Analýzy a argumenty

Homo deus?

autori Roland Benedikter

Das Zusammenwachsen von Mensch und Maschine

Menschen versuchen seit jeher, Techniken zu entwickeln, die ihre Fähigkeiten erweitern. Neu ist, dass Mensch und Maschine miteinander verschmelzen: Prothesen und Orthesen verstärken Körperkräfte, Computer unterstützen die intellektuelle Leistungsfähigkeit und Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, das menschliche Bewusstsein zu erweitern. Vieles klingt utopisch, einiges ist schon Wirklichkeit. Es ist höchste Zeit, sich mit den Folgen auseinanderzusetzen: Werden diese Techniken unser Menschsein verändern? Was muss getan werden, um Risiken zu minimieren? Und welche Chancen eröffnen sich?

Zum Mitnehmen

Mensch und Technologie wachsen zusammen: in der Verbindung (1.) des Körpers mit Orthesen, (2.) des

Gehirns mit Maschinen und (3.) des Bewusstseins mit künstlicher Intelligenz.

  • Dies kann zu einem Wandel im Selbstverständnis des Menschen führen. Dieser Wandel hat im Ansatz bereits
begonnen. Das zeigt die Neugründung ganzer Unternehmenssparten und Wirtschaftszweige. Von den Vorreitern

der Entwicklung wird die universale technische Verbesserung körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit

propagiert. Dies reicht von der Schaffung abiotischer Intelligenz- und Lebensformen über die Überwindung

biologischer Grenzen bis zum Traum unbegrenzter Lebensverlängerung bei hoher Lebensqualität.

  • Der sich damit abzeichnende Weg zum „Homo deus“ birgt ebensoviele Chancen wie Risiken. Er ist ethisch
ambivalent und erfordert daher eine Neubesinnung auf Humanismus und Aufklärung. Die Frage nach dem

Wesen des Menschen erhält angesichts kommender technologischer Entwicklungen eine Schärfe, der sich die

Gesellschaft schon heute stellen muss – nicht zuletzt zur Vorwegnahme politischer Entscheidungen.

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