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Poetry Slam von Andry Strauss

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Wir schreiben das Jahr 2015. Das Jahr, für welches uns »Zurück in die Zukunft« ende der Achtziger Hoover-Boards und Holo-Kellner vorausgesagt hat. Eine quietschbunte Hollywood Zukunftsvision. Seit jeher sagen Autoren die Zukunft voraus, mal besser – mal schlechter. Hooverboards, die das Surfen über Asphalt ermöglichen, habe ich dieses Jahr jedenfalls noch keine Gesehen - trotzdem surfen immer mehr Leute über Asphalt. Ihre Surfbretter sind, handlich, größtenteils schwarz und mit einer Glasscheibe davor und anstatt mir ihren Füßen draufzustehen, reiben sie lediglich ihre Finger darüber dass es nur so quietscht. Sie surfen über die digitale Landschaft, die alle nahezu alle Informationen zu jeder Zeit und überall verfügbar macht, was natürlich unglaublich praktisch ist. Ich kann, während ich zum Bahnhof latsche, gucken ob mein Zug später kommt, Mortal Kombat 10 aus Österreich, meiner Mutter zum Spaß ein aus dem Internet heruntergeladenes Ultraschallfoto schicken, damit sie denkt, sie würde Oma und ihre Reaktion bei 9gag hochladen. Und während sie das tue geben ich gleichzeitig sämtliche Informationen über sich preis, verrate meinen Standort durch GPS-Ortung und und Standpunkt über die Kommentarfunktion. Meine Durchsichtigkeit hinterlässt einen digitalen Schatten, dessen Konturen fast noch klarer sind, als die des realen Schattens auf der Straße.

Der technische Fortschritt rennt mit einer unvorstellbaren Geschwindigkeit, die Vernetzung der Menschen lässt Ideen im rasanten Tempo schnell wandern und wachsen – so schnell, dass man kaum hinterher kommt geschweige denn die Gefahren angemessen hinterfragen könnte.

Es ist eigentlich noch gar nicht so lange her, dass es keine Mobiltelefone gab – und trotzdem wirkt die Vorstellung fast genauso mittelalterlich wie ein Schmied, der auf einen Amboss haut und mit der anderen Hand Drehleier spielt. Die alten Münztelefonzellen waren vor gar nicht allzu langer für einige Menschen mangels eigenen Telefonanschlusses die einzige Möglichkeit zu telekommunizieren. Als die Post damals die ersten offenen Telefonzellen, also Telefonzellen ohne eigene Tür, vorstellt hat, gab es immense Proteste. Es war den Menschen zu recht nicht recht, dass Wildfremde ihnen bei ihren intimen Telefonaten zuhören konnten. Heute erfahre ich alleine während einer kurzen Busfahrt wesentlich mehr über einige Menschen als ich überhaupt wissen will. Zum Beispiel, wie lange diese Person gestern das Genital von Person zwei im Mund hatte, wie es gerochen hat und wohin die ausgetretenen Flüssigkeiten geschmiert wurden. Schamlos wird alles in die kleinen Kommunikationskästen und gleichzeitig in die Umwelt gespuckt und muss in unschuldigen Ohren verebben. Beziehungskrisen werden in aller Öffentlichkeit und über eine Distanz von hunderten Kilometern regelrecht ausgebrüllt. Mir kommt es oft so vor, als wollten einige Menschen gar keine Privatsphäre mehr haben, vermutlich weil eben dieses in den zahlreichen Dumm-TV-Sendungen exakt so vorgelebt wird. Gescriptete, schamlose Realität in 30-Minuten-Packungen, die dafür sorgen, dass der Konsument immer mehr abstumpft und den Inhalt als Wahrheit missversteht und eventuell sogar sein eigenes Leben daran orientiert. Zum Thema der Privatsphäre wird es heute einen Workshop geben – vielleicht sind die Ergebnisse ja vernünftige Anleitungen zur Nutzung des allgegenwärtigen Finger-Hoover-Boards?

