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Demokratie und Marktwirtschaft in Angola

autori Gaby Neujahr

Ein harter, steiniger Weg

Über ein Jahr nach Ende des Bürgerkrieges hoffen die Menschen in Angola auf die Erfüllung der Regierungsversprechen. Doch freie Wahlen und der wirtschaftliche Aufschwung lassen auf sich warten. Korruption und Misswirtschaft mutieren gepaart mit der Ignoranz der Regierenden zum Bollwerk gegen jedwede Veränderungen.

Der Gestank hat die Stadt fest im Griff. Ein fauliger Geruch, ein Gemisch aus Abfall und Fäkalien, der nur gelegentlich vom Wind aus der Bucht fort getragen wird. „Ich bemerke ihn schon gar nicht mehr“, meint entschuldigend Mario Paiva, Ressortchef Politik der in Angolas Hauptstadt Luanda erscheinenden Wochenzeitung „Agora“. Den Journalisten, der auch Präsident der Agora-Muttergesellschaft „Globalmedia“ ist, treibt derzeit vor allem eines um: Die Winds of Change, die das Land vor über einem Jahr ergriffen haben.

„Wir haben endlich Frieden. Aber es ist schwierig, sich nun zurecht zu finden“, erklärt Paiva. Seit dem Tod von UNITA-Rebellenführer Jonas Savimbi im Februar 2002 ist alles anders. Am 4. April 2002 unterzeichneten Vertreter der MPLA-Regierung und der Unita einen Waffenstillstand und beendeten damit einen fast 30 Jahre währenden Bürgerkrieg, in dem mindestens 500 000 Menschen starben. Plötzlich sind die alten Feindbilder verschwunden. Neue Regeln gelten. Aber welche Regeln sind das, fragen sich die Menschen in den Straßen von Luanda.

Freie Wahlen und Demokratie hat Staatspräsident José Eduardo dos Santos versprochen. Seit 24 Jahren ist er an der Macht. Zunächst sollten die Wahlen schon in diesem Jahr stattfinden, doch dann verschob er sie auf 2004, aber vielleicht werde es ja auch 2005, meint Paiva schulterzuckend. Ganz so leicht will sich der Präsident wohl nicht von der Macht trennen. Alles ist im Fluss.

„Eines ist zumindest sicher: Das Leben wird jeden Tag teuerer“, stellt Paiva lakonisch fest. Mühsam schnauft er die Treppen hinauf in seine Redaktion. Eine Mietwohnung im dritten Stock eines herunter gekommenen Apartmenthauses ist Sitz der Wochenzeitung. Rund 1600 US-Dollar Miete kostet die Büro-Wohnung derzeit. „Tendenz steigend“, brummt Paiva.

Im dritten Stock angekommen, bahnt er sich den Weg durch eine Menschenansammlung. Lautes Wehklagen schallt ihm von allen Seiten entgegen. Das Kind der Nachbarin ist am Vortag bei einem Autounfall getötet worden. Nun sind alle Freunde und Verwandten da, um den Eltern in ihrem Schmerz beizustehen. Es riecht nach angebranntem Essen, schmutziger Wäsche und Trauer.

Paiva spricht ein paar tröstende Worte und hastet, wieder zu Atem gekommen, weiter. Heute ist Redaktionsschluss. In der Redaktion türmt sich überall auf dem Boden Papier. Die zwölf Journalisten im „Newsroom“ sind in ein Zimmer von knapp 20 Quadratmetern gepresst. Zwölf Computer brummen auf den Schreibtischen und das Klicken der Tastaturen wetteifert mit dem Klingeln der Telefone. Es ist heiß hier drin, fast 40 Grad. Von den Wänden blättert die Farbe – ein schmutziges Grau, dass sich in kleinen Fetzen überall auf dem Boden wieder findet.

„Wir haben einfach keinen Platz und nicht genug Geld für eine Renovierung“, brummt Paiva. Rund 20 Mitarbeiter hat die Wochenzeitung, und die verteilen sich auf die rund 80 Quadratmeter große, heruntergekommene Vier-Zimmer-Wohnung. „Das muss hier einfach alles anders werden“, stellt Paiva fest.

