Ingo Hellwig

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Auswege oder Ausflüchte?

Die Welt im Krisenmodus

Oliver Krauß führte durch eine Diskussion, die sich anhand der zahlreichen Krisen des 21. Jahrhunderts Gedanken über die Widerstandsfähigkeit von Individuum, Gesellschaft und Staat gemacht hat.

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine ist nicht nur ein lokales Ereignis, er stellt durch die ungerechtfertigte Gewaltanwendung auch einen Angriff auf die internationale Friedens- und die europäische Nachkriegsordnung dar. Pandemie, Klimawandel, Massenflucht durch Terrors und Staatenzerfall in Afrika, Nahost und Afghanistan, islamistischer Terrorismus oder die Staatsschuldenkrise haben die Menschen weltweit verunsichert, politische und wirtschaftliche Stabilität erschüttert, die Verletzlichkeit der Natur und der Gesellschaften vor Augen geführt und Selbstverständlichkeiten infrage gestellt.

Die jüngste Krise nahm Prof. Dr. Hans-Joachim Pieper, Rektor der Alanus Hochschule und Gastgeber der Veranstaltung in seiner Begrüßung zum Anlass, die ermutigenden Perspektiven zu betonen: Anders als von den Kritikern der liberalen Demokratien erwartet, träten diese geeint und solidarisch für ihre Werte ein und seien bereit Opfer zu bringen. Krisen könnten hierzulande so auch das "Gefühl der Dankbarkeit für die politische und wirtschaftliche Situation" verstärken.

Nach Monaten der Online-Veranstaltungen gelang es, mit dieser Veranstaltung über den „Wandel zum Besseren“ den politischen Meinungsaustausch wieder in Präsenz zu führen. Auf dieses Zeichen der Hoffnung legte auch der Landtagsabgeordnete Oliver Krauß MdL  großen Wert. Nach zwei langen Jahren Berg- und Talfahrt der eigenen Gefühle und des oft abrubten öffentlichen Stimmungswechsels sei es endlich an der Zeit, dass politische Diskussionen über unsere gemeinsame Zukunft wieder an vielen Orten im Land und nicht nur im Netz geführt würden. Den passenden Auftakt dazu bildete unser Forum "Politik im Dialog mit Krisenmanagern".     

Der Jahresbericht der Münchener Sicherheitskonferenz hatte zur Beschreibung der globalen Gefühlslage einen Begriff gewählt, den auch Karl-Heinz Land ins Fadenkreuz seines perspektivenreich skizzierten Szenarios, das er „Erde 5.0“ nannte, stellte. Nicht Stabilität, sondern Transformation charakterisiere unsere Gegenwart. Krise ist ein anderer Begriff für Transformation, weil er den Entscheidungsmoment bezeichnet, in dem eine Entwicklung ihre Richtung zum Guten oder zum Schlechten ändert. In seiner Key Note eröffnete Land das Spielfeld, definierte den Rahmen und nannte die Stichworte, über die im Anschluss gestritten wurde. Doch der Blick auf die Realitäten, sollte keinen Anlass zu Pessimismus geben. Unter Berufung auf Schumpeters legendären Ausdruck der „schöpferischen Zerstörung“ erblicket Land in der Verunsicherung und vielfach beobachteten sozialen Instabilität auch die Chance, Systemfehler zu beheben. Als dominante Tendenzen hob er die Dematerialisierung und die Beschleunigung hervor. Die Innovationszyklen würden immer kürzer, so dass der Transformationsprozess von der Industriegesellschaft in eine wissens- und datengetriebene Lebensform sich rascher als erwartet vollziehe. Krisen, wie jetzt auch der Krieg in der Ukraine beschleunigten Prozesse wie den einer zunehmenden Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen.

Weitere Trends sah Karl-Heinz Land in der fortschreitenden Integration von Online- und Offline-Welt, in der Share-Ökonomie, die zu einer Fortentwicklung der Sozialen zu einer Ökologisch-Sozialen Marktwirtschaft führe, und in der umfassenden Nutzung Künstlicher Intelligenz.

Dr. Carsten Schymik, Leiter der Task Force Benelux-Koordination in der Staatskanzlei NRW zog aus der pandemischen Krise in den vergangenen zwei Jahren die Konsequenz, dass die grenzüberschreitende Zusammenarbeit die regionalen und nationalen Krisenreaktionen krisenfester machten. Nicht die großen Institutionen mit ihren schwerfälligen Verfahren, vielmehr flexible Strukturen und ein persönliches Netzwerk hätten in krisenhaft zugespitzten Situationen rasche, problem- und ortsnahe sowie effiziente Lösungen bereitgestellt.

Prof. Dr. Hartmut Kopf schloss sich der Diagnose von Karl-Heinz Land an und plädierte für neue digitale Praktiken und für ein Überdenken hergebrachter Prioritäten. So stellte er der zunehmenden Beschleunigung einen Imperativ des menschlichen Maßes zur Seite. Ihm ging es nicht um ein Zurück, sondern, wie der Begriff der Post-Wachstums-Ökonomie verdeutliche, um eine ergebnisoffene gesellschaftliche Diskussion über die Richtung sozialer Entwicklungen, über Kosten und Nutzen unseres individuellen und kollektiven Verhaltens.

Dr. Catarina Katzer setzte sich in Ihrem Statement mit der Frage auseinander, wie wir heute Krisen wahrnehmen. Informationszwang und digitaler Stress auf der einen Seite, Ohnmachtsgefühle auf der anderen Seite setzten eine sich selbstverstärkende Aufmerksamkeitsspirale in Gang, gegen die die Medienethikerin zur Stärkung der individuellen Resilienz den Verzicht empfahl.

Mag der Verzicht und die Entschleunigung für den Einzelnen ein probates Mittel und die Post-Wachstums-Ökonomie auch als Schlagwort gegen den immer noch vorherrschenden Umweltverbrauch gesehen werden, so stellt sich politisch allerdings die Frage, wie die pandemie-, klima- und kriegsbedingten Staatsausgaben in einer Verzichts- und Post-Wachstums-Ökonomie zurückgezahlt werden können, um Staats- und damit politische Vertrauenskrisen zu verhindern. Karl-Heinz Land sprach aus, was allen klar war: Wenn sich nichts ändert, werden wir durch den Klimawandel gezwungen. „Schöpferische Zerstörung“ könne und müsse mutmachend verstanden werden: sich aus zerstörerischen Abhängigkeiten durch “soziale Innovationen“ (Hartmut Kopf) zu lösen, solange wir auf individueller, gesellschaftlicher und staatlicher Ebene dazu noch in der Lage seien.

 

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Prof. Dr. Martin Reuber

Prof. Dr

Referent Europa- und Bildungspolitik, Büro Bundesstadt Bonn

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