gesetzt waren und er in Puntland niemals die absolute Führung übernehmen würde[22]. Abgesehen davon, dass ihm jegliche Qualifikation als Feldkommandeur fehlte, gehört er als Mitglied des Clans der Majerteen/Ali Salebaan einem anderen Clan des Harti-Zweigs der Darod-Clanfamilie an als die Warsangeli, auf deren Territorium al-Shabaab zu dieser Zeit seine Puntland-Basis hatte. Seine internationale Herkunft und seine Wurzeln hatten Abdul Qadir Mumins Karriere innerhalb von al-Shabaab gefördert. Aufgrund der politischen Realität in Puntland, die auf Clan-Dynamiken basiert, definierten sie gleichzeitig jedoch auch die Grenzen seines Aufstiegs[23],[24]. Folglich kommen die meisten Experten, die die Entstehung des IS in Somalia untersucht haben, zu dem Schluss, dass es primär seine eigene Frustration – und weniger ideologische Nuancen in den Ausrichtungen von al-Qaida und dem IS – war, die Abdul Qadir Mumins Entscheidung veranlasste, sich im Oktober 2015 von al-Shabaab abzuspalten und Abu Bakr al-Baghdadi die Treue (Bay’ah) zu schwören[25].

Obwohl anfangs nur eine sehr kleine Schar von Kämpfern die Abspaltung von al-Shabaab unterstützte und Abdul Qadir Mumin folgte[26], konnte die Gruppe in der Folge ihre Position in ihrem neuen Rückzugsgebiet, den Gebirgszügen Cal Miskaad und Golis, konsolidieren. Als Gründe für das Fortbestehen und die Widerstandsfähigkeit der Organisation trotz Phasen massiven militärischen Drucks gelten das schwierige Terrain ihres Operationsgebiets, ihre komfortable finanzielle Ausstattung, eine effektive Rekrutierungsstrategie sowie taktisch effiziente und hoch entwickelte operative Fähigkeiten. Hinzu kommt die Fähigkeit, die Schwächen der staatlichen Sicherheitskräfte sowie die Spannungen zwischen der somalischen Föderalregierung und der autonomen Regierung Puntlands gezielt auszunutzen.

 

Führung, Organisationsstruktur und Netzwerke

Die IS-Provinz Somalia (Wilayat al-Somal) ist in die globalen Führungsstrukturen des IS eingebunden, an deren Spitze die Generaldirektion der Provinzen (General Directorate of Provinces, GDP) steht. Diese Direktion beaufsichtigt eine Reihe von Makatib[27] (Büros mit regionaler Zuständigkeit), von denen jede mehrere Provinzen koordiniert. Zu den derzeit aktiven Makatib gehören Maktab Ard al-Mubarakah, das die Operationen des IS im Irak und in Syrien koordiniert, Maktab al-Sadiq, zuständig für Afghanistan, Pakistan, Iran und Südasien, Maktab al-Karrar, verantwortlich für Somalia, die Demokratische Republik Kongo (DRK), Mosambik und andere Teile Afrikas, sowie Maktab al-Furqan, das das Tschadseebecken und den Sahel abdeckt[28],[29].

Seit der Einrichtung des Karrar-Büros (Maktab al-Karrar) etwa im Jahr 2018 ist die Führungs- und Organisationsstruktur des IS in Somalia durch eine Doppelrolle gekennzeichnet: Einerseits fungiert die Organisation als teilweise autonome Provinz, andererseits zugleich als strategischer Knotenpunkt, der eine Koordinierungsstelle für die Operationen des IS in Ostafrika und darüber hinaus darstellt. Die Zuständigkeiten und die interne Struktur des Karrar-Büros könnten sich im Laufe der Jahre geringfügig verändert haben. Die Hauptaufgabe dieser Einrichtung mit Sitz in einer abgelegenen Region Puntlands besteht jedoch zweifellos darin, die IS-Provinzen in Somalia, der DRK und Mosambik zu steuern sowie Finanzströme zwischen diesen drei ostafrikanischen Ablegern und IS-nahen Strukturen als auch Unterstützern in anderen Teilen Afrikas – insbesondere dem Furqan-Büro (Maktab al-Furqan) – zu koordinieren und zu verwalten. Darüber hinaus gibt es Berichte über Kontakte und Verbindungen zu einer Reihe von Gruppen und Einzelpersonen; darunter sind Kriminelle, Terroristen mit völlig anders gelagerter ideologischer Ausrichtung sowie Regierungsvertreter. Diese Kontakte dienen dem Management von Finanztransfers, der Durchführung von Waffengeschäften, dem Transfer von Wissen und der Vorbereitung strategischer Absprachen[30],[31]. Über die internen Strukturen des Karrar-Büros liegen nur wenige Informationen vor. Einige Quellen deuten darauf hin, dass diese Einrichtung Ähnlichkeiten mit den obersten Führungsstrukturen des IS aufweist und ebenfalls in spezialisierte Abteilungen mit einer strengen Hierarchie und klar definierten Zuständigkeiten gegliedert ist[32].

Das Gleiche gilt für die Führungsstrukturen auf Provinzebene, die in erster Linie die Position des Provinzgouverneurs (Wali) an der Spitze und einen Rat (Shura) als wichtigstes Beratungs- und Entscheidungsorgan umfassen. Während diese in der Zeit nach der Abspaltung von al-Shabaab etabliert wurden, scheint es mittlerweile personelle und strukturelle Überschneidungen zwischen dem Führungssystem der Provinz und dem neueren Karrar-Büro zu geben.

Seit seiner Entstehung Ende 2015 fungierte Abdul Qadir Mumin als Gouverneur des IS in Somalia mit alleiniger Autorität[33],[34]. Mit der Einrichtung des Karrar-Büros hat er die Position des Gouverneurs an seinen ehemaligen Stellvertreter, Abdirahman Fahiye Isse Mohamud, übertragen und ihn mit der alltäglichen Führung der Provinz betraut. Gleichzeitig behielt er die De-facto-Kontrolle über IS Somalia und baute seinen Einflussbereich sowie seine Macht durch die Übernahme der Leitung des Karrar-Büros erheblich aus.

In jüngster Zeit haben die IS-Provinz Somalia und ihr Gründer Abdul Qadir Mumin zusätzliche Aufmerksamkeit erlangt. Berichte deuten darauf hin, dass neben dem mit dem Karrar-Büro verbundenen Führungspersonal auch Schlüsselpersonen der Führungsspitze der Kernorganisation, also der oben genannten Generaldirektion der Provinzen, von ihrer traditionellen Basis in Syrien und dem Irak nach Somalia umgezogen sein könnten[35]. Darüber hinaus nehmen mehrere Quellen an, dass nach dem Tod des vierten Kalifen, Abu al-Hussein al-Husseini al-Qurashi, in Syrien im April 2023 die Gesamtführung des IS und damit die Position des Kalifen auf Abdul Qadir Mumin übergegangen sind. Die Frage, wer sich hinter dem Pseudonym Abu Hafs al-Hashimi al-Qurashi verbirgt und damit als fünfter Kalif fungiert, ist in Wissenschaft und Sicherheitskreisen umstritten. Argumente gegen Abdul Qadir Mumin beziehen sich auf seine nichtarabische Herkunft. Die Tatsache, dass er nicht dem Stamm der Quraisch angehört und somit kein direkter Nachfahre des Propheten ist, widerspricht der IS-Ideologie stark und stellt die Legitimität der Organisation in ihrem Kern infrage. Insbesondere operative Aspekte stützen die Theorie um Abdul Qadir Mumin. In den letzten Jahren hat sich der Schwerpunkt der IS-Operationen weltweit zunehmend vom Nahen Osten nach Afrika verlagert. Somalia wäre der am besten geeignete Ort, um die Aktivitäten der Organisation in Afrika zu koordinieren und gleichzeitig den Kontakt zu ihren wichtigen Filialen in Syrien, dem Irak, der Türkei und Afghanistan aufrechtzuerhalten.

 

Motivation, Rekrutierung, Identität

Ein Schlüsselfaktor für die Entstehung von al-Shabaab im Jahr 2007 war die Intervention äthiopischer Truppen gegen eine islamistische Regierung in Somalia[36]. Obwohl der Kampf gegen die Invasoren sicherlich eine ideologische Dimension hatte, ging es primär um die Verteidigung Somalias, was im Laufe des Krieges auf alle Gebiete des Horns von Afrika ausgeweitet wurde, die von ethnischen Somalis bewohnt werden. Der Grund für die Gründung des IS in Somalia hingegen war, dass sich die Gruppe um Abdul Qadir Mumin im somalischen (Clan-)Kontext eingeengt fühlte und von der globalen Reichweite der Ereignisse in Syrien und dem Irak zu jener Zeit inspiriert war.

Die Kerngruppe des IS in Somalia, die in den Anfangsjahren sicherlich die größte Fraktion innerhalb der Organisation darstellte, besteht aus Mitgliedern von Abdul Qadir Mumins Clan der Majerteen/Ali Salebaan[37],[38],[39]. Die Organisation weist jedoch seit Langem eine sehr heterogene Zusammensetzung auf, was durch einen starken Zuwachs an Personal in den letzten zwei Jahren noch verstärkt wurde[40]. Effektive Rekrutierungskampagnen gehörten von Anfang an zu den Stärken der IS-Provinz Somalia, neben der Fähigkeit, erhebliche Einnahmen zu generieren[41],[42]. Infolgedessen ist es der Organisation immer wieder gelungen, erfahrene Kämpfer oder Unterstützer von al-Shabaab abzuwerben, Unterstützer unter Piraten und Schmugglern zu gewinnen und neues Personal zu rekrutieren, das keine Vorgeschichte in den genannten Gruppen hatte[43]. Letzteres schließt in geringerem Maße auch Kindersoldaten im Alter von nur zehn Jahren ein[44]. Eine weitere wichtige und in jüngster Zeit rasch wachsende Gruppe sind ausländische Kämpfer, die verschiedenen Quellen zufolge hauptsächlich aus Äthiopien, Tansania, Jemen, Sudan, Marokko, Libyen, Tunesien, Uganda und Syrien stammen[45]. Schätzungen aus verschiedenen Quellen deuten darauf hin, dass die Personalstärke der IS-Provinz Somalia im Laufe des Jahres 2025 auf bis zu 1.600 Kämpfer angestiegen sein könnte, trotz Verlusten im Rahmen der Offensive der Sicherheitskräfte von Puntland[46]. Infolgedessen besteht die Mehrheit der Gruppe möglicherweise nicht mehr aus Somalis, obwohl diese offenbar einen erheblichen Teil der Führungspositionen besetzen[47]. Spannungen werden vor allem zwischen Kämpfern aus afrikanischen Ländern und solchen aus arabischen Ländern berichtet[48].