Ein anderer Workshop befasst sich mit der Zukunft der Arbeitswelt. Hat Zurück in die Zukunft ja auch schon gelöst. Holo-Kellner_Innen – Wechselstrom statt Mindestlohn. Aber wie sieht es hier in Wirklichkeit aus? Für mich steht fest, dass der Sektor der klassischen, körperlichen Arbeit mehr und mehr verschwinden und durch Roboter ersetzt wird. Robotter! Irgendwann wird die Welt mit Sicherheit an einem Punkt sein, unendlich viel saubere Energie zu erzeugen. Was sage ich Erzeugen? Die Energie ist ja im Prinzip schon da. Sonnenstrahlen sind ständige Energie, Wind ist ständige Energie – und in nicht allzu ferner Zeit wird diese auch angemessen gespeichert werden können, vielleicht mittels Brennstoffzelle, vielleicht anders. Fest steht: Der Punkt wird kommen, an dem Energie immer da und immer auch sauber ist. Dass es jetzt noch nicht soweit ist, liegt hauptsächlich an Öl / Kohle- und Atomlobby. Energie wird in der Zukunft fast kostenlos sein und maschinelle Arbeit dadurch unglaublich viel günstiger sein als menschliche. Der Status-Quo, der im Workshoptitel „Generation Selbstausbeutung zwischen Scheinpraktika und Kettenbefristung“ betitelt wird, ist bereits Anzeichen dafür. Denn je mehr klassische Berufsfelder verschwinden, umso mehr ändert sich auch die Arbeitswelt. Wer hat den vor zwanzig Jahren schon „Was mit Medien“ gemacht? Heute macht jeder zweite, mehr oder minder kluge Kopf irgendwas mit Medien. Nur gibt es für diese Leute keine Gewerkschaft. Oder hat schon mal jemand von einer Gewerkschaft für „was mit Medien“ gehört? IG_WASMITMEDIEN? In den neuen Berufen ist jeder mehr und mehr auf sich alleine gestellt, was zum Teil wohl auch daran liegt, dass gemeinschaftliches Engagement kaum noch gelehrt wird. Wer hat während eines modularisierten und hochgradig durchgeplanten Bachelor-Studiums, welches nahezu in Rekordzeit abgeschlossen werden muss, denn noch Zeit, sich wirklich intensiv mit politischen Hochschulgruppen oder gesellschaftspolitischen Themen zu beschäftigen? Das haben meist nicht mal die Student_Innen der Politikwissenschaften, da die in ihrer Freizeit etliche Praktika zur Schärfung ihres Nutzungsprofils abzulegen haben. Ich sage hier mal ganz frei heraus, dass es sowas wie eine „irgendwas mit Medien“-Gewerkschaft niemals geben wird. Apropos Roboter und Arbeiten: Ich gehe fest davon aus, dass es nach mir Generationen geben wird, die im Alter von Robotern gepflegt werden. Denn unsere Gesellschaft wird immer weiter Altern - das ist erstmal nicht aufzuhalten, außer man macht einen auf Papst und verbietet Landesweit alle Verhütungsmittel.

Mein Opa hat mich neulich gefragt, ob er seinen wirklich sehr alten Anrufbeantworter nicht an sein Mobiltelefon anschließen könne. Eines Tages werde ich wahrscheinlich meine Enkeltochter, wenn ich denn überhaupt Enkel bekomme – siehe Demografie – fragen, ob ich meine Playstation Vier an ihr HoloNet anschließen kann und sie wird mich wahrscheinlich genauso angucken, wie ich meinen Opa. Dann wird sie mir über die Glatze streichen, nein sagen und mich hoffentlich verständnisvoll drücken. Danach wird mich der Roboter zurück auf mein Zimmer fahren, mich waschen und zurück ins Bett legen. Solange sie nicht ein Foto – oder wie auch immer das dann heißen wird, davon macht und es der Weltöffentlichkeit zur Belustigung hinschmeißt – und ich trotz Roboterpflege irgendwie in Würde vor mich hin atmen kann, soll mir das Recht sein. Und vielleicht war dieser Vortrag ein bisschen wirr. Aber das ist die Zukunft auch, denn sie kann alles sein. Absolut alles. Denn jeder von uns hat sie ein Stück weit in der Hand. High Five.

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