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Frauen predigen Islam in Marokko

autori Jan Senkyr
Die ersten 50 Absolventinnen eines neuen Ausbildungskurses des Ministeriums für islamische Angelegenheiten werden demnächst in verschiedenen Moscheen Marokkos Muslimminen betreuen und Religionsunterricht erteilen. Sie werden neben 150 ausgebildeten jungen Imamen die neue Religionspolitik des Königsreichs im Lande vertreten. Es handelt sich um ein einmaliges Experiment, mit dem Ziel, fundamentalen Islamströmungen Einhalt zu gebieten und einen moderaten, traditionellen Islam marokkanischer Prägung in der Bevölkerung zu festigen.

Ähnlich wie in anderen arabischen Ländern hat auch in Marokko der Einfluss islamistischer Bewegungen und Parteien in den letzten Jahren zugenommen. Bei den Parlamentswahlen 2002 konnte sich die islamistische „Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung“ (Parti de la justice et du dévéloppemment, PJD) trotz eingeschränkter Teilnahme auf Anhieb als drittstärkste Kraft etablieren. Ihr politischer Einfluss hat bei den Kommunalwahlen 2003 weiter zugenommen und mittlerweile wird die PJD als potenzieller Sieger der nächsten Legislativwahlen im Jahr 2007 gehandelt. Die nicht zugelassene, aber tolerierte Bewegung „Gerechtigkeit und Wohltätigkeit“ (Al Adl wal Ihsane) ist besonders im universitären Bereich und unter den Auslandsmarokkanern stark vertreten. In der Illegalität und von den staatlichen Sicherheitsbehörden intensiv verfolgt operieren diverse radikale islamistische Gruppierungen, von denen einige auch in internationale Terrornetzwerke eingebunden sind.

Der Aufstieg des Islamismus in Marokko steht im Gegensatz zum Ansinnen König Mohammed VI., der sein Land modernisieren, politisch öffnen und an die Europäische Union heranführen möchte. Dazu gehört auch das Image Marokkos mit einem moderaten, toleranten Islam als Staatsreligion. Spätestens seit den Terroranschlägen vom Mai 2003 in Casablanca ist deutlich geworden, dass die staatliche Religionspolitik der vergangenen Jahrzehnte in dieser Hinsicht weitgehend versagt hat. Die als Mittel zur Eindämmung sozialistischer und marxistischer Tendenzen in den 70er und 80er Jahren geförderte Arabisierung und Islamisierung des öffentlichen Sektors und insbesondere des universitären Bereiches hat sich als Fehlentscheidung erwiesen. Etliche Aktivisten und Theoretiker der aktuellen Islamistenszene sind aus den islamtheologischen Fakultäten und Koranschulen des Landes hervorgegangen. Insbesondere der zunehmende Einfluss wahabbitischer Prediger aus dem Nahen Osten wird in Marokko mit Sorge wahrgenommen.

Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, ist auf Anweisung des Königs eine Reform der islamischen Angelegenheiten in Marokko eingeleitet worden. Dabei kann sich der Monarch auf seine traditionelle Funktion des „Amir Al Mouminin“, Anführer der Gläubigen in Marokko, berufen. Im Rahmen der Regierungsumbildung 2002 berief er den liberalen Historiker Ahmed Taufiq zum neuen Religionsminister und trug ihm die Umsetzung der erforderlichen Reformen auf. Ein wesentliches Anliegen ist es, die Hoheit des Staates über die ca. 35.000 Moscheen zurück zu gewinnen und die marokkanische Version des Islam mit ihrem moderaten, spirituellen Charakter (Einfluss des Soufismus) zu stärken. Zahlreiche illegale Moscheen wurden geschlossen und radikale Hetzprediger suspendiert. Seit zwei Jahren ist in dem vom König eingesetzten 16köpfigen Rat der Religionsgelehrten (Conseil Supérieur des Oulémas) erstmals auch eine Frau vertreten.