In Somalia kam es in der Geschichte wiederholt zu Spaltungen und Neugründungen im Spektrum islamistischer Gruppen und Organisationen, vorgeblich aus ideologischen Gründen, in Wahrheit jedoch aufgrund persönlicher oder clanbasierter Rivalitäten und Partikularinteressen. So sind al-Shabaab und IS Somalia ideologisch gar nicht so weit voneinander entfernt, wie die regelmäßig und vehement in ihren Propagandaorganen erhobenen Vorwürfe vermuten lassen. Es erscheint fraglich, inwieweit die Anhänger der beiden konkurrierenden Organisationen die religiöse Herleitung des zentralen ideologischen Diktums des IS, der Exkommunikation (takfīr), verstehen können – also die Erklärung anderer Muslime zu Ungläubigen. Ein greifbarer Unterschied in Bezug auf die ideologische und strategische Ausrichtung liegt darin, dass al-Shabaab das Ziel verfolgt, ein islamisches Emirat in den von ethnischen Somalis bewohnten Gebieten am Horn von Afrika zu errichten, während IS Somalia sich als Provinz eines globalen Kalifats versteht, das ethnische und nationale Grenzen überschreitet[49].

 

Militärische Fähigkeiten und Rolle im globalen Dschihad

Nur etwa ein Jahr nach seiner Gründung und zu einer Zeit, als die Kernorganisation in Syrien und dem Irak noch ein bedeutendes Territorium kontrollierte, erzielte IS Somalia seinen sichtbarsten Erfolg mit der Einnahme und der rund sechswöchigen Besetzung der Hafenstadt Qandala. Seit diesem kurzen territorialen Intermezzo beschränken sich die Operationen des IS Somalia auf klassische Guerillakriegsführung mit Hit-and-Run-Angriffen, Hinterhalten, dem Einsatz von improvisierten Sprengvorrichtungen (Improvised Explosive Devices, IEDs), dem punktuellen Einsatz von Selbstmordattentätern sowie gezielten Tötungen und Entführungen[50]. Im Januar 2025 demonstrierte IS Somalia erstmals die Fähigkeit, bewaffnete Drohnen effektiv einzusetzen[51].

Beeindruckender als die militärischen Aktivitäten des IS Somalia sind die Operationen, die in den vergangenen zehn Jahren von al-Shabaab, dem somalischen Staat und seinen Verbündeten gestartet wurden und regelmäßig darauf abzielten, die Gruppe zu vernichten oder ihre Handlungsfähigkeit erheblich zu schwächen. Nach al-Shabaabs massiver Reaktion auf die Abspaltungen und das Entstehen von IS-Zellen im Laufe des Jahres 2015[52],[53] kommt es bis heute immer wieder zu Scharmützeln oder größeren Zusammenstößen zwischen bewaffneten Kräften beider Organisationen[54],[55]. Dieser heftige Widerstand des somalischen al-Qaida-Ablegers hat wiederholt zu personellen Verlusten für IS Somalia geführt und wesentlich dazu beigetragen, sein Operationsgebiet auf Puntland zu beschränken. Die wirksamsten Maßnahmen der Terrorismusbekämpfung gegen die zentralen Strukturen des IS in Somalia – insbesondere gegen die oberste Führungsebene, die Führungs- und Organisationsstrukturen sowie die Finanzstrukturen der Organisation – wurden von US-Streitkräften ergriffen.

Während der Biden-Regierung führten die US-Streitkräfte im Januar 2023 eine Zugriffsoperation gegen den Hauptkoordinator des Karrar-Büros, Bilal al-Sudani, und im Mai 2024 einen Luftschlag gegen Abdul Qadir Mumin durch. In Bezug auf die Komplexität ihrer Vorbereitung wurde die Operation, die letztlich zur Tötung von al-Sudani und zehn seiner Kämpfer führte, mit der Mission gegen Osama bin Laden verglichen. Der Tod al-Sudanis wurde als schwerer Rückschlag für den Ausbau der IS-Strukturen auf dem afrikanischen Kontinent und darüber hinaus gewertet[56]. Seit Beginn der zweiten Amtszeit von Trump haben die US-Streitkräfte ihre Luftoperationen gegen IS Somalia erheblich ausgeweitet. Die erste außenpolitische Aktion der neuen US-Regierung in Afrika bestand in einem massiven Luftschlag in Puntland, der auf Ahmed Maeleninine abzielte, die Schlüsselfigur für externe Operationen in Europa und den USA[57],[58]. Im Juli 2025 wurde Bilal al-Sudanis Nachfolger als Finanzchef des Karrar-Büros bei einem Zugriff festgenommen.

Der wesentliche Unterschied zwischen den US-Operationen im Jahr 2025 und jenen während der Biden-Administration liegt nicht primär in ihrer Anzahl, sondern vielmehr darin, dass sie auf Ziele ausgeweitet wurden, die über die oberste Führungsebene[59],[60] hinausgehen, sowie – vor allem – in der rechtlichen Begründung dieser Angriffe. Seit Anfang 2025 argumentiert die Trump-Regierung nicht nur mit den Gefahren für die regionale Stabilität, sondern auch mit der Bedrohung für die innere Sicherheit der USA[61]. Dies wird auf die De-facto-Verdopplung der Kämpfer von IS Somalia, den starken Anstieg ausländischer Kämpfer in den Reihen der Organisation und ihre anhaltende zentrale Rolle bei der Koordinierung internationaler Aktivitäten, insbesondere der Abwicklung von Finanztransfers, zurückgeführt.

Ein Lager der gemeinsamen Streitkräfte der ugandischen Streitkräfte (UPDF) und der Streitkräfte der Demokra- tischen Republik Kongo (FARDC) im Dschungel der Provinz Nord-Kivu im Nordosten der DR Kongo. Die Trup- pen führen gemeinsame Operationen gegen die Allied Democratic Forces (ADF) durch. Imago / Xinhua
Ein Lager der gemeinsamen Streitkräfte der ugandischen Streitkräfte (UPDF) und der Streitkräfte der Demokra- tischen Republik Kongo (FARDC) im Dschungel der Provinz Nord-Kivu im Nordosten der DR Kongo. Die Trup- pen führen gemeinsame Operationen gegen die Allied Democratic Forces (ADF) durch.

Provinz Zentralafrika des Islamischen Staates – ISCAP (Wilayat Wasat Ifriqiya)

Bei ihrer Gründung im April 2019 umfasste die von der IS-Kernorganisation als Wilayat Wasat Ifriqiya bezeichnete Provinz Zentralafrika des Islamischen Staates (ISCAP) zwei unterschiedliche militante Gruppen: die Allied Democratic Forces (ADF) in der Demokratischen Republik Kongo und die Ahlus Sunnah wal Jamaah (ASWJ) in Mosambik. Während beide Gruppen aus bereits existierenden lokalen Aufstandsbewegungen hervorgingen, wiesen sie tiefgreifende Unterschiede in ihren organisatorischen Fähigkeiten und ihrer Führungsstruktur auf[62]. Im Laufe der Zeit zerbrach diese anfängliche Struktur, wobei die mosambikanische Fraktion 2022 offiziell als unabhängige Provinz (Wilayat), die IS-Provinz Mosambik (ISM), anerkannt wurde, während der in der DRK ansässige Ableger die Bezeichnung ISCAP beibehielt[63].

 

Ursprünge und Vorgängerorganisation

Der Kern der ISCAP in der DRK sind die ADF. Sie entstanden Mitte der 1990er-Jahre als ugandische Rebellengruppe und entzogen sich lange Zeit einer eindeutigen Einordnung, da sie ideologische Ambivalenz und operative Flexibilität aufwiesen und vor allem als auf den eigenen Fortbestand ausgerichteter Akteur agierten, der operative Einheiten sowohl im Osten der DRK als auch jenseits der Grenze im Westen Ugandas kontrollierte. Die ADF durchliefen ab 2010 einen schrittweisen Prozess der islamistischen Neuausrichtung, als sich die Gruppe selbst als Madina at-Tauheed wa Mujahedeen (MTM) zu bezeichnen begann, was einen Übergang zu einer salafistisch-dschihadistischen Ausrichtung und einer entsprechenden Identitätskonstruktion signalisierte[64]. Etwa zur gleichen Zeit stieg auch die internationale Bekanntheit der Gruppe und im Januar 2011 erließ die ugandische Regierung offiziell einen Haftbefehl gegen ihren Führer Jamil Mukulu[65]. Einen Monat später erließ INTERPOL gegen Mukulu ebenfalls eine internationale Fahndungsausschreibung (Red Notice)[66]. Bis Ende 2011 hatten die UN[67] und die USA[68] Sanktionen gegen Mukulu verhängt. Vor Ort führten die aggressiven Taktiken der ADF zu stetigen territorialen Gewinnen. Bis 2013 hatten die ADF Einfluss auf 420 Quadratkilometer im „Todesdreieck“ von Beni; und ihre Mitgliederzahl wurde auf 1.600 bis 2.500 Kämpfer geschätzt[69].

Jamil Mukulu wurde 2015 in Tansania verhaftet, als er versuchte, nach Nordmosambik zu gelangen, wo er Berichten zufolge eine verbündete Kämpfergruppe ausbildete. Seine Verhaftung stürzte die ADF in eine Legitimations- und Finanzierungskrise[70]. Die Gruppe verlor nicht nur ihren Gründer und Anführer, sondern auch den Knotenpunkt für ihr internationales Finanzierungsnetzwerk. Sein Stellvertreter, Musa Baluku[71], übernahm das Kommando über die verbliebenen Kämpfer. Mukulu versuchte jedoch, selbst aus der Haft heraus Einfluss auszuüben, was zu einer internen Spaltung führte, bei der einige Kämpfer Mukulu treu blieben. Um seine Macht zu festigen, suchte Baluku die Nähe zum IS. Die Ausrichtung auf den IS verschaffte den ADF ein wirkungsvolles neues Profil, Zugang zu transnationalen Unterstützungsnetzwerken sowie einen ideologischen Bezugsrahmen, mit dem sie ihrer Aufstandsbewegung neue Dynamik verleihen konnten. Die Beziehung wurde durch Propagandaaktivitäten gefestigt, die vom ADF-Medienverantwortlichen Meddie Nkalubo vorangetrieben wurden. Dabei übernahmen die ADF die Symbolik und Rhetorik des IS und signalisierten ihre Bereitschaft zur Integration in das globale dschihadistische Projekt[72].

