Begabtenförderung und Medienprogramm Südosteuropa

Die Feder im Sturm – Pressefreiheit weltweit

„Freiheit ist nicht käuflich – nicht mal für alle Schätze der Welt.“ Dieser Satz steht auf dem Tor der Festung Lovrijenac am Rande der Altstadt von Dubrovnik. Das eindrucksvolle Bauwerk schützte die Einwohner der kroatischen Stadt in der Vergangenheit vor Angriffen, heute ist die Festung eine beliebte Touristenattraktion.

Ein Bericht von Christopher Hell und Charleen Florijn

Welchen Wert Presse- und Meinungsfreiheit haben, damit beschäftigten sich Stipendiatinnen und Stipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung in Dubrovnik, Kroatien. „Die Feder im Sturm – Pressefreiheit weltweit“ – so lautete das Motto des fünftägigen Seminars, das von der Hauptabteilung Begabtenförderung und Kultur, dem Medienprogramm Südosteuropa und dem KAS-Auslandsbüro Kroatien organisiert wurde und unter der Leitung von Julia Fleiner und Hendrik Sittig statt fand.    

Stips Dubrovnik
Beim Workshop portarierten die Teilnehmenden Bügerinnen und Bürger Dubrovniks. Auch ein Fischer teilt seine Lebensgeschichte mit den Teilnehmenden.

Die Medienlandschaft in Südosteuropa wird zwar durch ein vielfältiges, aber intransparentes und teils undurchsichtiges Netzwerk von Eigentumsverhältnissen und Unternehmen charakterisiert. Mit dem Ende des Sozialismus 1989/90 öffnete sich in weiten Teilen Südosteuropas und auf dem Balkan ein mediales Vakuum, das von verschiedenen Akteuren gefüllt wurde. Internationale und vor allem westliche Verlagshäuser und Medienkonzerne investierten in den Folgejahren in neue (private und profit-orientierte) Produkte und expandierten ihre Angebote auf den neu zu erschließenden Märkten, um neue potenzielle Kunden und Konsumenten zu erreichen. Gleichzeitig konstituierten sich öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten, die zumindest konstitutionell die Gewährleistung von Pressefreiheiten und Standards in ihren Verfassungen garantierten und die rechtliche Rahmenbedingungen für eine freie Presse- und Berichterstattung in Print, Radio und Fernsehen schufen.

Ein letztes Mal überprüft Max Grüninger, ob das Mikrofon funktioniert. Er wirft einen Blick auf den Bildschirm. Dann hebt er die Hand und hält drei Finger in die Luft. „Zwei, eins, go!“, formt er stumm mit seinen Lippen in Richtung des jungen Mannes vor der Kamera. Das Interview beginnt.

Denn neben zahlreichen Gesprächsrunden und Dialogen mit Expertinnen und Experten und vor allem Journalistinnen und Journalisten aus der Region stand auch ein Workshop auf dem Programm, bei dem die Stipendiatinnen und Stipendiaten sich in mobilem Journalismus ausprobieren sollten. Nur mit dem Smartphone ausgestattet, sollten sie Menschen aus Dubrovnik portraitieren.

Max ist im Red History Museum. Hier können Besucher eintauchen in die kommunistische Vergangenheit Kroatiens, originale Gegenstände aus der Zeit anfassen und sich spielerisch informieren. Für Max ist es das erste Mal hinter der Kamera. Sein Fazit: „Einen ganzen Beitrag nur mit dem Handy an nur einem Nachmittag zu produzieren, hätte ich vorher nicht für möglich gehalten“, so Max nach dem Dreh.

Atila Biro und Sandra Kricanec
Atila Biro und Sandra Križanec sind Investigativjournalisten. Beim Kaminabend teilen sie ihre Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag: Einschränkungen in der Recherche, Bedrohungen und das Risiko in der Region für die Pressefrieheit einzustehen.

Wie die journalistische Arbeit in Osteuropa aussieht, dazu gab Milica Šarić vom Center for Investigative Journalism of Serbia (CINS) einen Einblick. „Jeder versucht die Presse zu kontrollieren“, fasste sie die schwierige Situation in ihrem Heimatland zusammen. Oftmals verwehren Behörden und Unternehmen der Journalistin den Zugang zu Informationen, regelmäßig klagen ihre Gegner sie an. Und dennoch: Aufhören ist für Šarić keine Option, sie will etwas verändern in ihrem Land. Das sei nur möglich mithilfe von gewissenhaften und unabhängigen Journalisten.

Während sich bereits Anfang und Mitte der 1990er Jahre die heutigen EU-Mitgliedstaaten Slowenien (EU-Beitritt 2004), Rumänien und Bulgarien (EU-Beitritt jeweils 2007) und Kroatien (EU-Beitritt 2013) neben ihrem demokratischen und wirtschaftlichen Transformationsprozess dem europäischen Integrationsprozess angeschlossen haben, war die Situation mit dem Fall der sozialistischen Herrschaft im übrigen ehemaligen Jugoslawien noch weiterhin viele Jahre durch militärische Auseinandersetzungen und Kriege, sowie durch gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Instabilität gekennzeichnet. Einige dieser Konflikte haben bis in die Gegenwart ungelöste Probleme und Herausforderungen zur Folge (Bsp.: Beziehungen zwischen Kosovo und Serbien).

Gleichzeitig wurde die unabhängige Entwicklung der freien Medien- und Presselandschaft durch die politische Einflussnahme regierender Parteien erschwert oder durch entsprechende Politiker behindert. Einflussreiche Persönlichkeiten der kommunistischen Regime und Geheimdienste transferierten ihre Kontakte und Netzwerke nach der Revolution und betteten diese in das neue und sich entwickelnde System nachwirkend ein. Die Korruption ist mitunter eine der ursächlichen Problematik. Die Konsequenzen sind intransparente Einfluss- und Kontrollmechanismen handelnder Akteure und Institutionen, die Manipulationen der Medienberichterstattung mit sich ziehen. Eine stark selektierte und eingeschränkte journalistische Darstellung, sowie gar „Fake News“, gehören zu den Realitäten der südosteuropäischen Medienlandschaften. Die Pluralität der angebotenen Produkte in Print, Radio und Fernsehen kompensiert nicht das schwindende Vertrauen der Bevölkerung in die etablierten nationalen Medien. Kleinere und regionale Nachrichten-Plattformen genießen dahingehend jedoch einen positiven Trend.

Doch auch in Deutschland haben es Journalisten nicht immer einfach, erklärt Friedrich Leist vom Norddeutschen Rundfunk (NDR). Im Diskurs über Pressefreiheit müsse man gar nicht so weit schauen, Probleme gebe es auch in Deutschland. Als er über eine Demonstration von Neo-Nazis berichtet, bespucken ihn die Teilnehmer, schubsen und bedrohen den Journalisten. „Man braucht ein dickes Fell im Journalismus“, so Leist.  

Teilnehmerin Ariane Fischer war überrascht darüber, wie herausfordernd die Arbeit der Journalisten auch in Ländern mit vergleichsweise großer Pressefreiheit ist. „Ich nehme aus dem Seminar mit, dass der Beruf von Journalisten unverzichtbar ist“, erklärt Ariane.

Kontakt

Julia Fleiner

Julia Fleiner

Leiterin der KAS-Medienwerkstatt

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Holger Haibach

Holger Haibach

Leiter des Auslandsbüros Kroatien

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