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Notas de acontecimientos

Hi, Ai. Liebesgeschichten aus der Zukunft

Filmvorführung und Gespräch

Ein Leben mit humanoiden Robotern an unserer Seite – als täglicher Begleiter und Gesprächspartner. Das klingt für die meisten von uns noch immer wie Zukunftsmusik direkt aus einem Science Fiction Film mit wenig Bezug zu der Realität unseres Alltags. Deswegen ist es auch leicht Isa Willingers im März 2019 erschienenen Film als fiktionale Zukunftsvision zu verkennen. Doch Willingers Film ist ein Dokumentarfilm und begleitet somit in der Gegenwart Menschen, die solch humanoide Roboter tatsächlich in ihren Alltag aufgenommen haben und mit ihnen im Laufe der Dreharbeiten des Dokumentarfilmes eine Bindung aufbauen.
Isa Willinger war am 23. Oktober 2019 zu Gast in der Friedrich-Schiller-Universität Jena um im Rahmen der Veranstaltung „Hi, Ai. Liebesgeschichten aus der Zukunft“ des Politischen Bildungsforums Thüringen der Konrad-Adenauer-Stiftung ihren neuen Film vorzustellen und zu diskutieren. Nach einer Begrüßungsrede durch Daniel Braun, den kommissarischen Leiter des Politischen Bildungsforums, wird der 90-minütige Film abgespielt. Darin lernen die Zuschauer den Texaner Chuck kennen, der den Sex-Roboter Harmony von ihrem Entwickler abholt und mit ihr einen Road Trip startet, und folgen auch den Geschehnissen in einer japanischen Familie, die sich den kleinen Roboter Pepper nachhause holt damit die Großmutter der Familie geistig fit bleibt. Was folgt sind viele Versuche von Chuck und der japanischen Großmutter mit ihren Robotern ins Gespräch zu kommen. Das erweist sich allerdings oft als schwieriger als gedacht, den die Kommunikation mit Robotern ist anders als mit Menschen und führt oftmals zu geradezu absurden Konversationsverläufen, welche Chuck, die Großmutter und auch die Zuschauer schmunzeln lassen. Obwohl die zwei Haupthandlungsstränge rund um Chuck und Harmony beziehungsweise Oma und Pepper den Großteil des Filmes einnehmen, porträtiert Willinger auch andere Arten von KI Robotern, die zum Beispiel in japanischen Kaufhäusern, Hotellobbys und Universitäten zu finden sind. Durch ihren bildgewaltigen und einfühlsamen Film porträtiert Willinger das erste Aufeinandertreffen und die ersten Annäherungsversuche zwischen Mensch und Maschine sehr eindrucksvoll.
 

Willingers Dokumentarfilm setzt statt auf Experteninterviews und erklärende Off-Kommentare auf futuristisch anmutende Bilder und cineastische Kameraführung und Handlungsstrukturen, die mehr an einen Spielfilm als an einen Dokumentarfilm erinnern. Somit war es nicht verwunderlich, dass nach der Filmvorführung eine der ersten Publikumsfragen daran interessiert war ob die Roboter und die Menschen in dem Film sich nach einem Skript verhielten oder ob der Film tatsächlich nur dokumentiert anstatt inszeniert. Willinger stellte daraufhin klar, dass es sich bei „Hi, Ai“ um einen Dokumentarfilm handelt und somit die Menschen in dem Film keine Schauspieler sind und den Robotern auch nicht einprogrammiert wurde was sie sagen sollen. Willinger begleitete schlichtweg echte Menschen, die mit Robotern zusammenleben wollen beim Kennenlernen der Roboter mit der Kamera.
Ein anderer Zuschauer merkte an, dass für ihn die Welt auch ohne künstliche Intelligenz und humanoide Roboter gut funktioniere und fragte warum man traditionell menschliche Rollen und Arbeiten überhaupt durch solche Roboter ersetzen sollte. Laut Willinger handelt es sich hierbei jedoch nicht um die Frage ob wir wollen, dass künstliche Intelligenz Teil unseres Alltags wird, sondern um eine Tatsache, dass es so kommen wird, ob wir wollen oder nicht, weil die Entwicklung von KI nicht mehr aufzuhalten ist. Statt KI von vornherein abzulehnen, schlägt Willinger deshalb vor sich kritisch mit KI und all ihren Möglichkeiten und Gefahren auseinanderzusetzen – und zwar noch bevor diese in unserem Leben allgegenwärtig werden. Zu viele mächtige Interessen – vom US Militär bis hin zu Großunternehmen wie Google, Amazon und Facebook – hängen inzwischen an der Weiterentwicklung von KI um diese noch aufhalten zu können. Deswegen sollten sich, laut Willinger, Regierungen und Zivilgesellschaften jetzt vielmehr mit ethischen Fragen zum sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit KI befassen.
Abschließend wurde auch noch darüber debattiert ob die Kultur Japans und zu einem gewissen Grad auch die der Vereinigten Staaten dazu führt, dass die Menschen dort menschenähnlichen Robotern offener und aufgeschlossener gegenüberstehen als in Europa. Willinger erklärte, dass in japanischer Kultur und Glauben auch unbelebte Dinge eine Seele haben können und die Menschen daher eher bereit sind Roboter wie Mitmenschen zu behandeln. Das merkt man auch an den japanischen Frauen in Willingers Film, die stets höflich und freundlich zu Pepper sind und sich mit ihm beschäftigen wie mit einem Kind.
 

Isa Willingers Dokumentarfilm gewährt den Zuschauern einen ersten Einblick in eine Lebensrealität, die in relativ naher Zukunft um einiges weiter verbreitet sein wird und auch in Europa zunehmend unseren Alltag umstrukturieren wird. Dadurch trägt sie früh dazu bei, dass die Debatte über unseren Umgang mit intelligenten Robotern viele Menschen erreicht und zum Nachdenken anregt. Durch diese und ähnliche Veranstaltungen lädt das Politische Bildungsforum Thüringen der Konrad-Adenauer-Stiftung dazu ein, solch einschneidende gesellschaftliche Umschwünge zeitgerecht einer kritischen Betrachtung und zivilgesellschaftlichen Diskussion zu unterziehen. Bei der nächsten Veranstaltung in der Veranstaltungsreihe zum Thema künstliche Intelligenz am 11. November 2019 in Erfurt dreht sich alles um  „Autonomes Fahren - die Mobilität der Zukunft?“. Alle Interessierten sind herzlich zu dieser Veranstaltung eingeladen.

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Daniel Braun

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Referent Politisches Bildungsforum Thüringen

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