 

Entstehung und Transformation

Diese interne Neuausrichtung der ADF fiel mit dem territorialen Zusammenbruch der IS-Kernorganisation im Irak und in Syrien zusammen. Als die IS-Zentralführung von einem territorialen de facto-Staatswesen zu einer verdeckt operierenden globalen Terrororganisation überging, wandten die ADF eine „Franchising-Strategie“ an, um ihre Relevanz und operative Reichweite zu wahren[73]. Diese Dezentralisierung machte die Erhebung peripherer Ableger wie der ADF in den Status einer Wilayat (Provinz) erforderlich, um der IS-Kernorganisation „Siegesnarrative“ in Subsahara-Afrika zu liefern, die die Verluste im Nahen Osten ausgleichen sollten. Folglich wurden die militärischen Aktivitäten der ADF, nach einer ersten symbolischen Anerkennung in einer Rede[74] des damaligen IS-Sprechers Abul-Hasan al-Muhajir im Mai 2018, die sich auf die Mudschahedin („Gotteskrieger“) in Zentralafrika bezog, im April 2019 zum ersten Mal offiziell vom zentralen Medienapparat des IS für sich in Anspruch genommen, was die formelle Anerkennung der Provinz Zentralafrika des Islamischen Staates (ISCAP) markierte[75]. Im Jahr 2021 wurden die ADF von den USA unter der Bezeichnung „Islamischer Staat im Irak und in Syrien – Demokratische Republik Kongo“ offiziell als specially designated global terrorist (SDGT) eingestuft[76].

Die Entstehung von ISCAP wurde durch eine Konvergenz interner Push-Faktoren innerhalb der ADF und externer Pull-Faktoren der schwächelnden IS-Kernorganisation angetrieben. Für die ADF unter Musa Baluku bot die Marke des IS eine Lösung für eine existenzielle Krise nach der Verhaftung von Jamil Mukulu, welche die externe Finanzierung und die Legitimität der Führung gelähmt hatte[77].

Die Anbindung an den IS verschaffte der Gruppe ein neues ideologisches Narrativ, eine globale Propagandaplattform sowie ein Vorbild für die Inszenierung von Gräueltaten als öffentliches Spektakel. Dadurch wandelte sie sich von einer schwindenden lokalen Rebellion zu einem Netzwerkknoten innerhalb des globalen Kalifatsprojekts des IS[78]. Umgekehrt diente die Formalisierung von ISCAP dem IS, der eine territoriale Niederlage erlitten hatte, als lebenswichtiges „Siegesnarrativ“ und als Beweis für anhaltende Expansion und Relevanz, was für die Aufrechterhaltung des Einflusses und die Gewinnung neuer Rekruten weltweit unerlässlich war[79]. Diese Synergie wurde zudem durch ein Umfeld begünstigt, das durch systemische staatliche Fragilität in der DRK, chronische Konflikte und bereits bestehende grenzüberschreitende militante Netzwerke gekennzeichnet war[80].

Die Transformation der von nun an ISCAP genannten Gruppe lässt sich durch die Neuausrichtung der ideologischen, operativen und organisatorischen Fähigkeiten in der Post-Mukulu-Phase verdeutlichen: Erstens hatte die Ideologie der ADF unter Mukulu viele verschiedene Facetten, wurde aber eindeutig als politische Opposition zur Regierung von Präsident Yoweri Museveni in Uganda verstanden. Die Hauptziele der Bewegung wurzelten in ugandischen politischen Missständen, insbesondere der wahrgenommenen Marginalisierung der muslimischen Tablighi-Gemeinschaft und einiger ethnischer Minderheiten durch die ugandische Regierung[81]. Zahlreiche Analysten haben festgestellt, dass der Islam in dieser Zeit weniger als kohärenter ideologischer Rahmen fungierte, sondern vielmehr als Legitimationsdiskurs, über den die Gruppe Anhänger mobilisierte, Gewalt rechtfertigte und externe Allianzen schmiedete. Die ADF zeigten wenig Interesse an doktrinärer Reinheit, pflegten pragmatische Beziehungen zu nicht-islamistischen Akteuren wie der ethnisch-nationalistischen Bewegung National Army for the Liberation of Uganda (NALU) und hatten kaum Interesse an der Durchsetzung religiöser Normen in der Zivilbevölkerung[82]. Im Gegensatz dazu formte Baluku die Gruppe zu einer salafistisch-dschihadistischen Organisation um, indem er nach dem Vorbild des IS eine strikte Auslegung des islamischen Rechts durchsetzte. Dies umfasste die Einführung strenger Verhaltensregeln und verpflichtender Gebete, die ideologische Indoktrination entführter Kinder sowie harte Bestrafungen bei Verstößen gegen diese Vorgaben.[83] Diese ideologische Neuausrichtung erfüllte drei wesentliche Funktionen: die Gestaltung der internen Gruppendynamik und -disziplin, die Steigerung der globalen Attraktivität der Gruppe (externe Signalwirkung) sowie die Ermöglichung transnationaler Rekrutierung bzw. Ressourcenmobilisierung.

Zweitens war die Transformationsphase der ISCAP durch eine operative Neuausrichtung gekennzeichnet: weg von Angriffen aus dem Hinterhalt nach dem Prinzip Hit-and-Run, klein angelegten Überfällen und Entführungen zur Erpressung von Lösegeld oder zur Rekrutierung hin zu äußerst tödlichen, öffentlich inszenierten Angriffen mit zahlreichen Opfern, ritualisierten Hinrichtungen und Selbstmordanschlägen, die ausdrücklich auf eine propagandistische Wirkung ausgerichtet waren. Die bedeutendste taktische Neuerung bestand in der Einführung von Selbstmordanschlägen und dem Einsatz improvisierter Sprengsätze (IEDs). Der erste bestätigte Selbstmordanschlag der ISCAP ereignete sich im Juni 2020 in Beni[84]. Gleichzeitig demonstrierte die Gruppe strategische Anpassungsfähigkeit durch die Ausweitung ihrer geografischen Reichweite. Beispielsweise eskalierte ISCAP trotz des erhöhten militärischen Drucks durch die gemeinsame Operation Shujaa der Streitkräfte der DRK und Ugandas die grenzüberschreitenden Angriffe nach Uganda und tötete im Juni 2023 bei einem Anschlag auf die Lhubirira Secondary School in Mpondwe 40 Schüler[85]. Dieses taktische Manöver diente dazu, Vergeltung zu üben, militärische Kräfte des Gegners abzulenken und die anhaltende Schlagkraft der Gruppe als regionale und nicht bloß lokal begrenzte Bedrohung zu signalisieren. Das Ergebnis dieses taktischen Wechsels zeigt sich in den Trends der Konfliktdaten, die für das Jahr 2018 einen historischen Höchststand an zivilen Opfern durch die ADF ausweisen. Dieser Zeitraum fällt mit der Formalisierung ihrer Verbindungen zum IS zusammen. Im Jahr 2019 wurden diese Zahlen nochmals übertroffen, als die ADF schließlich öffentlich vom IS anerkannt wurde[86].

Der dritte Strang der Transformation von ISCAP war eine Veränderung der organisatorischen Fähigkeiten der Gruppe. Letztere war zuvor stark personalisiert, operativ ad hoc strukturiert und (finanziell sowie logistisch) von ihrem Kommandeur Jamil Mukulu abhängig, dessen Festnahme im Jahr 2015 die Funktionsfähigkeit der Gruppe zunichte gemacht hatte. Die anschließende Integration in die globale Struktur des IS führte jedoch zu einem Übergang von einer auf eine Person ausgerichteten Gruppierung zu einer widerstandsfähigen, institutionalisierten Organisation. Während Musa Baluku ein zentralisiertes strategisches Kommando aufrechterhält, hat die Gruppe die Regierungsstrukturen der IS-Kernorganisation übernommen. Diese Entwicklung zeigt sich in der Übertragung taktischer Entscheidungsbefugnisse auf funktionale Abteilungen (oder Diwans), was Kapazitäten und Ausbildung in spezialisierten Rollen wie Propaganda, IED-Herstellung und Logistik ermöglicht, sowie in der Diversifizierung der Einnahmequellen, die lokale illegale Einnahmen aus Erpressung und der Besteuerung insbesondere von Gold und Holz mit transnationalen Terrorfinanzierungsnetzwerken über Hawala-Systeme, Kryptowährungen und mobile Geldtransfers verbindet[87].

Die Entstehung und das Fortbestehen von ISCAP nach dem Zusammenbruch der IS-Kernorganisation in Syrien und dem Irak sind auf die Transformation der Gruppe von einer revolutionären Bewegung, die nach einem entscheidenden Sieg strebt, hin zu einer auf Fortbestehen ausgerichteten Terrororganisation zurückzuführen, für die das Überleben an sich bereits einen strategischen Erfolg darstellt. Umgekehrt liegt ihr Wert für den IS nicht in der Fähigkeit, Territorium zu halten, sondern darin, trotz anhaltenden militärischen Drucks zu überdauern, sich anzupassen und das Kalifatsprojekt symbolisch auf neue Schauplätze auszuweiten.

 

Rekrutierung und Identität

Generell lässt sich die Rekrutierung von ISCAP in drei Formen unterteilen: Zwangsrekrutierung, hauptsächlich durch Entführungen bei Angriffen; Rekrutierung durch falsche Versprechungen; freiwilliger Beitritt zur Organisation aus ideologischen Gründen. Historisch gesehen rekrutierte die Gruppe durch Entführungen, Kidnapping und gewaltsame Zwangsrekrutierung, die bei Überfällen insbesondere auf Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene abzielt. So griff ISCAP beispielsweise im Oktober 2020 das Kangbayi-Gefängnis in Beni an und befreite mehr als 1.300 Insassen, von denen einige ehemalige Kämpfer waren; andere wurden gefangen genommen und in die Reihen der Gruppe rekrutiert[88]. Diese Strategie bringt eine Truppe junger Menschen hervor, die leicht zu indoktrinieren sind, sodass die Organisation selbst durch Kontrolle und Terror zu ihrem primären sozialen Bezugspunkt wird[89].

