Der Zeitzeuge erzählte von seiner Verhaftung und der anschließenden Haftzeit, die insgesamt zwei Jahre und acht Monate dauerte. Er verdeutlichte, welche persönlichen Opfer die politische Unterdrückung mit sich brachte. Für ihn bedeutete Politik vor allem Freiheit. Ohne sie sei echte Politik nicht denkbar. In diesem Zusammenhang erwähnte er sein Gedicht, das seine Auseinandersetzung mit dem Totalitarismus ausdrückt, mit dem Vers: „Ich bin den Mauern herangewachsen und trage ihre Muster“.
Thieme berichtete auch von seiner Kindheit. Sein Vater war Pastor und ein klarer Gegner des DDR-Regimes, was ihn von klein auf prägte. Er erklärte, dass die DDR der einzige Staat gewesen sei, der eine Mauer baute, um die eigenen Bürger einzusperren, statt sie vor Gefahren von außen zu schützen. Von den rund 17 Millionen Einwohnern flohen etwa 4 Millionen Menschen, darunter viele gut ausgebildete Fachkräfte und Akademiker wie Professoren.
Schon als Kind machte er erste Erfahrungen mit dem Widerstand. Er weigerte sich, den Pioniergruß zu machen, welches seine erste Form des stillen Protestes gegen die SED war. In der vierten Klasse wurden die Kinder von Männern mit Uniformen gefragt, wer regelmäßig die Kirche besucht. Die Hälfte der Klasse musste daraufhin ein Dokument unterschreiben, mit dem sie der Pionierorganisation zugeordnet wurden. Diese Erfahrung empfand er als absurd und belastend.
Er sprach zudem über den Druck zur Mitgliedschaft in der Pionierorganisation. Auch strenge Kleidervorschriften an den Schulen führten oft zu Konflikten: Mädchen durften keine Röcke tragen, die über dem Knie endeten, und Jungen keine langen Haare haben. Trotz des Drucks entstand unter den Jugendlichen eine eigene Kultur des stillen Widerstands. Viele trugen verbotene Jeans, Nietengürtel oder kurze Röcke aus dem Westen. Als ein Lehrer darauf verärgert reagierte und die Schüler nach Hause schickte, mussten sie sich am Ende doch wieder anpassen, um ihren Schulabschluss nicht zu gefährden.
Der Alltag war zudem durch die ständige Präsenz sowjetischer Panzer und Kampfflugzeuge in der DDR geprägt. Freunde des Zeitzeugen, mit denen er eine Rockband gegründet hatte, versuchten später, aus der DDR zu fliehen. Sie wurden jedoch gefasst und zu jeweils dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.
In der anschließenden Fragerunde antwortete der Zeitzeuge offen und mit Humor. Auf die Frage, ob es auch schöne Erlebnisse in der DDR gab, berichtete er von der Freude am Musizieren in seiner Band, von begeisterten Fans, einem festen Freundeskreis und engagierten Eltern. Er sprach außerdem über seine Wehrpflicht mit 18 Jahren und über den Englischunterricht, der Thieme zufolge fünf Jahre lang wegen der Dauerkrankheit des Lehrers ausgefallen ist.
Insgesamt bot die Veranstaltung den Schülerinnen und Schülern einen tiefen Einblick in das Leben unter einem totalitären System und machte die Bedeutung von Freiheit, Widerstand und persönlichem Mut auf eindrucksvolle Weise erlebbar.
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Politisches Bildungsforum BremenSobre esta serie
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