Smartphones, virtuelle Welten oder Roboter

Aufbauseminar „Digitalisierung und Bildung“

Roboter Miki im Seminar „Digitalisierung und Bildung“
Roboter Miki im Seminar „Digitalisierung und Bildung“.
Wie Lernen digitaler werden kann

Wie viel Digitalisierung in der Bildung ist gut, wo ist der Einsatz analoger Lernmittel sinnvoller? Wie muss eine Schule gebaut sein? Schadet WLAN-Strahlung der Gesundheit? Und werden bald Roboter den Unterricht übernehmen? Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigte sich das Seminar Digitalisierung und Bildung unter der Leitung von Anca Specht.

    
Digitalpakt und Schulcloud

  
Ausgangspunkt des einwöchigen Seminars war eine Einführung in das Bildungssystem Deutschland und den Digitalpakt. Aber auch die Schul-Cloud, OER (= open educational Ressources)-Lehrmaterialien und nachhaltiges Lernen standen auf dem Programm. Besonders spannend waren die Möglichkeiten, die Augmented und Virtual Reality bieten, um Kindern und Jugendlichen den Stoff des Lehrplans zu vermitteln. So erlangen sie zusätzlich digitale Kompetenzen.
Altstipendiat Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, sprach über die Sicht der Lehrenden auf den Digitalpakt und dessen Möglichkeiten. Eine neue Perspektive eröffnete sich im Gespräch mit dem Schulleiter einer skandinavischen Schule, der sagte, Deutschland liege gut 15 bis 20 Jahre hinter Ländern wie Dänemark zurück, was die Digitalisierung angehe. Dort hätte es in den 90er-Jahren bereits flächendeckendes WLAN gegeben und empfahl, mehr Mut zu haben und neue Wege zu gehen. Der Digitalpakt sei hierfür ein guter Anfang.

 
Stipendiatinnen und Stipendiaten mit Roboter Miki. KAS
Der Roboter kann Stimmungen erkennen und das Alter von Personen analysieren.
Digitalkonzept: WLAN und Smartphone   
            

Die Marienschule in Fulda hat bereits seit vielen Jahren ein Digitalkonzept, das sehr gut funktioniert. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten nicht mehr mit Smartboards, sondern mit ihren eigenen Handys. Neben WLAN und großen Monitoren in allen Klassenzimmern gebe es aber weiterhin auch eine normale Tafel.
Dass die WLAN-Strahlung nach bisherigem Wissensstand unschädlich ist, erklärte eine Referentin vom Bundesamt für Strahlenschutz. Oft werde viel Wirbel um das Thema gemacht, der jedoch auf Unkenntnis beruhe. Untersuchungen an Schulen hätten gezeigt, dass der erreichte Strahlungswert deutlich unter den erlaubten Grenzwerten liege.
  
Roboter und Fake News
  
Wohin die digitale Reise mal gehen kann, zeigte der humanoide Roboter Miki. Sein „Vater“ von der Uni Marburg hat ihn so programmiert, dass er zum Beispiel die Stimmung erraten kann, das Alter und das Geschlecht. Außerdem kann er tanzen. Mikis großer Bruder Pepper wird bereits im Unterricht eingesetzt, stellt Prüfungsfragen und wertet die Ergebnisse aus. So ist ein gezielteres Lernen möglich, was in Kombination mit dem „inverted classroom“-Modell gut funktioniere. Lehrende würden hierdurch aber noch lange nicht ersetzt. Dazu könnten Roboter zu wenig.
Abgerundet wurde das Seminar mit zwei praktischen Vorträgen: Extremismus im Netz erkennen und Fake News entlarven. Hierbei lernten die Stipendiatinnen und Stipendiaten, welche Methoden sie einsetzen können und wie wichtig es ist, dieses Wissen auch mit anderen zu teilen.
  
Fazit: Die Mischung macht’s
 
 
Der Digitalpakt ist ein guter Ansatz, neben Mitteln für Hardware fehlt es jedoch an Geldern für die Wartung der neuen Geräte. Außerdem hinken mehrere Bundesländer noch mit der Umsetzung der notwendigen Richtlinien hinterher. Skandinavien ist mit der Digitalisierung mehrere Jahre voraus, Deutschland kann von diesen Ländern lernen. Doch auch bei uns gibt es schon innovative Schulen, die in neuen Gebäuden losgelöst von Klassenzimmern neue Lernmethoden testen. Digitale Medien können analoge dabei unterstützen, jedoch nicht ersetzen – das sollen sie auch nicht. Vielmehr ermöglichen sie neue Zugänge zu Themen, die das Lernen erleichtern können. Dennoch werden auch in Zukunft noch Lehrerende den Unterricht gestalten und keine Roboter. Lehrerinnen und Lehrer müssen sich jedoch fortbilden, um den Schülerinnen und Schülern den Umgang mit ihren Smartphones beizubringen, damit diese nicht alleine im Internet herumirren. Weder WLAN-Strahlung noch die geplante 5G-Frequenz ist nach bisherigem Erkenntnisstand schädlich. AR und VR können den Unterricht spannender gestalten. Außerdem sind kostenlose Lernmittel (OER) eine Alternative zum Lehrbuch. Wegzudenken ist dieses jedoch noch lange nicht. Sinnvolle digitale Bildung besteht also aus einem Mix von analogen und digitalen Medien, sowie entsprechend geschultem Lehrpersonal. Ein einzelner Digitalpakt wird hierfür jedoch voraussichtlich nicht reichen.

 
Kontakt

Ann-Carolinn Specht

Ann-Carolinn Specht bild

Referentin Journalistische Nachwuchsförderung

anca.specht@kas.de +49 30 26996-3696