Neben Zwang existiert ein Netzwerk von Rekrutierern, das auf wirtschaftlich marginalisierte Bevölkerungsgruppen im Osten der DRK und in den Nachbarländern abzielt und mit materiellen Anreizen wie Geldzahlungen, die Aussicht auf bessere Lebensbedingungen, Schutz sowie die Aufnahme in eine Organisation angeboten, die Möglichkeit des sozialen Aufstiegs und wirtschaftliche Sicherheit verspricht[90]. Seit 2016 nutzen die ADF auch soziale Medien wie Facebook, WhatsApp und Telegram. In Chatgruppen wird radikale Propaganda geteilt, die die Mitglieder dazu ermutigt, sich dem Dschihad anzuschließen. Durch die anhaltenden Angriffe, die als „glorreicher Dschihad“ dargestellt werden, und aggressive Social-Media-Kampagnen ist es der Gruppe auch gelungen, Rekruten von anderen hochgradig radikalisierten Gruppen anzuziehen, darunter Kämpfer aus Kenia, Libyen, Mosambik, Tansania, Uganda und Somalia[91].

Nach der Rekrutierung leitet ISCAP ein systematisches Indoktrinationsprogramm ein, das bei Nichteinhaltung oft gewaltsam durchgesetzt wird und darauf abzielt, eine neue Identität aufzubauen, beginnend mit der Zuweisung neuer arabischer Ehren- oder Kampfnamen (Kunyas) wie Abu („Vater von …“) oder Umm („Mutter von …“), gefolgt von obligatorischem Religionsunterricht, der sich auf eine rigorose, den Dschihad verherrlichende Auslegung des Islam konzentriert[92]. Die konstruierte Identität des „Mudschahid von Zentralafrika“ ist eine funktionale Fiktion, aber ein mächtiges narratives Werkzeug, das unterschiedliche Individuen zusammenschweißt, extreme Gewalt legitimiert und den operativen Zyklus der Gruppe aufrechterhält. In diesem Sinne bringen die Rekrutierungspraktiken eine Identität hervor, die bewusst transnational, ausgrenzend und von lokalen sozialen Realitäten abgekoppelt ist, wobei ideologisches Engagement und Loyalität über lokale Gemeinschaftsbindungen gestellt werden. Dieses Selbstverständnis der Rekruten als Mitglieder einer transnationalen beziehungsweise globalen Gemeinschaft beeinflusst wiederum das strategische Verhalten von ISCAP: Es verringert die Abhängigkeit der Gruppe von der Unterstützung der Bevölkerung, normalisiert Zwangsrekrutierung sowie extreme Gewalt und ermöglicht Loyalität. Diese wechselseitige Beziehung zwischen Rekrutierung und Identität hilft dabei, das Fortbestehen von ISCAP in Abwesenheit territorialer Kontrolle oder lokaler Legitimität zu erklären, und untermauert das allgemeinere Argument dieses Kapitels, dass das Fortbestehen der Gruppe nicht in ihrer Fähigkeit zur Kontrolle oder Verwaltung von Territorien wurzelt, sondern in ihrer Fähigkeit, sich als abgegrenzte, ideologisch kohärente, militante Gemeinschaft innerhalb des transnationalen Ökosystems des IS zu reproduzieren.

 

Organisatorische Struktur und Hierarchie

Die interne Struktur von ISCAP spiegelt teilweise das administrative System des IS wider, weist jedoch eine stärker zentralisierte Führung auf. An der Spitze dieser Hierarchie steht ein Amir, derzeit Musa Baluku, der der militärische Führer der Gruppe ist. Bevor er Amir wurde, war Baluku der oberste Qadi (islamischer Richter) der Gruppe und besaß richterliche sowie ideologische Autorität – Rollen, die er in seiner jetzigen Funktion konsolidierte. Diese Konzentration von exekutiver und judikativer Macht im Amir, welche die Struktur des Kalifats emuliert, verleiht der Gruppe ideologische Legitimität.

Unter dem Amir befindet sich ein schlanker Rat (Shura) von Feldkommandeuren, die halbselbstständige Einheiten leiten und Ermessensspielraum bei der taktischen Ausführung besitzen. Diese sind meist auch räumlich verstreut, was es lokalen Kommandeuren ermöglicht, Operationen auch ohne direkte Kommunikation mit dem Zentrum fortzusetzen. Diese Unterteilung erstreckt sich auf spezifische Rollen innerhalb der Gruppe, wobei jede spezialisierte Abteilung (Diwan) mit Aufgaben wie Finanzen, Medien, IED-Herstellung, externen Operationen und Logistikmanagement betraut ist, was im Wesentlichen die funktionalen Abteilungen der IS-Kernorganisation repliziert[93].

Eingang zu einem Lager für Binnenvertriebene in Cabo Delgado: Der Aufstand islamistischer Gruppen im Nor- den Mosambiks führt seit Jahren zu massiver Vertreibung und einer anhaltenden humanitären Krise, von der insbesondere Kinder und Familien betroffen sind. Le Pictorium / Imago
Eingang zu einem Lager für Binnenvertriebene in Cabo Delgado: Der Aufstand islamistischer Gruppen im Nor- den Mosambiks führt seit Jahren zu massiver Vertreibung und einer anhaltenden humanitären Krise, von der insbesondere Kinder und Familien betroffen sind.

Provinz Islamischer Staat Mosambik (ISM)

Die Provinz Islamischer Staat Mosambik (ISM), lokal bekannt als machababo (die lokale Aussprache von al-Shabaab oder „Jugend“ auf Arabisch), entstand als eine lokale religiöse und ethnische Bewegung, die mehrere Transformationen durchlief und sich von einer radikalen religiösen Sekte zu einer militärischen Aufstandsbewegung und schließlich zu einer offiziell anerkannten Provinz des globalen IS entwickelte. Diese Entwicklung wurde durch lokale Missstände begünstigt, die sich aus einer bereits bestehenden politischen und wirtschaftlichen Ausgrenzung in Cabo Delgado ergaben[94]. Die Bewegung lässt sich bis in das Jahr 2007 zurückverfolgen, als eine reformistische salafistisch-dschihadistische Sekte, die sich selbst als Ahlus-Sunnah wa’l-Jama’ah (ASWJ) bezeichnete, begann, die Autorität traditioneller Sufi-Führer und des staatlich ausgerichteten Islamischen Rates von Mosambik (Conselho Islâmico de Moçambique, CISLAMO) herauszufordern[95]. Diese Gruppe schloss sich der radikalen Propaganda von Aboud Rogo Mohamed an[96],[97], einem kenianischen Kleriker aus Mombasa, der vor seiner Ermordung im Jahr 2012 mit den ostafrikanischen Netzwerken von al-Qaida und der somalischen al-Shabaab-Bewegung in Verbindung gebracht wurde[98]. Bis 2014 hatte ASWJ Moscheen und islamische Schulen (Madrasas) errichtet sowie Audiokassetten, CDs und Broschüren mit Rogos Propaganda verbreitet, in denen eine radikale Ablehnung formaler Bildung und des säkularen mosambikanischen Staates gepredigt wurde, wobei sie sich stark auf fundamentalistische Lehren des Wahhabismus und Salafismus stützte[99].

Die ASWJ begann sich als Reaktion auf mehrere Vorfälle gewaltsamer staatlicher Repression gegen die Führung der Gruppe und ihre Netzwerke zu militarisieren. Gleichzeitig führte die Vertreibung von Kleinschürfern aus den Rubinfeldern nahe Montepuez, um Platz für die Förderung von Erdgas im Rovuma-Becken sowie für den Abbau von Grafit und Edelsteinen in Cabo Delgado zu schaffen, dazu, dass sich zahlreiche unzufriedene junge Männer dem bewaffneten Kampf der ASWJ gegen den Staat und Bergbauunternehmen anschlossen.[100]

Als erstes Signal ihres Aufstands startete die Gruppe am 5. Oktober 2017 einen groß angelegten Angriff auf Polizeistationen in Mocímboa da Praia[101]. Im Laufe des Jahres 2018 vertiefte ASWJ ihre operativen Verbindungen zu regionalen dschihadistischen Netzwerken, einschließlich der ADF in der DRK, was ihre spätere Ausrichtung auf den IS erleichterte[102]. Im April 2019 beanspruchten die zentralen Medien des IS offiziell ihren ersten Angriff in Mosambik unter dem Banner Provinz Zentralafrika des Islamischen Staates (ISCAP). Diese fungierte zu diesem Zeitpunkt als vorübergehende administrative Dachstruktur, der sowohl die mosambikanische Gruppe als auch die ADF in der Demokratischen Republik Kongo angehörten[103]. Diese formelle Zugehörigkeit transformierte die Gruppe in eine hoch entwickelte, vernetzte Organisation, was im Jahr 2020 zur Einnahme des strategischen Hafens von Mocímboa da Praia und zur anschließenden Anerkennung als eigenständige Provinz Islamischer Staat Mosambik (ISM) im Jahr 2022 führte[104].

 

Entstehung und Fortbestehen

Ethnisch-religiöse Rivalitäten und politische Ausgrenzung erklären den Ausbruch der Gewalt im Norden Mosambiks[105]. Während die Makua die größte ethnische Gruppe bilden und rund 67 Prozent der Bevölkerung von Cabo Delgado ausmachen, nehmen die Makonde, die etwa 20 Prozent der Bevölkerung stellen, aufgrund ihrer herausragenden Rolle im Befreiungskampf gegen die Kolonialherrschaft und in der anschließenden Regierung der Frente de Libertação de Moçambique (FRELIMO) eine dominierende politische Stellung ein[106]. Die Mwani, die nur sechs Prozent der Bevölkerung ausmachen, unterstützen traditionell die politische Oppositionspartei Resistência Nacional Moçambicana (RENAMO) und deren militanten Flügel[107]. Die Kluft zwischen FRELIMO/Makonde und RENAMO/Mwani wird ferner dadurch verdeutlicht, dass FRELIMO alle sechs Wahlen nach der staatlichen Unabhängigkeit Mosambiks unter dem Vorwurf des Wahlbetrugs durch RENAMO gewonnen hat[108].

