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Es geht aufwärts

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Es ist April 2010. Draußen wird es nun Frühling und die Sonne scheint immer mehr. Die Temperaturen erreichen die 20 Grad-Marke und man riecht den Duft der ersten Blüten, die auf den knallgrünen Wiesen blühen. Doch beim Bonner Sportclub herrscht Eiszeit. Dem Klub fehlen rund 150.000 Euro, um die Verbindlichkeiten abzubauen, so dass der Bonner SC die Lizenz zugesprochen bekommt. Außerdem haben die Bonner anderweitig noch rund sieben Millionen Euro an weiteren Schulden. Für einen Landesligisten eine enorm große Summe. Falls es zu diesem Szenario kommen sollte, dass die Bonner die Lizenz nicht bekommen, wären die Aussichten für die Zukunft schlecht. Besonders die bislang sehr gute Jugendabteilung hätte darunter zu leiden. Wie soll es mit diesem Verein weitergehen? Oder gibt es den endgültigen Zwangsabstieg in die sechste Liga?

Udo Bielke sitzt in einem Café in der Bonner Innenstadt und bestellt sich eine Apfelschorle. Er trägt einen schwarzen Pulli und eine dunkle Hose. Heute kann der 59-Jährige gelassen und entspannt über dieses Thema reden. Er ist seit vierzehn Tagen der Präsident des Vereins und seit diesen Ereignissen im April 2010 Präsidiumsmitglied. Schon vorher war Bielke sehr mit dem BSC, wie der Verein kurz genannt wird, verbunden. Seit 30 Jahren schlägt hier sein Herz.

Man konnte die Insolvenz nur deshalb vermeiden, da es sich bei dem Darlehen von sieben Millionen Euro, um ein Nachrangdarlehen handelt. Der ehemalige Mäzen John Viol erhält diese Summe nur unter einer Bedingung: Alle anderen Gläubiger müssten vorher zu 100 Prozent bedient worden sein. Das ist nahezu ausgeschlossen.

Herr Bielke lässt kein gutes Haar an ihm: „John Viol hatte keine Geduld und warf mit dem Geld nur so um sich. In fünfzehn Jahren hat er bestimmt mehr als 220 Spieler verschlissen.“ Höhepunkt für ihn war die Verpflichtung fünfzehn kubanischer Nationalspieler für lediglich vier Wochen, da diese sich gerade in der Nähe in einem Trainingslager aufhielten.

Ein Jahr nach der Katastrophe sind die Bonner schuldenfrei. Die erste Mannschaft spielt heute in der sechsten Liga und der Etat beträgt 200.000 Euro.

Udo Bielke interessiert sich nicht nur für Fußball. Sein Herz schlägt auch für das Theater. Bei der Theatergemeinde Bonn arbeitet er hauptberuflich. Er meint mit voller Überzeugung: „Es gibt viele Ähnlichkeiten zwischen dem Fußball und Theater. Beides ist live. Man kann gerade Gesehenes so nicht noch einmal sehen.“

Sein großes Ziel ist es die Theaterbesucherzahl zu erhöhen, sowie die kulturelle Bildung zu verbessern. Dafür will er auch seinen Klub und den Fußball nutzen. So ging beispielsweise die U17 des Bonner SC zusammen mit ihrem türkisch-stämmigen Trainer in eine Theatervorführung. Die Resonanz der Jugendlichen auf diesen Besuch war jedoch zurückhaltend. „Es gilt eine Schwelle zu übertreten, um zu zeigen, dass es noch eine andere Welt als Fußball gibt“, sagt er.

Da ihm die Jugendabteilung besonders am Herzen liegt und es dort viele Spieler mit Migrationshintergrund gibt, versucht Bielke diese mit vom Verein angebotenen Deutschkursen besser zu integrieren. Denn die starke Jugendabteilung soll später auch Hauptbestandteil der ersten Mannschaft des Bonner SC sein und so eine gute sportliche Zukunft sichern.

Eine weitere Maßnahme Jugend, Sport und Kultur näherzubringen sind die 1.000 Abos für Theaterstücke die bisher an Kinder und Jugendliche verkauft wurden. Die Initiative der Aktion geht von der Theatergemeinde Bonn aus. Zusätzlich dazu gibt es noch Seminare vom Verein, die, laut Udo Bielke, „die Stücke erklärbarer machen sollen“.

So gehört für den grauhaarigen Präsidenten auch Jugend und Kultur in das „Löwen-Echo“ , das vereinseigene Stadion-Magazin. Dass es dieses Magazin gibt ist, genauso wie die im Schnitt 450 Zuschauer, etwas Ungewöhnliches für die sechste Liga.

Wenn Udo Bielke von seinem BSC spricht, kommt er ins Schwärmen. Er hat noch große Visionen und Ziele mit dem Verein bis zu dem mit großer Vorfreude erwarteten 50-jährigen Jubiläum im Jahre 2015. Die erste Mannschaft soll in der Oberliga etabliert werden, die Jugendmannschaften in der ersten Bundesliga, die Mitgliederzahl soll von 470 auf 1.000 steigen und das Image bei den Sponsoren soll verbessert werden. Kulturell gesehen ist ihm wichtig, dass die kulturelle Bildung steigt, ebenso wie die Theaterbesucherzahl, sowie die Erkenntnis, „dass jeder, egal ob Hauptschule oder Gymnasium, das Theater besuchen kann.“

Doch das Allerwichtigste für ihn und seinen Bonner Sportclub ist, dass der Verein nicht mehr ausgibt als einnimmt. Er sagt: „Es wird noch ein paar Jahre dauern, um den Verein neu auszurichten, da er vorher keine gesunde Struktur hatte.“ Diesen Satz sagt er mit ein paar Sorgenfalten im Gesicht, aber seine Miene hellt sich so gleich wieder auf als er bemerkt: „Wir haben Glück, dass es den Bonner SC überhaupt noch gibt.“

Von Robert Willeke und Daniel König

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