Ein Grenzraum von wachsender sicherheitspolitischer Bedeutung
Die Ausbreitung dschihadistischer Gruppen in Westafrika erfasst auch Grenzräume, die bislang vergleichsweise wenig untersucht wurden. Der Südwesten Malis und die angrenzenden Gebiete Guineas gewinnen dabei für die regionale Sicherheit an Bedeutung. Eine vom Regionalprogramm Sicherheitspolitischer Dialog Westafrika der Konrad-Adenauer-Stiftung veröffentlichte Studie untersucht die Verankerung der Gruppierung Jama’at Nusrat al-Islam wal-Muslimin (JNIM) und das Risiko einer neuen Front. Durchgeführt wurde die Untersuchung von der Forschungsorganisation Sentinelle Internationale Contre le Terrorisme et la Criminalité Organisée (SITOC).
Die Analyse stützt sich auf qualitative Feldforschung im Juni und Juli 2026 im Südwesten Malis und in Oberguinea. Insgesamt wurden 68 Personen konsultiert, darunter lokale Verantwortungsträger, Vertreter der Zivilgesellschaft, Akteure des Sicherheitssektors sowie Personen aus dem Goldbergbau und der mobilen Viehhaltung. Ihre Aussagen geben Einblick in das Zusammenspiel von Sicherheitsdynamiken, wirtschaftlichen Interessen und gesellschaftlichen Beziehungen.
Wie JNIM seine lokale Verankerung ausbaut
Die Studie beschreibt ein schrittweises Vorgehen des JNIM, das verdeckte Infiltration, die Nutzung von Waldgebieten als Rückzugsräume, den Aufbau lokaler Netzwerke und die Ausübung von Zwang verbindet. Goldabbaustätten, Viehtriebkorridore und Handelswege bieten der Gruppierung Möglichkeiten zur Mobilität, Finanzierung und Einflussnahme. Besondere Bedeutung haben dabei die Verkehrsverbindungen zwischen Bamako, der guineischen Grenze und dem Hafen von Conakry.
Zugleich nutzt JNIM lokale Landkonflikte, Spannungen um Ressourcen sowie den unzureichenden Zugang zu Justiz und öffentlichen Dienstleistungen aus. Goldbergbau und mobile Viehhaltung sind dabei keine eigenständigen Ursachen von Radikalisierung. Ansatzpunkte für die Gruppierung entstehen vielmehr dort, wo staatliche und gesellschaftliche Regelungsmechanismen fehlen oder an Akzeptanz verlieren.
Risiken einordnen und Prävention stärken
Der Bericht unterscheidet ausdrücklich zwischen der Anwesenheit von Kämpfern, dauerhaft etablierten Netzwerken und territorialer Kontrolle. Während die erhobenen Daten die Verankerung des JNIM im Südwesten Malis stützen, reichen die Hinweise auf Infiltration und die Nutzung einzelner guineischer Grenzgebiete nicht aus, um eine territoriale Kontrolle oder eine organisierte bewaffnete Front in Guinea festzustellen.
Die Studie empfiehlt deshalb eine dauerhafte bilaterale Zusammenarbeit bei Informationsaustausch und Frühwarnung, einen besseren Schutz der Bevölkerung und die Stärkung ziviler staatlicher Strukturen. Hinzu kommen die Vermittlung bei Land- und Weidekonflikten sowie inklusive lokale Frühwarnmechanismen. Mit dieser Veröffentlichung fördert SIPODI den Austausch zwischen politischen Entscheidungsträgern, Wissenschaft, Sicherheitsakteuren und Zivilgesellschaft über wirksame Antworten auf grenzüberschreitende Bedrohungen in Westafrika.
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