Die Entdeckung von Offshore-Flüssiggasvorkommen und der anschließende Ausbau der Gasindustrie verschärften die staatlich gelenkten Landenteignungen sowie die Umsiedlung der Bevölkerung im Küstengebiet von Cabo Delgado. Davon waren insbesondere die überwiegend den Mwani angehörenden Gemeinschaften im Gebiet Afungi stark betroffen[109]. Die Mwani, die zudem überwiegend Muslime sind, instrumentalisierten diese Unzufriedenheit in religiöser Hinsicht und deuteten sie als Unterdrückung durch einen „ungläubigen“ (kafir) Staat, der von den überwiegend christlichen Makonde geführt wird. Dies gab den Anstoß für den anfänglichen islamisch-ideologischen Standpunkt der ASWJ[110]. Diese Gruppe formierte sich um einen Kern heimkehrender mosambikanischer Religionsstudenten (du’at), die an islamischen Schulen in Tansania, Kenia oder im Nahen Osten studiert hatten, mit einer politisierten, militanten Interpretation des Islam nach Cabo Delgado zurückkehrten und durch grenzüberschreitende islamistische Netzwerke an der gesamten Swahili-Küste unterstützt wurden[111].

Bis 2019 operierten die Aufständischen der ASWJ in kleinen Einheiten mit begrenzten militärischen Zielen und nur geringer Ausrüstung; teilweise verfügten sie lediglich über Macheten. Ab April 2019 stieg die Zahl der auf die Gruppe zurückgeführten Angriffe jedoch rapide an, nachdem sie sich formell dem IS angeschlossen hatte und Teil der ISCAP-Struktur geworden war, die auch die ADF in der DRK umfasste. Zwischen April und Dezember 2019 wurden der Gruppe in Mosambik 14 Angriffe und im gleichen Zeitraum in der DRK 23 Angriffe zugerechnet.

Die Einbettung der ASWJ in die Küstenwirtschaft sicherte das Fortbestehen der Gruppe trotz der Abspaltung vom kongolesischen Ableger ISCAP und der territorialen Niederlage der IS-Kernorganisation. ASWJ besteuerte systematisch lokale Gemeinschaften, kontrollierte handwerkliche Rubin- und Goldabbaugebiete und profitierte vom illegalen Handel mit Holz und Wildtieren, wodurch eine nachhaltige interne Einnahmequelle geschaffen wurde[112]. Zudem überlebte die Gruppe in den Vakuen eines schwachen Staates, dessen Kapazitäten zur militärischen oder polizeilichen Reaktion und zur Konsolidierung seiner Autorität begrenzt waren.

Ab 2021 haben gemeinsame Operationen der mosambikanischen Streitkräfte (FADM), regionaler Truppen aus Ruanda, privater Militärunternehmen wie Wagner und des regionalen Friedenssicherungsmechanismus – der Mission der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrikas in Mosambik (SAMID) – dazu beigetragen, die Präsenz und den Einfluss der ASWJ in Cabo Delgado zu verringern. Typisch für die Taktik des IS überlebt der mosambikanische Ableger jedoch in kleineren, verstreuten operativen Zellen, im Gegensatz zum früheren Format einer groß angelegten Aufstandsbewegung, die auf territoriale Kontrolle abzielte. Die Gruppe hat auch die Angriffe auf zivile Ziele reduziert und konzentriert sich stattdessen auf Angriffe auf Stellungen der Regierungstruppen, hauptsächlich, um ihre Nachschubwege für Waffen, Munition und Nahrungsmittel aufrechtzuerhalten.

 

Rekrutierung und Identität

Die Rekrutierungsmechanismen von ASWJ beinhalten eine Mischung aus Zwang, Opportunismus und freiwilligem Beitritt[113]. Analysten argumentieren, dass diese drei Formen nicht isoliert angewendet werden, sondern sich gegenseitig verstärken. Obwohl die ASWJ zwanghaft und gewalttätig vorgeht, treten viele junge Menschen der Gruppe freiwillig bei, um in einem Umfeld extremer Unsicherheit und sozialer Entwurzelung Einkommen, Schutz, Status sowie Zugehörigkeit zu finden[114]. Die Bewegung ist daher sehr vielfältig; sie beherbergt multiple Identitäten von eingefleischten Dschihadisten, indoktrinierten Jugendlichen, unzufriedenen illegalen Bergleuten, Menschen, die sich für ein Leben als Banditen entschieden haben, und anderen, die durch Verzweiflung, Täuschung, das Versprechen materieller Gewinne oder Gewalt hineingezogen wurden.

Die anfängliche Rekrutierung beruhte auf materiellen Anreizen und erfolgte häufig über lokale Moscheen. Vielen jungen Menschen wurden finanzielle Mittel zur Gründung kleiner Unternehmen in Form von Darlehen bereitgestellt, die sie zu einem späteren Zeitpunkt zurückzahlen mussten[115]. Einige erhielten sogar Stipendien für weiterführende islamische Studien im Ausland, unter anderem in der DRK, Kenia, Tansania und Saudi-Arabien. Dort vertieften sie ihre ideologische Schulung, erhielten eine Ausbildung für den bewaffneten Kampf und übernahmen später eine Schlüsselrolle beim Aufbau lokaler Rekrutierungsstrukturen, indem sie potenzielle Anhänger identifizierten, anwarben sowie für den Aufstand rekrutierten. Auf diese Weise gelang es der Gruppe, eine beträchtliche Zahl sozial und wirtschaftlich benachteiligter junger Menschen durch das Versprechen leichter Verdienstmöglichkeiten für sich zu gewinnen. Mit dem Ausbruch der Gewalt im Jahr 2017 änderten sich jedoch die Rekrutierungsmethoden der Gruppe. Ausschlaggebend hierfür war zum einen der steigende Bedarf der Organisation an Kämpfern, zum anderen das harte Vorgehen der Regierung als Reaktion auf die Ereignisse. Nach dem Ausbruch der Gewalt im Oktober 2017 wurden Personen, die ihre Schulden noch nicht beglichen hatten, zunehmend dazu gezwungen, diese durch den Eintritt in die Gruppe als Kämpfer abzuarbeiten.

Die Rekrutierung der ISM spiegelt auch eine transnationale Ausrichtung wider. Die grenzüberschreitende Mobilität zwischen Mosambik und Tansania, kombiniert mit Küsten- und Diaspora-Netzwerken entlang des Swahili-Korridors, ermöglichte die Zirkulation von Kämpfern, Unterstützern und Ideen über das unmittelbare Konfliktgebiet hinaus. Obwohl ausländische Kämpfer nicht die Mehrheit in den Reihen der ISM stellen, spielt ihre Präsenz eine überproportionale symbolische Rolle und stärkt die Selbstdarstellung der Gruppe als Teil eines globalen dschihadistischen Projekts statt eines lokalen Aufstands.

In diesem Kontext dient die Ideologie des IS der ASWJ nicht als Einstiegsglaube, sondern vielmehr als Sozialisationsmechanismus, der die Identität der Rekruten umgestaltet.

Angesichts der von den USA gegen die Rwanda Defence Force (RDF)[116] verhängten Sanktionen sowie der Einstellung der finanziellen Unterstützung in Höhe von 20 Millionen Euro durch die Europäische Union[117] ist der Einsatz der RDF zur Terrorismusbekämpfung in Cabo Delgado zunehmend infrage gestellt; das entsprechende Mandat läuft im Dezember 2026 aus. Die mosambikanischen Sicherheitskräfte verfügen derzeit nicht über ausreichende Kapazitäten, um die RDF-Truppen zu ersetzen, wodurch in der erdgasreichen Provinz ein sicherheitspolitisches Vakuum entstehen könnte. Da die Regierung in Maputo bereits jetzt nicht in der Lage ist, die operativen Kosten vollständig zu tragen und Berichten zufolge Zahlungsrückstände von mehr als 22 Millionen US-Dollar[118] aufgelaufen sind, bleiben als mögliche Optionen die Beauftragung privater Sicherheitsunternehmen oder die Inanspruchnahme von Unterstützung durch russische oder chinesische Unternehmen zum Schutz ihrer jeweiligen Energieinteressen.

Fazit

Dieser Beitrag untersucht die Natur, die Entwicklung und das Fortbestehen von mit dem IS verbündeten bewaffneten Gruppen in Ostafrika. Dabei wird argumentiert, dass alle drei ostafrikanischen Ableger des IS ihre Ursprünge in lokalen Kontexten haben, die mehr oder weniger konfliktgeladen und von lokalen ethnischen, religiösen und wirtschaftlichen Rivalitäten geprägt sind. Diese lokalen Wurzeln bleiben ein wichtiger Teil der Identität sowie der politisch-ideologischen Ausrichtung der drei Gruppen und prägen deren hybride Ausrichtung auf lokale Konflikte, die – teils propagandistisch, teils organisationsstrukturell – in einen globalen Dschihad eingebettet sind. In allen drei Fällen fungiert die Ideologie des IS eher als kooptierter strategischer Rahmen für Gruppenidentität, externe Signalwirkung und transnationale Legitimität. Bemerkenswerterweise entwickelte keiner der ostafrikanischen Ableger Regierungs- oder Verwaltungsstrukturen, die mit denen vergleichbar wären, die von der IS-Kernorganisation im Irak und in Syrien oder von anderen Ablegern in Libyen, Afghanistan oder Westafrika errichtet wurden. Dieses Fehlen ist nicht zufällig, sondern spiegelt einen auf das Überleben ausgerichteten Ansatz dieser Gruppen wider, der Flexibilität und performative Gewalt über die territoriale Verwaltung stellt. Der globale Dschihad wird in diesem Kontext nicht aufgegeben, sondern selektiv eingesetzt, und dient als symbolische sowie operative Ressource – und nicht als Endzustand, der auf den Aufbau eines Kalifats abzielt.

