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Der Mann im graukarrierten Anzug

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Wenn er springt, springen sie auch. Wenn er sich bückt, bücken sie sich auch. Wenn er sich dreht, drehen sie sich auch. Zwei Menschen stehen sich gegenüber, getrennt durch einen leeren Bilderrahmen. Mitten auf dem Bremer Marktplatz: ein Schauspiel von Maskierten.

Peter Lüchinger trägt eine weiße Maske. In seinem graukarierten Anzug und seiner blau, rot und gelb gemusterten Krawatte ist er wohl der auffälligste Mensch auf dem ganzen Bremer Marktplatz. Er fordert einen jungen Passanten auf, sich auf ein Spiel mit ihm einzulassen. Ganz ohne Worte bietet er auch ihm eine Maske an und verweist ihn hinter den von ihm aufgestellten Bilderrahmen. Der schweizer Straßenkünstler beginnt mit seiner Pantomime und gibt dem jungen Mann einige Bewegungen vor, die dieser eifrig kopiert.

Der 57‐Jährige schätzt, dass es auf der Bühne keine Vorgaben, keine Regeln gibt. In der Öffentlichkeit sei man nicht in der Lage Theater zu spielen. „Die Leute sind der Meinung, Theater gehört in den Raum.“ Deshalb hat der freie Schauspieler diesen Rahmen aufgestellt, um einen Raum zu schaffen, der es auch mitten in der Stadt ermöglicht, Menschen zum Schauspielern zu bringen. Es gefällt ihm die Leute und ihre Reaktionen zu beobachten. Des Öfteren schweift sein Blick über den Platz und bleibt an seinen Mitmenschen hängen. „Mir ist aufgefallen, dass so viele Touristen in Bremen sind. Ich frage mich, wo sie alle herkommen und was sie mitnehmen“, sagt der Schweizer abwesend. Seit 30 Jahren lebt und arbeitet er schon in Deutschland, davon 26 als Darsteller in Bremen. Er trennt Beruf und Privatleben; Schauspieler ist er nur im Kostüm.

Katharina Kühn

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