Zu den wichtigsten Erfolgen der Reformpolitik des Königs zählt das 2004 in Kraft getretene neue Familienrecht (Moudawana). Das über Jahre hinweg umstrittene Reformvorhaben hatte sich dank einer neuen Strategie des Königshauses umsetzen lassen. Letztendlich haben aber auch der Stimmungswandel in Bevölkerung nach den Terroranschlägen in Casablanca im Mai 2003 und der darauf folgende Rückgang des politischen Einflusses der islamistischen Opposition die Bereitschaft für Veränderungen gestärkt. Das bereits von der damaligen sozialistischen Regierung Youssoufi vorbereitete Reformpaket zur Änderung des Familienrechts wurde nach Massendemonstrationen der Islamisten in Casablanca im März 2000 zurückgezogen und einer vom König einberufenen Reformkommission zur Überarbeitung übergeben. Die Kommission, in der neben Religionsgelehrten, Juristen und Familienexperten auch Frauenrechtlerinnen vertreten waren, lieferte ihren Bericht im September 2003 an den König. Alle darin enthaltenen Empfehlungen sind mit Hinweisen und Zitaten aus dem Koran und islamische Schriften begründet. Im Oktober 2003 verkündete König Mohammed VI. die Richtlinien für die Reform des Familienrechtes („Moudawana“), die eine wesentliche Verbesserung der Position der Frau bedeutet. Die Revision des aus dem Jahr 1957 stammenden Familienrechts sieht im Prinzip gleiche Rechte und Pflichten für beide Ehepartner vor. Die umstrittene Polygamie wird zwar nicht gesetzlich abgeschafft, aber durch neue Regelungen stark eingeschränkt. Die Frau kann im Heiratsvertrag die Polygamie ausschließen, muss in jedem Fall ihr Einverständnis dazu geben und kann die Scheidung verlangen, falls der Gatte ihr Recht nicht respektiert. Die auf dem Gewohnheitsrecht basierende Verstoßung der Frau durch den Mann wird einem richterlichen Vorentscheid unterstellt, der die Ansprüche der Frau anerkennen muss. Das eigene Recht einer Frau auf Scheidung bei Verfehlungen des Gatten wird anerkannt und die Möglichkeit der Scheidung im beidseitigen Einvernehmen eingeführt. Zu Gunsten der Frau neugeregelt werden das Sorgerecht für die Kinder sowie die Teilung des gemeinsamen Eigentums im Scheidungsfall. Das Heiratsalter für die Frau wird von 15 auf 18 Jahre – wie für die Männer – hinaufgesetzt. Der den Richtlinien entsprechende Gesetzesentwurf wurde vom Justizministerium innerhalb von 10 Tagen geliefert und in Rekordzeit vom Parlament beraten, so dass das neue Gesetz im Februar 2004 in Kraft treten konnte.

Die im Frühjahr 2005 an der Theologischen Fakultät „Dar al-Hadidh al Hassania“ in Rabat begonnene staatliche Ausbildung von jungen Männern und Frauen zu Predigern (Imame) und Religionslehrerinnen (Morchidates) ist ein weiterer wichtiger Schritt zur Umsetzung der neuen Religionspolitik. Die 150 Männer und 50 Frauen, die im Mai 2006 ihr Diplom erhielten, wurden nach einem strengen Auswahlverfahren aus über 500 Bewerbern rekrutiert. Es handelt sich um Absolventen diverser Studiengänge (Altersgrenze: 45 Jahre), vor allem theologischer und islamwissenschaftlicher Richtungen, aber auch Natur-, Rechts- oder Wirtschaftswissenschaftler(-innen). Die Männer werden als Imame an den Moscheen eingesetzt und auch selbst neue Imame ausbilden. Die Aufgabe der Frauen wird neben dem Erteilen von Religionsunterricht an den Moscheen auch die Beratung und Betreuung von Frauen in religiösen Fragen sowie in Angelegenheiten und Problemen des alltäglichen Lebens sein. Das Studienprogramm umfasst außer dem Koranstudium auch Disziplinen wie Soziologie, Methoden der Kommunikation, Psychologie, Sprachen, und Informatik. Dies soll die Absolventen dazu befähigen, ein enges Netzwerk an sozialen Kontakten aufzubauen und über dieses die Prinzipien einer modernen, offenen Religionsinterpretation zu vermitteln. Für den nächsten Ausbildungskurs im Jahr 2006/7 ist das Auswahlverfahren bereits im vollen Gange. Um möglichst viele hochqualifizierte und begabte Adepten für den Lehrkurs anzulocken, wird vom Ministerium ein monatliches Stipendium von umgerechnet knapp 200 Euro gewährleistet, ein für marokkanische Verhältnisse lukratives Angebot.

Ob es dem Königreich gelingen kann, die Interpretation des Islam im Lande zu kontrollieren, wird abzuwarten sein. Das Angebot und der Einfluss ausländischer Islamströmungen ist enorm und über moderne Kommunikationswege, wie Satellitenfernsehen und Internet, jedem leicht zugänglich. Der Staat versucht mit der Entwicklung Schritt zu halten: Es gibt einen eigenen religiösen Radiosender „Radio Coranique Mohammed VI.“, eine analoge TV-Sendung ist in Vorbereitung und künftig sollen sogar Muslime mit Religionsgelehrten per Chat im Internet an 1000 wichtigen Moscheen Marokkos kommunizieren können.

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Dr. Helmut Reifeld

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erscheinungsort

Marokko Marokko