Durch vergleichende Analysen identifiziert der Beitrag sowohl Konvergenzen als auch Divergenzen zwischen den drei ostafrikanischen IS-Ablegern. Alle drei Gruppen teilen eine auf Fortbestehen ausgerichtete Logik der Insurgenz, begrenzte Ambitionen hinsichtlich der Regierungsführung und ein Vertrauen auf die Zugehörigkeit zum IS als Multiplikator an Relevanz anstelle eines Entwurfs für den Staatsaufbau. Im Gegensatz dazu unterscheiden sich die Gruppen in ihren Rekrutierungsprofilen und strategischen Funktionen innerhalb des globalen dschihadistischen Ökosystems. Von besonderer Bedeutung ist die zentrale Rolle von IS-Somalia für die logistische und finanzielle Architektur des IS über das Regionalbüro al-Karrar. Obwohl der somalische Ableger innerhalb des somalischen Schauplatzes, der vom al-Qaida-Verbündeten al-Shabaab dominiert wird, lokal isoliert ist, besitzt er eine größere globale Relevanz und sichert die transnationale Konnektivität und Funktionsfähigkeit des IS. Die Provinz Somalia weist den höchsten Anteil ausländischer Kämpfer auf und besitzt das Potenzial, anhaltende regionale und sogar globale Bedrohungen zu verursachen. Darüber hinaus gewährleistet die Nähe der Gruppe zur Arabischen Halbinsel sowie zum Jemen einen kontinuierlichen Austausch mit anderen IS-Netzwerken im Nahen und Mittleren Osten, wodurch eine kontinuierliche Versorgung mit Waffen, Technologietransfer und das Einwerben von Finanzmitteln ermöglicht werden.

Die Ergebnisse dieses Beitrags stellen die vorherrschende Post-9/11-Darstellung afrikanischer islamistischer bewaffneter Gruppen als dezentrale Ableger nahöstlicher dschihadistischer Gruppen teilweise infrage. Durch den Vergleich von Motiven, Ideologien, Netzwerken und Taktiken in Ostafrika wird gezeigt, dass die Ableger des IS auf dem Kontinent weder gescheiterte Repliken eines zusammengebrochenen Kalifats noch reine lokale Aufstände sind. Sie sind anpassungsfähige, strategisch eingebettete Akteure, die ihre operative Stärke und Legitimität aus der dschihadistischen Identität des IS beziehen, während sie gleichzeitig kontinuierlich personellen Nachwuchs und soziale Tiefe aus ungelösten lokalen Konflikten schöpfen. Ihr Fortbestehen wird somit durch diese duale Identität garantiert, was sie resistent gegen Strategien der Terrorismusbekämpfung macht, die oftmals nur die militärische Dimension der Konflikte ins Visier nehmen.

Die Ableger des IS in Ostafrika sollten daher in den beiden Kontexten der bewussten Fragmentierung des globalen Dschihads nach dem Zusammenbruch der IS-Kernorganisation und der anhaltenden strukturellen Krisen afrikanischer politischer Ordnungen verstanden werden. Schließlich bieten die erneuten Kriege im Nahen und Mittleren Osten und die fragmentierte globale Ordnung, die durch den Rückzug der USA aus wichtigen internationalen Sicherheitsverpflichtungen verursacht wird, eine Gelegenheit für ein deutliches Wiedererstarken des Terrorismus. Viele Analysten gehen davon aus, dass die nächste Phase terroristischer Aktivitäten über ein Netzwerk verstreuter Gruppen und Stellvertreter funktionieren wird, mit einem weniger ideologischen Fokus auf die Wiederherstellung eines vor einem Jahrzehnt untergegangenen Kalifats. In diesem Szenario wird der islamistische Terrorismus möglicherweise räumlich und funktionell elastischer, dehnt sich sogar in maritime Sphären aus und beeinträchtigt kommerzielle Schifffahrtswege sowie Offshore-Energieinfrastrukturen. Die IS-Ableger in Westafrika und im Sahel bleiben aufgrund ihrer territorialen Expansion und quasi-administrativen Strukturen in jüngsten Analysen zwar sichtbarer, ihr Bedrohungsprofil hingegen erscheint weitgehend geografisch auf isolierte Gebiete begrenzt und könnte sich den neuen dschihadistischen Trends weniger anpassen. Im Gegensatz dazu betrachtet diese Analyse der organisationsstrukturellen Profile der ostafrikanischen IS-Ableger diese als kleine, mobile, vernetzte und bereits in transnationale Finanz- und Logistikströme eingebettete Filialen, die als vergleichsweise fähige und verlässliche Stellvertreter für nahöstliche dschihadistische Akteure fungieren können – mit dem zusätzlichen Vorteil der geografischen Nähe zu Schauplätzen auf der Arabischen Halbinsel, dem Jemen und wichtigen maritimen Nadelöhren. Die Möglichkeit, dass diese ostafrikanischen Ableger als vorgeschobene Basen und Koordinierungsstellen in einer neuerlichen Phase des globalen Dschihads dienen könnten, ist daher nicht übertrieben und sollte in künftigen Ansätze zur Terrorismusbekämpfung Beachtung finden und diesen sich entwickelnden Realitäten Rechnung tragen.

 

 

[1] Karr, Liam / Carter, Brian 2025: The Islamic State’s Global Long Game and Resurgence in Syria Poses an Evolved Threat to the West, American Enterprise Institute, 09.01.2025, in: https://ogy.de/464o [10.07.2026].

[2] Karr / Carter 2025, N. 1.

[3] Institute for Economics & Peace 2026: Global Terrorism Index 2026, 03/2026, in: https://ogy.de/d42x [10.07.2026].

[4] Die Abkürzung ISSP wird mitunter für die Islamic State Somalia Province verwendet. In diesem Kapitel wird ISSP jedoch als Kurzform für die Islamic State Sahel Province verstanden, während IS Somalia für den somalischen Ableger der terroristischen Organisation verwendet wird.

[5] European Institute of Peace 2018: The Islamic State in East Africa, 09/2018, in: https://ogy.de/iskw [10.07.2026]; Marsai, Viktor 2018: Scramble for the Horn of Africa – Al-Shabaab vs. Islamic State, CSDS Analyses, 2:2018, 12.01.2018, S. 5; Warner, Jason / Hulme, Charlotte 2018: The Islamic State in Africa: Estimating Fighter Numbers in Cells Across the Continent, CTC Sentinel 11:7, 08/2018, S. 21-28, in: https://ogy.de/wp1j [10.07.2026].

[6] Abgesehen von den ISS-Provinzen in Somalia, der Demokratischen Republik Kongo und Mosambik gab es seit 2015 weitere Versuche, Ableger in Ostafrika zu etablieren. Diese werden in dem vorliegenden Beitrag jedoch nicht weiter berücksichtigt. Ein Beispiel ist die kurzlebige Jabhat East Africa, auch bekannt als Islamic State in Somalia, Kenya, Tanzania, and Uganda (ISSKTU), die Abu Bakr al-Baghdadi im April 2016 die Treue schwor.

[7] Im Hinblick auf IS Somalia existiert zudem mit al-Shabaab eine konkurrierende, mit al-Qaida verbundene dschihadistische Organisation, die militärisch deutlich stärker ist und seit Beginn versucht, IS Somalia auszulöschen.

[8] International Crisis Group 2024: The Islamic State in Somalia: Responding to a Threat, Africa Briefing 201, 12.09.2024, S. 2, in: https://ogy.de/h8ys [10.07.2026].

[9] Hansen, Stig Jarle 2019: Horn, Sahel and Rift. Fault-lines of the African Jihad, Oxford University Press, 01.07.2019, S. 189; Warner, Jason / Weiss, Caleb 2017: A Legitimate Challenger? Assessing the Rivalry between al-Shabaab and the Islamic State in Somalia, CTC Sentinel, 10:10, 11/2017, S. 27-32, hier: S. 28, in: https://ogy.de/4wlq [10.07.2026].

[10] Warner und Weiss datieren den ersten spezifisch an al-Shabaab gerichteten Aufruf, sich dem IS anzuschließen, auf Februar 2015. Sie liefern eine detaillierte Darstellung der verschiedenen Abspaltungen und der Bildung von IS-Zellen in Somalia im Verlauf des Jahres 2015, von denen letztlich nur die Gruppe von Abdul Qadir Mumin Bestand hatte.

[11] Warner / Weiss 2017, N. 6, S. 28.

[12] Warner, Jason et al. 2021: The Islamic State in Africa: The Emergence, Evolution, and Future of the Next Jihadist Battlefront, Hurst, 2021, S. 201.

[13] Hansen 2019, N. 6, S. 185.

[14] Viele Angehörige des Warsengeli-Clans sahen im Vorgehen der somalischen Bundesregierung den Versuch der Puntland-Elite in Bosaso, die dem Clan gehörenden Ressourcen auszubeuten.

[15] Hoehne, Markus Virgil 2015: Between Somaliland and Puntland: Marginalization, Militarization and Conflicting Political Visions, Rift Valley Institute, 2015, S. 124-130.

[16] Warner et al. 2021, N. 8, S. 205.

[17] Abdul Qadir Mumin, der um 1950 in der Region Puntland geboren wurde, zog in den 2000er-Jahren nach Europa und verbrachte mehrere Jahre in Schweden und im Vereinigten Königreich. Er erwarb die britische Staatsbürgerschaft und erlangte rasch den Ruf eines extremistischen Predigers. Wie sich später herausstellte, unterhielt er Kontakte zu radikalen Islamisten wie Mohamed Emwazi, der Jahre später als IS-Henker unter dem Spitznamen Jihadi John bekannt wurde, sowie zu weiteren Personen. Aufgrund des zunehmenden Drucks durch die Ermittlungsbehörden kehrte er 2010 nach Somalia zurück und schloss sich dem Führungszirkel von al-Shabaab an.

[18] Marsai 2018, N. 4, S. 5.

[19] Nur etwa ein Jahr nach seiner Ankunft in Somalia hielt Abdul Qadir Mumin im Mai 2011 eine Rede im Rahmen der offiziellen Gedenkzeremonie von al-Shabaab für den getöteten Osama bin Laden. Weniger als ein Jahr später, im Februar 2012, trat er – rückblickend betrachtet ironischerweise, da er später zu einer führenden Figur des Islamischen Staates in Somalia werden sollte – in einer Videobotschaft auf, in der der Anführer von al-Shabaab seinem Nachfolger Ayman al-Zawahiri die Treue schwor und damit die Loyalität der somalischen Organisation gegenüber der Kernorganisation al-Qaidas bestätigte.

[20] Warner et al. 2021, N. 8, S. 205; Marsai 2018, S. 5.

[21] Ebd.

[22] Warner et al. 2021, N. 8, S. 206.

