Nachruf auf Konrad S. Krieger

Die Konrad-Adenauer-Stiftung trauert um geschätzten Kollegen

 

"Ich bin der Welt abhanden gekommen…, sie hat so lange nichts von mir vernommen, sie mag wohl glauben, ich sei gestorben…“,

 

... so der Anfang des gleichnamigen, von Gustav Mahler vertonten Gedichts von Friedrich Rückert. In der Tat lebte Konrad S. Krieger, langjähriger Leiter der Graduiertenförderung und auch der Ausländerförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung, in seinen letzten Jahren zurückgezogen im Allgäu.* Sein kontinuierlich schlechter werdender Gesundheits­zustand erlaubte es seinem nach wie vor agilen Geist nicht, sich in der – je nach Standpunkt – geschätzten oder gefürchteten Art und Weise kommentierend einzumischen in die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Zeit.

Konrad S. Krieger hat vor allem in den 1980er Jahren in hohem Maße die damaligen Doktoranden der Konrad-Adenauer-Stiftung durch seine Seminare der Rhetorik, Wissenschaftstheorie, politischen Theorie und Philosophie geprägt. Er hat ihnen die Augen und Ohren, Köpfe und Herzen geöffnet, hat sie aufgeschlossen für differenziertes Denken, klares Formulieren und konsequentes, mutiges Handeln. Er hat ihr Bewusstsein dafür geschärft, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen für die Beschaffenheit unserer Gedanken und Aussagen und für das, was wir tun oder unterlassen. Mit seinem Seminar­programm und seinem leidenschaftlichen persönlichen Einsatz hat er eine ganze Generation graduierter Stipendiaten befruchtet, unabhängig davon, wo ihr individueller beruflicher Weg sie hinführen würde. Nur selten habe ich eine Persönlichkeit erlebt, die solch fruchtbaren Einfluss auf die Entwicklungs- und Lebenswege der Personen hatte, die bereit waren, sich auf ihn als Person und die Stringenz seiner Gedanken einzulassen und den bisweilen unbequemen Weg kritischen Denkens einzuschlagen.

Schon als Kind hat er gleich mehrfach traumatische Fluchterlebnisse durchgemacht, unter anderem die Bomben- und Feuersnacht in Dresden 1945. Womöglich resultierten seine – je nach Perspektive berühmte oder berüchtigte – Strenge, seine Fürsorge sowie seine Überzeugung von der Notwendigkeit politischer und philosophischer Bildung aus der späteren Reflexion gerade auch solcher Erfahrungen.

Konrad S. Krieger ist der Welt nicht abhanden gekommen. Sein Bewusstsein der Pflicht eines jeden von uns, intellektuell und moralisch redlich zu agieren, kurz: bereit zu sein, seinen Standpunkt denkend zu entwickeln und sodann Rede und Antwort zu stehen, hat viele von uns befruchtet. Sein Erbe lebt weiter. 

 

Dr. Eva Maria Höller-Cladders 

 

 

Zur Erinnerung an Dipl.-Pol. Konrad S. Krieger

* 05.04.1939 in Neusatz/Jugoslawien, heute Novi Sad, Serbien,

† 04.01.2022 in Wangen i. A.