Schon als junger Mann machte Lippmann als Kommentator eine steile Karriere und fand Beachtung bis in die höchsten Kreise. Mehr als sechs Jahrzehnte lang war er einer der meistgelesenen Journalisten der USA. Seine syndizierte Kolumne Today and Tomorrow in der New York Herald Tribune (1931 bis 1962), später der Washington Post, wurde zeitweise in mehr als 200 Zeitungen mit einer Auflage von rund zehn Millionen gedruckt.
Als Mitgründer der Zeitschrift The New Republic mit Herbert Croly und Walter Weyl im Jahr 1914 gewann er in der „progressiven Ära“ Einfluss bis ins Weiße Haus. Er beriet Woodrow Wilson bei der Abfassung seines 14-Punkte-Plans. In seinem Buch Public Opinion untersuchte er, wie Menschen sich politische Vorstellungen bilden und durch Massenmedien beeinflussbar und manipulierbar sind. Mit diesem bahnbrechenden Werk wurde Lippmann Pionier der modernen Medien- und Kommunikationswissenschaft. Während der Großen Depression galt er zunächst als Unterstützer von Franklin D. Roosevelts „New Deal“, wandte sich jedoch dann spektakulär von ihm ab und wurde ein Warner vor zu vielen Staatseingriffen und zentraler Planung der Wirtschaft.
Sein kontroverses Buch The Good Society begeisterte einige liberale europäische Intellektuelle, die ihn 1938 zu einem Pariser Colloquium einluden, darunter Friedrich August von Hayek, Ludwig von Mises, Wilhelm Röpke und Alexander Rüstow. Dieses Colloquium gilt heute als Geburtsstunde des „Neoliberalismus“. Davon wandte sich Lippmann zwar bald wieder ab, doch hatte er einen intellektuellen Anfang gelegt und eine Bewegung mitbegründet, die später großen Einfluss errang. Lippmanns bewegtes Leben zeigte viele, oft nicht einfach zu fassende ideologische Facetten. Obwohl weithin als „Liberaler“ (im amerikanischen Sinne), also eher auf der moderaten politischen Linken verortet, sagte er im Alter über sich, er sehe sich als Konservativer in der Tradition von Edmund Burke. Der Politologe Robert Lacey nennt ihn doppeldeutig einen „unlikely conservative“. Ein genauer Blick auf seinen Werdegang und sein Denken lohnt.
Herkunft und frühe Karriere
Geboren wurde Lippmann 1889 in eine sehr wohlhabende New Yorker Familie mit jüdisch-deutschen Wurzeln und Verbindungen in die höchsten Kreise. Er besuchte eine elitäre Privatschule, die Wert auf klassische Bildung und alte Sprachen legte. Mit 17 Jahren fing er ein Studium an der Harvard University an. Dort hörte er vor allem Vorlesungen über Philosophie und wurde von George Santayana beeinflusst. In dieser Zeit war Lippmann überzeugter Sozialist. Er half bei der Gründung des Socialist Club an der Universität, wurde in der Intercollegiate Socialist Society aktiv und schrieb für verschiedene linke Zeitschriften.
Als junger Mann hoffte Lippmann, der Sozialismus könne die ökonomische Ungleichheit überwinden. Doch ein doktrinärer Marxist war er nie. Dem sozialistischen Versprechen einer praktischen Überlegenheit der Planwirtschaft begegnete er mit Zweifeln. Wenn die Planwirtschaft nicht funktioniere und ineffizient sei, dann kollabiere das sozialistische Versprechen, schrieb er. Der Sozialismus trage in sich den Keim einer großen Bürokratie und sogar Tyrannei, wovor G. K. Chesterton und Hillaire Belloc in The Servile State bzw. The Servile State Again gewarnt hatten, erkannte er schließlich. Die Abkehr von seiner ersten politischen Prägung zeichnete sich schnell ab. Sein zweites Buch Drift and Mastery (1914) – nach dem Erstling A Preface to Politics im Vorjahr – markierte den Bruch mit dem Sozialismus.