[23] Matt Bryden, einer der führenden Somalia-Experten, wies darauf hin, dass Abdul Qadir Mumin im Siedlungsgebiet des Warsangeli-Clans nicht mehr als den Status eines Gastes besaß. Sein Einflussbereich reichte nur so weit, wie es ihm der lokale al-Shabaab-Anführer Yasin Kilwe, der eben diesem Clan angehörte, gestattete.

[24] Ebd., S. 205.

[25] Ebd., S. 206.

[26] Ebd., S. 207; Webber, Lucas / Garofalo, Daniele 2023: The Islamic State Somalia Propaganda Coalition’s Regional Language Push, CTC Sentinel 16:4, 04/2023, S. 15-19, hier: S. 15, in: https://ogy.de/j5jq [10.07.2026].

[27] Maktab (arab.) ist die Singularform und bezeichnet ein Büro; Makatib (arab.) ist die Pluralform und bedeutet mehrere Büros.

[28] Darüber hinaus beaufsichtigt das Maktab Umm al-Qura den Jemen, Saudi-Arabien und die Golfstaaten, das Maktab Dhu al-Nurayn verwaltet Ägypten und den Sudan und das Maktab al-Faruq ist für die Türkei, Georgien, den Kaukasus, Russland und Europa zuständig. Zu den inzwischen aufgelösten Büros gehören das Maktab al-Anfal, dessen Zuständigkeit für Libyen und Nordafrika auf das Maktab al-Furqan übertragen wurde, sowie das ehemals eigenständige Maktab Bilad al-Rafidayn für den Irak, das in das Maktab Ard al-Mubarakah eingegliedert wurde. Die Erkenntnisse über die Funktionsweise der Generaldirektion der Provinzen sowie über diese Struktur von Büros (makatib) beruhen weitgehend auf sichergestellten internen Dokumenten des IS aus dem Zeitraum von 2015 bis 2021.

[29] Für eine detaillierte Analyse auf Grundlage der Auswertung dieses Quellenmaterials siehe: Hamming, Tore 2023: The General Directorate of Provinces: Managing the Islamic State’s Global Network, CTC Sentinel, 16:7, 07/2023, S. 20–27 in: https://ogy.de/cfik [10.07.2026]; Zelin, Aaron Y. 2024: A Globally Integrated Islamic State, War on the Rocks, 15.07.2024, in: https://ogy.de/cu6j [10.07.2026].

[30] Dazu zählen al-Shabaab, Piraten- und Schmugglernetzwerke, die Islamischer Staat – Provinz Khorasan (ISKP), al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP), die iranische Islamische Revolutionsgarde (auch als Pasdaran bekannt) sowie die jemenitischen Huthis.

[31] Jalal, Ibrahim 2025: Dhows, Drones, and Dollars: Ansar Allah’s Expansion into Somalia, XCEPT, 14.03.2025, in: https://ogy.de/etvg [10.07.2026].

[32] Interviews, die von den Autoren im Herbst 2025 mit Experten in Mogadischu, Addis Abeba und Berlin durchgeführt wurden.

[33] Es ist unklar, ob Abdul Qadir Mumin in den Anfangsjahren eine direkte operative Kontrolle über die zeitweise in Zentral- und Südsomalia existierenden IS-Strukturen ausübte oder ob diese ihn – wenn überhaupt – lediglich nominell als ihren Anführer anerkannten.

[34] Warner / Weiss 2017, N. 6, S. 27-29.

[35] Zelin 2024, N. 19.

[36] Warner et al. 2021, N. 8, S. 201.

[37] U.S. Department of the Treasury 2022: Treasury Sanctions Terrorist Weapons Trafficking Network in Eastern Africa, 01.11.2022, in: https://ogy.de/dp8j [10.07.2026].

[38] Als Beispiele verweist die Literatur auf zwei Schlüsselfiguren aus der Frühphase der Organisation, Mahad Moalim und Abdulhakim Dhuqub, die beide ebenfalls dem Majerteen-/Ali-Salebaan-Clan angehörten.

[39] Kirechu, Peter 2021: Mohamed Ahmed “Qahiye”: Islamic State’s Exiled Chieftain in Somalia Finds Refuge in Mozambique, Jamestown, Militant Leadership Monitor 12:3, 04.01.2021, in: https://ogy.de/rf1s [10.07.2026].

[40] The Soufan Center 2025: Islamic State Somalia Remains a Potent Threat in the Horn of Africa and Beyond, 21.02.2021, in: https://ogy.de/avhx [10.07.2026].

[41] Experten vom Sahan Research Somali Wire Team schätzen den monatlichen Sold von Kämpfern des IS Somalia auf mehr als 200 US-Dollar, was ein gut funktionierendes System zur Einnahmengenerierung voraussetzt. Zu den wirtschaftlichen Aktivitäten von IS Somalia zählen Entführungen gegen Lösegeld, der Schmuggel und Handel mit Waffen, Menschen und Waren sowie die Erpressung von Abgaben von Händlern, Schiffs- und Grundeigentümern, Landwirten und Einzelhändlern. Das US-Finanzministerium (U.S. Department of the Treasury, USDT) schätzt, dass der IS in Somalia in den vergangenen Jahren jährlich rund sechs Millionen US-Dollar erwirtschaftet hat. Damit ist die Provinz im Hinblick auf die Generierung von Einnahmen die erfolgreichste der gesamten Organisation.

[42] The Somali Wire 2024: ISIS in Somalia: Localised threat or new wave of global jihadism, No. 758, 22.11.2024, S. 1-2, in: https://ogy.de/ebls [10.07.2026]; U.S. Department of the Treasury 2024: Fact Sheet: Countering ISIS Financing, 27.02.2024, in: https://ogy.de/pptw [10.07.2026].

[43] U.S. Department of the Treasury 2022, N. 25.

[44] Warner / Hulme 2018, N. 4, S. 24.

[45] Weiss, Caleb 2025: Islamic State release highlights the foreign fighter nature of its recent assault in Somalia, FDD’s Long War Journal, 01.01.2025, in: https://ogy.de/tb9n [10.07.2026].

[46] Sterman, David 2025: The Escalation of U.S. Airstrikes in Somalia and the Role of Perceived Threats to the U.S. Homeland, CTC Sentinel 18:7, 07/2025, S. 29-36, hier: S. 33-34, in: https://ogy.de/2d06 [10.07.2026].

[47] Weiss 2025, N. 31.

[48] Thomas, Clayton 2025: The Islamic State and Its Affiliates, Congressional Research Service, 08.09.2025, in: https://ogy.de/wtok [10.07.2026].

[49] The Somali Wire 2025: Al-Shabaab, ISS, and Somalia's Fractured Islamism, No. 890, 31.10.2025, S. 1-2, in: https://ogy.de/dk57.

[50] Weiss 2025, N. 31.

[51] Serwat, Ladd / Birru, Jalale Getachew 2025: Africa Overview: February 2025, ACLED, 10.02.2025, in: https://ogy.de/ekgm [10.07.2026].

[52] Eine unmittelbare und umfassende Kampagne von al-Shabaab, die im September 2015 begann, führte zur Zerschlagung nahezu aller IS-Strukturen in Somalia; die Gruppe von Abdul Qadir Mumin bildete die einzige Ausnahme.

[53] Warner / Weiss 2017, N. 6.

[54] Im Dezember 2018 veröffentlichte al-Shabaab eine Erklärung seines langjährigen Sprechers Ali Mahmud Rage zusammen mit einer 18-seitigen Abhandlung, die als Kriegserklärung an den IS interpretiert werden konnte. Die Abhandlung nimmt eine entschieden ideologische Position zu den Verfehlungen von IS Somalia ein und ruft jedes Mitglied der Organisation dazu auf, diese „Krankheit“ innerhalb des Dschihad auszurotten.

[55] Weiss, Caleb 2019: Reigniting the Rivalry: The Islamic State in Somalia vs. al-Shabaab, CTC Sentinel 12:4, 04/2019, S. 29-35, in: https://ogy.de/av95 [10.07.2026].

[56] United Nations Security Council 2024: S/2024/92, S. 8, 29.01.2024, in: https://ogy.de/218f [10.07.2026].

[57] Der US-Luftangriff auf Ahmed Maeleninine, der omanischer Abstammung war, am 1. Februar markierte den Beginn einer umfassenden Luftoffensive gegen Ziele von IS Somalia und al-Shabaab.

[58] United Nations Security Council 2025: S/2025/482, S. 10, 24.07.2025, in: https://ogy.de/zlz0 [10.07.2026]; Weiss, Caleb 2025: Trump admin ups the tempo of airstrikes against jihadist groups in Somalia, FDD’s Long War Journal, 30.03.2025, in: https://ogy.de/pwhv [10.07.2026].

[59] Im November 2024 starteten die Sicherheitskräfte von Puntland eine umfassende Terrorismusbekämpfungsoperation mit dem Codenamen Hilaac (Blitz), die von den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) unterstützt wird und bis heute andauert.

[60] Weiss, Caleb 2025: US ground raid captures Islamic State leader in northern Somalia, FDD’s Long War Journal, 26.07.2025, in: https://ogy.de/m12y [10.07.2026].

[61] Für eine detaillierte Darstellung der US-amerikanischen Terrorismusbekämpfungsoperationen in Somalia sowie der Veränderungen in der Schwerpunktsetzung und Bedrohungswahrnehmung gegenüber al-Shabaab und IS Somalia seit Beginn der amerikanischen Mission im Jahr 2007: Sterman 2025, N. 32.

[62] International Crisis Group 2020: Averting Proxy Wars in the Eastern DR Congo and Great Lakes, Africa Briefing 150, 23.01.2020, in: https://ogy.de/pyyv [10.07.2026].

[63] United Nations Security Council 2022: S/2022/83, 03.02.2022, in: https://ogy.de/87ri [10.07.2026].

[64] United Nations Security Council 2019: S/2019/469, 07.06.2019, in: https://ogy.de/3ig8 [10.07.2026].

