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Internationale Buchmesse in Kairo im Zeichen der Zensur

autori Reiner Biegel †
Die Internationale Buchmesse in Kairo wird wieder einmal von einer Zensur überschattet. Der Kulturminister wird sowohl von islamistiachen als auch von linken und liberalen Gruppierungen kritisiert.

Die internationale Buchmesse in Kairo ist eine der größten Buchmessen der Welt. Jedes Jahr präsentieren Verlage aus aller Welt ihre Erzeugnisse in der Metropole am Nil. Die diesjährige Buchmesse steht aber ganz im Zeichen der Zensur. Drei Bücher von ägyptischen Schriftstellern sowie zwei Bände des arabischen Klassikers Abu Nawas aus dem 9. Jahrhundert wurden kurzfristig auf den Index gesetzt. Wieder einmal ist der ägyptische Kulturminister Faruk Hosni ins Fadenkreuz der Kritik islamistischer Eiferer sowie linker und liberaler Intellektueller geraten.

Kulturminister Hosni bleibt umstritten

Der ägyptische Kulturminister und Maler Faruk Hosni hat ein schweres Amt. Jetzt ist er wieder in die Kritik ganz unterschiedlicher Seiten geraten. Ins Rollen gebracht hat die Affäre ein neu gewählter unabhängiger Abgeordneter, Gamal Heshmat. Er ist einer von 17 Abgeordneten in der ägyptischen Nationalversammlung, der der Muslimbruderschaft angehört. Diese ist zwar offiziell verboten, schickte aber bei den Parlamentswahlen vom Oktober und November letzten Jahres 75 Kandidaten als Unabhängige ins Rennen.

Am 2. Januar 2001 richtete er im Parlament eine Anfrage an den amtierenden Kulturminister die sich auf einige Bücher bezog, die von einer Unterorganisation seines Ministeriums, der "General Authority for Cultural Palaces", verlegt wurden. Diese Bücher, so der Abgeordnete Heshmat, würden aufs Gröbste den "allgemeinen Anstand verletzen und nicht mit den vorherrschenden Sitten übereinstimmen". Die Anfrage bezog sich auf drei Bücher, die vom Ministerium in ihrer monatlich erscheinenden Reihe "Literarische Stimmen" veröffentlicht werden sollten. Innerhalb von zwei Tagen nach der Anfrage ordnete der Kulturminister eine Untersuchung an. Wiederum zwei Tage später feuerte Ministerpräsident Atef Ebeid persönlich den früheren Filmzensor Ali Abu Shadi von seinem Posten als Chef der General Authority. Gleichzeitig mit dem Erlass wurde weiteren Verantwortlichen der Behörde fristlos gekündigt.

Abu Shadi ist das letzte Opfer einer Krise, die bereits im Mai letzten Jahres offen ausgebrochen war. Damals hatten Studenten der renommierten Al-Azhar-Universität massenhaft gegen die Entscheidung der Kulturbehörde demonstriert, den Roman "Ein Bankett von Seegras" des syrischen Schriftstellers Haidar Haidar wieder aufzulegen. Es kam zu gewaltsamen Ausschreitungen zwischen Studenten und Sicherheitskräften. Kulturminister Hosni ließ darauf die Veröffentlichung des Buches zurückziehen. Der Protest endete mit der Verhaftung mehrere Studenten und dem vorläufigen Einfrieren der Aktivitäten der islamistisch orientierten Arbeitspartei, die in ihrem Parteiorgan Al-Shaab die Hetzjagd auf den Autor und sein Buch eröffnet hatte. Das Parteiblatt ist bis heute verboten. Schon damals entließ Hosni mehrere Lektoren, die das Buch ebenfalls in einer von der Kulturbehörde verantworteten Reihe verlegen wollten.

Die jetzige schnelle Reaktion des Kulturministers kam für viele Kenner der ägyptischen Kulturszene dennoch überraschend. Kritiker aus dem linken Lager werfen ihm jetzt vor, er habe in vorauseilendem Gehorsam gehandelt, um die Kritik der Muslimbrüder im Keim zu ersticken. Er habe sich damit zum Handlanger der unduldsamen Islamisten gemacht, anstatt die Freiheit des Wortes zu verteidigen, lautet die unverhohlen geäußerte Kritik von Journalisten und Intellektuellen. Die Abgeordneten der Muslimbruderschaft sind denn auch mit der Handlungsweise des Ministers zufrieden: "Die Organisation (gemeint sind die Muslimbrüder) drückte die Meinung des Mannes auf der Straße aus, der sehr entrüstet über die Offiziellen ist wegen der Veröffentlichung des Banketts von Seegras und anderer Romane, die den Islam verunglimpfen", so die Ansicht von Essam Al-Eryan, einem prominenten Mitglied der Muslimbrüder und früheren Abgeordneten. "Wir sind nicht gegen die Meinungsfreiheit, aber wir sind gegen Werke, die die Religion beleidigen und mit dem Geld des Volkes veröffentlicht und zu Spottpreisen verkauft werden, so dass sie jeder erwerben kann", kommentierte Al-Eryan weiter.

