Ein grüner Schleier zieht über den Himmel. Zwanzig Stipendiatinnen und Stipendiaten stehen in Lappland und schauen fasziniert auf die Polarlichter. Doch unser Seminarthema liegt tiefer und höher zugleich: 540 Meter unter Tage in der Eisenerzmine von LKAB und wenig später am Raumfahrtbahnhof Esrange. Beim KAS-Initiativseminar „Hightech im Polarkreis: Seltene Erden und Raumfahrt“ haben wir in Kiruna und Stockholm nachgeforscht, wie Europa Rohstoffe sichern und den Zugang zum All behalten kann.
Etwa ein Viertel der Einwohner Kirunas arbeitet in der weltgrößten Eisenerzmine. Täglich fördern die Anlagen rund 65.000 Tonnen, und selbst nach der Einfahrt in den Stollen lassen sich die Dimensionen kaum fassen. Über Tage zieht die Stadt nach Westen um. Ganze Viertel liegen in der Deformationszone, dort senkt sich der Boden durch den Abbau und Gebäude geraten in Gefahr. Bei einer Stadtrallye entlang der Umzugsstrecke der Stadtkirche wurde der Wandel greifbar.
Kiruna denkt aber schon über das Eisenerz hinaus. Nur wenige Kilometer entfernt liegt das größte bekannte Vorkommen Seltener Erden in Europa. Bis dort tatsächlich gefördert wird, dürfte es dauern. Wegen langer Genehmigungsverfahren rechnet man mit dem Start erst in zehn bis 15 Jahren.
Die Raumfahrt ist Kirunas zweites Hightech-Standbein. Professor René Laufer von der Universität Luleå berichtete über den stetig steigenden Bedarf an kleineren, erdnahen Satelliten. Den europäischen „Access to Space“ werden kleinere Trägerraketen und häufigere Starts liefern. Unweit von Kiruna liegt mit dem „Esrange Space Center“ der einzige Raumfahrtbahnhof auf dem EU-Festland. Beim Besuch machte sich Zuversicht breit, dass Start-ups wie „Isar Aerospace“ zukünftig hier ihre Mission beginnen könnten.
Auch in Stockholm bestätigte sich unser Eindruck, dass Europa bei strategischer Autonomie vorankommt. Die Deutsche Botschaft in Stockholm priorisiert die Raumfahrt in ihrer Wirtschaftsagenda. Der Besuch bei der Außenhandelskammer verdeutlichte uns aber, dass Deutschland mehr Geschwindigkeit und größere Finanzierungsrunden für seine Start-ups benötigt. Zum Abschluss zeigten Vertreter der Europäischen Kommission, wie EU-Programme im All Europas Resilienz stärken und den eigenen Zugang zum Weltraum absichern sollen.
Unser Fazit: Europa kann bei Raumfahrt und Rohstoffen unabhängiger werden. Ob daraus echte strategische Autonomie erwächst, entscheidet sich jetzt. Politik und Verwaltung müssen Verfahren beschleunigen, und Staat wie Wirtschaft müssen bereit sein, groß zu investieren.
Ein Seminarbericht der Stipendiatinnen und Stipendiaten: Lukas Träger, Lukas Thiesen, Jana Gleim, Henry Krenzer und Filiz Mert; Teilnehmende des KAS-Initiativseminars "Hightech im Polarkreis. Seltene Erden und Raumfahrt" vom 03. – 07. Februar 2026
Leitung: Dr. Christoph von Hehl
Über diese Reihe
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