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Zweigleisig fahren ohne Probleme? In Berlin-Mitte ist auch das möglich

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In dem Bezirk Berlin-Friedrichshain befindet sich eine Location mit dem Namen „Himmelreich“, welche überwiegend von homosexuellen, aber auch heterosexuellen Menschen besucht wird. Das Lokal befindet sich in einer Umgebung, in der sich Bars und Restaurants aneinander reihen. Zudem wird die Optik der Straßen durch verschiedene Altbauten bestimmt. Von außen sieht man viele kleine Elemente, die darauf hinweisen, dass es in dem Innenraum des Lokals ebenfalls gekonnt dekoriert ist. Anziehend ist die Farbkombination von Lila und Gold. Das Berliner Szene-Lokal bietet die Möglichkeit in dem Berliner Kiez tagsüber entspannt einen Kaffee zu trinken.

Am Freitagnachmittag, kurz nach dem das Lokal geöffnet wird, ist der Chef und Inhaber des „Himmelreich“ gut gelaunt bei der Arbeit. Björn Schmidt begrüßt mit einem warmen Lächeln und einem ziemlich festen Händedruck. Dabei steht er hinter der Theke seines Lokals und trocknet ein paar Gläser ab. Schmidt eröffnete sein Lokal im Jahr 2003. Der gebürtige Berliner wählte diesen Kiez als Standort seines Geschäftes, da das Gebiet rund um die Warschauer Straße und die Frankfurter Allee einer der größten Anlaufpunkte für Touristen in Berlin darstellt.

In Bezug auf die Tatsache, dass das „Himmelreich“ als einziges Szene-Lokal in dieser Umgebung dient, war die Eröffnung für Björn Schmidt mit einem gewissen Risiko verbunden, doch Schmidt sagt lachend, dass sein Motto „Alles oder Nichts“ gewesen sei. Dem Geschäftsführer ist es wichtig, dass er für seine Gäste einen „Rückzugsort schaffen konnte, in dem sie sich nicht vor anderen verstecken müssen.“

Für manche Gäste, berichtet Schmidt stolz, ist das „Himmelreich“ schon fast ein zweites Zuhause, da sowohl Mitarbeiter als auch die Gäste ein sehr inniges Vertrautheitsgefühl untereinander verspüren. Alle Angestellten von Björn Schmidt sind ebenfalls homosexuell. Auf die Frage, ob denn ein gutes Arbeitsklima herrsche, gibt eine Angestellte Schmidts die Antwort: „Wir sind in der ganzen Zeit wie eine kleine Familie geworden.“ Das Zusammengehörigkeitsgefühl des Teams sei sehr ausgeprägt, wird freudig von einem Mitarbeiter Schmidts in das Gespräch eingeworfen, als er die Tische abwischt.

Jedoch musste Björn Schmidt auch negative Erfahrungen als homosexueller Mensch erleben. Er erzählt, dass er zum einen mit extremen Schwulenhass kämpfen musste, sowie Diskriminierung jeglicher Art aufgrund veralteter Sichtweisen der Menschen. Auch Ablehnung mit folgender Abwendung früherer Freunde Schmidts musste er durchleben, wobei er im Gespräch bei dem Wort Freunde ein wenig verschmitzt und verhöhnt grinst. Zumindest auf seine Familie und seine richtigen Freunde konnte er sich immer verlassen, wodurch er die verletzenden Worte und Taten anderer nicht so nah an sich rangelassen hat.

So konnte Schmidt trotz seinen Outings im Jugendalter sein Leben genießen und hat sich nun aufgrund seiner Lebenserfahrung und seines Umfeldes zu einem Gestandenen, Stilbewussten Mittvierziger mit grauen Haaren entwickelt.

Nach einigen Minuten kommt ein homosexuelles Paar in das Café. Die beiden Männer setzen sich an den Tisch direkt gegenüber der Theke. Schmidt setzt sich sofort in Bewegung, um den Männern etwas anzubieten. Er geht mit einem natürlichen Lächeln auf sie zu und die beiden erwidern das Lächeln ohne zu zögern. „Meine lockere und herzliche Art erleichtert mir meine Arbeit in manchen Momenten“, äußert Schmidt sehr selbstbewusst. Er arbeitet tagsüber und in der Nacht, denn ab abends wird das lauschige, einladende Café zu einer schrillen und aufgrund der Gäste außergewöhnlichen Bar.

Nach einer kurzen Zeit der Beobachtung von Schmidt und seinen Gästen stehe ich auf, bedanke mich für Schmidts Zeit. Folglich verabschiedet er mich mit dem Satz „Ich würde mich freuen, Dich bald als Gast hier begrüßen zu dürfen!“

Von Zeynep Perl

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