Im Jahr 2025 erreichte die Geburtenrate in Deutschland mit durchschnittlich 1,32 Kindern je Frau einen historischen Tiefstand und folgt damit dem Trend der meisten Industrieländer. Vor diesem Hintergrund haben zahlreiche Staaten ihre Familienpolitik in den letzten Jahren ausgeweitet. Selbst Länder mit gut ausgebauter Kinderbetreuung, hoher Erwerbsbeteiligung von Frauen und großzügigen Familienleistungen wie die nordischen Länder und Frankreich verzeichnen jedoch sinkende Geburtenraten.
Der seit 2021 beobachtete Geburtenrückgang in Deutschland wird unter anderem mit vorgezogenen Schwangerschaften im ersten Corona-Pandemiejahr und einer anschließenden Fortsetzung des bisherigen Abwärtstrends erklärt. Als langfristige Ursache gilt ein gesellschaftlicher Wertewandel, der im Zusammenhang mit der zunehmenden Gleichstellung der Geschlechter und der Einführung der Anti-Baby-Pille steht und seit den 1970er Jahren zu einer Abkehr vom früheren Leitbild kinderreicher Familien beigetragen hat. Hinzu kommen Individualisierungs- und Vereinzelungstendenzen, die mit rückläufiger Paarbildung und weniger Eheschließungen einhergehen.
In Deutschland gelten Kinderwunsch und Familiengründung als hochpersönliche Lebensentscheidungen, die sich der staatlichen Einmischung im Sinne der im Grundgesetz verankerten, freien Selbstentfaltung weitgehend entziehen. Die Forschung zeigt aber auch, dass gesellschaftliche Rahmenbedingungen Geburtenverhalten beeinflussen. Die Geburtenrate sinkt, obwohl die gewünschte Kinderzahl der Deutschen mit durchschnittlich 1,75 Kindern seit 2021 stabil geblieben ist. Demografie-Forschersprechen daher von einem „Fertility-Gap“. Zu der Lücke zwischen gewünschter und realisierter Kinderzahl trägt einerseits bei, dass die altersabhängige Abnahme der Fertilität häufig unterschätzt, die Realisierung von Kinderwünschen verschoben und später aufgrund nachlassender Fertilität nicht mehr nachgeholt wird. Andererseits werden Geburten nicht realisiert, weil junge Erwachsene die Vereinbarkeit von Familie und Karriere, aber auch unsichere Zukunftsaussichten als herausfordernd erleben. Für potenzielle Eltern rücken zunehmend krisenbedingte Zukunftsängste, finanzielle und berufliche Unsicherheiten, eine mangelnde Planbarkeit der Lebensgestaltung sowie steigende Wohn- und Lebenshaltungskosten in den Fokus.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche Bedarfe junge Menschen bei ihrer Familienplanung haben und welche politischen Maßnahmen die Realisierung von Kinderwünschen unterstützen können. Familienpolitik kann den Trend sinkender Geburtenraten nicht umkehren, aber dazu beitragen, Hürden für Elternschaft abzubauen. Internationale Erfahrungen können dabei Impulse für eine bedarfsgerechte Weiterentwicklung familienpolitischer Instrumente liefern.
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Sobre esta serie
La serie informa de forma concentrada sobre las posiciones importantes de la Fundación Konrad Adenauer en temas de actualidad. Los números individuales presentan las principales conclusiones y recomendaciones, ofrecen breves análisis, explican los planes futuros de la Fundación y nombran a las personas de contacto de la KAS.