[65] Jamil Mukulu (früher bekannt als David Steven Alirabaki Kyagulanyi) ist der Gründer und langjährige Anführer der Allied Democratic Forces (ADF). Er konvertierte 1984 vom Katholizismus zum Islam und studierte in Saudi-Arabien, wo er mit fundamentalistischen islamistischen Ideologien in Kontakt kam. Zudem absolvierte er eine militärische Ausbildung in Afghanistan und Pakistan. Zunächst schloss er sich der National Army for the Liberation of Uganda (NALU) an, einer Rebellengruppe, die gegen die ugandische Regierung kämpfte. Nachdem der NALU-Anführer Amon Bazira 1995 getötet worden war, mobilisierte Mukulu einen Teil der verbliebenen Mitglieder der Rebellengruppe, gründete die Allied Democratic Forces und ernannte sich selbst zu deren Kommandeur. 2011 wurde Mukulu von den Vereinten Nationen wegen terroristischer Aktivitäten in der Demokratischen Republik Kongo (DRK) mit Sanktionen belegt. 2015 wurde er in Tansania festgenommen und an Uganda ausgeliefert, wo er wegen Mordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt wurde. Derzeit wartet er auf seinen Prozess.

[66] Candia, Steven 2011: Interpol issues red notice for ADF leader, New Vision, 13.02.2011, in: https://ogy.de/6psm [10.07.2026].

[67] United Nations Security Council 2016: Jamil Mukulu, Sanction List, 05.12.2016, in: https://ogy.de/6n2l [10.07.2026].

[68] U.S. Department of the Treasury 2011: Democratic Republic of the Congo Designations, Office of Foreign Assets Control, 05.10.2011, in: https://ogy.de/k8in [10.07.2026].

[69] United Nations Security Council 2014: S/2014/42, 23.01.2014, in: https://ogy.de/4mye [10.07.2026].

[70] Candland, Tara et al. 2021: The Islamic State in Congo, The George Washington University Program on Extremism, 03/2021, in: https://ogy.de/x8xn [10.07.2026].

[71] Musa Baluku ist der derzeitige Anführer der ADF/ISCAP in der DRK und gilt als der wichtigste Architekt ihrer Transformation zu einer mit dem IS verbundenen Organisation. Zuvor war er als Imam an der Malakaz-Moschee in Kampala, Uganda, tätig. Er gehörte zu den frühesten Mitgliedern der ADF unter der Führung von Jamil Mukulu. Nach der Festnahme Mukulus im Jahr 2015 übernahm Baluku die Führung der ADF als deren Kommandeur. Die USA belegten Baluku im Jahr 2019 mit Sanktionen.

[72] Candland, Tara et al. 2022: The Rising Threat to Central Africa - The 2021 Transformation of the Islamic State’s Congolese Branch, CTC Sentinel, Vol. 15, Issue 6, 06/2022, S. 38–53 in: https://ogy.de/m3hn [10.07.2026].

[73] Warner et al. 2021, N. 8.

[74] Zelin, Aaron Y. 2018: New audio message from the Islamic State’s Abū al-Ḥasan al-Muhājir: “So from their guidance take an example, Jihadology, 22 Apr 2018, in: https://ogy.de/dw5m [10.07.2026].

[75] Weiss, Caleb 2019: Islamic State claims attack in the Democratic Republic of the Congo, FDD’s Long War Journal, 18.04.2019, in: https://ogy.de/b0xu [10.07.2026].

[76] U.S. Department of State 2021: Designation of Islamic State of Iraq and Syria – Democratic Republic of the Congo as a Specially Designated Global Terrorist, 86:46, 11.03.2021, in: https://ogy.de/h61b [10.07.2026].

[77] Candland et al. 2021, N. 51.

[78] Warner et al. 2021, N. 8.

[79] Zelin, Aaron Y. 2020: Your sons are at your service: Tunisia’s missionaries of jihad, British Journal of Middle Eastern Studies, 47:5, 2020, S. 871-873.

[80] Stearns, Jason K. / Vogel, Christoph 2015: The Landscape of Armed Groups in the Eastern Congo, Congo Research Group, 12/2015, in: https://ogy.de/m0gp [10.07.2026].

[81] Titeca, Kristof / Fahey, Daniel 2016: The many faces of a transitional rebellion: the Allied Democratic Forces in the Democratic Republic of Congo, International Affairs, 92:5, 08/2016, S. 1189-1206.

[82] United Nations Security Council 2013: S/2013/433, 19.07.2013, in: https://ogy.de/humc [10.07.2026].

[83] Congo Research Group 2018: Inside the ADF Rebellion: A Glimpse into the Life and Operations of a Secretive Jihadi Armed Group, Center on International Cooperation, New York University, 11/2018, in: https://ogy.de/tqh1 [10.07.2026].

[84] Weiss 2022, N. 52.

[85] United Nations Security Council 2023: S/2023/431, 13.06.2023, in: https://ogy.de/oac1 [10.07.2026].

[86] Candland et al. 2021, N.51.

[87] Weiss, Caleb et al. 2023: Fatal Transaction: The Funding Behind the Islamic State's Central Africa Province, GW Program on Extremism, 06/2023, in: https://ogy.de/wsv7 [10.07.2026].

[88] Candland et al. 2021, N. 50.

[89] Congo Research Group 2018, N. 61.

[90] Scorgie-Porter, Lindsay 2015: Militant Islamists or borderland dissidents? An exploration into the Allied Democratic Forces’ recruitment practices and constitution, in: Villalón, Leonardo A. / Nugent, Paul (eds.): The Journal of Modern African Studies, 53:1, Cambridge, S.1–25 [10.07.2026].

[91] Weiss 2022, N. 52.

[92] United Nations Security Council 2023, N. 65.

[93] Weiss 2022, N. 52.

[94] Cengiz, Mahmut / Cinoglu, Huseyin 2022: The Impacts of Organizational Structure on Salafi-Jihadist Terrorist Groups in Africa, International Journal on Criminology 9:1, Winter 2022, S. 1-15, in: https://ogy.de/fnho [10.07.2026].

[95] Gergely, Károly 2025: Forgotten Cape – Extremist violence in Northern Mozambique, Belügyi Szemle 73:3, 03/2025, S. 665-684.

[96] Aboud Rogo Mohammed (1968-2012) war ein radikaler kenianischer Geistlicher und der führende Ideologe des mit al-Qaida verbundenen Netzwerks Al-Hijra. Rogo wurde von den Vereinten Nationen und den USA sanktioniert, weil er al-Shabaab materielle und logistische Unterstützung geleistet haben soll. Seine auf Suaheli gehaltenen Predigten spielten eine zentrale Rolle bei der Radikalisierung junger Menschen entlang der Swahili-Küste.

[97] Habibe, Saide et al. 2019: Radicalização Islâmica no Norte de Moçambique O Caso de Mocímboa da Praia, Cadernos IESE 17.09.2019, S. 1-37. in: https://ogy.de/9iip [10.07.2026].

[98] Ebd.

[99] Makosso, Amanda / Collinet, Auréole 2021: Islamic State Central Africa Province (ISCAP): A threat to regional stability and security, Journal of Intelligence, Conflict, and Warfare 4:1, 31.05.2021, S. 101-118, in: https://ogy.de/dcif [10.07.2026].

[100] Alden, Chris / Chichava, Sérgio 2021: Cabo Delgado: “Al Shabaab/ISIS” and the Crisis in Southern Africa, Policy Center for the New South, 05/2021, in: https://ogy.de/2dke [10.07.2026].

[101] International Crisis Group 2021: Stemming the Insurrection in Mozambique’s Cabo Delgado, Africa Report 303, 11.06.2021, in: https://ogy.de/v5fg [10.07.2026].

[102] Githing’u, Brenda Mugeci / Hamming, Tore Refslund 2021: “The Arc of Jihad”: The Ecosystem of Militancy in East, Central and Southern Africa, International Centre for the Study of Radicalisation, in: https://ogy.de/9itr [10.07.2026].

[103] Makosso / Collinet 2021, N. 78.

[104] Cengiz / Cinoglu 2022, N. 74.

[105] Lister, Tim 2020: Jihadi Insurgency in Mozambique Grows in Sophistication and Reach, CTC Sentinel 13:10, 10/2020, S. 35-45, in: https://ogy.de/f2d9 [10.07.2026].

[106] Barnett, James 2020: The “Central African” Jihad: Islamism and Nation-Building in Mozambique and Uganda, Hudson Institute, 29.10.2020, in: https://ogy.de/3t4r [10.07.2026].

[107] Feijó, João 2020: Assismetrias no Acesso ao Estado: Um terreno fertil de penetracao do Jihadismo Islamico?, Observador Rural 93, 06/2020, in: https://ogy.de/305s [10.07.2026].

[108] Santos, Ana Margarida Sousa 2021: Violence, Rumor, and Elusive Trust in Mocímboa da Praia, Mozambique, Social Analysis, 65:3, 09/2021, S. 44-66, in: https://ogy.de/s1v5.

[109] Feijó, João / Orre, Aslak 2024: Domination, collaboration and conflict in Cabo Delgado's history of extractivism, Kronos, Mai 2024, in: https://ogy.de/rb2u [13.08.2026].

[110] Githing'u / Hamming 2021, N. 81.

[111] Habibe et al. 2019, N. 76.

[112] Stanyard, Julia et al. 2022: Insurgency, Illicit Markets and Corruption. The Cabo Delgado conflict and its regional implications, Global Initiative Against Transnational Organized Crime, 02/2022, in: https://ogy.de/qz5p [10.07.2026].

[113] Issufo, Nádia 2020: Insurgência: Como travar o recrutamento em Nampula?, Deutsche Welle, 24.06.2020, in: https://ogy.de/r62s [10.07.2026].

[114] United Nations Development Programme 2023: Journey to Extremism in Africa: Pathways to Recruitment and Disengagement, 07.02.2023, in: https://ogy.de/agkw [10.07.2026].

[115] Omar, Omardine 2022: Os tentáculos do terrorismo em Cabo Delgado (II), A Carta de Moçambique, 21.01.2022, in: https://ogy.de/3usn [10.07.2026].

[116] U.S. Department of the Treasury 2026: Treasury Sanctions Rwanda Officials, Condemns Blatant Violations of Washington Peace Accords, Press Mitteilung, 02.03.2026, in: https://ogy.de/gvbt [10.07.2026].

[117] Hill, Matthew / Cebola, Tavares 2026: EU funding for Rwanda’s Mozambique Deployment Set to End in May, Bloomberg, 12.03.2026, in: https://ogy.de/fush [10.07.2026].

[118] Congo Virtuel 2026: $22 Million Debt: Mozambique Refuses to Pay Rwandan Soldiers, Much to the Dismay of TotalEnergies and ExxonMobil, 20.04.2026, in: https://ogy.de/lqf7 [10.07.2026].

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