Ein Schritt und Ich bin mitten drin. Überall Blitzt und blinkt es. Mikrofone
werden mir entgegengestreckt. Klicken und aufgeregtes Stimmengewirr.
Gitter zwischen mir und den Kameras. Ich blicke mich um und weiß gar
nicht in welche Richtung ich zuerst lächeln soll. Für mich ist das neu. Für
viele Prominente Alltag. Sie werden auf Schritt und Tritt von Paparazzi
verfolgt und stehen ständig im Blitzlichtgewitter tausender Kameras.
Der Begriff Paparazzo ist zusammen gesetzt aus den Worten „Pappatace“
(=Sandmücke) und „Ragazzo“ (=Junge). Die Bezeichnung erscheint mir
sehr treffend wenn man die Arbeit dieser Fotografen betrachtet. Wie
Sandmücken „Umschwirren“ sie ihre Opfer.
Und das nicht nur auf Events und Roten Teppichen. Auch im „Privatleben“
sind die Paparazzi ständige Begleiter der Stars und Sternchen. Jeder
Schritt, jede Geste, jeder Gesichtsausdruck könnte am nächsten Tag in
sämtlichen Klatschblättern abgedruckt werden.
Aufgetaucht ist der Begriff zum ersten Mal 1960 in dem Film „La Dolce
Vita“ übersetzt „Das Süße Leben“. ABER der Beruf des Paparazzi ist mit
Sicherheit kein Zuckerschlecken. Als Paparazzo darf man nicht schüchtern
sein und sollte kein Problem damit haben in die Privatsphäre anderer
Leute einzudringen. Stattdessen muss man offensiv und dreist vorgehen.
Geduldig und flexibel sollte man sein, denn man hat schließlich keine
geregelten Arbeitszeiten. Warum überhaupt dieser ganze Zirkus? Wie so
oft, des Geldes wegen…
DAS Perfekte Foto kann einem Fotografen 1.000.000 Dollar einbringen!
Aber auch die Ausgaben sind nicht zu unterschätzen. Neben den
offensichtlichen kosten für das Equipment und die Reisen zu großen
Events wie Oscar Verleihung oder MTV-Movie Awards, Filmfestspielen oder
Fashionshows. Fallen auch noch Nebenkosten an. Wie zum Beispiel die
Bestechung von Restaurantbesitzern oder Türstehern, um immer über den
Aufenthaltsort der Prominenten informiert zu sein.
Trotzdem ist die Jagt auf das Perfekte Foto ein sehr großer Ansporn. Aber
selbst wenn man als Paparazzo ein gutes Bild geschossen hat muss man
der Schnellste sein um die „Schlacht“ um den perfekten Schnappschuss zu
gewinnen.
Die Methoden in dieser „Schlacht“? Mehr als fragwürdig!
Paparazzi schleusen sich als Patienten oder gar Ärzte in Krankenhäuser
ein. Verstecken sich auf Bäumen, in Gräben oder verfolgen die Stars mit
dem Auto oder Motorrad. High School Musical Star Zac Efron berichtet von
einem Paparazzo, der ihm in einer Mülltonne am Straßenrand auflauerte.
Da ist es nicht verwunderlich, dass Schauspielerin Hayden Panettiere die
Arbeit der Paparazzi als moderne Art des Stalking bezeichnet.
Auf dieses Stalking reagieren die Promis für mich völlig verständlich häufig
mit Ablehnung. Diese beginnt mit unhöflichen Gesten wie Zunge
rausstrecken bei Kate Moss oder Mittelfinger bei Avril Lavigne. Wodurch
das Image besagter Prominenter beeinflusst wird. Man erwartet bei einem
Skatergirl wie Avril Lavigne beinahe schon eine derartige Reaktion.
Mit Humor dagegen reagiert Sängerin Miley Cyrus. Sie Fotografiert mit
ihrem Smartphone einfach zurück und schlägt die Paparazzi mit ihren
eigenen Waffen.
Andere Stars verstecken sich so wie Angelina Jolie, die sehr darauf
bedacht ist ihre Kinder so gut es geht vor der Öffentlichkeit zu schützen.
Die Kinder sind bei ihr, wie bei vielen Müttern der Wunde Punkt. Diese
Schwachstellen nutzen Paparazzi gnadenlos aus. Sie provozieren so lange,
bis es zu Handgreiflichkeiten kommt, die dann im nächsten Klatschblatt
als Skandal betitelt werden. Keiner kennt die Geschichte hinter dem Bild.
Aber ohne die Bilder, hätten die meisten Prominenten einen sehr viel
geringeren Bekanntheitsgrad als es momentan der Fall ist. Mit dieser
Tatsache rechtfertigen die Paparazzi ihr mitunter skrupelloses Vorgehen.
Hier wird auch die Abhängigkeit zwischen Promi, Paparazzi, Medien und
uns als Konsumenten der Medien deutlich.
Stars und Sternchen brauchen die Paparazzi, um in die Medien und somit
ins Gespräch der Menschen zu kommen und sich auch dort zu halten.
Eine, die dieses Spiel bis zur Perfektion beherrscht ist das IT-Girl Paris
Hilton.
Die Medien brauchen die Paparazzi um ihre Storys besser zu vermarkten.
Jede Geschichte wird durch ein Foto um ein vielfaches glaubwürdiger. Die
Paparazzi wiederum brauchen die Promis und die Medien um ihr täglich
Brot zu verdienen. Das Netz der Abhängigkeit ist sehr komplex und
verstrickt und wir als von Medien beeinflusste Konsumenten hängen
ebenfalls mit drin. Aber warum genau schauen wir uns diese Bilder
überhaupt so gerne an?
Zum einen wollen wir uns mit den Prominenten identifizieren-eine
gemeinsame Ebene schaffen. Das ist sehr schwierig, wenn man diese nur
auf hochglanzaufnahmen an Plakatwänden oder in teuren Roben auf dem
Roten Teppich bewundern kann. Einfacher ist dies, wenn man Prominente
auch mal „ganz Privat“: ungeschminkt, in Jogginghose oder mit „Gerade-
Aufgestanden-Frisur“ sehen kann.
Der Mensch hat einen natürlichen Hang zu lästern. Das pusht das eigene
Selbstbewusstsein ungemein wenn man registriert „die sind ja gar nicht so
perfekt“. Deswegen werden in Klatschblättern häufig die Schwachstellen
beleuchtet und aufs extremste aufgebauscht. Jedes noch so kleine
Fältchen im Gesicht wird fokussiert über jedes unvorteilhaft sitzende Kleid
wird seitenlang berichtet.
Woher kommen die Schnappschüsse? Von den fleißigen Paparazzi!
Hier schließt sich der Kreis der gegenseitigen Abhängigkeit.
Bevor ich die Kunsthalle wieder verlasse gehe ich noch einmal über den
roten Teppich. Noch einmal Blitzen, Klicken, Stimmengewirr…und mir wird
klar, wie anstrengend es für Prominente ist ständig belagert zu werden
und im Mittelpunkt zu stehen.
Von Lea Fries