Politisch einflussreich wurde er mit seinen Artikeln in der kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs gegründeten New Republic. Die Zeitschrift wurde ein zentrales Organ der Progressiven, das auch Präsident Wilson las. Lippmann war an Entwürfen für Wilsons 14-Punkte-Plan beteiligt und entwickelte Ideen für eine Friedens- und Nachkriegsordnung. Als Offizier der US-Armee war Lippmann Ende 1918 kurzzeitig in Frankreich stationiert und nahm an Verhandlungen über den Vertrag von Versailles teil. Lippmann war bald tief desillusioniert über den Krieg und die Folgen des Friedensvertrags, der keinen dauerhaften demokratischen Frieden garantieren werde, wie er – ähnlich wie J.M. Keynes - frühzeitig erkannte. Sein „progressiver“ Optimismus schwand, 1922 verließ er die linke New Republic und ging zur Zeitung New York World.
Einflussreicher Medien- und Demokratiekritiker
Mit seinem Buch Public Opinion, das 1922 herauskam, legte Lippmann eine Studie darüber vor, wie sich die „öffentliche Meinung“ bildet und welche Rolle moderne Massenmedien (damals vor allem Zeitungen) und ihre Manipulationsmöglichkeiten spielen. Das Werk gilt bis heute als grundlegende Analyse der modernen medialen Gesellschaft mit demokratieskeptischen Tönen.
Lippmann analysierte darin, wie Bürger sich eine Meinung über die Welt außerhalb ihres engen, direkt erfahrbaren Umkreises bilden. Die Welt ist viel zu komplex und dynamisch, als dass die Menschen sie direkt und unmittelbar erfassen und verstehen können. Sie erfahren über die meisten Ereignisse nur indirekt, aus den Medien, und bilden vereinfachte mentale Bilder (die er Stereotype nannte) und Vorstellungen. Sie konstruierten in ihrem Kopf eine simplifizierte, oft auch verzerrte „Pseudo-Umwelt“. Übermittelte Nachrichten und Informationen nehmen sie durch die Brille vorgefertigter Bilder, Stereotypen und Vorurteile wahr. Die Macht der Medien liegt darin, dass sie Informationen vermitteln, filtern und selektieren und damit das Bild der Menschen von der Welt prägen.
Als erfahrener Zeitungsmann wusste Lippmann auch, wie unzuverlässig, verzerrt und gefärbt Medienberichte oft sind. In den Kriegsjahren hatte er aus nächster Nähe gesehen, wie das von Wilson geschaffene Committee on Public Information, eine zivile Regierungsbehörde für Kriegspropaganda und Öffentlichkeitsarbeit, die öffentliche Meinung beeinflusste und die Bevölkerung auf den US-Kriegseintritt eingestimmt hatte.
Lippmann sah, dass die „öffentliche Meinung“ wankelmütig und verführbar war. Im Schlusskapitel von Public Opinion formulierte er eine Warnung vor der Manipulierbarkeit der Öffentlichkeit, wenn – durch einprägsame Propaganda und Symbole – „Zustimmung hergestellt“ werde. Seine Formulierung „manufacture of consent“ griffen später die linken Medienkritiker Edward Herman und Noam Chomsky auf, die Lippmanns Werk als elitär kritisierten. Tatsächlich hatte sein Buch eine elitäre, technokratische Tendenz.
Noch mehr als in Public Opinion empfahl er im Folgewerk The Phantom Public (1925) als Gegenmittel zur Verfügbarkeit der schlecht informierten Massen, dass die Politik von beamtenähnlichen Expertenkommissionen beraten und weitgehend vorbereitet werden sollte. Der hohe Stellenwert, den er wissenschaftlich geschulten, scheinbar neutralen Experten („Intelligence Bureaus“ nannte er sie in Public Opinion) zumessen wollte, entsprach der Vorliebe der „Progressiven“ für technokratische Fachleute und ihre Empfehlungen für sozialpolitische und wirtschaftliche Reformen: ein fortschrittliches „Social Engineering“.