Aus Protest gegen die ihrer Meinung nach völlig überzogene Vorgehensweise des Ministers traten einige prominente Schriftsteller von ihren Lektorenposten in der Kulturbehörde zurück. Der prominente Autor Ibrahim Abdel Meguid kommentierte seinen Rücktritt so: "Intellektuelle sind nun völlig verwirrt und es gibt ein großes Maß an Unzufriedenheit. Unter den Intellektuellen herrscht der Eindruck vor, dass Literatur und Autoren permanent in einen Hinterhalt gelockt werden". Ein Schriftsteller wurde am Flughafen Kairo von Sicherheitskräften an seiner Ausreise gehindert und steht jetzt unter Anklage.

Sexualität als Tabuthema

Stein des Anstoßes sind in den drei indizierten Romanen Passagen, die als sexuell anstößig gelten. Die Literaturprofessorin Ferial Ghazoul kommt in einem Artikel der Wochenzeitung "Al-Ahram Weekly" zu dem Schluss, dass die Romane allesamt experimentell seien. Die Autoren seien dabei unterschiedlich erfolgreich. Auf keinen Fall seien die Werke aber pornografisch, die Szenen mit sexuellem Inhalt minimal und künstlerisch sinnvoll. Einer der betroffenen Autoren, Tawfiq Abdel Rahman, erklärt in der gleichen Ausgabe, in seinem Roman seien von insgesamt 185 Seiten gerade mal zwei oder drei Zeilen herausgegriffen und beanstandet worden. Die Tatsache, dass dem Autor Mahmud Hamid für den jetzt inkriminierten Teil seines Romans vom Kulturminister ein Literaturpreis verliehen worden war, wird von den Kennern der Literaturszene als Gipfel der Ironie angesehen.

Der Sinneswandel des Kulturministers wird von liberalen Intellektuellen mit der seit den letzten Parlamentswahlen neuen Zusammensetzung der ägyptischen Nationalversammlung und dem veränderten politischen Klima begründet. Die islamistischen Muslimbrüder sind mit 17 Abgeordneten stärkste Oppositionskraft geworden. Nicht nur seit ihrem Einzug ins neue Parlament zwingen sie offensichtlich die Regierung zu einem Spagat. Auf der einen Seite bekämpft die Staatsmacht die Muslimbrüder rigoros und schickt sie massenhaft hinter Gittern. Auf der anderen Seite macht sich die Regierung die Argumente der Muslimbrüder zu eigen, wenn es um Fragen geht, die Religion und Moral betreffen.

Sexualität ist für die große Mehrheit der Ägypter ein heikles Thema. Hier könnten die Muslimbrüder am besten testen , wie weit sie mit ihren Forderungen gegenüber der Regierung gehen könnten, meint dazu der koptische Publizist und Professor Milad Hanna.

Jetzt trifft es auch einen Klassiker der arabischen Literatur. Die Kulturbehörde will auch die Werke der klassischen arabischen Literatur öffentlich zugänglich machen, hat jetzt aber zwei Bände einer geplanten Gesamtausgabe wegen anstößiger Passagen zurückgezogen. Abu Nawas (arab. "Vater der Haarlocke") war der Beiname des Dichters Al-Hassan Ben Hani, der etwa 810 in Bagdad starb. Er ist für seine Derbheiten, Lästerlichkeiten und Zoten bekannt. Gleichzeitig sind einige seiner Gedichte Unterrichtsstoff in den ägyptischen Schulen.

Veranstaltungen rund um die Buchmesse im Zeichen der Krise

Mehrere ägyptische Schriftsteller haben geplante Dichterlesungen und Diskussionsrunden, die rund um die Kairener Buchmesse stattfinden sollten, abgesagt. Diejenigen, die trotzdem an derartigen Veranstaltungen teilnehmen, äußern sich vorsichtig. Auch ausländische Kulturinstitute bekommen dies zu spüren. Das Klima der Veranstaltungen ist von Angst geprägt. In einem erst vor einigen Monaten wieder eröffneten traditionsreichen Literatencafé in der Kairener Neustadt ist der alte Geist noch nicht zurückgekehrt. Die Stammgäste bleiben noch aus. Wo in den 60er und 70er Jahren der ägyptische Literaturnobelpreisträger Naguib Mahfus täglich seinen Kaffee trank, darf jetzt zwar wieder über Literatur diskutiert werden, die Politik muss aber draußen bleiben.

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erscheinungsort

Sankt Augustin Deutschland