Der Journalist hat einen Traum. Jetzt, wo die Regierung Demokratie und Marktwirtschaft für sich entdeckt, könne auch „Agora“ nicht zurückstehen. „Wir müssen Markwirtschaft lernen, müssen endlich so viel Geld erwirtschaften, dass unsere Zeitung profitabel auf eigenen Füßen stehen kann.“ Ein richtiges Management müsse aufgebaut und die Mitarbeiter geschult werden.

Doch so einfach ist das nicht, muss Paiva momentan fast täglich feststellen. Nach über 30 Jahren sozialistischer Planwirtschaft und kriegsbedingter Mangelverwaltung ist der Wunsch nach Veränderung bei vielen seiner Kollegen gering. Kleinlich wird um alte Vorrechte und Pfründe gestritten. Angst vor den Veränderungen, dem Unbekannten und Neuen bestimmen die Auseinandersetzungen. Vor den Chancen, die im Wandel liegen, verschließen die Bremser ihre Augen.

„Wir haben jetzt eine normale Marktwirtschaft. Diesen Herausforderungen müssen wir uns stellen“, hält Paiva ihnen entgegen. „Und wir haben eine Aufgabe: Wir müssen unsere Bürger informieren, über die Vorgänge in Politik und Wirtschaft, ihnen eine Chance geben, sich selbst ein Bild zu machen.“ Darin sind sich alle einig. Nur über den Weg zum Ziel herrscht in der die Zeitung leitenden Kooperative Unstimmigkeit.

„Wir machen doch einen guten Job bislang“, versucht António Freitas, Chefredakteur von „Agora“, die Gemüter zu beruhigen. Erst vor kurzem hätten sie einen Korruptionsskandal in der Regierung aufgedeckt. Und die sarkastische Berichterstattung über die Hochzeit der Tochter des Präsidenten, die satte vier Millionen US-Dollar verschlungen habe, sei auch prominent berichtet worden. Überhaupt, die Korruption. Erfolgreich das Thema wechselnd, stürzen sich die Bremser auf die ausufernde Korruption im Land.

Ob in der Öl- oder in der Diamaten-Industrie – die Regierung hat alles fest im Griff. Wohin die Gewinne verschwinden, darüber können auch die versammelten Journalisten nur Vermutungen anstellen. Doch der Verdacht liegt nahe, dass viel Geld in den Taschen von Regierungsmitgliedern endet, sind doch einige von ihnen gleichzeitig Direktoren der wichtigsten Firmen. Kein einziger Kwanza werde im Land verdient, ohne dass Bestechung und Korruption im Spiel wären. Dabei würden die Gelder, die über die Förderung und den Handel mit Öl und Diamanten ins Land kämen, dringend gebraucht.

„Es ist doch eine Schande, dass die gesamte Infrastruktur ein Jahr nach dem Friedens-Schluss noch immer komplett am Boden liegt“, schimpft Paiva. Augenscheinlich wird das schon in der Hauptstadt Luanda. Die Straßen sind in einem erbärmlichen Zustand. Müllabfuhr, Strom- und Wasserversorgung funktionieren nur sporadisch. Verschärft wird die Situation noch durch den Zulauf, den die Hauptstadt seit Ende des Bürgerkrieges erlebt. Die Zahl der Einwohner hat sich vervierfacht. Überall in der Stadt schießen kleine Siedlungen aus Bretterbunden aus dem Boden. Kein Strom, kein Wasser, keine sanitären Einrichtungen. Mindestens eine Million Menschen leben unter diesen unwürdigen Bedingungen. Und trotzdem werden es jeden Tag mehr.

„Es gibt kaum Arbeit auf dem Land, deswegen ziehen so viele hierher in die Stadt und hoffen, hier wenigstens ein paar Kwanzas verdienen zu können“, erläutert Paiva die Hintergründe. Auch darüber berichtet er in seiner Zeitung, schildert die Lebensumstände der Zuwanderer und deren täglichen Kampf ums Überleben.

Ein bisschen Genugtuung verschafft es ihm dann, wenn er nach Feierabend beim Bier an der Promenade sitzt und die „Bonzen“ beobachtet, die mit ihrem Mercedes mühsam die Schlaglöcher umkurven. „Wir werden es schaffen“, spricht er sich dann Mut zu, um sich am folgenden Tag wieder in den Kampf für seine Vision zu stürzen.

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Streda, 2003, júla 16
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erscheinungsort

Sankt Augustin Deutschland