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Zeitungsverlag Waiblingen gewinnt den Deutschen Lokaljournalistenpreis 2021

Der „Oscar“ für Lokaljournalistinnen und -journalisten

Die Konrad-Adenauer-Stiftung vergibt den Deutschen Lokaljournalistenpreis Jahrgang 2021 an den Zeitungsverlag Waiblingen für seine umfangreiche und fundierte Berichterstattung zur Querdenker-Szene in der Region Stuttgart. Redakteur Alexander Roth hatte die im Frühjahr 2020 gegründete Gruppe von Anfang an beobachtet und begleitet, um herauszufinden, wer sich bei den Protesten traf. Seine Recherchen ergaben: Die Bewegung war vom ersten Tag an von rechtspopulistischen und rechtsextremen Kräften unterwandert – wenn nicht sogar initiiert. In den Reihen der Protestler tummelten sich Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker, Hetzer. Alexander Roth widmete sich der Aufgabe, die Strukturen, Ziele und Folgen hinter den Protesten aufzudecken – und ließ sich auch von Einschüchterungsversuchen bis hin zu Morddrohungen nicht abschrecken. 

 

In der Jurybegründung heißt es dazu: „Alexander Roth ist dank der intensiven und weit über die Stuttgarter Region hinausgehenden Recherchetätigkeit eine herausragende Dokumentation der Querdenkerbewegung, ihrer Strukturen und Ziele gelungen. Er ordnet die Fakten ein, macht Hintergründe deutlich und legt Verbindungen zwischen den führenden Köpfen der antidemokratischen Bewegung in den einzelnen Bundesländern offen.“ Die „mutige und vor allem gesellschaftlich extrem relevante Berichterstattung“ werde bis heute fortgesetzt.

 

Zweiter Preisträger ist die Alfelder Zeitung mit einer investigativen Recherche von Lokalredakteur Marco Althaus zum unter dubiosen Umständen erworbenen Doktortitel des damaligen, mittlerweile zurückgetretenen Hildesheimer Landrats. „Eine irre Geschichte, von der ohne aktive und unabhängig tätige Lokaljournalisten vor Ort wohl niemand je erfahren hätte“, lobt die Jury. „Doch damit solche Beiträge letztlich tatsächlich veröffentlicht werden, bedarf es eben auch eines Journalisten wie Marco Althaus, der neugierig ist, Distanz zu den Mächtigen im Verbreitungsgebiet wahrt, Hartnäckigkeit beweist, Rückendeckung durch die Redaktion erhält und ein gutes Handwerk beherrscht.“ 

 

Der dritte Preis wurde dem Bonner Generalanzeiger für seine herausragende Berichterstattung zur Flutkatastrophe im Juli 2021, die in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen über 180 Todesopfer gefordert hatte, zuerkannt. Die Jury hat sich unter den vielen guten Einsendungen zu diesem Thema für den Bonner Generalanzeiger entschieden, weil er „eine konzeptionell durchdachte Arbeit über alle Ausspielkanäle hinweg“ ablieferte und „mit Teamleistung und Innovation“ überzeugte. Zudem sei es der Zeitung beispielhaft gelungen, „die Flut-Berichterstattung mit Videos und Podcasts ins Digitale zu verlängern“.

 

Der Volontärspreis geht an Nina Breher vom Tagesspiegel, die für eine Reportage einen Essenskurier in Berlin begleitet hatte. „Die Autorin beschreibt die Parallelwelten der Großstadt zwischen edlen Lobbys und dreckigen Hinterhöfen“, befand die Jury; entstanden sei eine Geschichte, „die für sich steht und zugleich die generellen Probleme dieser Boom-Branche und unserer Gesellschaft insgesamt aufzeigt“.

 

Der Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung, Prof. Dr. Norbert Lammert, erklärt dazu: „Der erneut ausgesprochen starke Wettbewerbsjahrgang 2021 zeigt mit seinen vielfältigen Themen und Herangehensweisen, dass guter, unabhängiger Lokaljournalismus unersetzlich ist für unsere Gesellschaft und unser Gemeinwesen. Die Lokalzeitung vor Ort sichert Information und Teilhabe, sie schafft Verbundenheit und hat eine wichtige Kontrollfunktion. Das ist eine Errungenschaft unserer Medienlandschaft, die es zu bewahren gilt.“

 

Zum Wettbewerb gab es insgesamt 348 Einsendungen aus dem Jahr 2021.

 

Von den 310 Einsendungen zum allgemeinen Wettbewerb waren außer den Preisträgern noch folgende Arbeiten in die Endauswahl gelangt: die Frankfurter Rundschau, die den Vater eines beim Anschlag in Hanau Ermordeten einfühlsam begleitet hat; der Kölner Stadt-Anzeiger für seinen „Schul-Check“, mit dem die Qualität des digitalen Lernens verbessert werden sollte; die Süddeutsche Zeitung mit einem innovativen und aufwändigen Storytelling über Münchens größten Drogenskandal; die Elbe-Jeetzel-Zeitung für ihre neuen Wege in der Kommunalwahl-Berichterstattung in Zeiten der Pandemie; die Hannoversche Allgemeine Zeitung, die sich in der Reihe „Wie reden wir miteinander?“ mit Alltagsrassismus, Gendern und der Frage, wie wir miteinander umgehen, beschäftigte; der Nordkurier, der sich in einer achtteiligen Serie niedrigen Löhnen, geringen Renten und programmierter Altersarmut widmete; der Weser-Kurier, bei dem sich der Chefreporter einen Monat lang in einen Kiosk stellte und den Kunden ihre Geschichten entlockte; die Märkische Allgemeine Zeitung, die multimedial militärische Brachflächen im brandenburgischen Kreis Teltow-Fläming vorstellte; die Rheinische Post, die mit einem datenjournalistischen Ansatz sichtbar machte, wieviele Waffen es in Nordrhein-Westfalen gibt – und wer die Menschen dahinter sind; die Neue Presse Hannover, die anlässlich des 75. Geburtstages des Landeskriminalamts einen spannenden multimedialen Einblick hinter die Kulissen ermöglichte.    

 

Von den 38 Einsendungen zum Volontärswettbewerb erreichten zusätzlich zum Preisträger-Projekt die Endauswahl: zwölf Volontärinnen und Volontäre von Märkischer Oderzeitung und Lausitzer Rundschau mit ihrer multimedialen Berichterstattung über Brandenburg im Klimawandel; elf Volontärinnen und Volontäre der Mitteldeutschen Zeitung mit einem crossmedialen Projekt über die fünf menschlichen Sinne.

 

Die Preise sollen voraussichtlich am 17. Oktober 2022 verliehen werden. Über den Ort werden wir rechtzeitig informieren. Weitere Informationen zum Deutschen Lokaljournalistenpreis gibt es hier

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