Auf der Suche nach der „Good Society“
Während der zwanziger und dreißiger Jahre war Lippmann ein prominenter „Liberaler“ im amerikanischen Sinne, der staatliche Eingriffe in Wirtschaft und Gesellschaft befürwortete. Reformen und Regulierung sollten den wirtschaftlich Benachteiligten helfen. Für die Position klassischer, marktwirtschaftlicher Liberaler, die als „Laissez-faire“, ein weitgehendes Heraushalten des Staates aus der Wirtschaft bezeichnet wurde, hatte er wenig übrig. Lippmann unterstützte eine Politik zur Stärkung der Gewerkschaften, die Regulierung des Arbeitsmarktes, Einführung von Mindestlöhnen und Sozialversicherungen und staatliche Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Er wurde ein überzeugter Anhänger der keynesianischen antizyklischen Fiskalpolitik, um die Wirtschaftskrise der dreißiger Jahre zu bekämpfen. Die Krise sah er als willkommene Chance für einen Neuanfang und Reformen. Sein Urteil in den 1930er Jahren war schwankend und teils irritierend (Gerald Howard hob 2025 in einer Rezension der neuen Lippmann-Biografie von Tom Arnold-Foster hervor, dass Lippmann 1933 eine Hitler-Rede als „staatsmännisch“ lobte und die beginnende Judenverfolgung herunterspielte.)
Den „New Deal“ von Präsident Franklin D. Roosevelt, der im März 1933 an die Regierung kam, unterstützte Lippmann anfangs begeistert. In der „Welle von Planung, Kontrolle und Regulierung“ aus Washington sah er eine „erstaunliche intellektuelle und moralische Erholung in diesem Land“, wie ihn sein Biograf Ronald Steel zitierte. Doch kam es zum Bruch mit Roosevelt: Als dieser seinen berüchtigten „Court Packing“-Plan zur politischen Neubesetzung des Obersten Gerichtshofs entwickelte, weil das Gericht wiederholt New-Deal-Maßnahmen blockiert hatte, sah Lippmann dies als gefährlichen Angriff auf die Unabhängigkeit der Justiz. Roosevelt plane einen „unblutigen Coup d‘état“ und gefährde den Rechtsstaat schlechthin, meinte Lippmann. Dies führte zu einer politischen Kehrtwende.
In seinem Buch The Good Society (1937) warnte Lippmann vor kollektivistischen „totalitären Regimen“, worunter er den deutschen Nationalsozialismus und den sowjetischen Kommunismus zusammenfasste. Planwirtschaft münde unvermeidlich in Unfreiheit und Tyrannei, schrieb Lippmann und berief sich dabei auch auf Friedrich von Hayek und Ludwig von Mises. Wie diese vertrat Lippmann auch eine Warnung vor einem „graduellen Kollektivismus“, den viele Wohlmeinende in freien Ländern unterstützten.
Als Paradefall des graduellen Kollektivismus brandmarkte er den New Deal. Wie Hayek später in The Road to Serfdom sah er eine gefährliche schiefe Bahn, die vom graduellen zum totalitären Kollektivismus führe. Im zweiten Teil von The Good Society regte Lippmann einen „erneuerten“, reformierten Liberalismus an, der sich vom „orthodoxen“ Wirtschaftsliberalismus abgrenze, aber die Marktwirtschaft erhalten wolle, wenngleich mit staatlicher Regulierung und Eingriffen gegen Marktversagen und Machtasymmetrien. Ronald Steel sieht das Buch zweigespalten: Teils liberal, teils sozialdemokratisch.
