Hannah Vogel interviewt Werner Sökeland. Der erfahrene Radioredakteur und Ausbildungsleiter beim WDR erklärt dabei, wie Journalismus die Hörer mitreißen kann und was zum perfekten Tag gehört.
Welcher Beitrag ist Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben?
Das ist bei mir kein einzelner Beitrag, sondern eine ganze Sendereihe. In meiner Zeit bei WDR2 habe ich eine Sendung namens „Bürger und Bürokraten“ moderiert – von Politik- bis Verbraucherthemen. Da war ich bei einigen Sendungen über das Hörerecho total überrascht. Bestes Beispiel: Bei einer Sendung, in der wir Bausparverträge kritisch unter die Lupe genommen haben, kam danach wirklich waschkorbweise Post.
Was war der peinlichste journalistische Ausrutscher Ihrer Karriere?
Peinlich sind mir immer noch meine ersten Radiosendungen, weil ich sprecherisch noch nicht so gut drauf war. Ich musste erst Sprechunterricht nehmen, bevor ich mich nicht mehr verhaspelt habe. Die Bänder mit den Sendungen habe ich später alle weggeworfen.
Woher haben Sie den Mut genommen, trotzdem wieder auf Sendung zu gehen?
Naja, Mut hin oder her, wenn man im Dienstplan steht, hat man keine Wahl. Aber man lernt durch Seminare und vor allem die Erfahrung der Kollegen, gelassener zu werden, und dann läuft es auch viel besser.
Was gehört für Sie zum perfekten Arbeitstag als Journalist?
Als Ausbildungsleiter beim WDR finde ich es ganz toll, wenn mich meine Volontäre oder ehemaligen Volontäre besuchen und das Vertrauen immer noch da ist. Es macht mir sehr viel Spaß, jungen Kollegen bei den ersten Schritten ein wenig zu helfen und dann zu sehen, wie es weiterläuft.
Sarah Holz befragt Werner Sökeland, Ausbildungsleiter beim WDR, zu den Fußfallen, in die Journalisten jeden Tag tappen können.
Was ist das Beste am Journalismus?
Ein amerikanischer Reporter hat mal so schön gesagt: „Journalismus ist zwar ein lausiger Job, aber es ist besser als arbeiten zu gehen.“
Gab es auch Momente, in denen Sie den Beruf wechseln wollten?
Ganz am Anfang fast jeden zweiten Tag, denn Journalismus ist häufig sehr oberflächlich. Man macht schnelle und kurze Beiträge. Oft kann man Geschichten gar nicht ausrecherchieren. An der Universität hätte ich dagegen für ein einziges Thema ein oder zwei Jahre Zeit gehabt.
Wäre das bei einer Zeitung nicht anders gewesen?
Wenn ich mir die Zeitungen in Köln heute so anschaue, habe ich den Eindruck sicher nicht.
Was ist für Sie schlechter Journalismus?
Journalismus ist dann schlecht, wenn nicht gut recherchiert wird und der Reporter voreingenommen ist. Und natürlich muss man auch seine Sprache beherrschen.
Wie oft begegnen Ihnen nach dieser Definition schlechte Journalisten?
Ständig.
Auch hier beim WDR?
Auch hier höre ich manchmal grammatische Verfehlungen, Klischees oder Satzungetüme, die kein Hörer verstehen kann. Darüber ärgere ich mich dann sehr.