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Analysen und Argumente

Marktplatz digitale Bildung

Rahmenbedingungen für einen Marktplatz digitaler Bildungsangebote im schulischen Bereich

Um digitale Anwendungen zielführend im Bildungsprozess einsetzen zu können, braucht es einen lebendigen Marktplatz, auf dem Anbieter ihre Produkte platzieren, Nachfrager ihre Bedarfe decken und Innovationen skalieren können. Die Rahmenbedingungen dafür werden von verschiedenen Faktoren bestimmt. Die Erfahrungen in der Praxis zeigen: es gibt an unterschiedlichen Stellen Handlungsbedarf, um notwendige Voraussetzungen zu schaffen, Prozesse anzupassen, Verantwortungen und Standards zu definieren.

Damit ein Marktplatz digitaler Bildungsangebote im schulischen Bereich für alle Beteiligten gewinnbringend funktionieren kann, sind bestimmte Rahmenbedingungen unverzichtbar. Zu den notwendigen Voraussetzungen gehört noch immer, Bildungseinrichtungen wie z.B. Schulen mit bedarfsgerechten Breitbandanschlüssen zu versorgen und eine Infrastruktur zur Verfügung zu stellen, die den Einsatz digitaler Anwendungen im Bildungsprozess ermöglicht. Benötigte Endgeräte sowie ein sicherer Cloud-Zugang müssen bereitstehen. Wartung, Service und Beratung sollten effizient organisiert sein und Standards definiert werden, die Interoperabilität, ein anwendungsübergreifendes ID-Management oder offene Schnittstellen einschließen. Fehlen diese Voraussetzungen, kann sich der Markt sowohl aus Perspektive der Anbieter wie auch der Nachfrager nicht zukunftsorientiert entwickeln. Mit Blick auf die wirtschaftspolitischen wie auch bildungspolitischen Zielsetzungen entstehen dadurch Nachteile.


Unklarheiten, die aus dem Bildungsföderalismus erwachsen, sollten bei den Bund-Länder-Kompetenzen ausgeräumt werden. Unterschiedliche Auslegungen des Datenschutzes in den Bundesländern erschweren das Skalieren von Angeboten am Markt. Langsame Entscheidungs- und Koordinierungsprozesse verzögern den Marktzugang und damit die Verfügbarkeit von Produkten. Eine zu große Entfernung von Nutzern und Entscheidern spricht für mehr Eigenständigkeit der Schulen bei der Beschaffung. Dafür muss die Auffindbarkeit der verfügbaren und zulässigen Angebote verbessert und ein Qualitätsmanagement etabliert werden. Außerdem sichert eine verstärkte Aus- und Weiterbildung der digitalen Kompetenzen der Lehrkräfte nicht nur einen besseren didaktischen Einsatz von digitalen Bildungsangeboten im Bildungsprozess, sondern qualifiziert sie auch zu kompetenteren Nachfragern am Markt.

 

Priorisierte politische Handlungsempfehlungen sind daher: die Definition von Mindeststandards, eine Vereinheitlichung der Datenschutzbewertung, die Verkürzung von Anerkennungs- und Vergabeprozessen, die Erhöhung des Lernmittelbudget und die Intensivierung der Weiterbildung von Lehrkräften.

 

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kas.de
13. Juli 2021
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