Warnung vor „graduellem Kollektivismus“: Das Pariser Colloquium
Lippmanns Kritik am „graduellen Kollektivismus“ begeisterte in Europa eine Gruppe liberaler Denker, die den prominenten Journalisten im Jahr 1938 zu einem nach ihm benannten Colloquium nach Paris einluden. Die vom französischen Philosophen Louis Rougier organisierte Konferenz, an der Hayek und Mises, die wichtigsten Vertreter der Österreichischen Schule der Ökonomie, sowie die deutschen Liberalen Röpke und Rüstow teilnahmen, diskutierte mehrere Tage lang die politische und wirtschaftliche Krise der Zeit und wurde zur historischen Geburtsstunde des „Neoliberalismus“ (den Begriff brachte Rüstow in die Diskussion ein). Die Umrisse dieser neuen Denkrichtung waren allerdings vorerst nur vage definiert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete Hayek 1947 nach dem Muster des Colloque Walter Lippmann die Mont Pèlerin Society (MPS), eine Organisation freiheitlicher Ökonomen, Wissenschaftler und Intellektueller, die regelmäßige Konferenzen abhielt und ein wirkungsmächtiges globales Intellektuellennetzwerk bildete. Aus Deutschland wurden die Freiburger Ordoliberalen um Walter Eucken Mitglieder, auch Ludwig Erhard nahm an Tagungen teil. Ökonomen aus den Reihen der MPS gründeten zahlreiche Thinktanks und attackierten den in der Nachkriegszeit sich ausbreitenden „keynesianischen Konsens“. In Großbritannien und in den Vereinigten Staaten bereiteten sie der Thatcher- und Reagan-Regierung intellektuell den Boden.
Lippmann wurde nie Mitglied der MPS. Er war politisch schon wieder weitergezogen und hatte seine Meinung in einigen (wirtschafts-)politischen Punkten wieder geändert. Die hayekianische Kritik am wohlfahrtsstaatlichen Kollektivismus, die er 1937 in „The Good Society“ vertrat, hatte er bald wieder aufgegeben und kehrte in den Mainstream des „liberalen“ Denkens in den USA zurück. In den sechziger Jahren wurde Lippmann begeisterter Anhänger der sozialpolitischen Programme der „Great Society“ von Präsident Lyndon B. Johnson, den er informell beriet.
In außenpolitischen Fragen vertrat Lippmann eine zurückhaltende, machtpolitisch-realistische Position gegenüber der Sowjetunion. Das führte zu einer stark beachteten Kontroverse mit George F. Kennan, dem Autor des Artikels über eine Eindämmungsstrategie der USA gegen sowjetisch-kommunistische Expansionstendenzen. Lippmann bezeichnete eine unbegrenzte Eindämmungsstrategie in seinem Buch The Cold War 1947 als „Monstrosität“ und warnte vor einer Überdehnung der Ressourcen der USA. Stattdessen plädierte er für eine „realistische Neuordnung“ der Machtverhältnisse und Verhandlungen. Strikt antikommunistische MPS-Mitglieder wie Röpke nahmen diese außenpolitische Position irritiert zur Kenntnis.
Lippmann gehörte später auch zu den prominenten Kritikern des Vietnamkriegs. Für seine publizistischen Leistungen wurde er gleich zweimal mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet. Eine Sonderauszeichnung erhielt er im Jahr 1958 für seine langjährige Kommentierung nationaler und internationaler Angelegenheiten, 1962 erhielt er einen Pulitzerpreis für sein Interview mit dem sowjetischen Regierungschef Nikita Chruschtschow.
Mit seinen Zeitungskolumnen übte Lippmann über mindestens drei Jahrzehnte einen großen Einfluss aus. In dieser Zeit war er einer der meistgelesenen Journalisten der Vereinigten Staaten, seine Kommentare erreichten Millionen Leser und formten das, was er selbst als „öffentliche Meinung“ analysiert hatte. Lippmann stand im Austausch mit mehreren Präsidenten, von Woodrow Wilson bis John F. Kennedy und Lyndon B. Johnson. Er war nicht einseitig auf die politische Linke festgelegt. In späteren Jahren neigte er teils auch Republikanern zu, beispielsweise empfahl er 1968 und 1972 die Wahl Richard Nixons.
Ein elitärer Konservativer?
