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Monitor

Telegram – Ort der Meinungsfreiheit und Verschwörungsplattform

arasında Daphne Wolter, Nils Boschert

Der Messengerdienst Telegram ist nicht reguliert. So konnte er zum Hort der Meinungsfreiheit und Verschwörungsmythen avancieren.

Der Messengerdienst Telegram gilt hierzulande als Sammelbecken für Menschen mit dubiosen oder gar kriminellen Ambitionen. Es gibt aber auch eine andere Seite: Für die Menschen in der Ukraine ist Telegram in Zeiten des Krieges zur wichtigsten Informationsquelle geworden. Über 1,5 Millionen Menschen verfolgen die Ansprachen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Der vorliegende Monitor erklärt Telegram und analysiert den schwierigen Spagat zwischen Meinungsfreiheit und Desinformation.

Der Messengerdienst Telegram wurde 2013 von Pawel Durow ins Leben gerufen und soll als Ort der Meinungsfreiheit gelten. Laut Angaben des Unternehmens nutzen eine halbe Milliarde Menschen die kostenlose App monatlich.
Durch seine spezielle Programmierung, die im Messengerdienst direkt implementiert ist, können Sperrungen umgangen werden. So kann Telegram auch in Ländern genutzt werden, in denen der Dienst blockiert ist. Vor allem in autoritären Staaten mit einem engmaschigen Überwachungsnetz kann die Plattform einen Raum schaffen, in dem sich Minderheiten oder Oppositionelle organisieren und austauschen können.
Im Vergleich zu gängigen Messengerdiensten der Konzerne Meta (Facebook) oder Google ermöglicht Telegram größere Gruppenkapazitäten mit teilweise unbegrenzter Mitgliederanzahl.
Die Kehrseite der Medaille: Auch Verfassungsfeinde in rechtsstaatlichen Demokratien oder autoritären Staaten profitieren von dem freien und unzensierten Messengerdienst. Sie setzen Desinformationskampagnen als Waffe ein. Durch mitgliederstarke Gruppen ermöglicht Telegram den schnellen Austausch und die Verbreitung von Verschwörungsmythen und Desinformation.
Bis jetzt entzieht sich Telegram einer Regulierung. Ziel einer Regulierung ist eine auf EU-Ebene abgestimmte Lösung, flankiert von Medien- und Informationskompetenz.

Lesen Sie den Monitor Medienpolitik hier als PDF.

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