Alfred Kazin schrieb Jahre nach Lippmanns Tod, in einer Besprechung der Lippmann-Biografie von Ronald Steel (1980), in der New Republic: „Lippmann war einer der erfolgreichsten Menschen, die je gelebt haben [ … ]. Kein anderer Journalist in der amerikanischen Geschichte hat die Geschehnisse so stark beeinflusst, hatte seine Hände auf so vielen staatlichen Dokumenten und stand mit den Großen auf Augenhöhe.“ Lippmann selbst sah sich weniger als Journalist, sondern wollte durch seine Bücher, als politischer Philosoph wirken. Im Laufe seines Lebens nahm er dabei sehr unterschiedliche Positionen ein.
Kritiker bemängelten die Widersprüche und Inkonsistenzen in seinem Werk. Sein 1955 publiziertes Buch Public Philosophy zeigt eine gewisse Annäherung an konservative Haltungen, wie Robert Lacey betont. Lippmann selbst nannte sich 1971, drei Jahre vor seinem Tod, einen „Konservativen, der Edmund Burke zustimmt“. Lacey verweist auf Lippmanns Orientierung an einem „Mittelweg zwischen den Extremen“, eine Synthese von Gegensätzlichem wie Individualismus und Kollektivismus, atomistischer Vielfalt und organischer Einheit, Freiheit und Ordnung. Dass Lippmann – jenseits seiner zeitgeschichtlichen Bedeutung – als politisch-philosophischer Denker heute etwas in Vergessenheit gefallen ist, liegt wohl daran, dass er kein konsistentes Werk hinterlassen hat. Seine Bücher waren jeweils zeitaktuelle Antworten auf spezifische politische Kontexte.
Bleibende Bedeutung besitzt er als früher Pionier der Medientheorie. Hier darf die Frage gestellt werden, wie er den Strukturwandel der Medien seit Aufkommen des Internets eingeschätzt hätte. Die klassischen Massenmedien (Zeitungen, Radio, Fernsehen) und ihre Journalisten haben seit dem Aufkommen der Sozialen Medien an Einfluss eingebüßt. Klassische Journalisten haben einen erheblichen Teil ihrer Gatekeeper-Funktion verloren. Sie bestimmen nicht mehr, welche Themen öffentlich-mediale Aufmerksamkeit erhalten und welche Ereignisse und Fragen zum Gegenstand gesellschaftlicher Debatten werden. Soziale Medien haben die Öffentlichkeit in diesem Sinne demokratisiert und zugleich fragmentiert: Der Diskurs ist viel weniger hierarchisch steuerbar als früher, auch unübersichtlicher, schneller und volatiler geworden. An die Stelle redaktioneller Auswahl (mit dem steten Vorwurf, dass Medien bestimmte „politisch inkorrekte“ Themen meiden oder beschweigen) treten im Internetzeitalter algorithmische Mechanismen, die Aufmerksamkeit nach Kriterien der Reichweite, Interaktion und Skandalisierung verteilen. Dies kann Polarisierung und Erregungsdynamiken verstärken. Lippmann hätte all dies vermutlich nicht gefallen.
Der Medienwandel berührt damit eine zentrale Frage, die Lippmann beschäftigte: Wie kann demokratische Politik unter den Bedingungen begrenzter individueller Erkenntnisfähigkeit und komplexer Wirklichkeit funktionieren? Lippmann setzte auf Expertenwissen und institutionelle Vermittlung. Diese Form der elitär-technokratisch gesteuerten Demokratie ist jedoch an ein Ende geraten; Bürger fordern zunehmend, politische Urteilsbildung stärker an sie zurückzugeben. Der digitale Strukturwandel verschärft damit die alte Spannung zwischen technokratischen Experten und gesellschaftlicher Öffentlichkeit und schafft neue Räume für populistische Gegenbewegungen.
Dr. Philip Plickert ist Wirtschaftsredakteur und London-Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Geschichtsbewusst" bildet eine Bandbreite an politischen Perspektiven ab. Der Inhalt eines Essays gibt die Meinung der Autorin oder des Autors wieder, aber nicht notwendigerweise diejenige der Konrad-Adenauer-Stiftung.